Schairer | Küsse mit Zukunft | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 339 Seiten

Schairer Küsse mit Zukunft


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-89741-974-2
Verlag: Ulrike Helmer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 339 Seiten

ISBN: 978-3-89741-974-2
Verlag: Ulrike Helmer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der Lounge des Kopenhagener Flughafens wird Marlene Brunner jählings von einer Frau geküsst. Allerdings kennen sich die beiden gar nicht! Zwar erweist sich diese Lisbeth als ziemlich nett, aber was soll's: Sie werden sich sowieso nie mehr über den Weg laufen. Prompt treffen die beiden bei einem Firmenmeeting aufeinander. Die zeitlebens von ihrer Heterosexualität überzeugte Marlene gerät in emotionale Turbulenzen. Wie soll sie mit Lisbeth zusammenarbeiten ...?

Die Diplom-Journalistin Carolin Schairer arbeitete unter anderem in der Medienbeobachtung, der Markt- und Meinungsforschung und in der PR eines Großunternehmens. Sie lebt in Wien. Seit dem Jahr 2008 erscheinen ihre Romane und Krimis kontinuierlich im Ulrike Helmer Verlag, darunter 'Ellen', 'Die Spitzenkandidatin', zuletzt 'Sommer in Barock' (Frühjahr 2017) und der Kriminalroman 'Tödliche Verstrickungen' (Herbst 2016).
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Flughafen Kastrup, Dänemark


Stoßstange an Stoßstange. Die Schlange von Taxis, deren Fahrer Flugreisende am Flughafen Kopenhagen-Kastrup absetzen wollten, schob sich nur langsam voran.

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Lisbeth Jacobsen, die in einem der Taxis saß, rutschte nervös auf der Rückbank hin und her. Ein schneller Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es verdammt knapp werden würde. Möglicherweise würde sie ihren Flug nach Brüssel verpassen.

Sicher, Lotta, die Abteilungssekretärin, würde einen neuen Flug buchen. Vielleicht war noch ein Platz auf einem der Nachtflieger frei. Oder ganz früh morgens. Das Abendessen mit den europäischen Kollegen würde eben ohne sie stattfinden. Sie würde das verschmerzen können. In den elf Jahren, in denen sie für das Unternehmen arbeitete, hatte sie wirklich mehr als genug dieser Abendessen erlebt, bei denen sich die Konversation fast ausschließlich um Firma und Branche drehte, Klatsch und Tratsch inklusive.

Was ihr leichtes Kopfweh bereitete, war die Tatsache, dass Lotta natürlich an Personalbüro und Chefetage melden müsste, dass sie den Flug verpasst hatte. Das schrieb die Betriebsvereinbarung nun mal so vor. Sie würde sich rechtfertigen müssen, sicher vor dem Personalchef und vor Thorben Hilsted, ihrem direkten Vorgesetzten. Vielleicht dränge die Sache sogar bis zu Jasper Lund, der erst vor wenigen Wochen die Geschäftsführung übernommen hatte, sich aber seinen Ruf als Sparefroh bereits in früheren Positionen der Firma erarbeitet hatte.

Sie hatte mit ihm und vier weiteren Kollegen ein Großraumbüro geteilt, kurz nachdem sie als Junior-Produktmanagerin eingestiegen war. Lund und sie hatten das gleiche Alter; ihre Schreibtische waren lediglich durch eine hölzerne Sichtbarriere voneinander getrennt gewesen. Er war damals noch Praktikant, aber als Sohn des Firmengründers genoss er eine beispiellose Sonderbehandlung. Kopieren? Lästige Anrufer abwimmeln? Besprechungen vorbereiten? – Keine Tätigkeiten für Papas Sohn. Mit diesen Aufgaben wurde plötzlich sie betraut, trotz Studienabschluss und Arbeitserfahrung. Lund junior hingegen durfte mit den Kollegen aus Übersee am Telefon über Marketingstrategien plaudern. Nicht einmal sein Englisch war damals überzeugend gewesen, und das trotz seines Auslandsstudiums an der amerikanischen Ostküste. Nach zwei Monaten war der Spuk vorüber gewesen: Japser setzte sein Betriebswirtschaftsstudium fort, und alle in der Abteilung atmeten erleichtert auf.

