E-Book, Deutsch, Band 13, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 13: Vorsicht Niemandsland
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5060-9
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 13, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5060-9
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tödliche Viren sind auf der Erde eingeschleppt worden. Bereits 500 Millionen Menschen sind an der Seuche erkrankt. Noch kennt man kein wirksames Gegenmittel. Da findet Thor Konnat, Agent ZBV der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr', den Bazillenträger. In letzter Sekunde gelingt es ihm, den Angriff des unbekannten Gegners abzuwehren.
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7.
Es war 11 Uhr 48 gültiger Stationszeit. Wir richteten uns hier nach dem gewohnten 24-Stundentag, obwohl uns die lebensfeindliche Umwelt nicht den Gefallen tat, die Sonne regelmäßig auf- und untergehen zu lassen.
Wir standen und saßen in dem größten Raum des Kreuzers, der wohl auch früher als Messe oder Versammlungshalle gedient haben mochte. Wir hatten die Inneneinrichtung des Schiffes vollkommen nach unseren Bedürfnissen verändert. Geblieben waren nur die gewaltigen Maschinen und die angsteinflößenden Superwaffen eines planetarischen Volkes, dessen Untergang vor etwa 187.000 Jahren irdischer Zeitrechnung nur von einigen Fehlern und Zufällen abgehangen hatte. Wir wußten genau, daß der Kreuzer, in dem wir uns jetzt befanden, vor undenklichen Zeiten zur Raumschlachtflotte des marsianischen Admirals Saghon gehört hatte.
Dennoch stand fest, daß dieses Schiff beim Vernichtungsangriff auf das Planetensystem der Sonne Deneb mitgewirkt hatte. Damals war die Heimatwelt der eroberungslüsternen Deneb-Bewohner von Admiral Saghon atomisiert worden. Zahlreiche Filme gaben darüber exakte Auskunft.
Nun starteten wir den Versuch, das Schiff wieder zu jenem Planeten zu bringen, auf dem es erbaut worden war: zum Mars. Vor 187.000 Erdenjahren eine radioaktive Wüste, waren jetzt kaum noch Strahlungsspuren feststellbar. Während des langen interstellaren Krieges hatte sich die damalige Marsbevölkerung in die Tiefen ihres Himmelskörpers zurückgezogen. Oben hatte es keine Lebensmöglichkeiten mehr gegeben. Wir wußten aus den vorliegenden Berichten unserer Forscher, daß der Mars mit einer Termitenwelt vergleichbar war. Zahlreiche der gigantischen Untergrundstädte hatten das Chaos überstanden. Nur die Bevölkerung war damals in einem unfaßlichen Krieg ausgelöscht worden.
In einer dieser Siedlungen hatten wir den ersten irdischen Stützpunkt errichtet. Es war eine Stadt namens Topthar. Über ihr hatte der größte und gewaltigste Raumflughafen des Mars gelegen. Es existierten sogar noch Oberflächenbauwerke, die aber zum großen Teil vom roten Sand der zerstörten Städte bedeckt wurden.
Irgendwo lauerte da oben das Unheil. Irgendwo mußte sich Pater Fernando aufhalten, der Mann mit den »guten Augen«.
Unsere letzte Einsatzbesprechung war beendet. Vor mir standen fünfzig Männer und eine Frau. Die tausendfach gesiebten Spezialsoldaten aus allen Nationen der Erde unterstanden der Geheimen- Wissenschaftlichen-Abwehr, die als direkter Vertreter der IAK fungierte.
Unter den Männern befanden sich hochqualifizierte Techniker und Wissenschaftler. Nur fünfundzwanzig Mann galten als Einsatzkommando. Wir waren mit marsianischen Energiestrahlern ausgerüstet, außerdem mit den großartigsten Errungenschaften, die Menschengeist bisher ersonnen hatte.
