E-Book, Deutsch, Band 12, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 12: Fähigkeiten unbekannt
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5059-3
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 12, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5059-3
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf dem Mond sind Zeitmaschinen gefunden worden. Kurz darauf stößt man bei Frankfurt a. d. Oder auf die sterblichen Überreste preußischer Soldaten aus der Zeit Napoleons, die von supermodernen Explosivwaffen getötet wurden. Alarm für die GWA. Jemand muß eine Zeitmaschine gestohlen haben. HC-9 und MA-23 unternehmen eine Reise in das Jahr 1811, um den Täter zu entlarven.
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7.
Ich erhob rein gewohnheitsmäßig die linke Hand, um auf die Datumsmarke meiner Uhr zu sehen, bemerkte aber nur die kostbaren Spitzen meines feinen Hemdes. Natürlich hatte die moderne Uhr den Erfordernissen weichen müssen. Es war kurz vor Sonnenaufgang. Wir schrieben den 10. Juni 1811. Weiter vorn rauschten die Fluten eines noch ungebändigten Stromes durch ein weites, von grünen Hängen eingefaßtes Bett. Es war die Oder. Das Wasser war klar und ungetrübt. Die letzten Sterne verblaßten. Weit über uns verlief sich das dumpfe Geräusch des Atomtriebwerks. Auch das schrille Pfeifen der mächtigen Turbo-Rotoren verklang. Der Großraumtransporter war wieder gestartet, nachdem er uns programmgemäß dicht am Ufer abgesetzt hatte. Ich zog fröstelnd den Umhang über die Schultern. Er entsprach ebenso der Mode des späten Empire wie mein grasgrüner Frackrock, die engen Hosen und die Reitstiefel. Sogar eine kostbare Schärpe und einen noch schöneren Degen hatte man mir verliehen. Die doppelläufige Pistole in besagter Schärpe war ein Monstrum an Plumpheit und geringer Feuerkraft. Am meisten störte mich die ekelhafte Halsbinde über einem hochgestellten Kragen. Ich fluchte verhalten vor mich hin. Dann lauschte ich wieder in die Frühlingsdämmerung. Es war alles totenstill. Auf dem nahen Fluß war nicht einmal ein Fischerboot zu sehen. Die Landstraße nach Fürstenberg lag hinter uns. Ein Wäldchen deckte uns gut gegen Sicht. Hinter einer dichten Schilfhecke standen unsere Pferde. Es waren vier rassige Reit- und Packtiere. Die Sergeanten Tundry und Polks verluden die übernommenen Gepäckstücke sachkundig auf den Packsätteln. Ihre Kleidung war ärmlicher und einfacher als die von Hannibal und mir. Sie galten offiziell als unsere Diener. Das gehörte sich so für hohe Herren des Jahres 1811. Ansonsten wiesen mich zahlreiche Urkunden, Empfehlungsschreiben und Pässe als den Grafen Eberhard von Laufenstein aus, seines Zeichens Bürger der Vereinigten Staaten und Oberst in der US-Armee. Ich war ein direkter Nachkomme eines verarmten deutschen Adligen, der angeblich während des Befreiungskrieges in die Neue Welt gekommen war. Hannibal galt als bürgerlicher Major der US-Armee. Er führte den Namen Jeremie M. Snatcher. Auch seine Kleidung gewann durch Schärpe, Degen und Pistole ein leicht militärisches Aussehen. Wir hatten darauf verzichtet, unsere historischen Uniformen anzulegen. Unsere Papiere waren ausgezeichnet. Ich hatte sogar ein handschriftliches Empfehlungsschreiben des Zaren Alexander erhalten. Der russische Geheimdienst hatte hervorragende Arbeit geleistet. In der kleinen Tasche meiner engen Reithose summte die Spezialuhr. Es war ein unförmiges Gebilde aus achtzehnkarätigem Gold. Ein Uhrmacher dieser Zeit wäre zweifellos ohnmächtig geworden, wenn er das winzige Werk hätte sehen können. Ansonsten hatten wir den beachtlich großen Innenraum der Taschenuhr für einen hochwertigen Sup-Ultra-Sender benötigt. Diesmal hatten wir sogar Empfänger bei uns. Die Wunderwerke aus den mikrotechnischen Labors der GWA waren bequem in den Gehäusen untergebracht.
