E-Book, Deutsch, 510 Seiten
Schambach Niedersächsische Sagen und Märchen
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0316-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 510 Seiten
ISBN: 978-3-8496-0316-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erleben Sie die Märchen und Sagen aus aller Welt in dieser Serie 'Märchen der Welt'. Von den Ländern Europas über die Kontinente bis zu vergangenen Kulturen und noch heute existierenden Völkern: 'Märchen der Welt' bietet Ihnen stundenlange Abwechslung.
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19. Die Entstehung des Dorfes Evershausen.
An der Schwülme, einem Bache, der bei Lippoldsberge in die Weser fließt, liegt auf der rechten Seite die sogenannte Alte Kirche, bei der früher ein Dorf Arflexen gestanden haben soll; auf dem linken Ufer befindet sich ein Thurm. In dieser Kirche hat ein Mönch aus Bursfelde Namens Evers in der Regel den Gottesdienst abgehalten. Auf dem Wege nach der Kirche kam er immer durch die Gegend, wo jetzt das Dorf Evershausen liegt, und baute sich deshalb, um ausruhen zu können, dort ein Häuschen. Allmählich sind noch andere Häuser hinzugekommen, und so ist das jetzige Dorf entstanden, welches nach dem Erbauer des ersten Häuschens den Namen Evershausen führt. Von der alten Kirche führt noch jetzt ein Weg in gerader Richtung nach dem Kloster Bursfelde, der Mönkestîg genannt. Von dem zerstörten Dorfe Dörenhagen führt gleichfalls ein Pfad zu der Kirche an der Schwülme, der Patersstîg geheißen.
In der alten Kirche an der Schwülme hat, als sie noch unversehrt stand, eine silberne Glocke gehangen. Als die Kirche zerstört wurde, ist sie in die Erde versunken und tönt noch in der Nacht auf den ersten Mai aus der Tiefe herauf. Zu verschiedenen Zeiten haben Menschen nach dieser Glocke gegraben, aber sie nicht gefunden.
20. Woher Parensen den Namen hat.
An der Stelle des jetzigen Dorfes Parensen haben ehemals nur wenige Häuser gestanden. Die Bewohner derselben mußten dem Besitzer der Plesse alljährlich ein Paar Hosen als Zins geben, wovon der Ort den Namen Parensen erhielt.
21. Die Erbauung von Höckelheim.
Vor Höckelheim hat ein Dorf Namens Râlshûsen gestanden, – der Kirchhof des Dorfes ist noch sichtbar. – Die Bewohner dieses Dorfes haben sich im Kriege gegen die Feinde [die Franzosen!!] hartnäckig vertheidigt und sich nicht ergeben wollen, worauf es von diesen angesteckt ist. Da haben die Bauern des abgebrannten Dorfes gesagt: »Nû lâtet sek ôwer den höckel (= hückel) gân un Höckeln bûen«, und so ist Höckelheim gegründet.
22. Woher das Dorf Kalefeld den Namen hat.
Kalefeld ist erst nach dem dreißigjährigen Kriege erbaut. Früher lag beim Schneekruge ein Dorf, das hat Hâhûsen geheißen und ist verwüstet; dort aber, wo jetzt Kalefeld liegt, hat ein Mann gewohnt Namens Kahle. Da haben die Bewohner des verwüsteten Dorfes gesagt: Lâtet ösch bî Kâlen int feld bûen. Davon hat Kalefeld seinen Namen.
Nach einer andern Ueberlieferung hat das Dorf früher am weißen Wasser gelegen, da wo noch die Kirche steht und Weißenwasser geheißen. Im dreißigjährigen Kriege ward es niedergebrannt, da beschlossen die Einwohner nach dem Beispiele des Schmiedes, Namens Kahle, hinaus ins Feld zu bauen. Von diesem Schmiede erhielt nun auch das Dorf den Namen Kalefeld.
23. Die Stadt Einbeck.
1.
Wenn man im Alterthum eine Stadt baute, ward jedes Mal ein kleines Kind lebendig mit eingemauert. So geschah es auch bei Einbeck. Als der Bau der Stadt vollendet war, wurde ein anderthalbjähriges Kind mit eingemauert; man legte dasselbe zu dem Ende in eine Kiste und gab ihm noch einen Zwieback mit. Da sagte das Kind: nur einen Back! Davon erhielt die neu erbaute Stadt den Namen Einbeck.
2.
Als die Einbecker den Thurm auf der Rieswôrt bauten, hatte gerade ein Mann »sein Leben verschuldet.« Das Leben wurde ihm nun zwar geschenkt, aber er wurde auf Lebenszeit in den Thurm verwiesen, um als Wächter die Stadt und ihr Gebiet zu bewachen und die Annäherung von Feinden und Räubern durch Zeichen zu verkündigen. Zu dem Zwecke mußte er Nachts eine Laterne ausstecken. Damit er nun in dem Thurme Gesellschaft habe, ward ihm eine Henne mit ihren zwölf Küchlein mit in den Thurm gegeben.
3.
Auf dem Wege von Einbeck nach der Klus kommt man an der Stelle vorbei, wo früher der Rothe Thurm stand, einer der acht Wartthürme, welche die städtische Feldmark umgaben. Als der Thurm noch stand, hat sich ein Mann Namens Kûz darin erhängt. Nachher ist der Thurm abgebrochen, aber die Stelle kann nicht beackert werden, weil jener sich hier erhängt hat und deshalb nichts da wächst. – Nach einer anderen Ueberlieferung ist ein Geist in den Thurm gebannt.