Dicht neben mir saß Manzo in einem Spezialsessel. Der 2,50 Meter große Mutant mit dem gewölbten Brustkorb, den mächtigen Säulenbeinen und den faustgroßen Augen über einem riesigen Mund war zu einer vertrauten Figur geworden. Seine grünliche Schuppenhaut hatte er nicht verloren, seine parapsychischen Gaben auch nicht; sie hatten sich sogar vervollkommnet. Er hörte schweigend zu. Für Manzo gab es nichts mehr zu überlegen. Ich rekapitulierte kurz: »Start erfolgt also in zwölf Minuten. Captain Lobral als anerkannt bester Raumpilot der Erde wird den Deneber nicht aus den Augen lassen. Die technische Überwachung erledigt das Team von Dr. Ing. Snofer. Die Astronauten stellen unter Verwendung des elektronischen Hirns fest, ob der Deneber genau auf dem vorberechneten Kurs ist. Wir werden den Mars in etwa drei Stunden erreichen. Es erfolgt eine Direktlandung ohne zeitraubende Bremsellipsen. Captain Listerman als Spezialist für marsianische Beutewaffen besetzt mit seinen Männern die Feuerleitzentrale des Kreuzers. Wenn wir auch nicht wissen, wie die ungeheuren Energien der Strahlkanonen ausgelöst und gerichtet werden, so wissen wir doch genau, auf welche Knöpfe wir zu drücken haben. Gebe Gott, daß keine Fehlerquellen entstehen. Wenn das passiert, sind wir erledigt.«
Die Männer sahen mich stumm an. Sie trugen die zartblauen Kombis des GWA-Raumkorps. Wissenschaftliche und technische Offiziere waren an den besonderen Symbolen zu unterscheiden. Alle gehörten sie zur militärischen GWA, bis auf Hannibal, Manzo und mich. Taly Neon hatte eine halb passive, halb aktive Rolle erhalten.
Das war es aber nicht, was uns von der sorgfältig ausgesuchten Besatzung des Marskreuzers unterschied. Unser Spiel war gewagt, der Einsatz hoch. Er war identisch mit dem gesunden Fortbestehen unserer Menschheit.
Wir vier, Taly, Hannibal, Manzo und ich, trugen knallgelbe, auffällige Kunststoffkombinationen mit dem Abbild einer schwarzen Sonne auf dem Brustteil. Dadurch unterschieden wir uns wesentlich von den anderen Einsatzteilnehmern. Besonders Manzo sah fremdartig aus. Er wirkte mit seiner monströsen Gestalt und dem mächtigen haarlosen Kopf wie ein Koloß.
»Es wird Zeit«, entschied ich. »Colonel Minhoe, wenn wir oben angekommen sind, gelten Sie als offizieller Befehlshaber dieser Expedition. Wir >Gelbgekleideten< sind die Schlüsselfiguren in einem Plan, den die GWA ausgearbeitet hat. Wir sind Deneber, ist das klar? Nichts und niemand darf Sie verleiten, zuzugeben, daß wir lediglich etwas veränderte Gehirne haben. Kurz vor der Landung haben alle Beteiligten die Absorberhelme aufzusetzen. Achten Sie sorgfältig auf den Ladezustand Ihrer Speicherbatterien, damit Ihr Hirnwellenmuster grundsätzlich verzerrt wird. Es darf unter keinen Umständen geschehen, daß telepathisch veranlagte Lebewesen in Ihren geheimsten Gedanken herumschnüffeln und somit feststellen, daß die angeblichen Deneber getarnte GWA-Agenten >zur besonderen Verwendung< sind. Gehen Sie nun bitte auf Ihre Wachstationen, und - viel Glück!« Die Männer schritten wortlos auf das Panzerschott aus MA-Metall zu.
»Wir können es gebrauchen, das Glück«, murmelte Hannibal mit einem Blick auf meine auffällige Kombination.
Taly lachte. Sie konnte aber ihre Nervosität nicht verbergen. Dann verstummte sie abrupt.
Manzo erwachte aus seiner starren Haltung. Da er den Kopf nicht wenden konnte, drehte er den ganzen Körper herum. Ich blickte zu ihm hoch. Hinter den wulstigen Lippen erschienen die scharfen Knochenreihen. Seine Augen glänzten im gedämpften Licht der Messe.
