E-Book, Deutsch, Band 94, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Schäfer Perry Rhodan Neo 94: Schergen der Allianz
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-4794-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Kampfzone Erde 10 von 12
E-Book, Deutsch, Band 94, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-4794-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im Juni 2036 stößt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond auf ein havariertes Raumschiff der Arkoniden. Damit verändert er die Weltgeschichte. Die Terranische Union wird gegründet, sie beendet die Spaltung in Nationen. Ferne Welten rücken in greifbare Nähe. Eine Ära des Friedens und Wohlstands scheint bevorzustehen. Doch dann bringt das Große Imperium das irdische Sonnensystem unter seine Kontrolle. Die Erde wird zu einem Protektorat Arkons. Die Terranische Union beugt sich zum Schein den neuen Herrschern, während der Widerstand wächst. Als Perry Rhodan erkennt, dass er auf der Erde nichts mehr ausrichten kann, beschließt er, Hilfe von außen zu suchen. Mit einer Handvoll Gefährten macht er sich nach Derogwanien auf. Seine Hoffnung: Nur Callibso, der Puppenspieler, kann die Menschheit retten ...
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1.
Perry Rhodan
»Du siehst aus, als würdest du auf deine eigene Hinrichtung warten!«
Reginald Bull hatte so laut gesprochen, dass Perry Rhodan unwillkürlich zusammenzuckte. Als er sich zu seinem Freund umdrehte, verzogen sich seine Lippen zu einem Lächeln. Bull hatte die enge Zentrale der INNESAY durch ein schmales Schott betreten und reichte ihm nun einen der beiden Becher, die er mit sich trug.
»Hast du wieder experimentiert?«, fragte Rhodan.
»Es ist kein Kaffee – und wird wohl auch nie welcher werden. Aber ich finde, er kommt dem Original schon ziemlich nahe ...«
Rhodan nippte an dem dampfenden, pechschwarzen Gebräu, das die Zentrale tatsächlich mit dem Aroma frisch gemahlener Kaffeebohnen erfüllte, und schnalzte anerkennend mit der Zunge. Bereits auf dem mehrmonatigen Flug mit der RANIR'TAN von Arkon zur Erde hatte Bull immer wieder versucht, den Getränkespendern der Arkoniden etwas zu entlocken, das sich zumindest mit irdischem Kaffee vergleichen ließ. Offenbar setzte er seine diesbezüglichen Anstrengungen nun an Bord der INNESAY fort.
»Nicht übel, Reg«, kommentierte Rhodan. »Etwas metallisch im Nachgeschmack, aber sonst ...«
»Da hat dieses Schiff während der ganzen Zeit, in der es im Boden Sibiriens versteckt lag, die irdischen Datennetze abgehört. Aber einen vernünftigen Kaffee kriegt es trotzdem nicht hin.« Bull seufzte. »Ich wünschte, ich hätte ein paar Bohnen von der Erde mitgenommen. Diesem störrischen Bordrechner zu erklären, wie ein guter Arabica schmecken muss, ist schwieriger, als dem alten Griesgram Lesly Pounder einen Tag Sonderurlaub abzuringen.«
Rhodan lachte und wandte sich wieder dem Holo zu, das die unmittelbare Umgebung des Essat-Aufklärers zeigte und wie ein großes Fenster in den Weltraum hinaus wirkte. Die INNESAY flog mit geringer Geschwindigkeit durch die Randbereiche des Asteroidengürtels, der sich zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter durch das Sonnensystem zog. Sie war vor knapp vier Tagen vom Asteroiden Ettves in der Nähe der Venus gestartet, und auch wenn Rhodan die Zeit zur Regenerierung dringend gebraucht hatte, vermochte er seine Ungeduld inzwischen kaum noch zu bezähmen.
Die zweimalige Erweckung des Asskor Tavirr mithilfe des Enterons hatte ihn an die Grenzen seiner Kraft geführt. Reginald Bull hatte ihm sogar vorgeworfen, sein Leben leichtfertig aufs Spiel zu setzen, und obwohl er die Kritik des Freundes für übertrieben hielt, war ihm doch bewusst, dass er tatsächlich hätte sterben können. Zwar hatte er das Enteron im Moment einigermaßen unter Kontrolle, doch er war davon überzeugt, dass das geheimnisvolle Ding aus der Zukunft ein paar Überraschungen verbarg, die ihm jederzeit neuen Ärger bereiten konnten.
