Super Local Food – viele alte Bekannte
Im vorigen Kapitel haben wir anhand von vier Beispielen gezeigt, welche Auswirkungen der hohe Import der als Superfoods angepriesenen Lebensmittel auf Menschen und Umwelt hat. Doch lass dir davon nicht den Appetit verderben! Denn hier kommen die guten Nachrichten: Wenn du dich gesund, ausgewogen und abwechslungsreich ernähren möchtest, brauchst du gar nicht auf Avocado, Quinoa und Co. zurückzugreifen! Viele Lebensmittel, die bei uns angebaut werden, strotzen nämlich nur so vor gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen. Und auch hier gibt es kulinarisch noch so einiges zu entdecken. Solche heimischen Alternativen stellen wir dir in diesem Kapitel vor.
Auch vor der eigenen Haustür gilt natürlich: Einzeln betrachtet (oder verzehrt), macht keines der vorgestellten Nahrungsmittel eine gesunde Ernährung aus. Stehen sie jedoch regelmäßig und möglichst bunt kombiniert auf deinem Speiseplan, bist du gut versorgt.
| | sind für den Balkonanbau geeignet |
Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?
Sekundäre Pflanzenstoffe sind – wie der Name schon sagt – Stoffe, die in Pflanzen vorkommen. Es gibt mehr als 100.000 sekundäre Pflanzenstoffe, die strukturell sehr verschieden sein können. Die Pflanzen bilden diese Verbindungen als Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde und Schädlinge oder auch als Lock-, Duft- oder Geschmacksstoffe. Sie schmecken häufig bitter und können in zu großer Menge sogar giftig wirken. In geringer Dosis über Obst und Gemüse eingenommen, sollen diese Bestandteile jedoch extrem gesund sein. Zwar sind Aussagen über die Wirkung beim Menschen mit etwas Vorsicht zu genießen, denn die meisten Daten zur Gesundheitswirkung stammen aus Experimenten unter Laborbedingungen und aus Tierversuchen, wenn auch durch epidemiologische Studien ergänzt. Dennoch legen diese Untersuchungen nahe, dass sekundäre Pflanzenstoffe die Selbstheilungskräfte der Zellen aktivieren, entzündungshemmend, blutdruck- und cholesterinsenkend wirken und mitunter sogar zur Prävention von Krebserkrankungen beitragen können.
64 Was sind Antioxidantien?
Beim Stoffwechsel können im Körper sogenannte freie Sauerstoffradikale entstehen, die bei langfristiger Einwirkung die Zellen schädigen können. Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Pestizide, Autoabgase oder Tabakrauch können dazu führen, dass im Körper vermehrt Radikale gebildet werden. Diese freien Sauerstoffradikale sind nicht per se gefährlich, sondern nur dann, wenn mehr Radikale gebildet werden, als der Körper abbauen kann. An diesem Punkt kommen die Antioxidantien ins Spiel. Antioxidantien machen die freien Radikale im Körper unschädlich, sodass diese keinen negativen Effekt mehr auf die Zellen und die DNA ausüben können.
Was sind Ballaststoffe?
Ballaststoffe gehören zu den Kohlenhydraten, können aber vom Körper nicht verdaut werden und werden darum wieder ausgeschieden. Das klingt im ersten Moment so, als wären sie tatsächlich nur Ballast und für den Körper völlig nutzlos. Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall: Ballaststoffe sind wahre Superhelden der Verdauung! Sie sorgen dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit langsamer ansteigt, was unter anderem ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl erzeugt. Sie binden körperfremde Stoffe im Stuhl und tragen so dazu bei, dass diese ausgeschieden werden. Außerdem unterstützen sie die Bildung verdauungsfördernder Bakterien im Darm und sorgen durch ihre Fähigkeit, Wasser zu binden, dafür, dass der Stuhl geschmeidig bleibt und keine Verstopfung entsteht. Klingt alles ganz wunderbar? Ist es auch! Also ran an die Vollkornpasta und das Vollkornbrot – die enthalten nämlich jede Menge davon.
GEMÜSE
Gemüse bildet die Grundlage für eine vollwertige und ausgewogene Ernährung. Die Gemüsesorten, die in Deutschland angebaut werden, sind extrem vielfältig und in der Küche vielseitig einsetzbar. So ist geschmackliche Abwechslung garantiert. Das Beste daran ist, dass wir beim Gemüseverzehr anders als bei einigen anderen Lebensmitteln nach Herzenslust schlemmen können: Zu viel geht nicht!