Bis zum letzten Tag hatte er nur mit der Chefin kommuniziert – die anderen Kollegen im Büro waren für ihn Luft. Wie sehr, war Lisbeth am vorletzten Tag seines Praktikantendaseins klargeworden, als er mit Telefon am Ohr und großen Augen in die Runde fragte: »Da will jemand eine Lisbeth Jacobsen sprechen. Arbeitet die hier?«

Wie auch immer. Nun war er ihr Chef. Und mittlerweile kannte er auch ihren Namen, davon war sie überzeugt, obwohl ihr nun das Gegenteil lieber gewesen wäre. Auch wenn Lund vor einem Jahr noch als Marketing-Leiter in England eingesetzt gewesen war, zweifelte sie nicht daran, dass man ihn über die Causa Jacobsen/Christiansen informiert hatte.

Das Eis, auf dem sie balancierte, war dünn. Und wenn sie nicht wollte, dass es unter ihr brach, sollte sie diesen Flug wohl besser erwischen, um nicht erneute Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Endlich. Terminal 2, Haupteingang. Lisbeth drückte dem Taxifahrer drei Scheine in die Hand und schob, als sie an seiner Miene sah, dass sie das Trinkgeld nicht miteinkalkuliert hatte, noch einige Münzen nach. Ihren Trolley hinter sich herzerrend, hastete sie geradewegs auf die Tür zu. Sie stand bereits mitten im Drehkreuz, als ihr bewusst wurde, dass sie vergessen hatte, sich eine Quittung geben zu lassen.

430 Kronen aus ihrem eigenen Budget. Kein Einreichen in den Spesen möglich.

Es blieb keine Zeit, um sich lange damit aufzuhalten. Mit angehobenem Trolley drängte sie sich an einer Gruppe japanischer Touristen auf der Rolltreppe links vorbei, während sie gleichzeitig in den Tiefen ihrer geräumigen Handtasche nach dem eben noch schnell ausgedruckten Boardingpass tastete. Sie fühlte ihren Lippenstift, das Brillenetui, den Plastiksack mit den Kosmetika … ihre Geldtasche … den Ausweis … und Papier.

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Im Endspurt rannte sie mit dem ratternden Koffer den Gang entlang zur Handgepäckskontrolle. Als sie die Menschenschlange sah, die sich in Serpentinen zu den Schaltern schlängelte, hielt sie abrupt inne. Es gab kein Vorbeikommen, keine Möglichkeit, sich vorzudrängeln. Dazu standen die Menschen zu dicht und die uniformierten Ordnungshüter blickten zu grimmig.

Resigniert reihte Lisbeth sich am Ende der Schlange ein. Der Sprint vom Taxi quer durch den Terminal und nach oben zu den Abflügen war vergebens gewesen. Ihre Füße schmerzten in den engen hohen Schuhen. Sie schwitzte unter ihrem Mantel. Ihre Kehle war trocken.

In Gedanken sah sie sich bereits bei im Büro sitzen und erklären, weshalb sie diesen schon so lange im Voraus gebuchten Flug nicht pünktlich erwischt hatte.

.

Rund drei Stunden Verspätung! Die Anzeigetafel offenbarte in nüchternen weißen Ziffern auf schwarzem Grund die unabänderliche Tatsache, dass sie noch mehr Zeit auf diesem Flughafen würde verbringen müssen. Die Aussicht auf ein kurzes Nickerchen während des Fluges und eine anschließende warme Dusche im Hotel rückten in weite Ferne.

Marlene Brunner unterdrückte ein Seufzen. Wenn sie zumindest irgendwo ein gemütliches Café entdeckt hätte. Auf den poppig gestalteten Treff mit Bubble Tea und Zuckergussglasur-Cookies links neben dem Duty-Free-Shop, dessen rockige Hintergrundmusik ihr schon aus der Entfernung Kopfschmerzen bereitete, hatte sie genauso wenig Lust wie auf das Bistro mit der Bier- und Hamburger-Werbung dahinter.

