E-Book, Deutsch, Band 8, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 8: Eliteeinheit Luna Port
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5055-5
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 8, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5055-5
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Reihe von Attentaten gibt der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr' Rätsel auf. In ihrem Auftrag fliegt Major Thor Konnat, Agent ZBV, zum Mond, wo er in einer Stützpunktstation der ausgestorbenen Marsbewohner den genialen Chirurgen findet, der Menschen zu Marionetten macht.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Mit zaghafter Bewegung zeichnete seine Hand einen fiktiven Strich in die eiskalte Luft.
Er lag schwerverwundet auf dem vereisten Fels. In seinen Augen spiegelte sich der Kampf mit dem entfliehenden Leben wider. Er suchte jemand; aber ich konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, ob ich dieser Jemand war.
Ich hatte ihn genau im zehnfach vergrößernden Visier eines Maschinenkarabiners, der in den höchsten Regionen des asiatischen Trans-Himalaja ebensowenig Existenzberechtigung hatte wie ich. Hier gehörten weder ein weißhäutiger Mensch noch eine amerikanische Waffe hin.
Vierzig Meter hinter mir lag Hannibal. Seine kleine Gestalt in dem heizbaren Tarnanzug verschwand in der wilden, glitzernden Einöde des Kangdikar-Massivs.
Rund sechstausenddreihundert Meter hoch erhob sich der vereiste Gipfel des Riesenberges in den frostklaren und trotzdem düsteren Himmel. Nichts schien uns hier freundlich gesinnt zu sein. Die feindliche Natur war allgegenwärtig. Man konnte ihr nicht so leicht entfliehen.
Wir befanden uns in einer Höhe von fünftausendzweihundert Meter; dicht unter dem Gipfel, der teilweise von dunstigen Wolkenbänken verhangen war. Vor einigen Stunden hatte es noch geschneit. Hier und da hatte der eisige Wind gewaltige Schneeverwehungen aufgetürmt. In einen dieser weichen Berge aus Pulverschnee war die schlanke Maschine hineingerast.
Zur Zeit brodelte und kochte die weiße Masse. Entweder war der Reaktor zu Bruch gegangen, oder es war nur der vom Sturzflug weißglühend erhitzte Körper, der seine Wärme verschwenderisch abgab.
Ich wußte es nicht genau und konnte es auch nicht wissen. Seit vierzehn Tagen kamen nur noch knappe und spärliche Funkmeldungen durch. Wir selbst hatten absolutes Funkverbot, was mir nicht ganz verständlich erschien. Die streng geheime Sup-Ultra-Kurzwelle der GWA war nur uns bekannt. Nirgends auf der Welt konnte es Geräte geben, mit denen sich die SUK-Welle abhören ließ. Trotzdem schien man im Hauptquartier wieder einmal mißtrauisch geworden zu sein. Wichtige Nachrichten kamen derart verschlüsselt durch, daß man nur noch mit großen und leistungsfähigen Elektronen-Gehirnen die Dechiffrierung durchrühren konnte Da wir weder den richtigen, ständig wechselnden Schlüssel kannten, noch einen Mammut-Roboter von den Ausmaßen eines zweistöckigen Hauses besaßen, hatte man uns eben nichts mehr durchgegeben, was man als annähernd wichtig hätte bezeichnen können.
Vor fünf Stunden waren jedoch einige Andeutungen aus dem SUK-Empfänger gekommen, und das sogar im Klartext.
»Der Mann mit dem toten Gehirn soll sich an die Maßnahme >Gresco< erinnern. Warten, hören und sehen. Er muß schweigen. Bqd-sss-Df.«
Dieser erstaunlich klingende Unsinn konnte nur für mich bestimmt sein, da Hannibal bei dem Unternehmen >Gresco< nicht mitgewirkt hatte.
