E-Book, Deutsch, Band 16, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 16: Raumpatrouille Nebelwelt
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5063-0
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 16, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5063-0
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Katastrophe auf der Venus. Fünftausend Menschen sind qualvoll erstickt. Der geplante Schlag gegen die Verformungsmonstren ist gescheitert. Oberst Thor Konnat von der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr' jagt die Saboteure. Er geht aufs Ganze und wagt einen halsbrecherischen Einsatz.
Autoren/Hrsg.
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8.
Brigadegeneral Edgar J. Minhoe, ein grauhaariger, zur Korpulenz neigender Mann von untersetzter Statur, musterte mich.
Er war der einzige Offizier innerhalb der Venusdivision, der über den Einsatz Bescheid wußte. Weitere Soldaten waren nicht eingeweiht worden. Wir waren nicht sicher, ob sich in den Reihen der Spezialisten Spitzel befanden. Seit dem Vorkommnis mit den beiden verschwundenen Wissenschaftlern waren wir argwöhnisch.
Minhoe war vom Flottenflaggschiff NERO mit Hilfe eines offenen Transportfahrzeuges an Bord des Marskreuzers »1418« gekommen, dessen Ankunft erhebliches Aufsehen erregt hatte.
Über Venus standen zur Zeit hundertdrei schwere Einheiten der neuen Plasmaverbände. Weitere schwerbewaffnete Schiffe waren im Anflug.
In den großen Laderäumen des Kugelkreuzers wurde der scheibenförmige Fernkampfjäger vom Typ TESCO-215-B startklar gemacht. Wir hatten die fabrikneue Maschine mitgebracht, um nicht auf die Bestände der Venusflotte angewiesen zu sein. Außerdem befanden sich an Bord unseres Diskusbootes einige Dinge, die speziell für den Einsatz bestimmt waren.
Ich trug bereits die vorgesehene Kleidung. Sie bestand aus einer grauen, farblos wirkenden, uniformähnlichen Kombination aus dem üblichen Kunstfasermaterial. Auf Brust- und Rückenteil waren breite, orangefarbene Streifen angebracht, zwischen denen man eine große, deutlich erkennbare Zahl aufgespritzt hatte.
Ich war die Nummer zwei. Hannibals Kombination war mit einer Eins gekennzeichnet, und Manzo, unser mutierter Spezialagent, war Nummer drei.
Die Kombinationen waren zweckbestimmt und daher -logisch betrachtet - vertretbar. Es war eine Sträflingskleidung, die für die Verhältnisse auf der Venus entworfen worden war.
Über den Kombis trugen wir hochwertige Raumanzüge neuester Fabrikation, aber auch sie waren mit auffälligen Leuchtfarbensymbolen versehen.
Offiziell besaßen wir keine Waffen, so daß wir auf die üblichen Kombinationsgürtel verzichtet hatten. Unsere schweren Laserpistolen hatten wir offen in die normale Hüftverschnürung gesteckt, was ein schnelles Ziehen im Ernstfall erschwerte.
Die Spezialausrüstung aus den mikromechanischen Wunder-Werkstätten der GWA war in den Kombis untergebracht. Diesmal hatten wir besondere Sorgfalt walten lassen. Die geschickt eingebauten Gegenstände waren gegen eine Durchleuchtungsortung abgeschirmt, wozu ein neuartiger Radioplast-Kunststoff entwickelt worden war.
Hannibals Schulterhöcker, bestehend aus einem biologisch lebenden und an seinen Kreislauf angeschlossenen Zellplasmagewebe, hatte einige wichtige Utensilien aufgenommen.