ARTISCHOCKEN
Artischocken werden häufig als aus südlichen Gefilden importiertes Gemüse angeboten, können aber auch in Deutschland angebaut werden. Vielen ist die Vorbereitung der Distelblüten zu arbeitsintensiv, dabei ist eine im Ganzen gegarte Artischocke ziemlich schnell zubereitet und mit einem passenden Dip auch ein wunderbar leichtes sommerliches Abendessen (siehe Rezept
Artischocke ganz einfach), noch dazu stecken Artischocken voller gesunder Bitterstoffe. Diese können nicht nur den Blutzuckerspiegel senken, sondern wirken sich auch positiv auf die Funktion von Galle und Leber aus, verbessern also unter anderem die Verdaulichkeit fettiger Speisen.
65 CHICORÉE
Der im Winter wachsende Chicorée ist ein toller Vitaminlieferant, der sich in der Küche vielseitig einsetzen lässt. Er enthält vor allem große Mengen an Carotinoiden, die zu den Vitaminen zählen, und ist damit ein echter Immunbooster.
66 Denn die Carotinoide aktivieren die natürlichen Killerzellen im Körper, was gerade im Winter zur Prävention von Erkältungskrankheiten von Vorteil ist. Studienergebnisse legen die Vermutung nahe, dass das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumorerkrankungen durch eine hohe Carotinoidaufnahme gesenkt werden kann. Da Carotinoide wirkungsvolle Radikalfänger sind, können sie außerdem vor DNA-Schäden schützen.
67 Der bittere Geschmack des Chicorées kommt unter anderem durch das enthaltene Intybin zustande und harmoniert in der Küche sehr gut mit süßen und salzigen Komponenten.
66 | | hilft bei der Prävention vonErkältungskrankheiten |
FELDSALAT
Der robuste Feldsalat ist während der dunklen Wintermonate ein wichtiger lokaler Vitamin-C-Lieferant. Neben diesem enthält er auch Beta-Carotine.
66 Beide gemeinsam wirken als antioxidatives Powerduo und regen das Immunsystem an. Vermutlich können sie auch zur Prävention von Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Dazu enthält Feldsalat viel Kalium und Folat (die natürliche Form der synthetisch hergestellten Folsäure). Kalium ist ein wichtiger Botenstoff im Körper, der für die Reizweiterleitung zwischen den Zellen und eine gesunde Muskelfunktion verantwortlich ist. Der regelmäßige Verzehr von Folat ist vor allem während der Schwangerschaft wichtig, um eine gute Entwicklung des Babys zu unterstützen.
67 | | | | gut für die Immunabwehr und zum Balkonanbau geeignet |
Auch andere grüne Blattsalate stecken voller gesunder Inhaltsstoffe. Die beiden Sorten, die wir in unseren Rezepten verwenden, Rucola und Portulak, enthalten Calcium, Kalium, Magnesium und Vitamine, sodass sie zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen können.
FENCHEL
Vom Fenchel kann nicht nur die Knolle verzehrt werden, auch Kraut, Stängel und Früchte können in der Küche vielseitig eingesetzt werden. Fenchel enthält neben seinem hohen Vitamin-C-Anteil auch viel Beta-Carotin, Kalium, Natrium sowie ätherisches Anisöl.
67 Vor allem in den Fenchelfrüchten stecken große Mengen des medizinisch wirksamen ätherischen Öls. Es fördert die Darmbeweglichkeit und wirkt krampflösend auf die Darmmuskulatur. Das Öl hat außerdem antibakterielle Eigenschaften, wird bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen empfohlen, regt die Milchbildung bei stillenden Frauen an und hilft Säuglingen in Form von Zäpfchen oder Tee bei Blähungen.
65 | | | | hilft bei Atemwegserkrankungen und fördert die Darmbeweglichkeit |
KNOBLAUCH
Knoblauch wird seit Jahrhunderten als Allheilmittel in der Naturheilkunde eingesetzt: zum Schutz vor Sumpffieber im alten Ägypten, als Arznei gegen Schlangengift im Mittelalter und sogar zur Abwehr von Vampiren. Auch wenn uns heute die Angst vor Vampiren eher selten umtreibt, hat der Knoblauch tatsächlich einige positive Wirkungen auf den Körper. Die...