Ich hatte ein Gehirn, das man im Hauptquartier als >tot< bezeichnete. Durch einen komplizierten und risikoreichen Eingriff hatten die Chirurgen mein Gehirn immunisiert, indem sie einen winzigen Nervenstrang durchtrennten. Seit der Zeit war ich durch berauschende Drogen nicht mehr zu beeinflussen. Auf Hypnose reagierte ich ebenfalls nicht mehr.
Ich war also der Mann mit dem toten Gehirn. Das Unternehmen >Gresco< war durch die Ankunft eines Kollegen entschieden worden. Mit einer sehr schnellen Maschine war er praktisch vom Himmel gefallen und hatte mir die letzten Informationen überbracht.
Der Hinweis auf >Gresco< konnte recht gut mit der Ankunft eines Boten identifiziert werden. Wahrscheinlich hatte er auch Funkverbot, so daß wir aus diesem Grunde warten, lauschen und ansonsten aufpassen sollten.
Stundenlang hatten wir in voller Ausrüstung im Stützpunkt >Yellow Point< gehockt. Dann war der schwache Peilton aus dem Gerät geklungen. Wahrscheinlich hatte der so seltsam Avisierte nur für den Bruchteil einer Sekunde auf die Taste gedrückt. So war es auch beim Fall >Gresco< gewesen. Hannibal und TS-19 waren nach mir aus dem winzigen Schlupfloch mitten auf die himmelstürmende Steilwand gekommen. Nachdem das hervorragend getarnte Felsenluk von den chinesischen Mitarbeitern geschlossen worden war, hingen wir an unseren surrenden Einmann-Hubschrauben über dem tiefen Abgrund.
Nur Minuten später hatten wir das tiefe Grollen und anschließend das schrille Heulen gehört. Ein kleiner granatförmiger Flugkörper war mit weißglühenden Tragflächenkanten über den Gipfel des Kangdikar gerast. Den Aufschlagsort hatten wir erst nur schätzen können, bis wir die dünne Dampfwolke sahen.
Sofort hatten wir uns mit den Fluggeräten um etwa zweitausend Meter höher schweben lassen und die Atemmasken über die Gesichter gestülpt.
Nun lag die Stelle vor uns. Weit war die Dampfwolke bestimmt nicht zu sehen, zumal sie ihre anfängliche Intensität längst eingebüßt hatte. Die Partikel gefroren außerdem augenblicklich und wurden als Eis- und Schneekristalle vom starken Höhenwind verweht.
Trotzdem sah ich immer wieder mißtrauisch in die Luft. Mit plötzlich auftauchenden Flugschraubern der chinesischen Streife war jeden Moment zu rechnen.
Nur meine Augen wurden von der wärmenden und Sauerstoff spendenden Maske nicht bedeckt. Die Schneebrille hatte ich abgenommen, um den Mann besser sehen zu können. Wenn er nicht die schwere Druckkombination der Großasiatischen-Raumabwehr getragen hätte, wäre ich schon längst bei ihm gewesen.
Als es hinter mir leise summte, ruckten meine Hände mitsamt dem bulligen Lauf herum. Hannibal fiel neben mir in den Neuschnee. Das Surren der Mikroturbine verstummte. »Verrückt geworden, was?« fuhr ich ihn an.
Der Kleine reagierte gar nicht. Wenn er es getan hätte, wäre mir seine Mimik auch verborgen geblieben. Er war gelassen, sachlich und so nüchtern, wie er es nur mitten in einem gefährlichen Einsatz sein konnte.
»Verbluten kann er nicht mehr«, drang es unter seiner Maske hervor. »Wahrscheinlich hat er aber eine größere Dosis Gamma abbekommen. Der Reaktor ist angekratzt. Außerdem innere Verletzungen, schätze ich. Du bist hier der Kommandant. Willst du ihn holen? Ist möglicherweise unser Mann.« Ich sah seine hellen, wässerigen Augen. Dann blickte ich wieder durch die vergrößernde Zieloptik auf den Fremden, der sich schwach durch den angehäuften Schnee schleppte, ehe er hinter einem vereisten Felsblock in Deckung ging. Dicht vor ihm fiel die Schlucht um wenigstens zweihundert Meter senkrecht ab. Wir befanden uns auf der anderen Seite am Steilhang. Hinter uns stieg der Gipfel in das trübe Grau des Himmels.
