Scheer | ZBV 1: Zur besonderen Verwendung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten

Reihe: ZBV

Scheer ZBV 1: Zur besonderen Verwendung


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5048-7
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten

Reihe: ZBV

ISBN: 978-3-8328-5048-7
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Thor Konnat ist Agent ZBV. Durch eine Hirnoperation wird er ein anderer Mensch. Nach diesem Marsch durch die Hölle seelischer Qualen erfährt er, daß er eine besondere Macht besitzt. Er wird mit einer großen Aufgabe betraut: der Rettung der Menschheit.

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Bei diesen Worten mußte ich etwas näher an die Aufnahmeoptik gekommen sein. Ich bemerkte, wie sich ihre Augen plötzlich weiteten. Sie atmete so hastig, daß sie kaum sprechen konnte. »Sind Sie wahnsinnig! Wie können Sie hier anrufen! Sie wissen wohl gar nicht, daß...!« Ich lachte höhnisch. Sie war irritiert und vollendete den Satz nicht mehr.

»Reden Sie nicht so lange. Wagen Sie es außerdem nicht, die Verbindung zu unterbrechen«, entgegnete ich kalt und stellte mich voll vor die Optik. »Sie sollten einsehen, daß es mir in meiner Lage gleichgültig ist, ob Ihnen der Anruf paßt, oder nicht. Geben Sie mir Gutris.«

»Augenblick«, sagte sie nervös. Ihr Fernbild verschwand.

Ich begann verhalten zu lächeln. Sie hatte mich erkannt; das genügte mir. Sie schien schon zu wissen, daß Dr. Tensin eine tolle Sache gedreht hatte.

Offiziell konnte die Nachricht vom Auffinden des Bombers und der »ermordeten« GWA-Beamten noch nicht bekannt sein. Infolgedessen hätte sie über meinen Anruf entschieden überraschter sein müssen, da sie der Meinung sein mußte, ich befände mich im sicheren Gewahrsam auf den Nevada- Fields. Ihre Reaktion ließ jedoch die Schlußfolgerung zu, daß man bereits über den Vorfall im Transportbomber und die späteren Ereignisse umfassend informiert war. Die Meldung konnte nur von jenem Piloten ausgeführt worden sein, der uns von Washington aus gefolgt war. Den Leuten mußte es

tatsächlich eigenartig vorgekommen sein, als der Bomber plötzlich vom Zielkurs abdrehte und mit Höchstgeschwindigkeit davonraste.

Wahrscheinlich hatte der Pilot eine Meldung abgesetzt, die dieser Hank Gutris ebenfalls erhalten hatte.

Auf dem Bildschirm tauchte das Gesicht eines Mannes auf, den ich auf Anhieb erkannte. Die Photos waren gut und einwandfrei gewesen.

Ich vernahm schwere Atemzüge und sagte erheitert:

»Hallo, Gutris, auch schon da? Mit meinem Anruf haben Sie wohl niemals gerechnet, was? Wer war die junge Frau? Was weiß sie?«

Sein breites, etwas aufgedunsenes Gesicht verzerrte sich zu einer ärgerlichen Grimasse. Ich hatte den Eindruck, als versuchte er ein Lächeln.

»Mann, Sie haben Nerven«, stöhnte er. »Ich sehe an der Verbindung, daß Sie im Stadtnetz hängen. Wo sind Sie?«

»Ich hoffe, daß Sie mich sofort abholen, Gutris«, erwiderte ich und trat noch dichter an das Aufnahmeauge heran. »Ich hoffe außerdem, daß Sie keine Dummheiten begehen.« Sein Gesicht zeigte keine Regung.

»Reden Sie doch keinen Unsinn! Wir haben auf Sie gewartet. Außerdem wollten wir auch etwas unternehmen, doch Sie sind uns zuvorgekommen. Mensch, wie haben Sie das geschafft. Halt - sprechen Sie nicht weiter. Wo sind Sie? Ich lasse Sie umgehend abholen. Erklärungen später. Hören Sie sich die TV-Meldung an, die soeben durchkommt. Man hat den Bomber gefunden und einen gefesselten Mann. Verschwinden Sie sofort aus der Nähe Ihrer Maschine. Die Beschreibung wird soeben durchgegeben.«

Mir wurde sehr heiß! Unser Suchkommando war etwas zu früh eingetroffen; auch die Fernsehsendung kam zu früh durch. Nur wenige Meter hinter mir stand der gestohlene Flugschrauber, auf dessen Rumpf die Erkennungszeichen leuchteten.