Hinzu kamen die unklaren Verhältnisse auf der Erde. Die Besetzung seiner Heimatwelt durch die Arkoniden erzeugte ein permanentes Unwohlsein, eine quälende Mischung aus Zorn und Tatendrang, die ein Ventil suchte und keines fand.
Da er es trotz seiner Erschöpfung nicht schaffte einzuschlafen, hatte er schließlich eingewilligt, sich von der Ara Leyle ein mildes Hypnotikum verabreichen zu lassen. Die innere Unruhe hatte ihn allerdings auch dann nicht losgelassen, und er war mehrfach schweißgebadet in seiner winzigen Kabine aufgewacht, ohne sich an die Traumbilder erinnern zu können, die ihn gequält hatten.
In den Gesprächen mit Reginald Bull und Ras Tschubai wurde ihm zwar immer wieder klar, dass er sich nur selbst verrückt machte, dass er auf der Erde viel weniger tun konnte als hier draußen zwischen den Sternen, doch seine emotionale Zerrissenheit ließ sich mit rationalen Argumenten nicht beseitigen. Jeder Tag, an dem das Protektorat Arkons über die Erde herrschte, war ein Tag zu viel! Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Spannungen zwischen Menschen und Besatzern eskalierten – und zumindest Reekha Chetzkel, der militärische Oberbefehlshaber des Protektorats, wartete nur auf eine Gelegenheit, mit aller Härte gegen die Menschen vorzugehen.
Bull kannte ihn lange und gut genug, um ihm die Besorgnis vom Gesicht abzulesen. Der ungebrochene Optimismus und die damit verbundene burschikose Art seines Freundes halfen ihm dabei, seine Gedanken zu ordnen und sich auf das zu konzentrieren, was wichtig war. Wenn er dem Sonnensystem jetzt den Rücken kehrte, dann ließ er die Menschen nicht im Stich, sondern suchte dort nach einer Lösung aller Probleme, wo er die größte Aussicht hatte, fündig zu werden: auf Derogwanien!
Die jüngsten Ereignisse hatten Rhodans Weltbild – wieder einmal – komplett über den Haufen geworfen. Jahrtausendelang hatten die Bewohner der Erde geglaubt, allein zu sein. Das Sonnensystem gehörte den Menschen, und der dritte Planet war der einzige, der intelligentes Leben – ja überhaupt Leben – hervorgebracht hatte.
Das stimmte in gewissem Sinn immer noch, denn die Orristan und die Errkarem lebten im Verborgenen. Sie versteckten sich in den Weiten des Sonnensystems, genauer: im Kuipergürtel zwischen seinen über 70.000 Objekten mit oft mehr als hundert Kilometern Durchmesser. Oder in den zahllosen Asteroiden, die näher an der Sonne ihre Bahn zogen. Die an Mumien erinnernden Wesen stammten nach eigenen Aussagen von der Warmen Welt, also der Erde, und hatten Rhodan von Beginn an fasziniert. Dank ihrer Sternenhaut waren sie in der Lage, stundenlang ohne zusätzlichen Schutz im Vakuum des Weltraums zu überleben, und er fragte sich, ob das womöglich ein Weg war, den die Evolution auch für die Menschen bereithielt. Die Ressourcen auf Planeten waren begrenzt; war es da nicht folgerichtig, dass biologisches Leben irgendwann die Fähigkeit entwickelte, in der eisigen Kälte und der Luftlosigkeit des Alls zu existieren?
»Wenn ich es nicht besser wüsste«, riss ihn Reginald Bulls Stimme in die Realität zurück, »würde ich behaupten, dass Innesay keine Ahnung hat, wo sich dieser angebliche Transmitter befindet. Den Kursdaten nach fliegen wir nämlich ziemlich wahllos in der Gegend herum.«
Rhodan nickte langsam. Er hatte erwartet, dass der allgegenwärtige Bordrechner des Aufklärers auf die Bemerkung des Freundes reagierte, doch die Akustikfelder blieben stumm.
