E-Book, Deutsch, 268 Seiten
Scharf Für dich
3. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7392-8593-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 268 Seiten
ISBN: 978-3-7392-8593-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
geb. am 13. Mai 1954; Fernstudium am Leipziger Literaturinstitut (1978- 1981)
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Durch das Jahr
Ozeaneum Stralsund:
Die Flunder liegt
in den Sand geschmiegt.
Ja, und du siehst
sie nur,
wenn sie mal niest.
Lebe den Tag,
dass er uns mag.
Noch in der Nacht
gib auf ihn acht.
Lobe die Nacht.
Sie hat gebracht,
weil sie uns mag,
den nächsten Tag.
Sonnenschein,
du treuer,
komm heran,
mach alles neuer.
Auf dich warten
heute
alle Leute.
Der Reif hat uns erfreut,
und auf die Ränder
der Blätter Bänder
aus Zuckerguss gestreut.
Aus dem Nachtverschlag
hebt sich froh der Tag,
reckt sich grad wie wir
in das Lichtrevier.
Schwarz- und Buntspecht
trommeln um die Wette,
eine junge Eibe
grüßt vom Wegrand her,
am Gebüsche Tropfen Tau
wie eine Perlenkette;
es scheint, als ob dies schon
ein Tag im Frühling wär...
Dicht steh'n hier an dicht
Seeraben (Kormorane)
im frühen Abendlicht
am blauen Brückenplane.
Der Nebel schlief
auf Winterwegen,
hat morgens
friedlich dagelegen.
Wir weckten ihn.
Er stieg empor,
bis er am Himmel
sich verlor.
Immer wieder Zinnowitz:
Der Strand scheint unbelebt.
(Sind auch ziemlich
hohe Wogen.)
Nur eine Silbermöwe
schwebt.
Die andern
haben sich verzogen.
Sommerprognose (Haiku):
Vor dem Gewitter
schweigen die Wolken, später
redet der Regen.
Wie sonderbar:
Am Hügel liegt,
ihm angeschmiegt,
ein alter Ast,
der früher fast
ganz grade war.
Rote Morgenstunde.
Licht
reicht bis zum Grunde,
wärmt das Wasser linder. –
Tag:
er siegt geschwinder.
Über Schatten, die der Morgen warf,
springt der Frost auf weiße Wege,
küsst die Bäume zärtlich träge.
Aber seine Küsse schmecken scharf.
Der Winter hält sich, keine Frage,
noch für ein paar kalte Tage.
Dann taucht er ab, sitzt im Verstecke.
Und Blumen blüh'n in jeder Ecke.
Das ist dem Wald zu eigen –
das Zwitschern in den Zweigen,
das Klopfen eines Spechts.
(Mein Schatz geht immer rechts.)
Der Januar
ist trübe?
Dem Februar
fehlt Liebe?
Ach was! Im März,
eventuell,
wird's im Herzen
hell.
Der Haubentaucher tauchte.
Wofür er lange brauchte.
Die Haube auf dem Haupte –
ich gebe zu, ich glaubte:
verliert er sie beim Tauchen?
(Ich hätt’s nicht denken brauchen;
sie saß dann jedenfalls
noch schön auf Kopf und Hals.)
Sag, wie gelang es diesen Wellen,
deren weiße Kämme schwellen,
so viel Seegras anzuschwemmen,
worin die bunten Enten schlemmen?
Wenn wir uns in den Armen liegen
und zärtlich aneinander schmiegen,
vergessen Sterne wir, Kometen,
die sonst wir wohl betrachten täten,
wenn abends wir durch Straßen streiften,
in denen unsre Träume reiften.
Im Spiel der Schatten hat,
am Abend in der Stadt,
der Kirchturm eine Kerbe.
Der Mond, als halbe Scherbe,
schaut drüber hin. Und sacht
umschließt uns nun die Nacht.
Aus Wolken,
zu beweisen,
dass Winter ist,
Flocken erdwärts reisen.
Sie lassen nachts,
wenn sie so treiben,
sich fröhlich nieder
auch auf Autoscheiben,
die morgens wieder
wir enteisen.
Der Himmel war verhangen.
Wir sind hinaus gegangen.
Die Wolkenberge schwammen
und hielten sich zusammen.
Dann riss der graue Schleier.
Wir fühlten uns gleich freier
und drehten noch zwei Stunden,
im Walde wandernd, Runden.
Wenn wir den Schatz gehoben haben,
der in uns schon seit langem ruht,
dann glänzt, den wir verloren gaben,
im Licht der Hoffnung unser MUT.