Hastig erklärte ich, wo wir uns befanden. Mr. Gutris gab mir noch einige kurze Anweisungen. »Holy wird Sie abholen. Ein grüner Hubschrauber mit unserem Firmenzeichen. Holy ist die Frau, mit der Sie gesprochen haben. Ende. Verschwinden Sie.« Die Bildfläche verdunkelte sich. Ich verließ die Zelle.

Als ich über die angestrahlten Stufen zum Parkplatz hinunterging, hörte ich hinter mir die Stimme eines Nachrichtensprechers. Jemand hatte sein TV-Gerät auf volle Lautstärke aufgedreht. Ich bemerkte erstaunte und erstarrende Gesichter.

»Achtung, Achtung, Warnung an alle! Wir wiederholen unsere Sondermeldung und erbitten die Mithilfe der Öffentlichkeit. Hier spricht Oberstleutnant Gernier, Chef der Staatspolizei in Utah. Achten Sie auf einen Flugschrauber, Modell »Bell-TK-860«, bekannt unter der Bezeichnung »Moskito«. Kennzeichen CC-S-25-2895. Die Maschine wurde von zwei flüchtigen Verbrechern gestohlen. Es handelt sich um den in Washington wegen Landesverrats angeklagten und verurteilten Physiker Dr. Bob Tensin und um den ehemaligen Chefpiloten der Moon Lines, Michael Hollak. Es ist ihnen gelungen, die Begleitmannschaft zu ermorden und mit der soeben beschriebenen Maschine zu entkommen. Die Bevölkerung von Utah wird dringend gebeten, auf die Gangster zu achten, deren Bilder im Anschluß an diese Durchsage gezeigt werden. Achtung, dringende Warnung an alle Polizeieinheiten! Dr. Tensin und Hollak sind mit gefährlichen GWA-Waffen ausgerüstet. Eröffnen Sie rücksichtslos das Feuer, sobald Sie die Gesuchten sehen sollten. Wir...!«

Ich mußte mich bemühen, nicht in weiten Sätzen über den Parkplatz zu rennen. Meine Hände waren verkrampft. Ich war bereit, jeden niederzuschlagen, der meinen Weg kreuzen sollte. Hinter mir hörte ich erregte Worte und Zurufe. Man schien allgemein zu wissen, wer die beiden Übeltäter waren. Für diese Informationen hatten die öffentlichen Kommunikationsmittel schon seit Tagen gesorgt. In den USA gab es wohl kaum jemand, der die Gerichtsverhandlung nicht verfolgt hätte. Es war die Sensation der Woche gewesen.

Als ich fast unsere Maschine erreicht hatte, erkannte ich plötzlich den Wächter, der hinter einem anderen Hubschrauber in Deckung stand und zu unserem Fahrzeug hinübersah. Mit einem unterdrückten Ausruf fuhr er herum, wollte eilig davonlaufen und rannte mir bei diesem Versuch direkt in die Arme.

Er wollte aufschreien, doch er kam nicht mehr dazu. Wieder einmal war ich gezwungen, einen Unschuldigen anzugreifen, obwohl es als GWA-Agent meine Pflicht gewesen wäre, solchen Menschen beizustehen. Er glitt lautlos zu Boden, als meine Handkante seinen Hals traf. Ich hob den Besinnungslosen in den Schatten der fremden Maschine und eilte mit weit ausholenden Schritten zu unserem Flugschrauber hinüber.

Als ich dort ankam, sprang Hannibal aus der Kabine. In seiner Hand funkelte die Thermo-Rak- Pistole.

»Abhauen«, rief er mir leise zu. »Hast du die Meldung gehört?«

Ich nickte nur. Gleichzeitig rannten wir von dem erleuchteten Parkplatz weg.

