Schaub | Der Engelmacher von Frankfurt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 210 Seiten

Reihe: Engelmacher

Schaub Der Engelmacher von Frankfurt

Kriminalroman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944124-67-4
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 1, 210 Seiten

Reihe: Engelmacher

ISBN: 978-3-944124-67-4
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Band 1 der Engelmacher-Trilogie. Band 2 'Der Schatten des Engelmachers' und Band 3 'Die Rache des Engelmachers' liegen ebenfalls bei mainbook vor. Kaltblütig und unberechenbar tötet er die Schatten seiner Vergangenheit ... Eine Serie an Ritualmorden hält Frankfurt in Atem. Der Täter bahrt blonde Frauen wie Engel auf, heftet ihnen Flügel an, löst die Zunge heraus und stopft ihnen eine Schlange in den Mund. Die Presse tauft ihn 'Engelmacher'. Privatdetektiv Tom Martini gerät ins Fadenkreuz der Ermittler. Er nimmt die Fährte des Mörders auf, an deren Ende ein dunkles Geheimnis auf ihn wartet ...

Alexander Schaub, 1969 in Frankfurt am Main geboren. Seit über 20 Jahren in der IT tätig, zurzeit im Bereich 3D-Druck im techni-schen Support. Verheiratet mit seiner Traumfrau Corinna. 'Der Engelmacher von Frankfurt' ist sein Debüt.
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Kapitel 2


In der Vergangenheit, irgendwo in Frankfurt


Der Nachkriegsbau entstand um 1947. Das Haus entsprach dem Stil der klassischen Wohnblocks, die überall in Frankfurt zu dieser Zeit wie Pilze aus dem Boden sprossen. Es beherbergte sechs Wohnungen, erste bis dritte Etage, und einen Laden im Erdgeschoss. Zwei Jahre nach der Währungsreform, Ende 1950, pachtete ein Metzger die Ladenfläche. Nach diversen Umbauarbeiten eröffnete er im Januar 1951.

Das Geschäft lief gut an. Weniger als zwei Monate nach der Eröffnung konnte sich der Metzger vor Arbeit nicht retten. Alle Kunden waren sich einig, er produzierte die beste Ware im ganzen Stadtteil. Er erhielt Aufträge für Hochzeiten, Geburtstage und große Gesellschaften.

Die Wohnungen mieteten rechtschaffene Bürger, denen nichts entging, was in und um das Haus geschah. Es bildete sich eine Hausgemeinschaft, in der jeder jedem half.

Ende der Siebziger bereitete der alte Metzger sich auf die Rente vor und übergab das Geschäft an seinen Sohn, der bei seinem Vater in die Lehre gegangen war. Doch trotz der exzellenten Ausbildung seines Sohns, lief der Laden schlecht. Die Kunden blieben aus und nach und nach auch die Aufträge. Den guten Ruf, den sich der Vater über Jahre erarbeitet hatte, zerstörte der Sohn innerhalb kurzer Zeit. Zwei Jahre nach der Übergabe des florierenden Familienunternehmens vom Vater an den Sohn, musste dieser Konkurs anmelden.

Mittlerweile brach das Jahr 1981 an. Das Bild des Frankfurter Stadtteils änderte sich drastisch. Die vorhandenen Häuserblöcke wurden in sozialen Wohnraum umgewandelt, die besser Verdienenden zogen aus dem Viertel weg und Mitte der Achtziger sprach man von einem sozialen Brennpunkt. Zwei Wohnungen in dem vierunddreißig Jahre alten Gebäude standen leer, inklusive der alten Metzgerei. Die Wohnungsbaugesellschaft, die dieses und einige der umliegenden Häuser besaßen, fand keine Mieter für ihre leer stehenden Objekte.

Bis Ende der neunziger Jahre wollte niemand die Metzgerei mieten. 2001 wurde der Laden in Wohnraum umgewandelt, um die Chancen zu erhöhen einen Nachmieter zu finden. Trotz all dieser Maßnahmen dauerte es weitere fünf Jahre, bis sich endlich jemand für die ehemaligen Geschäftsräume interessierte.

