Schaefers | Die fehlenden Worte unserer Herzen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Schaefers Die fehlenden Worte unserer Herzen

Queere New-Adult-Romance zwischen alter Jugendliebe und neuem Schwarm: über Veränderungen, Lebensträume und Freundschaft und einen jungen trans*-Mann auf der Suche nach sich selbst
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95762-361-4
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Queere New-Adult-Romance zwischen alter Jugendliebe und neuem Schwarm: über Veränderungen, Lebensträume und Freundschaft und einen jungen trans*-Mann auf der Suche nach sich selbst

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-95762-361-4
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Über Vergebung und neue Chancen Rics zweite Chance scheint gekommen, als seine ehemalige beste Freundin zurück in die schottische Heimat zieht, um am Theater in Glasgow zu tanzen. Damals hat er einen schrecklichen Fehler begangen und hofft nun, alles wieder gutmachen zu können und sie um Verzeihung zu bitten. Dazu gehört auch, Eliza endlich seine Liebe zu gestehen. Zwar ist Ric inzwischen als trans* geoutet und lebt nun als Mann, hat aber keine Ahnung, wie er ihr gegenübertreten soll, denn seine lässig-coole Art ist bloß aufgesetzt. In dem charmanten Davie findet er den perfekten Wingman, um ihm bei der erträumten Lovestory zu helfen. Love-Triangle im rauen Schottland Fortan verbringen die beiden viel Zeit miteinander und plötzlich erkennt Ric sich selbst kaum wieder und weiß nicht mehr, für wen sein Herz eigentlich schlägt - für Eliza, die Ballerina, oder den angehenden Schriftsteller Davie ... Own-Voices-Geschichte von @derunbekannteheld Marius Schafers tritt öffentlich als Botschafter für Trans*-Themen auf und weiß, über sensible Themen zu schreiben. Mit dieser authentischen Geschichte über die Suche nach sich selbst und das Finden von Liebe zieht er seine Leser*innen erneut in den Bann und überzeugt mit einem spannenden Plot.

Marius Schaefers, 1995 geboren, ist Autor, Blogger und Sensitivity Reader. Er veröffentlichte seinen Debütroman mit 18 Jahren im Selbstverlag, gefolgt von weiteren Selfpublishing-Erfolgen und Verlagsveröffentlichungen. In seinen romantischen und fantastischen Geschichten schreibt er über die Suche nach dem Glück und den Mut dazu, man selbst zu sein. Auf Instagram teilt Marius als @derunbekannteheld regelmäßig spannende und bunte Lesetipps. Außerdem spricht er offen über seine Transidentität und Queerness und setzt sich für mehr Diversität in der Unterhaltungsliteratur ein. www.marius-schaefers.de
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KAPITEL 1


DAVIE

Keine Ahnung, wie lange ich bereits die edel aussehende, verschlossene Tür aus dunklem Eichenholz anstarre, in der Hoffnung, dass sie sich öffnet. Zwanzig Minuten, hieß es, als man mich auf den Gang geschickt hat, um sich zu beraten. Zwanzig Minuten, bis man mir die Entscheidung mitteilen wollte. Zwanzig Minuten, bis ich wissen würde, ob ich dieses Jahr mein Wunschstudium anfangen darf. Kreatives Schreiben ist immer eine große Leidenschaft von mir gewesen und die Vorstellung, das Handwerk von Grund auf zu erlernen und mich in eben diesem Bereich auch während meiner Ausbildung und später beruflich austoben zu dürfen, löst ein Kribbeln in meiner Magengegend aus. Nach dem Eignungsgespräch habe ich mich erschöpft auf den Stuhl an der gegenüberliegenden Wand des Büros fallen lassen und hier sitze ich nun. Meine anfängliche Erleichterung darüber, es hinter mir zu haben, ist mittlerweile verpufft und meine Gedanken rotieren wieder.

Mein rechtes Bein wippt auf und ab, sämtliche meiner Nerven summen vor Strom. Wird man mich jetzt noch ablehnen, wo ich es so weit geschafft habe? Wie oft ich im Selfservice-Portal für Bewerber*innen in den vergangenen Monaten den Status aktualisiert habe, ist rekordverdächtig. Als ich Ende Juli noch keine Rückmeldung hatte, fürchtete ich, es müsste ein technischer Fehler vorliegen oder meine Bewerbung wäre aus irgendwelchen Gründen durchgerutscht. Bevor ich vollends in Panik verfallen konnte, war ich zu einem persönlichen Kennenlernen eingeladen worden. Zu einem persönlichen Kennenlernen! Heute – der sechzehnte August – könnte der Tag werden, an dem meine Autorenkarriere ihren Anfang nimmt.

