Sceatcher | Kreona | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten

Reihe: Kreona

Sceatcher Kreona

Die Welt, in der ich mich wiederfand
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7543-8308-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Welt, in der ich mich wiederfand

E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten

Reihe: Kreona

ISBN: 978-3-7543-8308-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Stadt der Zeit Eine Stadt aus Träumen Eine Stadt unter Wasser ... Sayens Mission scheint bereits gescheitert, als ausgerechnet ein Feind die zum Tode verurteilte Diebin und ihre Mannschaft aus dem Verlies der Regierung befreit. Ungeachtet der Gefahr für ihr eigenes Leben setzen die Freunde ihre Suche nach dem magischen Buch fort, um damit die Kämpfe zwischen den Städten, den Freiheitskämpfern und der Regierung endgültig zu beenden. Mit nur einem kleinen Vorsprung vor ihren Feinden bereisen sie neue Städte und lüften gut gehütete Geheimnisse. Doch kann Sayen ihrer Crew trauen oder wird die Regierung am Ende siegen?

Ney Sceatcher, geboren in der Schweiz, las schon immer gern aufregende Bücher. Selbst zu schreiben begann sie bereits mit neun Jahren. Damals entstanden ihre Geschichten noch in kleinen Notizbüchern. Heute schreibt sie im Internet und ist schon seit 2014 auf der Seite Wattpad aktiv. Bis jetzt hat sie dort unter dem Namen NeySceatcher einige Bücher veröffentlicht und eine grosse Anzahl an Lesern gewonnen. Wenn sie nicht gerade schreibt oder Tieren hilft, reist sie in der Welt umher und träumt von aufregenden Abenteuern.
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KAPITEL 1


WO ALLES ENDETE


In Taian, der Stadt aus Wasser, gab es eine Legende. Eine uralte, der ich nicht einmal mehr sicher war, wo ich sie aufgeschnappt hatte. Sie besagte, dass tief unter der Stadt ein Wassergott lebte. Ein blaues Wesen mit unendlich vielen Augen und spitzen Zähnen wie die eines Haifisches. Dieser Gott, so schrecklich er auch aussehen mochte mit den langen Krallen und dem schuppigen Körper, war freundlich und gerecht. Wenn man zu ihm hinabtauchte und ihm etwas zum Essen mitbrachte, half er einem.

Aber ich befand mich nicht in Taian und hier gab es kein Wasser, nur Dunkelheit. Eine schwarze Finsternis, die keine Hoffnung zuließ.

Die Tage waren alle gleich, schienen nicht zu vergehen. Wasser tropfte von der Decke, landete auf dem kalten Boden und verschmolz dort zu einer immer größer werdenden Pfütze. Außer diesem monotonen Plätschern gab es kaum Geräusche. Manchmal hörte man das Scharren von Nägeln an den Wänden, ein leises Kratzen, das sich tief in meinen Gedanken einnistete.

»Sayen Dust?« Eine Gestalt blieb vor meiner Zelle stehen. Dichtes dunkles Haar und meerblaue Augen. Ihre schlanken Finger legte sie behutsam um die Eisenstäbe meines Gefängnisses. Hinter ihr stand ein breitschultriger Wachmann mit dunkelblauem Umhang und einer Laterne in der rechten Hand. »Wie geht es dir heute?«, fragte sie in einem sanften Ton.

Ich drehte den Kopf weg und verschränkte die Finger ineinander. Ab und an wusste ich nicht, was mir mehr die Kraft raubte. Der Hunger, meine trockene Kehle oder die Knochen, die mir vom ständigen Sitzen wehtaten.

»Sie spricht nach wie vor nicht.«

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sich ihre Finger enger um das Eisen schlangen.

»Deine Anhörung ist morgen, Diebin.«

Ich ignorierte auch diese Worte, versuchte, ruhig zu atmen, und starrte weiterhin gerade aus auf einen Fleck an der Mauer.