Das Seltsame an der Geschichte war, dass der eigentliche Mieter nie in Erscheinung trat. Alle Verhandlungen liefen über einen Strohmann und selbst dieser kannte das Gesicht seines Auftraggebers nicht. Er erhielt alle Anweisungen schriftlich. Es war ihm auch egal, für wen er arbeitete, Hauptsache die Kohle stimmte.

Und so kam es, dass die alte Metzgerei Ende 2006 wieder vermietet wurde. Die restlichen Parteien im Haus sahen niemals jemanden in den Laden hinein- oder hinausgehen. Gelegentlich hörte man nachts seltsame Geräusche, doch niemand sah je den neuen Pächter.

In den Wohnungen lebten seit mehr als dreißig Jahren die gleichen Mieter. Keiner besaß mehr die Schnelligkeit, an ein Fenster zu springen, um festzustellen, wer kam oder ging. Keiner kannte den Neuen und er sollte sich auch nie vorstellen.

Samstag, 31. Juli, 4:00


Kellerräume ähnelten oft kleinen Lattenverschlägen, in denen nichts sicher verwahrt oder versteckt werden konnte. Dieser Keller wich vom Standard ab. Er bestand aus gemauerten Wänden und wurde von einer massiven Stahltür verschlossen. Keine Chance für neugierige Blicke. Keine Chance, die sich dahinter verbergenden Geheimnisse zu ergründen.

Eine nackte Glühlampe hing von der Decke. Sie schaukelte wie von Geisterhand bewegt an ihrer Anschlussleitung hin und her. Dabei warf sie diffuse Schatten an die vier nackten Wände des Raums. Die blassen Schemen wirkten wie körperlose Gestalten, die ziellos umherirrten.

In einem alten hohen Ledersessel saß er. Sein Blick unverwandt starr an die ihm gegenüberliegende Mauer geheftet. Die Arme stützte er auf die Lehnen des Sessels. Die Hände hielt er gefaltet vor seiner Brust und die Zeigefinger tippten rhythmisch gegen sein Kinn. Aus den Lautsprechern einer kleinen Stereoanlage erklang ein Lied, sein Lied. Aus dieser Musik erhielt er seine Inspiration.

Er hatte eine Mission: Kein anderer Mann sollte sein Schicksal erleiden. Es war ein tiefsitzender Schmerz und dieser drang wie ein Messer in sein Bewusstsein ein. Es fühlte sich an, als würde die imaginäre Klinge seine Seele Stück für Stück in kleine Scheiben schneiden. Bei jedem Schnitt wollte er schreien, so laut schreien, dass die ganze Welt hören konnte, wie sehr er litt. In dieser Zeit gab es nur eine Medizin, die seinen Schmerz lindern oder zumindest für eine kurze Zeit betäuben konnte … das Töten!

Er blickte zu dem kleinen Kühlschrank hinüber. Dort lagen sie gut verschlossen. Die Zungen seiner ersten zwei Geschöpfe. Abgetrennt von ihrem Körper waren die Zungen ungefährlich, aber das wusste nur er. Daneben stand das kleine Terrarium mit den Blindschleichen. Das Symbol für Boshaftigkeit, Verschlagenheit und Sünde. Die Werkzeuge zur Fortsetzung seines Werkes lagen auf dem alten Sideboard neben dem Kühlschrank, auf seinem persönlichen Altar, dem Altar der Befreiung.

Jetzt, in diesem Moment fühlte er sich gut, richtig gut. Seine Medizin, derer er sich gestern Morgen bedient hatte, wirkte. Die Wirkung berauschte ihn. Eine unbeschreibliche Euphorie beherrschte ihn, hatte von ihm Besitz ergriffen. Zum dritten Mal lief der Film, der die Geschehnisse des gestrigen Morgens bewahrte, vor seinem geistigen Auge ab, wie auf einer überdimensionalen Leinwand.

Es hatte ihn erregt, dass sie sich wehrte. Jede ihrer Bewegungen, mit der sie versucht hatte, sich seiner zu entledigen, steigerte sein Hochgefühl. Jedes Aufbäumen ihres Körpers ließ seine Macht größer werden. Als er das Tuch mit dem Chloroform auf ihren Mund und ihre Nase presste und ihre Gegenwehr immer schwächer wurde, übernahm er die völlige Kontrolle über sie und die Situation. Für einen Moment fühlte es sich an, als würde er wie ein Beobachter neben sich und ihr stehen und die Szene überwachen. Ein Gefühl, welches er beim ersten Mal nicht empfunden hatte.