Auch wenn das Hauptgebäude der University of Glasgow ein Traum für alle Dark Academia-Fans ist, zu denen ich mich zähle, habe ich mich an der Architektur fürs Erste sattgesehen. Ich will nicht mehr warten. Seufzend über mein Versäumnis, im richtigen Moment die Zeit zu checken, als ich den Raum verlassen habe, reibe ich mit dem Daumen über eine Macke im Glas meiner goldenen Armbanduhr. Dabei habe ich sie extra zu diesem besonderen Anlass angelegt. Die Uhr ist von meiner Mutter, die ebenfalls Autorin und mein größtes Idol ist. Der Gedanke daran, wie stolz sie auf mich sein wird, hat mich zusätzlich angespornt, Vollgas zu geben. Ich bin zufrieden mit meinem Auftritt, auch wenn der Einstieg etwas holprig war. Ich will das nicht alles durchanalysieren und infrage stellen. Nun kann ich sowieso nichts mehr daran ändern.

Als ich ein Dielenknarren aus dem Büro vernehme, springe ich sofort auf. Die Tür öffnet sich und die Frau in dem grauen Hosenanzug tritt heraus. Sie war während des Interviews die Wortführerin. Ein Adrenalinschub schießt durch meine Adern und die Härchen auf meinen Armen richten sich auf. Ich schlucke ein paar Mal, um meine trockene Kehle zu befeuchten.

»Mr Baker«, sagt sie zu mir, obwohl Becker korrekt wäre. Auf diesen kleinen, aber feinen Versprecher hatte ich sie gleich bei unserer Begrüßung mit einem freundlichen Lächeln und einem »Meine Familie kommt aus Deutschland« hingewiesen.

»Oh, tatsächlich?«, fragte der jüngere der beiden Männer nach.

Ich nickte bloß, nachdrücklich, um die Spekulationen über meine Wurzeln nicht zusätzlich anzufachen und verkneife es mir auch diesmal, das Gesicht zu verziehen. Offensichtlich ist meine Bitte um Korrektur nicht hängengeblieben. Leider kenne ich das in- und auswendig.

Viele haben Schwierigkeiten mit der richtigen Aussprache, wobei ich mir inzwischen sicher bin, dass nicht nur mein Nachname, sondern die Kombination mit meinem Aussehen ein gewisses Maß an Überforderung auslöst. Oft werde ich insbesondere von weißen Menschen als Afroamerikaner eingeordnet, was immerhin nicht völlig daneben ist. Mal abgesehen von meinem schottischen Akzent. Meist aber sorge ich als Schotte mit deutsch-brasilianischem Background für Verwirrung.

»Treten Sie wieder ein«, bittet mich die Frau jetzt.

Ich tue wie geheißen, verzichte darauf, mich erneut zu beschweren. Wenn es beim ersten Mal nichts gebracht hat, schätze ich die Wahrscheinlichkeit hoch ein, dass man mich sonst als »überempfindlich« oder »rechthaberisch« abstempelt. Würde mein Verhalten auf diese Weise interpretiert, wäre das zwar weiße Zerbrechlichkeit at it’s best, aber ich ziehe hier den Kürzeren. Als ob so eine Bewerbungssituation nicht unangenehm genug wäre.

Kaum habe ich vor dem Schreibtisch Platz genommen und in die Gesichter der zwei anderen Anwesenden geblickt, verstärkt sich mein Magengrummeln. Auf einmal komme ich mir angreifbar und winzig vor, als würde mich das verblasste lila Poloshirt, das mir eine Nummer zu groß ist, verschlucken. Dafür eignet es sich perfekt, um es in den Hosenbund zu stecken. Als ich am Morgen vor dem Spiegel stand, war mir nach einem gay kind of day, was ich nun bereue. Mittlerweile gehe ich da in der Regel mit dem Flow. Ähnlich wie bei meinem Begehren. Genau dieser Flow ist mein bisexueller Vibe, wie ihn Julia Shaw in ihrem Sachbuch über Bi+ Lebensweisen so treffend beschreibt.

Der Professor übernimmt. »David«, beginnt er und spricht es richtig aus. Fast hätte er mich mit dieser Aufmerksamkeit von seinem Wohlwollen überzeugt, nur um mir gleich darauf den Boden unter den Füßen wegzuziehen. »Nachdem wir das Für und Wider sorgfältig abgewogen haben, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir Sie nicht in den Studiengang aufnehmen können.«

Ab da höre ich nur noch Bruchstücke von dem, was er mir erklärt. »Massen an Bewerbungen«, »vielversprechendes, aber ausbaufähiges Talent«, »etwas zu oberflächlich und ausgelutscht«. Mein Schädel dröhnt. Ich verstehe nicht, wieso ich überhaupt hergebeten wurde, wenn ich angeblich so mies schreibe und meine Ideen so schlecht sind, dass man mit mir nicht weiterarbeiten kann. Sie kannten den Brief, in dem ich meine Motivation erläutert habe, und die Leseprobe aus meinem neuen Roman längst, weil diese Teile meiner Bewerbungsunterlagen waren. Das Manuskript mag nicht makellos sein, aber mein ganzes Herzblut steckt darin, und Lernen ist der Sinn eines Studiums? Das will ich und möglichst früh damit anfangen! Vor Schock bringe ich keinen Ton heraus, was mir nicht ähnlich sieht. Wodurch habe ich das Eignungsgespräch in den Sand gesetzt?