Ich nahm das schwere Ding aus der Tasche, drückte auf den Kontaktstift und hielt es mit der Krone dicht an mein Ohr.
»HC-9 spricht«, meldete ich mich leise. Das Mikrophon fing die Worte auf.
»HC-9 spricht. Bitte melden.«
»Sir«, vernahm ich die Antwort aus dem Mikrolautsprecher.
»Verbindung sehr gut. Ich stehe mit dem Ato-Bomber vierzig Kilometer über Ihrem Standort. Relaisgeräte sind zur direkten Übertragung auf den Stützpunkt geschaltet. Noch besondere Anweisungen, Sir?«
»Im Moment keine. Der Transporter scheint unbemerkt in die Luft gekommen zu sein. Passen Sie auf, daß Sie nicht vorzeitig geortet werden. Sonst noch etwas?«
»Nein, Sir. Moment bitte, eben läuft eine Nachricht ein. Sekunde, Sir.« Ich wartete. Wieder glitten meine Blicke über die stille Landschaft. Wie schön war diese von Menschenhand noch unberührte Natur. TS-19 meldete sich wieder.
»Professor Goldstein war >oben<, Sir. Kam eben zurück. Der Chef hat geschaltet. Die Weltpresse überschlägt sich fast, besonders die amerikanischen Zeitungen. Das Space-Department hat den rätselhaften Diebstahl des sogenannten Würfelraumschiffes bekanntgegeben. Oberst Tantulf, unser Kollege, ist offiziell verhaftet worden. Fingierte Beweismittel sind gefunden worden. Er wird verdächtigt, Ihnen bei dem Diebstahl geholfen zu haben. Television und Funk haben den Fall aufgegriffen. Sie werden beschuldigt, Professor Goldstein gegen dessen Willen gezwungen zu haben, die Entführung des marsianischen Schiffes zu ermöglichen. Die Space-Force meldet Alarmstufe eins. Ein toller Wirbel, Sir!« Ich lächelte grimmig vor mich hin. Alles verlief wunschgemäß! Nun mußte es mit dem Teufel zugehen, wenn unsere unbekannten Freunde nichts davon erfuhren. Es stand fest, daß sie in bestimmten Abständen ebenfalls im Jahre 2005 auftauchten. Sie benötigten einen gewissen Nachschub, und dabei hatten sie es wesentlich schwerer als wir. Sie mußten sämtliche Dinge so unauffällig wie möglich beschaffen, angefangen von der Konservendose bis zum hochwertigen Spezialinstrument.
»Danke, wir werden sehen. Ich rufe Sie später an. Noch etwas! Sorgen Sie dafür, daß der Ortungsneutralisator Ihrer Maschine einwandfrei arbeitet.«
»Sie können sich auf mich verlassen, Sir. Das Gerät funktioniert bestens. Von einer normalen Radarstation können wir unter keinen Umständen ausgemacht werden. Ende.« Hannibal kam herüber. Seine hohen Stiefel platschten durch den feuchten Untergrund.
»Okay«, murrte er.
»Es wäre mir lieber, wenn diese vierbeinigen Viecher Druckknöpfe zur Lenkung hätten. Die haben ihren eigenen Kopf, hm!« Mißmutig schielte er zu den unruhigen Pferden hinüber. Ich vernahm die beruhigenden Stimmen unserer Kollegen aus der militärischen GWA-Garde. Es waren hochqualifizierte Männer, die praktisch nichts mehr überraschen konnte. Hannibal wirkte etwas unglücklich. Der Gedanke, auf einem Pferderücken durch die Vergangenheit zu reisen, schien ihn nicht besonders zu erheitern. Dabei war er ein ausgezeichneter Reiter, auch wenn seine Beine kaum bis zu den Steigbügeln reichten.
»Geht vorsichtig mit den Kisten um«, rief er verhalten zu unseren Leuten hinüber.