24. Die Brücke bei Kuventhal.
Beim Bau der Kuventhaler Brücke im Jahre 1829 ist nach dem Volksglauben auf der einen Seite ein kleines Kind in dem Fundamente lebendig eingemauert. Das eingemauerte Kind fordert aber bis dahin, wo es verhungert ist, sein Opfer. Einige Stunden nach der Einmauerung stürzte nun, so wird weiter erzählt, auf der Seite, wo das Kind eingemauert war, ein Stein oder Balken herunter; er fiel einem alten Manne, der daselbst arbeitete, auf den Kopf und erschlug ihn. Dieß war das Opfer, welches dem Kinde fallen mußte.
Nach andern soll in dem Fundamente eine Flasche mit Wein eingemauert sein.
25. Woher das Dorf Andershausen seinen Namen hat.
In Kuventhal lebten zwei Brüder, die sich durchaus nicht mit einander vertragen konnten. Da sagte der eine zum andern, so will ich weggehen und mir ein ander Haus bauen. Er zog weg und benannte den Ort, wo er sich anbaute, Andershausen.
26. Die Hildesheimer Jungfer.
Auf den Stadtwappen und den hildesheimischen Fahnen, steht die hildesheimische Jungfer mit einem Kranze in der Hand. So lange die Feinde der festen Stadt sich vergeblich an den starken Wällen und Mauern die Zähne ausbissen, trug die Jungfer ihren Kranz stolz auf dem Kopfe; als aber die Stadt einst in Feindes Hand fiel, da fiel auch der Jungfer der Kranz von dem Kopfe in die Hand. – Die hildesheimische Jungfer hat aber wirklich einmal vor ur-uralten Zeiten gelebt. Sie war ein sehr reiches und schönes Edelfräulein, welches die Fürsten und Grafen in der Umgegend gar zu gern zur Frau gehabt hätten. Die schöne Hildesheimerin wurde aber nicht durch die Pracht und den Reichthum der hohen Herrschaften gelockt, sondern verlobte sich heimlich mit einem schönen und braven jungen Ritter, der bei einem der Fürsten, welche die Jungfer gern haben wollten, in Diensten stand. Da hätte es nun dem Ritter schlimm gehn können, wenn der Fürst gemerkt hätte, daß sein Dienstmann der Jungfer lieber war, als er. Darum mußten die Liebenden ihre Zusammenkünfte ganz heimlich in dem großen, dunkeln Hildesheimer Walde halten, der damals noch bis dicht an die Stadt gieng. Eines Tages ging das Fräulein wieder in den Wald und suchte die große Linde auf, unter welcher ihr Bräutigam tagtäglich saß und auf sie wartete. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt! Sie war noch nicht bei dem Baume angekommen, als es pech-rabenschwarz heraufzog und ein Sturmwetter los brach als ob der böse Feind sein Wesen triebe. Als nun die halb zu Tode geängstigte und durchnäßte Jungfer endlich bei dem Baume ankam, da zeigte ihr ein heller Blitz ihren Ritter, wie er kalt und leblos auf dem grünen, feuchten Moose lag, – ein Blitz hatte ihn getroffen. – Nun stelle sich einer den Schmerz der Jungfer vor! Sie weinte und schrie, zerraufte ihr schönes Haar und lief wie unsinnig immer fort in den düstern Wald hinein. Einen ganzen Tag mochte sie so umhergelaufen sein, als sie ermattet unter einem wilden Rosenbusche niedersank und einschlief. Da erschien ihr im Busche die heilige Mutter Gottes, die Rosen rings umher wurden eben so viele kleine Engelsköpfchen und sahen aus ihren hellen Augen so lieblich und tröstlich auf die Schmerzens-Jungfrau, daß es ihr tief in das wunde Herz drang und sie himmlischen Trostes voll erwachte. Gestärkt suchte sie nun den Rückweg nach der Vaterstadt; aber da war kein Weg zu sehen, keine menschliche Stimme zu hören, nur das Geheul der Bären und Wölfe antwortete auf ihre Klagen. »Verlaß mich nicht heilige Mutter Gottes in dieser Noth,« rief die todmüde Jungfer, »ich will auch all' mein Gut und Leben Gott geloben!« Kaum hatte sie dieses Gelübde gethan, als sie in weiter Ferne eine Glocke hörte, die rief ihr zu: »Kehre wieder! Kehre wieder! Kehre wieder!« Da lief die Jungfer Gott dankend den heiligen Tönen entgegen und je weiter sie vorwärts gieng, desto deutlicher hörte sie die Glocke, bis sie aus dem dunkeln Walde kam und die schönen Felder und Gärten der Stadt zu ihren Füßen lagen. Da war es gerade acht Uhr Abends; doch das Fräulein mochte mehrere Tage im Walde umhergelaufen sein.
Die so wunderbar gerettete Jungfer hielt nun pünktlich, was sie gelobt hatte. Sie beschenkte Kirchen und Klöster reichlich; vor Allem aber bedachte sie ihre liebe Vaterstadt und schenkte den Bürgern den ganzen Hildesheimer Wald, der ihnen, obwohl...