»Versuchen Sie es gern im kommenden Jahr wieder«, schlägt mir der andere Mann vor.

Im nächsten Jahr? Das kann nur ein Albtraum sein! Das hier war mein zweiter Anlauf. Noch mal zwölf Monate an meinen Texten feilen, hoffen, bangen … Und die Zeit überbrücken. Das halte ich nicht durch.

»Grundsätzlich hätten wir jemanden wie Sie gern dabei«, versichert er mir.

Der letzte Satz reißt mich aus meinem Verzweiflungsstrudel. »Wie meinen Sie das?«

»Wählen Sie bei Ihrem nächsten Projekt einen anderen Ansatz. Etwas, das die Leute emotional packt. Sie könnten sich zum Beispiel mit einem gesellschaftskritischen Thema auseinandersetzen«, führt der Typ weiter aus und macht eine Handbewegung, wie um meine Erscheinung zu erfassen. »Das könnte besser funktionieren als … nun ja, Ihre Arbeit über einen dämonischen Auftragsmörder. Diversität ist doch so im Trend.«

Ich zucke zusammen und bin wie vor den Kopf geschlagen. »Ich schreibe Fiktion, keine Zeitungsartikel«, zische ich und fokussiere den Typ schließlich meinerseits, statt mich unter seiner unangenehm intensiven Musterung zu winden. Ich bin kein Objekt, das er nach Lust und Laune oder weil »es in ist«, wie er meint, begaffen kann. Zumindest nicht, ohne eine Reaktion zu kassieren. »Vielleicht sollten Sie sich mehr auf meine Texte konzentrieren. Um die geht es hier schließlich. Ich will Menschen mit meinen Geschichten unterhalten und ihnen für eine Weile eine Pause vom Alltag gönnen und keine Aufklärungsarbeit leisten.«

Kurz fürchte ich, zu weit gegangen zu sein, hätte mir am liebsten die Hand vor den Mund geschlagen. Shit, Shit, Shit. Ich wollte mich zusammenreißen, nicht alles aussprechen, was ich denke. Dabei sind die anderen es, die angefangen haben, die sachliche Ebene zu verlassen.

Die Frau lächelt beschwichtigend, statt mich zurechtzuweisen. »Ziehen Sie mal einen Genrewechsel in Erwägung«, schließt sie sich ihrem Kollegen an. »Wenn Sie Bücher veröffentlichen wollen, müssen Sie strategischer denken und den Markt beachten. Wir sehen Sie nicht in diesem Bereich. Nutzen Sie Ihre Stärken, um ihre Schreibstimme zu finden. Persönliche Bezüge erzeugen oftmals mehr Tiefe in Texten. Sicher haben Sie rassistische Diskriminierung bereits erlebt und etwas dazu zu sagen. Sie könnten über veraltete Männlichkeitsideale schreiben. Oder waren Sie schon...


Schaefers, Marius
Marius Schaefers wurde 1995 geboren und veröffentlichte seinen Debütroman mit 18 Jahren im Selbstverlag, gefolgt von weiteren Selfpublishing-Erfolgen und Verlagsveröffentlichungen. In seinen romantisch-dramatischen und fantastischen Geschichten schreibt er über die Suche nach dem Glück und den Mut dazu, man selbst zu sein. Auf Instagram teilt Marius @derunbekannteheld spannende Insider-Informationen zu seinen Büchern, außerdem spricht er offen über seine Transidentität und Queerness. Seit seinem Coming-out lebt der Autor als Mann. Über den Austausch mit seinen Leser*innen freut Marius sich sehr.

Marius Schaefers wurde 1995 geboren und veröffentlichte seinen Debütroman mit 18 Jahren im Selbstverlag, gefolgt von weiteren Selfpublishing-Erfolgen und Verlagsveröffentlichungen. In seinen romantisch-dramatischen und fantastischen Geschichten schreibt er über die Suche nach dem Glück und den Mut dazu, man selbst zu sein. Auf Instagram teilt Marius @derunbekannteheld spannende Insider-Informationen zu seinen Büchern, außerdem spricht er offen über seine Transidentität und Queerness. Seit seinem Coming-out lebt der Autor als Mann. Über den Austausch mit seinen Leser*innen freut Marius sich sehr.



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