»Zur Hölle, wenn die Eier auf einmal explodieren, fallen noch in Berlin die Fensterscheiben 'raus.« Polks grinste unmerklich. Seine langen Haare wurden im Nacken von einem Band aus Klapperschlangenhaut gehalten; Sergeant Tundry, der kräftig gebaute Spezialist für moderne Angriffstaktik, kam gemächlich herüber. In den Händen hielt er zwei plumpe Schießprügel mit daumenstarken Rohren und dicken Holzschäften. Die Feuersteinschlösser waren fast größer als unsere modernen Einsatzwaffen. Was denken Sie wohl, wie hervorragend und unauffällig unsere Experten die kurzen Reitermusketen verwandelt hatten! Unter dem mächtigen Lauf lag ein anderes Exemplar dieser Gattung im Holz eingebettet. Neben dem urtümlichen Steinschloß befand sich die vollautomatische Magazinführung eines modernen Maschinenkarabiners, und in dem dicken Kolben hatte bequem ein Magazin mit zweihundertdreißig Schuß Platz gefunden. Wenn diese Waffen zu arbeiten begannen, jagten die elektrisch gezündeten Kleinstraketen mit Thermonital-Hitzeladungen aus dem Lauf. Unsere Pistolen enthielten das gleiche Geheimnis, nur hatten wir darin nicht die großen Magazine unterbringen können. Immerhin hatte es für fünfzig .222er Thermo-Rak-Projektile ausgereicht. Sie konnten von dem langgestreckten Kolben aufgenommen werden. Das war nur ein kleiner Teil unserer Spezialausrüstung. Zweifellos waren wir dem Gegner damit überlegen. Man hatte in unseren Labors alles für die Tarnung getan.
»Durchgeladen und gesichert, Sir«, erklärte Tundry seelenruhig.
»Reservemagazine sind auf beiden Packpferden. Sie bekommen noch je zwei in Ihre Satteltaschen.« Ich sah auf die Uhr. Sie zeigte die geltende Zeit an.
»Okay, wir lagern hier bis acht Uhr. Machen Sie ein Feuer an, Polks. Heute können Sie noch einmal Fertigrationen verwenden. Wir reiten kurz nach acht Uhr los. Der von dem deutschen Historiker ermittelte Feuerüberfall auf die Schwadron der Schweren Kürassiere erfolgte in den frühen Morgenstunden des 11. Juni 1811. Das ist morgen um die gleiche Zeit. Wir reiten an dem Ort vorbei, sehen uns die Deckungsmöglichkeiten an und übernachten dann in Fürstenberg. Dort schauen wir uns um. Die Tatsachen können sich nicht mehr negativ verändern, da wir nun einmal um einen Tag früher an Ort und Stelle sind. Die Skelettfunde beweisen, daß dieses Gefecht stattgefunden hat. Nach den Berechnungen des positronischen Gehirns und dem Bericht dieses preußischen Offiziers haben die Leute des erwähnten Wagenzuges ebenfalls in der Nacht vom 10. zum 11. Juni 1811 in einer Fürstenberger Herberge übernachtet. Wir müssen sie also finden. Es gibt überhaupt keine andere Möglichkeit. Polks!« Der mittelgroße, untersetzte Sergeant wandte den Kopf.
»Polks, Sie passen mir gefälligst auf Ihren Sprachschatz auf. Ausdrücke des 21. Jahrhunderts haben zu unterbleiben. Sagen Sie vor allem nicht >okay<, verstanden?«
»Okay, Sir, ich meine: jawohl, Sir.« Der Zwerg grinste belustigt. Etwas beunruhigt stellte ich fest, daß er an der Sache Spaß gewann. Ich blickte ihn beschwörend an.
»Auch wenn du dir einbildest, ein direkter Nachkomme des Feldherrn Hannibal zu sein, laß es dir trotzdem nicht einfallen, den Unverletzbaren zu spielen! Die Bleikugeln dieser Zeit haben eine sehr unangenehme Wirkung. Die Geschichte beweist, daß man auch damals zu treffen verstand. Also werde nicht leichtsinnig.« Tundry lachte unterdrückt. Der Zwerg spie Gift und Galle. Er begann wieder mal meine...