Manzo, unser monströs gebauter 2,50 Meter große Mutant, trug den Rest der Notwehrwaffen am Körper. Da bereits Hannibal mit einem Höcker ausgestattet war, hatten es unsere Fachleute für ratsam gehalten, Manzos breite, gewölbte Brust in Magenhöhe »auszubauen«. Auch dort war ein mit Zelloplast verkleideter Hohlraum entstanden, der all das beinhaltete, was wir brauchen konnten. Der Kreuzer »1418« umlief Venus auf einer Zwei-Stunden-Kreisbahn. Unter uns breiteten sich die undurchsichtigen Wolkenschleier der Nebelwelt aus. Sie bestanden zum großen Teil aus mikroskopisch feinen kristallinen Staubpartikeln, die von den ständigen Orkanen in die höchsten Schichten der Atmosphäre getragen wurden.
Die Situation war fast untragbar. Minhoes Raumjagd- und Kreuzverbände waren vorbildlich ausgerüstet, jedoch wurde die Nachschubfrage schon akut. Wir hatten alles auf den Weg gebracht, was wir überhaupt an Transportschiffen besaßen. Dazu zählten auch die alten Raumer in Skelettbauweise, auf deren Fabrikation seit der Entwicklung des vollatomaren, leistungsfähigen Ultraplast-Triebwerks verzichtet wurde.
Niemand wußte klarer als Edgar J. Minhoe, daß ein von den Vereinten Erdvölkern erwogener Krieg gegen die Venus unter Umständen zu einer Katastrophe werden konnte.
Uns war unbekannt, über welche Waffen und Materialreserven die Venusier verfügten. Unter Umständen war die Menschheit stärker gefährdet als angenommen. So hatte der Divisionskommandeur eindringlich von einem offenen Konflikt abgeraten.
Damit war die Aufgabe der wenigen GWA-Spezialisten noch dringender geworden. Das Problem Venus-Erde bestand, also mußte es gelöst werden.
Manzo kam mit seinem schaukelnden, schwerfällig wirkenden Gang in die Zentrale, die wir als Hauptquartier gewählt hatten.
Seine fast ebenso breite wie hohe Gestalt füllte die Schottöffnung aus. Sein grünschuppiger Körper mit den säulenförmigen Beinen und den mächtigen, überlangen Armen wurde von einer Kombination verdeckt, wie Hannibal und ich sie trugen.
Manzos faustgroße Augen über dem wulstigen Riesenmund funkelten im Licht der Zentralebeleuchtung. Er war der fähigste Telepath der GWA.
In seiner Begleitung befand sich die mittlerweile sechzehnjährige Kiny Edwards, die als Relaisstation fungieren sollte. Wir hatten diesmal auf eine Funkverbindung verzichtet. Die Störungen in der von kristallinen Staubmassen gesättigten Venusatmosphäre waren so beachtlich, daß wir mit unseren schwachen Körpersendern kaum durchgekommen wären.
Dafür aber stand uns ein neues Nachrichtenmittel zur Verfügung! Die dimensional übergeordneten Schwingungen unserer Separatgehirne wurden weder von magnetischen Störungen noch von reflektierenden Kristallschichten beeinflußt. Versuche hatten bereits erwiesen, daß sich Manzo von der Oberfläche aus bequem mit Kiny unterhalten konnte.
Ich richtete mich aus meiner gebeugten Haltung vor dem großen Kartentisch auf und winkte grüßend zu dem blassen, dunkelhaarigen Mädchen mit der zerbrechlich erscheinenden Gestalt hinüber. Kiny war das Kind Strahlungsgeschädigter Eltern, also eine echte Mutantin. Manzo hatten wir vor Jahren im Katastrophengebiet des Amazonas gefunden. Auch er war von Strahlungsgeschädigten Eltern gezeugt worden, nur war er bei aller geistigen Regsamkeit körperlich verformt zur Welt gekommen. Er wirkte wie ein Ungeheuer, besonders wenn er sich bewegte. Sein mächtiger Halbkugelkopf saß starr auf den breiten Schultern. Wenn er sich umsehen wollte, mußte er den ganzen Körper bewegen. »Hallo, Kleines«, sprach ich Kiny telepathisch an. Als sie den von uns seit Jahren gebrauchten Kosenamen hörte, erschien ein strahlendes Lächeln auf ihrem ernsten, wissenden Gesicht. Sie würde wohl immer unser »Kleines« bleiben, auch wenn sie mittlerweile fast erwachsen geworden war.
