Schäfer | DER (ALB)TRAUM, DIE WELT ZU BEREISEN | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Schäfer DER (ALB)TRAUM, DIE WELT ZU BEREISEN

Reise-Geschichten, die auf Social Media verschwiegen werden
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-82994-7
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Reise-Geschichten, die auf Social Media verschwiegen werden

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-82994-7
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nahtoderfahrungen beim Surfen, Wanderungen mit Durchfall sowie Roller-Unfälle beschreiben nur einen Bruchteil der zahlreichen, negativen Erfahrungen, die Rafael während seiner Reise gemacht hat. In anderthalb Jahren erkundete er 13 verschiedene Länder und wurde dabei vor allerlei Herausforderungen gestellt. In 17 Kapiteln erzählt der Autor unverblümt von den Schattenseiten des Reisens, welche man in den sozialen Medien nur selten zu sehen bekommt. Gleichzeitig sind die wahren Geschichten auch witzig, interessant und lehrreich - zumindest im Nachhinein.

After the author had already published many reports of negative experiences when traveling on a blog, he decided to publish them in books. In addition to new projects, the author is currently working on finishing this sentence in order to reach the minimum number of characters...
Schäfer DER (ALB)TRAUM, DIE WELT ZU BEREISEN jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 3 – Mexiko: Tauch-Trilogie

Kapitel 3.1 – Ein Sprung ins kalte Wasser

Nachdem mein italienischer Begleiter nach Miami zurückgereist war, entschied ich mich, noch etwas länger in Cancún zu bleiben. Im Hostel traf ich einen Mexikaner, der sich als selbstständiger Tauchlehrer herausstellte. Er war nicht bei einer Tauchschule angestellt, sondern reiste selbst. Als Freelancer suchte er seine Tauchschüler selbst und könnte diese für vergünstigte Konditionen bei einer lokalen Tauchschule mit aufs Tauchboot nehmen. Er erklärte mir, dass es eine Win-Win-Situation wäre. Die Tauchschulen würden davon profitieren, da sie ihre Boote voller besetzen könnten. Sie würden sowieso aufs Meer fahren. Außerdem müsste er nur eine geringe Gebühr für die Leihe der Tauchausrüstung bezahlen. Obwohl er noch ein wenig Provision nahm, könnte er uns so also Tauchgänge zu einem günstigen Preis anbieten, behauptete er. Umgerechnet nur 70 Dollar würden zwei Tauchgänge kosten. Ob das nun wirklich ein Schnäppchen war, konnte ich mit meiner sehr begrenzten Kenntnis von Tauchpreisen nicht wirklich beurteilen. Die Unterwasserwelt in Cancún wäre eine der schönsten der Welt, argumentierte er. Insgesamt war sein Sales Pitch relativ überzeugend, weshalb ich das verlockende Angebot annahm.

Mit einem Holländer aus demselben Hostel hatte er zuvor schon einen weiteren Kunden gefunden. Er wollte zum ersten Mal in seinem Leben das Tauchen ausprobieren. Ich meinte, dass er dafür doch Teil eines offiziellen Tauchkurses sein müsste. Eine Stunde Übung im Pool davor wäre ausreichend, entgegnete der Tauchlehrer. Ich hatte auf vorigen Reisen in Asien schon einen Tauchschein gemacht, mit dem ich bis zu dreißig Meter tief tauchen durfte. Zudem war mein letzter Tauchgang in Malaysia nur ein halbes Jahr her. Daher fühlte ich mich gut vorbereitet, auch ohne eine Wiederauffrischung im Pool. Tatsächlich sollte meine Vorbereitung – dieses Mal – nicht das Problem werden.