»Die Nachricht ist durch, Sir«, meldete er mit seiner dröhnenden Stimme. »Die telepathische Verbindung mit Kiny funktioniert ausgezeichnet. Machen Sie sich aber keine weiteren Hoffnungen, Sir. Zur Überbrückung der Entfernung Mars - Erde wird meine Kraft nicht ausreichen.« Ich nickte und schlug ihm freundschaftlich auf den Rücken. Er spürte es nicht einmal.
Vor dem Schott stand unser altbewährter Verbindungsmann, den ich bis zur Stunde nur unter der Kodenummer TS-19 kannte.
Er trug nun ebenfalls keine Maske mehr. Sein schmales Gesicht mit den hellen Augen, die ich immer hinter den Ausschnitten seiner Einsatzfolien gesehen hatte, wirkte ernst, obwohl er lächelte. TS-19 war still und zurückhaltend. Er hatte eine angenehme und vertrauenerweckende Art. Auf ihn konnte man sich verlassen.
Auch diesmal sollte er der Mann im Hintergrund sein. Seine Uniform wies ihn als wissenschaftlichen Offizier des GWA-Raumkorps aus.
»Drei Minuten nach unserem Start beginnt die Mondstation von Luna-Port zu arbeiten«, sagte er gelassen. »Man wird auf dem Mars endlich erfahren, daß auf der Erde eine verheerende Seuche ausgebrochen ist. Darüber hinaus wird man hören, daß ein sehr schnelles Raumschiff mit einem Spezialkommando ankommt. Die Befehlsgewalt geht auf den Kommandanten dieser Expedition über. Damit haben wir freie Hand, Sir. Ich befürchte nur, daß Sie sich in Ihrer Rolle als Deneber nicht ausgesprochen wohl fühlen werden.«
»Sie haben die Ursache meiner schlaflosen Nächte erkannt«, nickte ich. »Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Also - gehen wir?«
»Noch zwei Minuten«, meinte Taly. »Sagen Sie, was muß geschehen, wenn die Maschinen dieses Schiffes doch nicht mehr richtig funktionieren? Wenn Fehlerquellen auftauchen? Es ist so alt, so erschreckend alt. Ich glaube, ich fürchte mich etwas.«
Sie sagte es lächelnd. Ihr Blick auf Manzo ließ sie innerlich erbeben. Sie hatte sich an unseren bewährten Kollegen noch nicht richtig gewöhnt.
»Es wird funktionieren, es muß einfach. Kommen Sie.«
Die Würfelzentrale des Kreuzers enthielt einige hochlehnige Pneumatik-Sessel. Es waren die gleichen Modelle, die auch in unseren Raumschiffen aufgestellt wurden. Mit den marsianischen Sitzgelegenheiten hatten wir nicht viel anfangen können. Sie hatten sich als zu klein erwiesen. Für Manzos Körper waren auch unsere Normalsessel zu eng. Deshalb war für ihn eine Spezialkonstruktion angefertigt worden.
Manzo saß direkt neben dem Deneber. Auf der anderen Seite hatte sich Captain Lobral niedergelassen. Unsere hochwertigen Raumfahrttechniker hatten mir versichert, daß die einwandfreie Führung des Marskreuzers nicht besonders schwierig wäre, vorausgesetzt, die genial ersonnene Automatik funktionierte wie vorgeschrieben.
Trotz der gewaltigen Größe des Schiffes war es ein sogenanntes »Fünferboot«. Das hatten wir aus den uralten Unterlagen entziffern können. Fünf Mann reichten völlig aus, um den Kreuzer zu einem Instrument von ungeheurer Schlagkraft zu machen. Es genügte jedoch ein Mann zur Lenkung. Die vier anderen Besatzungsmitglieder waren Waffen-, Triebwerks- und Ortungstechniker gewesen. Auch das hatten wir den Betriebsdaten entnehmen können.
Der Deneber hatte also die Wahrheit gesprochen, als er erklärte, das Schiff ohne Schwierigkeiten starten, fliegen und landen zu können....