Die Frau hieß Azana, zumindest hatte sie das vor einigen Tagen erzählt. Sie war eines der fünf Regierungsmitglieder. Genervt seufzte sie auf: »Wie du meinst.«

Erst als sich die Schritte der beiden entfernten, stieß ich erleichtert die Luft aus.

»Würde ich es nicht besser wissen, würde ich sagen, diese Frau ist eine Hexe«, krächzte eine raue Stimme direkt aus der Zelle nebenan.

»Vielleicht ist sie das«, murmelte ich vor mich hin.

»Mach dir keine Gedanken, Kind«, fuhr die Stimme fort. »Das geht ganz schnell. Sie legen dir den Strick um, zack fliegst du. Wenn du Glück hast, wirst du bewusstlos oder es reißt dir den Kopf weg.« Ein rasselndes Lachen erklang.

»Ruhe!«, rief ein anderer Gefangener.

Ich ignorierte sie, tastete mit der rechten Hand hinter mich und zog das schwarze Buch hervor, welches ich sorgsam verborgen hielt. Wie einen kostbaren Schatz drückte ich es an mich. In dieser Dunkelheit war es unmöglich, die schwungvollen Buchstaben auf dem Papier zu entziffern. Aber das spielte keine Rolle.

Die ersten Tage wusste ich nicht, wie es weitergehen würde. Ich hatte Angst und war wütend auf mich selbst, weil ich so leichtfertig jemandem vertraut hatte, den ich im Grunde kaum kannte. Die Angst und das Ungewisse waren geblieben, allerdings hatte ich aufgehört, mir auszumalen, was mit mir passieren würde. Stattdessen versuchte ich, meinen restlichen Lebenswillen dafür zu nutzen, einen klaren Kopf zu behalten.

Vier der fünf Hinweise kannte ich bereits.

Mir fehlte also nur noch das letzte Rätsel und dann würde ich hoffentlich wissen, wo sich das magische Buch befand. Am Anfang dieser Reise war es mein Ziel gewesen, das Buch aufzuspüren und Dan zu übergeben. Ich hatte mir viel Geld dafür erhofft. Inzwischen wollte ich das Buch zwar weiterhin, aber aus ganz anderen Gründen. Mein Ziel war es nun, dieses Werk vor der Regierung aufzuspüren und zu vernichten.

»Sayen Dust!«

Erschrocken zuckte ich zusammen. Das Buch glitt mir aus den Händen.

»Aufstehen, mitkommen.« Zwei Wachmänner hatten sich vor dem Gitter positioniert. Einer schloss die Zelle auf, während der andere sich bereithielt, um mich zu holen. Er packte mich am rechten Oberarm und zog mich ruckartig hoch.

Schmerz bohrte sich durch meinen Arm. Eilig biss ich mir auf die Innenseite der Wange, um nicht aufzuschreien. Ehe er mich aus der Zelle manövrierte, versetzte ich dem schwarzen Buch noch einen leichten Tritt, damit es unter die Schlafbank schlitterte und so vor neugierigen Blicken verborgen blieb.

Sie führten mich vorbei an anderen Zellen. Vorbei an Menschen, deren Anblick mir im Herzen wehtat. Manche von ihnen lagen in einer Ecke und blickten starr an die Decke. Andere murmelten vor sich hin. Es gab ältere Gefangene, aber auch jüngere. Einige wirkten gesund, andere hatten offene Wunden.

»Du kannst froh sein, dass du neben Freiheitskämpfern einquartiert bist. Die sind eher leise«, sagte der Wachmann, der meinen Arm fest umklammert hielt. Der andere war dicht hinter uns. Beide trugen dunkelblaue Kapuzen, welche ihre Gesichter vollständig verdeckten. Die Wachleute der Regierung trugen alle dasselbe, hatten eine ähnlich monotone Stimme und einen auffallend selbstsicheren Gang.

Ich antwortete nicht, sondern lief weiter.