Am nächsten Tag machten wir uns auf zur Tauchschule, die in einem Hotel am Strand angesiedelt war. Der Holländer würde mein „Dive Buddy“ sein. Denn normalerweise taucht man laut Regelwerk in Zweiergruppen und gibt dann gegenseitig auf sich Acht. Er lernte nun im zwei Meter tiefen Pool der Tauchschule in 45 Minuten die Grundlagen des Tauchens. Bei einem normalen Tauchkurs verbringt man eigentlich einen halben Tag im Pool. Aber alles müsste er ja noch nicht lernen, da der Lehrer unter Wasser ja auch noch helfen könnte, dachte ich. Ich saß währenddessen gelangweilt herum.

Später begaben wir uns also auf das Boot und fuhren aufs Meer hinaus. Mit uns auf Deck war noch eine andere Gruppe der Tauchschule. Die Lehrer führten mit den Schützlingen wohl einen richtigen Kurs durch. Von Anfang an spürte ich, dass unsere Präsenz nicht besonders willkommen war. Die anderen Tauchlehrer schienen nicht gerade erfreut darüber, dass die Tauchschule die weiteren Plätze auf dem Boot an irgendeinen dahergelaufenen Tauchlehrer und seine (teilweise) unerfahrenen Schüler vermietet hatte.

Doch damit war es noch nicht genug. Aus heiterem Himmel erzählte unser Tauchlehrer, dass er Probleme mit seinem Ohr hätte. Er war wohl in der Woche zuvor von seinem vermeintlichen Tinder-Date an einen verlassenen Abschnitt des Strands gelockt worden und wäre dort dann von einigen Männern ausgeraubt worden. Dabei hätte er auch ein paar Schläge abbekommen, einen davon aufs Ohr. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Vor allem, weil er uns erst jetzt auf dem Boot erklärte, dass sein Ohr seitdem pfeifen würde. Er wüsste deshalb nicht, ob er eventuell ein kleines Loch im Trommelfell hätte. Das würde nämlich bedeuten, dass er nicht tauchen könnte, weil ihm dann Wasser ins Ohr laufen würde. Einen Druckausgleich könnte er dann wahrscheinlich auch nicht durchführen. Dass er damit als Tauchlehrer überhaupt nicht einsatzfähig war, hatte uns der Geselle vorher natürlich verschwiegen. Ganz nach den offiziellen Tauchregeln war das Ganze nicht. Er würde jetzt versuchen, sich ein Papierkügelchen ins Ohr zu stecken. Die andere Tauchgruppe schenkte unserer Diskussion überhaupt keine Beachtung.

Ich war froh, dass ich schon etwas Erfahrung im Tauchen hatte und damit nicht unbedingt auf einen Tauchlehrer angewiesen war. Aber ich hatte Angst um meinen Partner, der heute seinen ersten Tauchgang absolvieren sollte. Doch die aktuelle Situation schien ihn nicht sonderlich zu beunruhigen. Da er es noch nie gemacht hatte und es im Pool so gut geklappt hatte, konnte er natürlich nicht wissen, was im Ozean wirklich auf ihn zukam. Das theoretische Wissen zum Tauchen und den damit verbundenen Gefahren wird bei einem normalen Tauchkurs einen ganzen Tag lang behandelt.

Das Boot stoppte, denn wir waren am Tauch-Spot angekommen. Unser Tauchlehrer bat uns zu warten und sprang ins Wasser, um seine Bollen aus Papier im Ohr zu testen. Nach einer Minute kam er wieder heraus. Sein Ohr würde sich trotz seiner ausgeklügelten Konstruktion trotzdem mit Wasser füllen. Sonderlich überrascht war ich darüber nicht. Er könnte nicht hinuntertauchen, da ihm der Druckausgleich unmöglich war. Er hatte aber eine weitere, „supertolle“ Idee: Wir beide sollten acht Meter bis zum Grund hinuntertauchen und er würde oben bleiben. Er würde an der Oberfläche entlangschwimmen und uns so führen. Wir müssten nur immer wieder nach oben gucken und ihm hinterherschwimmen.