Vor dem Hause, noch vor Tagen,
sah ich einen Schneemann ragen.
Der Riese auf dem Rasen
ist geschrumpft,
ähnelt einem weißen Hasen
und wird noch weiter klein,
bald im Maulwurfsloch
verschwunden sein.
Der Frühling kommt
in Winters Fährten,
streut Glöckchen prompt
in alle Gärten.
Was immer ich sag
an diesem Tag –
von solcher Sorte
sind meine Worte,
laut oder leise:
Liebesbeweise.
Die Schmalfußmöwe:
geht mit kleinen
Schritten vor uns her,
wenn wir mit Krumen
Brot erscheinen
am Meer.
Der Mond ist mein Begleiter,
wenn nachts ich von dir geh,
er schreitet mit mir weiter,
mal ist er schmal mal breiter,
und ruht im Wolkenschnee –
wenn tags ich zu dir geh.
Zempin
Scheeles krumme Kiefer
wurde immer schiefer... –
Andre Holzgestalten
sind hier festzuhalten
mit dem neuen Reime:
„Dauerwellenbäume“.
Ich kann dem Winter nichts mehr abgewinnen.
Ihr Freunde, nein, es tut mir wirklich Leid.
Der Frühling sollte endlich nun beginnen,
und laut Kalender wird es höchste Zeit.
Wir haben draußen doch genug gefroren,
und alle Zimmer immer gut beheizt.
Das Weiß, ihr wisst, hat abermals verloren,
im kühlen Spiel die Trümpfe ausgereizt.
Ich will, wie ihr, vom hellen Licht nur schreiben.
Mein Lied, mit Sonnenstrahlen angefacht,
es klingt und singt, wird viele Stunden bleiben.
Der Frühling sei gelobt, bei Tag und Nacht.
Warnemünde
Von den Möwen, die da flogen,
war nur eine ungezogen. –
Was ansonsten erst nach Jahren
so geschieht mit dunklen Haaren,
schaffte sie mit kurzem Fleiß:
Deine Haare wurden weiß.
Die Ostsee glänzt
an Frühlingstagen:
die Wogen tragen
Porzellan.
Der Sommer wird wie immer,
und ich bin sehr verehrt –
im Früh- und Abendschimmer
von Zecken heiß begehrt.
Und gäbe es nur eine,
wo 1000 Leute steh'n –
sie wählte meine Beine,
und ließ die andern geh'n!
Dem Kater hab ich aufgetragen,
er soll dir nachher sagen:
Ich fuhr mit meinem Rade
(vor einer Stunde grade)
vom Hof und durch die Straßen. –
Er spricht wohl nur in Maßen...
Es halten noch am Hang
alle Igel brav
Winterschlaf.
Nicht mehr lang,
und kleine Nasen
lugen aus dem Holz –
Igel laufen stolz
übern Rasen.
Feuerwanzen
wieder tanzen:
doppelt bald
auf Asphalt
und im Sand –
hierzuland!
Wohl, wir sind
wenig wichtig
und zu nichtig,
doch es reichen
unsre Zeichen
durch Kind und Kindeskind
weit
in die ewige Zeit.
An diesen Tagen
lösen sich die Fragen
(sonst auf Lauer)
restlos auf. –
Der Weltenlauf
kennt und benennt
kein Fragment
der Trauer.
Sind wir inselfern umwaltet
von des Lebens knappem Flug,
gleißt die Sonne stadtgestaltet,
sehnen wir, in Pflicht geschaltet,
uns in Wälder frei von Trug.
Zweige, frisch geschnitten,
blühen sanft in Vasen.
Winterausgelitten,
grüner grünt der Rasen. –
Sich ins Heute fügend,
bleiben von den Zielen
immer noch genügend,
die ins Morgen spielen.
Es war im Wald
noch heimlich kalt.
Zu spät die Wahl:
der Griff zum Schal.
Am Abend dann
fing Fieber an.
Die Nacht, im Sternenkleid,
macht sich am Himmel breit.
Es funkelt dort der Mond,
wie wir's von ihm gewohnt,
bis in den frühen Tag:
weil er Verliebte mag.
Stündlich
gründlich
freundlich sein:
findet,
bindet
Leben ein.
Dass an den Ostertagen auch,
gemäß dem alten Hasenbrauch,
am Strande blaue Eier liegen,
verwundert nicht. Doch dass dort fliegen,
zuvor im warmen Sand vergraben
(wo sie wohl überwintert...




