Schaub | Der Schatten des Engelmachers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 242 Seiten

Reihe: Engelmacher

Schaub Der Schatten des Engelmachers

Kriminalroman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-946413-54-7
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 242 Seiten

Reihe: Engelmacher

ISBN: 978-3-946413-54-7
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Der Schatten des Engelmachers' ist Band 2 der 'Engelmacher'-Trilogie nach Band 1 'Der Engelmacher aus Frankfurt'. Es ist nicht vorbei - es war nie vorbei ... Er ist nicht allein - er war nie allein ... Der Plan des Engelmachers ist perfider und weitreichender, als es Tom Martini je angenommen hatte. Ihm steht ein Helfer zur Seite, der mit dem Detektiv spielt wie mit einer Marionette an Fäden aus Ketten. Ein weiteres Mal wird Martini die Vergangenheit zum Verhängnis. Doch es ist nicht nur der Killer, der den Privatdetektiv in Bedrängnis und an die Grenze seiner seelischen Belastbarkeit bringen wird ...

Der gebürtige Frankfurter Alexander Schaub erblickte 1969 das Licht der Welt. Bis 2014 lebte er in der Mainmetropole. Im April ´14 zog er mit seiner Traumfrau Corinna nach Hattersheim. Über zwanzig Jahre arbeitete Schaub in der IT und war für Netzwerke im Microsoft-Umfeld verantwortlich. Seit 2007 arbeitet er im technischen Support eines 3D Drucker Herstellers. Über sein Schreiben sagt er: 'Ich liebe Serien mit einem roten Faden und so soll es auch mit meinen Büchern werden. Die Charakterentwicklung meiner Protagonisten ist mir enorm wichtig.' Mehr Informationen über den Autor sowie anstehende Lesungen finden Sie unter: www.alexander-schaub.de
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Kapitel 1


05. Dezember 2012, 23:55


Die großen gläsernen Türen der Ratio-Bank in der Solmsstraße öffneten sich. Hans Büchner trat in die kalte Nachtluft, atmete tief ein und wieder aus, um dann die drei Stufen bis zu dem Parkplatz, auf dem sein Auto stand, herabzusteigen. Er gönnte sich ein paar Sekunden der Ruhe, um die weihnachtlich geschmückte Skyline Frankfurts zu begutachten. Die Vorweihnachtszeit mochte er am liebsten. Allerdings behielt er dies für sich, um sein Image als knallharter Banker zu bewahren. Büchner war Mitglied des Vorstands der 1980 gegründeten deutschen Filiale einer niederländischen Bank. Der attraktive Endfünfziger hatte volles, annähernd schwarzes Haar. Er war mittel groß und wirkte sportlich.

Am heutigen Abend, oder besser in der heutigen Nacht, hatte er wieder eine seiner Besprechungen gehabt. Normalerweise endeten diese Sitzungen gegen zweiundzwanzig Uhr, aber Büchner führte nach dem offiziellen Ende meistens eine zusätzliche Besprechung mit seiner Sekretärin. So verhielt es sich auch in dieser Nacht. Seine Sekretärin war Ende zwanzig und konnte mehr äußerliche als innerliche Attribute auf der Habenseite verbuchen. Und dementsprechend sahen diese Besprechungen aus.

Fast jedes Mal versprach ihr Büchner, dass er seine Frau verlassen würde, in Wahrheit dachte er überhaupt nicht daran. Vor einer Woche hatte er entschieden, dass er sie in einem Monat feuern würde. Er brauchte Mal wieder Frischfleisch. Bei dem Gedanken musste er lachen. Frischfleisch!

Sie zu entlassen brachte einen zweiten, nicht zu vernachlässigenden Vorteil, denn seine Frau schien Verdacht geschöpft zu haben. Also war es an der Zeit, die Sekretärin zu wechseln und seiner Frau einen neuen Pelzmantel zu kaufen. Bei Pelzen wurde Frau Büchner immer handzahm und er konnte für das nächste halbe Jahr wieder tun und lassen, was er wollte.

Büchner zog den Schlüssel seines neuen 7er BMW aus der Tasche und drückte die Öffnen-Taste an der Fernsteuerung. Mit einem dezenten Surren wurde die Verriegelung der Türen gelöst. Er drückte eine weitere Taste, die den Kofferraum aufschwingen ließ. Als Büchner den Koffer mit seinen Unterlagen hineinlegte, bemerkte er eine Bewegung hinter sich. Er drehte sich um und sah in ein fremdes Gesicht. Es war ihm suspekt, dass sich hier spät in der Nacht eine ihm unbekannte Person aufhielt. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte der Banker.