Selbst Leute, die noch nie getaucht sind, verstehen wahrscheinlich, dass diese Vorgehensweise unzählige Tauchregeln brechen würde. So viele rote Flaggen auf einmal. Ich als erfahrener(er) Taucher hätte mich vielleicht auf meine eigene Sicherheit und die meines völlig unerfahrenen Tauchpartners berufen sollen und an dieser Stelle abbrechen sollen. Aber wir hatten eben schon bezahlt. Außerdem würden wir unser Geld von so einem Typen bestimmt nicht mehr zurückbekommen. Er hatte schließlich auch schon den Preis für Ausrüstung, Sauerstoffflaschen und Bootsfahrt bei der Tauchschule bezahlt. Mein Dive Buddy wollte auch nicht abbrechen. Also sprangen wir ins angenehm warme Wasser. Aufgrund der mangelnden Vorbereitung und fehlenden Anleitung würde es sich aber metaphorisch eher um einen Sprung ins kalte Wasser handeln.

Nochmal an alle Kinder: Don’t try this at home! (Also, falls ihr zufällig ein tauchbares Gewässer zu Hause habt.) Dieser Stunt wurde von professionellen Tauchern zwei Dummköpfen durchgeführt, die sich lieber unnötig in Gefahr brachten, als 70 Dollar zu verschwenden.

Also tauchten wir langsam zum Meeresgrund hinab. Zu meinem Erstaunen gelang dem Holländer das Abtauchen ohne Probleme mit dem stetigen Druckausgleich. Selbst in acht Metern Tiefe waren seinerseits keine Anzeichen von Angst oder Panik zu erkennen. Die wenigen wichtigen Gesten zum Kommunizieren unter Wasser wie „Okay“ (Kreis, welcher durch das Berühren von Zeigefingerspitze und Daumen gebildet wird) oder das Angeben des verbleibenden Sauerstoffvolumens hatte er sich wohl gemerkt. Für das erste Mal schlug er sich sehr gut. Die andere Tauchgruppe unseres Bootes war neben uns abgetaucht. Dass hier zwei Taucher ohne Lehrer oder Guide tauchen sollten, war ihnen scheinbar immer noch egal. Wir sahen den Tauchlehrer auf der Oberfläche und schwammen ihm – wie ausgemacht – nach. So weit, so gut. Es war überragend, das Schwerelosigkeitsgefühl unter Wasser wieder zu spüren.

Lang hielt sich die anfängliche Euphorie jedoch nicht: Nach ein paar Minuten war der Tauchlehrer auf einmal verschwunden. Es war ein Moment, bei dem ich mich nicht über die Existenz einer versteckten Kamera gewundert hätte. Ich suchte die Wasseroberfläche in alle Richtungen ab, aber es war keine Silhouette mehr zu sehen. Auch mein Dive Buddy machte ratlose Gesten. Durch übertriebene, aber vielleicht Oscar-verdächtige Mimik und Gestik fragte ich meinen Partner, ob er auftauchen wollte oder ob er den Tauchgang doch fortsetzen wollte. Er schien nicht ängstlich zu sein und wollte die Unterwasserwelt, die er erst vor einigen Minuten zum ersten Mal betreten hatte, nicht gleich wieder verlassen.

Da die Sichtweite unter Wasser eingeschränkt ist, benötigt man normalerweise einen Guide, der einen wenigstens zu den schönen Stellen führt und dafür sorgt, dass man am Ende wieder in der Nähe seines Bootes auftaucht. Ohne Guide kann man sich im Wasser wirklich „verlaufen“. Es blieb uns daher nichts anderes übrig als der anderen Gruppe aus unserem Boot nachzuschwimmen. Wir wollten schließlich auch etwas sehen, nicht nur den sandigen Grund, der sich im Moment unter uns befand. Das Ziel war das sogenannte Unterwassermuseum, das wir nach ein paar Minuten erreichten. Es besteht aus über 500 Skulpturen unter Wasser, die auch als Heimat für Meeresflora und -fauna dienen. Diese Steingebilde wurden zur gleichen Zeit von weiteren Tauchgruppen von anderen Booten bestaunt. Daher waren über,...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.