Sie führten mich eine Wendeltreppe hoch, durch zwei gut bewachte Tore. Eilig zogen sie mich durch einen langen Gang.

Obwohl die Wände genauso kalt und trostlos wirkten wie in meiner Zelle, fühlte ich mich ein wenig freier hier oben. Ich hatte sogar das Gefühl, die Luft wurde angenehmer.

»Du weißt, wie es läuft«, brummte nun der Wachmann, der bis dahin geschwiegen hatte. Der Gang vor uns war noch lange nicht zu Ende, doch ich wurde durch eine unscheinbare Tür geschoben, welche krachend hinter mir ins Schloss fiel.

Der Raum dahinter war niedrig und nicht sonderlich groß. Es gab lediglich eine Schüssel mit Wasser auf einem kleinen Tisch und eine Laterne, die rechts über mir hing. Sie flackerte und warf bedrohliche Schatten an die Wände.

Mit langsamen Schritten ging ich auf die Waschgelegenheit zu und tauchte die Hände hinein. Das Wasser war eiskalt. Meine Haut brannte, trotzdem nahm ich die Hände nicht sofort wieder heraus.

Nach einiger Zeit wusch ich mir das Gesicht und die Haare, ließ zu, dass das kühle Nass meinen Nacken hinabrann. Erst als es zweimal an der Tür klopfte, schüttelte ich das restliche Wasser von den Händen. Meine Haare waren nass, mein Kopf eisig von der Kälte, aber ich war wach und fühlte mich deutlich lebendiger.

»Mitkommen.« Die Wachleute betraten den Raum und führten mich hinaus. Sie führten mich zurück in die Zelle, durch die beiden Toren, die Wendeltreppe hinab.

Ab und an hatte ich einmal die Gelegenheit, mich kurz zu waschen. Was nach einer netten Geste der Regierung klang, hatte andere Absichten. Sie bereiteten mich für die Anhörung vor, wollten, dass ich bis dahin am Leben blieb, dass sich meine Wunden nicht entzündeten durch den ganzen Dreck im Kerker.

Ich spürte noch immer die Kälte auf meiner Haut, als die Metallstäbe bereits hinter mir geschlossen waren und ich das schwarze Buch abermals behutsam an mich presste.

»Keine Angst, Kind«, krächzte die Stimme aus der Nachbarzelle. »Es geht ganz schnell. Nur ein Ruck und dein Genick ist gebrochen.«

Ich schloss die Augen, lehnte den Kopf an die Wand und versuchte, das Gerede auszublenden. Noch immer fühlte ich den schraubstockartigen Griff an meinem Arm.

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich mich nach Taian wünschen. Würde abends neben Dan in der Kneipe sitzen und später mit Kassie über alles Mögliche reden. Ich würde mir wünschen, dass Kassie mir mit Glitzern in den Augen eines ihrer Bücher aushändigte, dass Dan grummelnd vor mir saß und meine Beute begutachtete. Wie gerne wäre ich jetzt im Hafen, würde neben den meterhohen Schiffen stehen und zusehen, wie sie hinaus aufs Meer fuhren.

»Nur ein kleiner Ruck, dann ist es vorbei«, murmelte die Stimme wieder.

Erneut spürte ich Wasser auf dem Gesicht. Diesmal waren es warme Tränen, die meine Wangen hinabliefen. Salzig wie das Meer, wie der Wind auf hoher See. Wie sehr ich all das vermisste. Das Rauschen der Wellen, das Licht der Sonne.

Aber ich durfte nicht aufgeben. Mir fehlte nicht mehr viel. Ich musste hier raus! Und wenn ich erst einmal draußen war, würde ich dieses Buch finden. Die Regierung hatte sich mit der falschen Diebin angelegt.

In dieser Nacht schlief ich das erste Mal durch. Trotz der Kälte und der Rufe meiner Mitgefangenen wachte ich nicht auf. Wurde nicht wach, weil irgendetwas über meine Beine kroch oder mich Albträume weckten. Die Augen...



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