»Vielleicht hat er nur eine ungefähre Vorstellung von unserem Ziel«, sagte er. »Dieses Schiff ...«, er machte eine unbestimmte Geste mit dem rechten Arm, »... ist alt. Es entstammt der Technik der mysteriösen Ersten. Ich vermute, dass diese Region des Sonnensystems zu der Zeit, als es gebaut wurde, ganz anders aussah als heute – und der Transmitter ist zweifellos gut getarnt.«
»Ich wünschte trotzdem, ich könnte dich begleiten ...«
»Fang nicht wieder damit an, Reg! Darüber haben wir ausführlich gesprochen. Ich brauche dich hier; ich brauche jemanden im Sonnensystem, dem ich bedingungslos vertraue und auf den ich mich verlassen kann. Du musst dafür sorgen, dass der Konflikt zwischen den Orristan und den Errkarem nicht wieder ausbricht. Und du kümmerst dich um Vulkan.«
Rhodan bezog sich dabei auf den Dunkelplaneten, den die Sternenmenschen als die Verborgene Welt bezeichneten. Dort waren ihrer Überlieferung nach unvorstellbare Machtmittel versteckt. Wie sich gezeigt hatte, enthielt zumindest dieser Teil ihrer Legenden einen großen Teil Wahrheit: Rhodan und Bull hatten Vulkan innerhalb der Merkurbahn ausfindig gemacht – doch die Steuerpositronik hatte ihnen den Zugang ins Innere der Welt verwehrt.
»Ich weiß, ich weiß.« Bull winkte ab. »Ohne mich wärst du wie immer aufgeschmissen. Hast du dir die Ausrüstung bereits angesehen?«
»Angesehen und überprüft. Arkonidische Kampfanzüge, volle Bewaffnung, und das alles mit einer hauchdünnen Halatonschicht überzogen. Sehr beeindruckend.«
»Und vielleicht trotzdem nicht ausreichend. Du hast keinen Schimmer, was euch erwartet. Wir wissen so gut wie nichts über diesen Callibso. Er ist ...«
»Schon gut, Reg«, unterbrach Rhodan und legte seinem Freund eine Hand auf den Arm. Bull hatte das mysteriöse Zwergwesen nicht gerade in sein Herz geschlossen. Kein Wunder, denn ein Seelensplitter Callibsos hatte erst vor wenigen Wochen seinen Körper übernommen und versucht, Regs Geist zu verdrängen. »Ich werde vorsichtig sein. Aber Derogwanien ist derzeit die einzige Möglichkeit, mehr über das Ringen zu erfahren – und vor allem über die Rolle, die die Menschheit und ich darin spielen. Callibso hat einen immensen Aufwand betrieben, um unseren Flug zum Mond und die erste Begegnung mit den Arkoniden zu verhindern. Warum? Ich bin davon überzeugt, dass die damaligen Ereignisse mit der aktuellen Besetzung der Erde verknüpft sind. Wenn wir unsere Heimat befreien wollen, müssen wir mehr über die Hintergründe wissen.«
»Das ist mir alles klar«, sagte Bull. »Ich muss darüber aber nicht begeistert sein, oder?«
»Deine Sorge um mein Wohlergehen rührt mich, Reg.« Er schlug Bull so kräftig auf die Schulter, dass dieser Mühe hatte, sein Kaffee-Imitat nicht zu verschütten. »Aber wir leben nun einmal in schwierigen Zeiten, nicht wahr?«
Sein Gegenüber brummte unwillig, sagte aber nichts mehr.
Auf dem Holo tauchte eine Ansammlung kleinerer Gesteinstrümmer auf, die zusammen mit einigen größeren Brocken eine ausgedehnte Wolke bildeten. Die INNESAY bremste ab. Aus den Gesprächen mit Errkarem und Orristan wusste Rhodan inzwischen, dass der gewaltige Asteroidengürtel einst ein weiterer Planet gewesen war, eine Vermutung, die auch schon eine Reihe von irdischen Astronomen geäußert hatten, und die sich nun bestätigte. Es hatte eine Weile gedauert, bis die Sternenmenschen mit der Sprache herausrückten und zugaben, für die...