„Ja, können Sie mir sagen, wie ich in die Kasseler Straße komme? Ich habe eine Verabredung am Arche Nova-Haus.“ Bei diesen Worten wedelte der Unbekannte mit einem Stadtplan.

„Kommen Sie näher, hier am Auto sehen wir besser, ich zeig es Ihnen.“ Büchner drehte sich zum Kofferraum, in dem die Beleuchtung aufgeflammt war. Er nahm die Karte und versuchte sich zu orientieren. „Warten Sie mal, hier sind wir“, er beschrieb einen kleinen Kreis auf der Karte, „hier in der Solmsstraße, Sie müssen jetzt …“ Plötzlich spürte Büchner einen Stich in der rechten Seite seines Halses. Er sprach weiter, doch in derselben Sekunde sackten ihm die Beine weg.

27. April 1982, 07:01, Brasilien


Der Raum wirkte schmuddelig. Putz bröckelte von der Decke und Farbe blätterte von den Wänden. Die alten Holzstühle standen in einem Kreis um einen kleinen kniehohen Tisch herum. Sie wirkten abgewetzt, als hätten sie schon viele Menschen kommen und gehen sehen. Stickige Luft füllte den rechteckigen Wartesaal, denn es gab nur ein Fenster gegenüber der Tür, die schon vor langer Zeit aus den Angeln gebrochen war und nun an der schäbigen Wand lehnte. Die Sonne brannte unbarmherzig durch das offene Fenster. Wenn der Wind wehte, brachte er noch mehr heiße Luft mit sich. Eine Klimaanlage wäre einem Gottesgeschenk gleichgekommen.

Fünf Personen saßen in dem überhitzten Zimmer. Jeder wartete auf Nachrichten über einen seiner Angehörigen oder Freunde. Ein Lautsprecher, der meist nach irgendeinem Arzt rief, durchschnitt die gespenstige Stille, die hier herrschte.

Der junge Mann, der auf einem Stuhl mit direktem Blick zur Tür saß, wurde immer nervöser. Schon eine Stunde saß er hier, seit ihn die Krankenschwester aus dem Kreissaal hinaus komplementiert, ja hinaus geworfen hatte.

Dabei hatte alles blendend ausgesehen, als sie heute Morgen hier angekommen waren. Die kleine zierliche Brasilianerin bekam regelmäßig Wehen und die Ärzte meinten, es würde eine Bilderbuch-Geburt werden. Drei Stunden nach ihrer Ankunft verfrachtete die Schwester die beiden glücklichen, werdenden Eltern in den Kreissaal. Der Arzt kam zu ihnen und alles war, wie sie es sich immer vorgestellt und beim Schwangerschaftskurs gelernt hatten. Doch nach einer weiteren halben Stunde, das Baby steckte noch im Mutterleib, traten die Probleme auf. Er verstand nicht, was vor sich ging, aber er merkte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Seine Freundin glühte im Gesicht, sie schwitzte aus allen Poren. Kalter Schweiß. Der Arzt und die Schwester wirkten auf einmal nicht mehr locker und entspannt wie zu Anfang der Geburt. Weitere zehn Minuten später schob ihn die Schwester unsanft aus dem Operationssaal. Nun saß er hier und wurde von Minute zu Minute unruhiger.

Er blickte zu Boden, schüttelte den Kopf, stand auf, blickte aus dem Fenster, setzte sich wieder, sah zur Tür und blickte wieder zu Boden. Plötzlich stand die Schwester in der Tür. In ihren Armen lag ein kleines in weiße Tücher eingewickeltes Bündel. Es wimmerte leise, sein Kind. Er hastete auf die Frau zu und stolperte dabei über den Tisch in der Mitte des Wartezimmers. Als er vor ihr stand, fiel ihm auf, dass sie nicht lächelte.

„Ist das mein Kind?“, fragte er schüchtern.

Sie nickte. „Ja, ein Sohn.“ Immer noch keine Regung im Gesicht der Frau. Sie reichte ihm vorsichtig das kleine Menschenbündel.

