E-Book, Deutsch, 464 Seiten, Gewicht: 1 g
Schami Das Geheimnis des Kalligraphen
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-446-23340-9
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 464 Seiten, Gewicht: 1 g
ISBN: 978-3-446-23340-9
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. Sein umfangreiches Werk wurde in 35 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u.a. mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Preis 'Gegen Vergessen - Für Demokratie', dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis und der Carl-Zuckmayer-Medaille. Im Hanser Kinder- und Jugendbuch erschien u.a. Das ist kein Papagei (illustriert von Wolf Erlbruch, 1994), Die Sehnsucht der Schwalbe (2000), Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm (2003, illustriert von Ole Könnecke), Der Kameltreiber von Heidelberg (2006, illustriert von Henrike Wilson), Das Herz der Puppe (2012, illustriert von Kathrin Schärer), Meister Marios Geschichte (2013, illustriert von Anja Maria Eisen), Elisa oder Die Nacht der Wünsche (2019, illustriert von Gerda Raidt); im Erwachsenenprogramm des Verlages Die dunkle Seite der Liebe (Roman, 2004), Das Geheimnis des Kalligraphen (Roman, 2008), Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte (2011), Sophia oder Der Anfang aller Geschichten (Roman, 2015), Die geheime Mission des Kardinals (Roman, 2019), Mein Sternzeichen ist der Regenbogen (2021) und Wenn du erzählst, erblüht die Wüste (Roman, 2023).
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(S. 352-253)
Erst im Gefängnis kam Hamid Farsi dazu, über sein Leben nachzudenken, das ihm nun fremd und fern schien. Er fühlte Erleichterung, dass er in dieser Zelle gelandet war. Aber genau dieses Gefühl befremdete ihn. »Lebenslänglich in einer Gefängniszelle«, wiederholte er, um sich seine Katastrophe so dramatisch wie möglich darzustellen, aber er konnte nichts Dramatisches daran finden. Auf seiner Pritsche liegend staunte er, wie schnell alles, was er mühselig aufgebaut hatte, verfallen war.
Sein Ruf als Mann, sein Ruhm als Kalligraph, seine Sicherheiten und seine Lebenslust waren dahin, als wären sie nicht bis vor kurzem uneinnehmbare Burgen gewesen.Am Nachmittag, beim Tee mit Direktor al Azm, sagte er beiläufig, als spräche er zu sich selbst: »Das Leben ist ein einziger Kampf gegen Verfall und Verwahrlosung. Und wir sind am Ende immer die Verlierer. «
Nuras Flucht hatte seinen Verfall eingeleitet. Warum sie nicht mit Nassri geflüchtet war, sondern ihm den Hurenbock zurückgelassen hatte, war ihm nicht klar. Als wollte sie, dass er Nassri umbrachte, als sollte Nassri für etwas büßen. Vielleicht hatte Nassri ihr ja verschwiegen, dass er vierfach verheiratet war, und sie damit böse überrascht, nachdem er mit ihr geschlafen hatte.Wollte sie Nassri vielleicht eine Lektion erteilen? Hatte sie ihn, Hamid, unterschätzt?
Dachte sie vielleicht, er, Hamid, würde Nassri ein paar Ohrfeigen geben und ihn damit der Lächerlichkeit preisgeben. Oder hatte sie sich gewünscht, dass Nassri ihn tötet? Hamid hatte Frauen noch nie verstanden. Sein Großvater hatte einmal den klaren Sternenhimmel über Damaskus angeschaut und ihm gesagt, erst wenn er alle Sterne gezählt hätte, würde er Frauen verstehen können.