»Sie sind schon sehr gut, Sir«, antwortete sie. Ihre Para Impulse waren so mächtig, daß ich schleunigst abblockte. Sie war wesentlich stärker als Hannibal und ich.
Kiny und Manzo waren eben echte Telepathen, die den Bewußtseinsinhalt anderer Personen einwandfrei lesen konnten. Dagegen waren wir herangezüchtete Stümper ohne echte Naturgaben. »Vielen Dank, ich bin einigermaßen zufrieden. Kannst du mich gut verstehen?«
Sie nickte lebhaft. Brigadegeneral Minhoe wich um einige Schritte zurück. Er bemerkte unsere stumme Unterhaltung. Sie schien ihm unheimlich zu sein, das verriet sein Gesichtsausdruck.
»Reden wir normal«, warf Manzo ein. Er war in seiner Impulsgebung noch stärker als das Mädchen. »Er hat Angst. Wir sind ihm unheimlich. Erstaunlich, was? Man sagt doch, jeder Mensch sei von Natur aus mehr oder weniger stark veranlagt.«
Manzo trat näher an den Kartentisch. Wir hatten die Oberfläche des Planeten bereits kartographisch erfaßt. Wohin ich aber auch sah: nirgends erblickte ich eine Wasserfläche.
Die hervorragenden Reliefaufnahmen, die plastisch auf das Kartenbild übertragen worden waren, ergaben einen klaren Überblick.
Ich bemerkte erstaunlich hohe und ausgedehnte Gebirge, die allerorts aus den riesigen Sand- und Geröllwüsten aufragten.
Da unten wuchs kein Pflänzchen; für uns besonders bedrückend, da wir mit ausgedehnten Sumpfwäldern gerechnet hatten. Die bereits von Minhoe gemeldete Zwielichtzone, eine seltsame Erscheinung auf einem Planeten, der immerhin um seine Polachse rotierte, war das Zentrum der Orkane und Wirbelstürme.
Dort trafen sich die Luftmassen der stark abgekühlten Nachthalbkugel mit denen der extrem heißen Tagesseite. Venus rotierte zu langsam, als daß gute klimatische Verhältnisse möglich gewesen wären. »Eine Hölle«, sagte der Divisionskommandeur. »Wenn Sie da unten landen wollen, bereiten Sie sich auf alles vor. Die Temperaturen schwanken. Wir konnten - so erstaunlich es klingen mag - noch keinen gültigen Mittelwert feststellen. Hier und da ist es sogar auf der sonnenbeschienen Tagesseite erträglich.
Dort, wo sehr dichte Kristallwolken für längere Zeit die einfallende Sonnenstrahlung reflektieren, kühlt es schnell ab. Venus ist eine Welt der Extreme. Sie können in eine Wüstenzone geraten, in der hundertfünfzig Grad Celsius herrschen. Schon wenige Stunden später sind es nur noch achtzig Grad. Das ist zwar auch noch viel und für Menschen nicht erträglich, aber doch schon eine bedeutende Minderung der ursprünglich gemessenen Hitze. Schuld daran sind ohne Zweifel die turbulent bewegten Staubmassen in den höchsten Schichten der Atmosphäre. Außerdem haben wir - was wiederum verblüffend ist -eine sehr starke vulkanische Tätigkeit festgestellt. Demnach ist Venus doch ein junger Planet mit einem noch nicht stabil gewordenen Magmakern. Sie werden noch manche Überraschung erleben. Die Großwettergebiete sind nahe den Polen noch am beständigsten. Aus dieser Überlegung heraus haben wir Manzo auch auf diese Zonen angesetzt, die überdies auch einen Zwielichtstreifen besitzen.
Wir sagten uns, daß intelligentes Leben eigentlich nur dort entstanden sein könnte, wo die Natur einigermaßen vernünftige...