»Ich gebe dir Feuerschutz«, drängte Hannibal. »Über uns hängt TS-19 in der Wand. Er hat sich auf einen Vorsprung geklebt. Hole den Mann, oder höre wenigstens, was er zu sagen hat.«
»Wenn das eine Falle ist, Kleiner, dann springen wir sauber auf die Leimrute«, gab ich gedämpft zurück. »Sie suchen uns seit zwei Monaten mit allen verfügbaren Hilfsmitteln. Wenn der GAS- Geheimdienst auf die SUK-Welle gestoßen ist, kann der Spruch auch von Peking gekommen sein.«
»Wenn! Ich glaube nicht daran. Der Alte wird zu schwarz sehen. Also ...?«
Das kleine, gedehnt ausgesprochene Wort half mir, mein eingeimpftes Mißtrauen zu überwinden. Aktive Agenten der Geheimen-Wissenschaftlichen-Abwehr waren in dieser Hinsicht Wunderknaben. Ehe diese Leute etwas als hundertprozentig einwandfrei ansahen, mußte schon allerlei geschehen. In unserem Falle war es nur ein seltsamer Funkspruch gewesen. Eigentlich hätte nur der Alte über die Sache >Gresco< Bescheid wissen können. Immerhin war es aber auch möglich, daß der GAS- Geheimdienst den lange zurückliegenden Fall ...!
Ich führte den Gedanken nicht zu Ende. Der Mann auf der anderen Seite der schroffen Eisschlucht schien nicht nur unter der grausamen Kälte zu leiden. Wenigstens trug er ein Atemgerät mit angehängter Druckflasche. Das schien ihn noch einigermaßen bei Bewußtsein zu halten.
Ich hob den Arm. Weit über mir tauchte eine Sekunde lang die winkende Hand des Kollegen TS-19 auf.
Hannibal stieß einige dumpfe Laute der Befriedigung aus. Er nickte nur, als ich rauh sagte:
»Scharf aufpassen, Kleiner, Feuererlaubnis, wenn da drüben irgend etwas schiefgehen sollte. In der Maschine kann noch ein zweiter Mann sitzen. Die Dampfentwicklung kann von einer harmlosen Thermitladung stammen. Das eingeschmolzene Loch im Schnee beobachten.«
Ich griff nach dem kleinen Knüppel über meiner rechten Schulter und brachte die Tornister- Gasturbine auf Touren. Der Treibstoff wurde schon knapp. Wir hätten Zusatzbehälter mitnehmen sollen.
Leise heulend liefen die beiden gegenläufigen Rotorblätter über meinem Nacken an. Unmittelbar danach wurde ich hart aus dem Schnee gerissen.
Meine rechte Hand arbeitete an der Blattverstellung, während die linke das vordere Griff stück des schweren MSK umklammerte. Im Trommelmagazin steckten einhundertundzehn hochbrisante Explosivgeschosse.
Die Schnellfeuerwaffe hing in meiner linken Armbeuge. Mein Atemgas strömte über die Vorwärmspule, ehe es in meine Lungen gelangte. Ob auch der offensichtlich schwer verwundete Flieger eine solche Annehmlichkeit genoß? Ich wußte aus trüben Erfahrungen, daß es nicht besonders angenehm ist, eiskalte Sauerstoff gase zu inhalieren. Menschliche Atmungsorgane reagieren auf eine rauhe Versorgung ausgesprochen negativ.
Während ich diesen Gedanken nachhing und mich ansonsten auf die artistischen Schußleistungen der beiden Kollegen verließ, flog ich über die Eisschlucht hinweg. Flüchtig dachte ich an den drohenden Bergtod. Wenn hier die winzige Antriebsturbine versagte, gab es keine Rettung mehr.
Der heftige Sturm riß mich...