Er sah es an und es erfüllte ihn mit Stolz. Ein Sohn, genau was er sich erhofft hatte. Dann richtete er seinen Blick auf die Schwester, „Wie geht es meiner Frau?“

Die Schwester blinzelte, wich seinem fragenden Blick ein paar Sekunden aus. Dann schluckte sie schwer, bevor sie ansetzte, „Sie ist leider bei der Geburt gestorben, es tut mir sehr leid.“ Die Welt um ihn begann sich zu drehen. Das Kind wäre ihm fast aus der Hand gefallen, doch die Schwester griff zu und behütete es davor, auf den harten Steinboden zu fallen. Ein anderer Mann sprang auf, stützte den schwankenden jungen Mann und bugsierte ihn auf einen Stuhl.

Seine Welt brach zusammen. Alles, was die Beiden sich ausgemalt hatten, zerbrach in dieser Sekunde. Alles war vorbei, nur das Baby blieb ihm. Ein Baby, mit dem er nichts mehr anfangen konnte, ohne sie.

Zwei Tage später. Die Trauer und der Schmerz über den Verlust seiner Frau waren unermesslich. Sie fehlte ihm so sehr, seine kleine süße Frau. Was sollte er mit dem Baby machen? Er war kein Vater, nicht ohne sie. Dazu seine finanzielle Situation. Was soll ich nur tun, dachte er immer und immer wieder, während das Baby weinte und schrie. Er rang sich zu einem Entschluss durch.

Er saß in einem schmucklosen Büro auf einem zerschlissenen Besucherstuhl, vor ihm ein alter Massivholz-Schreibtisch. Auf den Beinen das weinende Bündel Mensch. Von der anderen Seite des wuchtigen Holzungetüms schaute ihn eine streng dreinblickende Frau an. Die Leiterin des Kinderheims.

„Ihr Entschluss ist endgültig? Sie wollen Ihr Kind in unsere Obhut und die des Herrn übergeben?“ Die grauen Augen der etwa sechzigjährigen Frau musterten ihn argwöhnisch.

„Ja. Ich bin mir sicher. Ich kann nicht für ihn sorgen, so wie seine Mutter es gekonnt hätte.“ Ihm steckte ein Klos im Hals.

„Sie sind sich der Schwere Ihrer Entscheidung bewusst? Sie werden das Kind nie wiedersehen und es wird nie erfahren, wer seine Eltern sind. Das ist die Philosophie, die unsere Einrichtung verfolgt.“

„Ja, ich weiß“, war alles, was er herausbrachte. Das schlechte Gewissen nagte an ihm.

„Gut!“ Damit beugte sich die Heimleiterin herunter und zog einige Formulare aus einer der Schreibtischschubladen. „Bitte füllen Sie diese Dokumente komplett und sogfältig aus. Mit Ihrer Unterschrift auf dem letzten Bogen überstellen Sie das Baby unwiderruflich in unsere Obhut.“

Sie reichte ihm einen Kugelschreiber. Er füllte alle Felder der Fragebögen aus. Seine Hand zitterte. Auf der letzten Seite, an dem Unterschriftsfeld, zögerte er einige Sekunden. Dann setzte er seinen Namen auf die dafür vorgesehene Linie. Ihm war, als habe er mit seinem Blut unterschrieben und einen Pakt mit dem Teufel geschlossen.

15. Juli 2010, 10:20


Christopher lief die Straße entlang wie schon viele Male zuvor. Auf beiden Seiten parkten Fahrzeuge, um den Durchgangsverkehr zu verlangsamen und den Anwohnern etwas Ruhe zu verschaffen. Die Sonne, die vom blauen wolkenlosen Himmel herab brannte und die Temperaturen über die dreißig Grad Marke trieb, wurde von den Windschutzscheiben reflektiert.

Seine Gedanken verweilten bereits bei ihm. Eine große Tat warf ihren Schatten voraus und weitere würden folgen. Vorfreude ergriff ihn, er durfte daran Teil haben. Und nicht nur er, all die anderen auch.

Fünf Minuten später erreichte Christopher das Haus und klingelte. Der Türsummer erklang nach ein paar Sekunden. Er stieg die drei Treppen hinauf. An der Tür wartete er schon, der Meister. Christopher verneigte sich respektvoll und trat dann ein. Er folgte ihm in das Wohnzimmer und durfte auf einem der Sessel Platz nehmen. Der Meister ließ sich gegenüber nieder.

„Meister, ich habe von Eurem Werk gelesen. Wundervoll!“

„Das war nur der Anfang, Christopher. In zwei Wochen wird das nächste folgen. Dieses wird eine Reihe von Vorgängen auslösen...



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