»Hinunter zum See«, informierte ich Hannibal hastig. »Wir werden abgeholt. Wir sollen an der östlichen Umzäunung eines kleinen Salzwasser-Schwimmbades warten. Dort ist jetzt nicht mehr viel Betrieb. Es fällt daher nicht auf, wenn ein Hubschrauber landet.«

Wir rannten weiter und hielten uns immer auf den schmalen Wegen, die sich am Ufer des Großen Salzsees entlangzogen. Nach etwa zehn Minuten erblickten wir eine freie Rasenfläche, die mit dichten Hecken umgeben war.

Auch hier sahen wir einige Menschen, denen es ein Vergnügen zu bereiten schien, sich bei Nacht in dem Becken zu tummeln. Das Wasser war so salzhaltig, daß man bewegungslos auf dem Rücken liegen konnte und kein Untergehen zu befürchten brauchte.

»Sieh dich nach dem Denkmal eines Mormonen-Predigers um«, sagte ich leise zu Hannibal. »Es muß hier in der Nähe stehen.«

»Welches Denkmal? Wie hieß der Mensch?«

»Was weiß ich«, fuhr ich ihn an, »das ist doch wohl gleichgültig.«

»Mir nicht«, beschwerte er sich. »Ein Mann, der so bedeutungsvolle Vornamen besitzt wie ich, hat sich grundsätzlich nach dem Namen anderer, ebenfalls berühmter Persönlichkeiten zu erkundigen.« Er grinste und deutete nach links hinüber, wo ich tatsächlich die Umrisse einer Statue erkannte, die auf einem mächtigen Sockel ruhte.

Wir schlichen uns vorsichtig näher und gingen den Leuten aus dem Weg, die uns zumeist paarweise und engumschlungen entgegenkamen.

»So gut möchte ich es auch einmal haben«, äußerte der Kleine. »Die wissen gar nicht, welch ein angenehmes Leben sie führen.«

Ich sagte nichts, denn was hätte ich darauf erwidern sollen?

Wir setzten uns hinter einigen Büschen nieder und lauschten nach oben. Brummend flogen Maschinen vorbei, doch der grüne Hubschrauber mit dem Firmenzeichen unseres ehrenwerten Freundes war nicht dabei.

»Ob TS-19 schon in der Nähe sein kann?« murmelte ich auf Grund meiner Überlegungen. »Wenn er nach seinem Fallschirmabsprung sofort von einer schnellen Maschine aufgenommen worden ist, kann er sich jetzt in der Stadt aufhalten. Der Alte wird wohl dafür gesorgt haben, daß er zuerst bedient wurde. Wir wollen es versuchen.«

Ich lehnte mich zurück, griff in die Hosentasche und tastete nach der Stelle, wo in meinem Bein der Sender untergebracht war. Mit den Fingerspitzen fühlte ich durch das dünne Taschenfutter hindurch die kaum spürbare Erhebung, unter der sich die winzige Sendetaste befand.

Ich gab viermal mein Rufzeichen durch und funkte einen kurzen Bericht im Klartext. Wenn unser Verbindungsmann in der Stadt weilte, mußte sein Empfänger jetzt ansprechen.

»Denk an unsere Sicherheit«, flüsterte Hannibal. Eine leichte Unruhe machte sich bei ihm bemerkbar. »Es ist ein äußerst unangenehmes Gefühl, vor den eigenen Leuten auf der Flucht zu sein und eventuell von ihnen erschossen zu werden. Wenn ich schon meinen bildschönen Kopf hinhalten muß, so soll es wenigstens einen Sinn haben.«

Ich blickte zur Seite, betrachtete seine rostroten Borstenhaare und lächelte anzüglich. Abschließend zu meiner Meldung gab ich durch:

»Sofort dafür sorgen, daß eine Meldung durchgegeben wird, wonach wir in einem anderen Stadtteil gesehen worden sind. Die Aufmerksamkeit des Publikums und der Polizei muß abgelenkt werden. Diese Aufgabe hat Vorrang. Ende.«

Ich nahm die Hand aus der Tasche und hoffte, daß unsere Botschaft TS-19 erreicht hatte. In dem Fall würde er nun umgehend dafür...



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