Sie sehnte sich nach einer ruhigen Ecke, nach Möglichkeit auch mit einem Glas guten Rotwein. Nebenbei wollte sie ihre Mails checken, sich mit dem neuen Laptop vertraut machen, im Firmenintranet surfen. Und vor allem wollte sie die schwere Tasche, die an ihrer rechten Schulter zerrte, endlich einmal abstellen. Das Gepäck hatte sie zum Glück aufgegeben. Nicht dass sie dieses Mal eine andere Option gehabt hätte. Kleidung und Schuhwerk für eine Woche ließen sich nicht mehr in einen handgepäckstauglichen Koffer pressen.

Dabei war es ihre eigene Entscheidung gewesen, zwei Stunden vor dem geplanten Abflug hier zu sein. Sie war nun einmal keine Freundin von Last-Minute-Hetze. Pünktlichkeit war ihr schon immer wichtig gewesen. In der alten Firma belustigten sich die Kollegen regelmäßig über ihr Zeitmanagement, das üppige Puffer einschloss. Bei , wo sie erst vor einer Woche begonnen hatte, war ihr Wunsch, früh zum Flughafen aufzubrechen, anstatt noch mit den Kollegen in der Kantine zu essen, mit Erstaunen aufgenommen worden.

Ich möchte noch shoppen, hatte sie erklärt – und von den Kolleginnen etwas neidische, von den männlichen Kollegen amüsierte Blicke geerntet. Sie hatte bewusst darauf verzichtet, ihre großzügigen Zeitpolster zu thematisieren. Vor den neuen Kollegen wollte sie nicht gleich wieder pedantisch erscheinen.

Außerdem war sie nach der zweieinhalbtägigen medizinischen Einführungsschulung in der Konzernzentrale, die für Neuzugänge in ihrer Position obligatorisch war, sehr froh, einen Nachmittag Ruhe vor Small Talk in englischer Sprache und dem wohl unumgänglichen Fachkauderwelsch zu haben.

Zum wiederholten Male drehte sie ihre Runde durch den Duty-Free-Shop, vorbei an dem Geschäft mit den furchtbaren grellen Regenjacken, vorbei an den Porzellanwaren von , vorbei am Curry-Imbiss. Kurz blieb sie vor dem Büchergeschäft stehen, ließ ihren Blick über die englischsprachige Literatur schweifen. Nichts, was sie genug interessierte, um ihr Ablenkung zu verschaffen von den ständigen Durchsagen, vorbeieilenden Menschen, dem ganzen Getümmel am Flughafen, von den vielen neuen Eindrücken der letzten Tage, vom turbulenten vergangenen Jahr.

Lounge.

Sie schnappte das Wort von einem Herren im Anzug auf, der unmittelbar hinter ihr lautstark und mit hartem norddeutschem Einschlag in sein Smartphone sprach. Was sie aus den kurzen Gesprächsbrocken heraushörte, war, dass er sich nun dorthin begeben wollte, um in Ruhe arbeiten zu können.

.

Wieso war ihr das nicht selbst eingefallen? – Irgendwo in diesem Terminal musste es ja einen Aufenthaltsraum geben, den sie auch ohne Platinum-Flugmeilenkarte oder Business Ticket nutzen konnte.

Die Laptop-Tasche hing inzwischen wie ein Stück Blei an ihrem Arm. Entnervt fragte sie am...


Die Diplom-Journalistin Carolin Schairer arbeitete unter anderem in der Medienbeobachtung, der Markt- und Meinungsforschung und in der PR eines Großunternehmens. Sie lebt in Wien. Seit dem Jahr 2008 erscheinen ihre Romane und Krimis kontinuierlich im Ulrike Helmer Verlag, darunter "Ellen", "Die Spitzenkandidatin", zuletzt "Sommer in Barock" (Frühjahr 2017) und der Kriminalroman "Tödliche Verstrickungen" (Herbst 2016).



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