Dann kam der Transport zum Monte. Sie erwachte langsam aus ihrer Bewusstlosigkeit, als er sie aus dem Kofferraum auslud. In weiser Voraussicht hatte er ihr Hände und Beine gefesselt sowie den Mund geknebelt. So gab er ihr keine Möglichkeit, sich seiner zu bemächtigen, indem sie ihre stärkste Waffe – ihre Zunge – einsetzte. Da wurde ihr klar, dass es für sie kein Entrinnen mehr gab. Er hatte es deutlich in ihren Augen gesehen wie in einem Spiegel, no way out.

Er legte sie auf den kühlen, sandigen Boden. Als nächstes nahm er seine Tasche aus dem Kofferraum und trug diese hinter das Gebäude, wo er sein Werk vollenden und seinen Schmerz lindern würde. In ihren Augen stand das nackte Entsetzen. Ihre Augäpfel rollten von rechts nach links, sie suchte fieberhaft nach einem Ausweg. Es gab nur einen, ihn. Er bildete den Ausweg aus ihrem unwürdigen Erdendasein. Leider erkannte sie das nicht. Sie wehrte sich und seine Erregung stieg, sein Schmerz begann zu schwinden. Sie lag auf dem Rücken und wandte sich wie eine Schlange, ihrem Naturell entsprechend. Er setzte sich auf ihre Brust. Die Angst in ihren Augen, diese köstliche, göttliche, heilende Angst, schien sie um den Verstand zu bringen. Er löste den Knebel aus ihrem Mund. Sofort wollte sie ihn einlullen, bezirzen, doch im Moment war er immun. Er öffnete die Tasche und nahm die Klammer heraus, mit der er ihren Kiefer offen halten konnte. Sie weinte. Es beeindruckte ihn nicht. Ein Versuch, erneut seine Macht zu brechen. Aber er durchschaute diesen Schachzug. Als ihr Mund offen stand, nahm er das Skalpell zur Hand. Erneut durchflutete ihn das Gefühl der Erregung. Sie schrie, was ihn zusätzlich erregte. In die freie Hand nahm er eine Zange, um ihre Zunge zu fixieren. Die Endorphin-Ausschüttung in seinem Gehirn erreichte ihren Höhepunkt. Er setzte das Skalpell an und schnitt ihre Zunge nahe dem Zäpfchen ab. Das zähe Nachgeben ihres Fleisches unter dem Skalpell und die Schmerzensschreie dieser bösen Kreatur erregten ihn so sehr, dass er nur mit viel Mühe einen Jubelschrei unterdrücken konnte, als er die Zunge aus ihrem Mund zog. Er platzierte sie in der mitgebrachten Schatulle. Dann entfernte er die Kieferklammer. Ihre Schreie hatten sich in ein Gurgeln verwandelt, das bei jedem Atemzug einen Schwall Blut aus ihrem Mund beförderte. Er legte seine Hand auf Mund und Nase, um das Blut am Austreten zu hindern und zusammen mit all dem Bösen in ihrem Körper zu bannen.

Sie begann sich zu winden. Todesangst stand in ihren Augen. Die Erkenntnis, dass bald alles vorbei sein würde. Sie war ihrer Kräfte beraubt, wie Samson nachdem Delilah ihm die Haare abgeschnitten hatte. Nach etwa zwei bis drei Minuten erstarb ihre Gegenwehr, der Blick ihrer Augen richtete sich gen Unendlichkeit. Sie war tot. Zur Kennzeichnung für die Ewigkeit nahm er das Skalpell zur Hand und ritzte ihr die Worte Angelus in die Stirn und Anguis auf die Brust.

All das erlebte er in dieser Nacht wieder und wieder und es erregte ihn jedes Mal aufs Neue. Aus Erfahrung wusste er, dass es nicht so bleiben würde. Seine Aufgabe ging weiter. Er beobachtete schon den nächsten bösen Engel. Der...



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