Schenk | Die Pferdelords 08 - Das Volk der Lederschwingen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 8, 581 Seiten

Reihe: Die Pferdelords

Schenk Die Pferdelords 08 - Das Volk der Lederschwingen


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7502-2246-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 8, 581 Seiten

Reihe: Die Pferdelords

ISBN: 978-3-7502-2246-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit der zwölfteiligen Saga um die Pferdelords entsteht die faszinierende Chronologie eines Reitervolkes. Im Verlauf der Abenteuer entwickeln sich Kultur und Technik der beteiligten Völker, vom einfachen Signalspiegel hin zum optischen Präzisionsinstrument, der Dampfmaschine und, im letzten Abenteuer, sogar dem Luftschiff. Die Pferdelords begegnen bestehenden und untergegangenen Königreichen, den Elfen des Waldes und denen der See, Zwergen, Sandbarbaren, fliegenden Lederschwingen und krebsartigen Irghil, immer wieder bedroht von den Orks des schwarzen Lords und seinen gestaltwandlerischen Magiern. Die Pferdelords lassen eine faszinierende Welt entstehen und unterhalten mit Action, Spannung und Humor. Hier liegt die Reihe nun erstmals in einer vom Autor überarbeiteten und ergänzten e-Book-Ausgabe vor. Jedes Abenteuer ist in sich abgeschlossen.

Michael Schenk, Jahrgang 1955, wurde vor allem durch seine zwölf Romane um die Pferdelords bekannt. Er schreibt Fantasy, Science Fiction, Horror und historische Romane. Auf seiner Homepage www.michael-h-schenk.de stellt er nicht nur seine Person und seine Romane vor, sondern bietet auch viele Hintergrundinformationen, Grafiken und ausführliche Leseproben. Speziell für seine Serien 'Sky-Navy' und 'Sky-Troopers' wurde unter www.sky-navy.de eine eigene Homepage angelegt.
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Kapitel 2 Das Volk der Lederschwingen


Der Pfad war steil und sein Verlauf nur für das eingeweihte Auge zu

erkennen. Einzelne Tritte führten an der aufragenden Felswand entlang, und

die Hände mussten sich in Spalten und an Vorsprünge klammern, wenn die

Füße keinen festen Halt fanden. Nur zu leicht konnte man abgleiten und in die

Tiefe stürzen. Aber die beiden Männer nahmen die Mühsal des Aufstieges

zum Geburtsfelsen gerne auf sich. Viel zu selten schlüpfte im Horst der

Lederschwingen ein Junges, und noch seltener überlebte es das Ereignis um

mehr als wenige Augenblicke. Die Lederschwingen waren mächtige Wesen,

und vielleicht hatte die Natur es mit Bedacht so eingerichtet, dass es nur

wenige von ihnen gab.

Hier oben, unter dem höchsten Gipfel der Schwarzen Berge von Uma’Roll,

war die Luft dünn, und es war kalt. Obwohl die Männer die Unbilden dieser

Höhen gewohnt waren, fröstelten sie unter dem scharfen Wind. Anschudar

und Mordeschdar hatten sich fest in ihre dicken Pelzmäntel gehüllt, die

Kapuzen hochgeschlagen. Sie hielten die Köpfe ein wenig gesenkt,

verzichteten aber darauf, die Klarsteinscheiben vor ihre hölzernen Reithelme

zu klappen.

Unter Anschudars Fuß löste sich ein Stein, und er krallte seine freie Hand

in eine Felsspalte, als er für einen Augenblick den Halt verlor.

»Aufgeregt?« Mordeschdars Stimme klang nachsichtig.

Im Grunde war Anschudar noch kein erwachsener Mann und, wenn man es

genau nahm, auch noch kein Schwingenreiter. Jeden Morgen kämmte er sich

den Bartflaum gegen den Strich, damit er dichter und kräftiger wirkte. Ja, er

war aufgeregt, aber das war nur zu verständlich. An diesem Tag, wenn die

Geburt gelang, würde Anschudar zum ersten Mal den Rücken einer

Lederschwinge bedecken und sich auf ihr in die Lüfte erheben. Dann, endlich,

würde er ein Schwingenreiter sein.

»Gib mir den Sattel, Junge. Ich bin den Pfad schon oft mit

Schwingenrekruten gegangen und weiß, wohin ich den Fuß setzen muss.«

»Es ist mein Sattel«, erwiderte Anschudar störrisch. »Also muss ich ihn

auch tragen.«

»Stell dich nicht so an. Es ist auch dein Leben, Junge, und wenn du

abstürzt, dann bin ich es, der dich bergen und zum Horst zurückschleppen

muss.«

Anschudar seufzte. Der alte Schwingenführer hatte recht. Zögernd zog er

den ledernen Sattel unter dem Arm hervor und reichte ihn dem Alten. Die

Sitzfläche war kaum zwei Handflächen groß und weich gepolstert, während

die Steigbügel plump und massiv von ihren Lederriemen hingen.

»Wir sind bald da, Anschudar«, meinte Mordeschdar. »Glaube mir, ich

kann gut nachvollziehen, wie du dich jetzt fühlst. Mir erging es nicht anders,

als ich meiner Lederschwinge zum ersten Mal begegnete.«

»Vielleicht werde ich sie gar nicht zu Gesicht bekommen«, seufzte der

Jüngere und tastete sich weiter den eisigen Pfad entlang.

»Mag sein«, brummte Mordeschdar. »Wenn deine Schwinge schlüpft und

gut aus dem Ei kommt, muss sie noch den Sturz überstehen. Viele sind daran

schon gescheitert.«

Das war eigentlich Anschudars größte Angst. Von klein auf war er zum

Schwingenreiter erzogen worden. Nicht alle Männer seines Volkes waren

dazu auserkoren, eines Tages den Bund mit einem dieser Wesen einzugehen.

Man musste über die Fähigkeit der Verbindung verfügen, durch die man die

Gedanken der Flugwesen spürte, wenn man ihre Haut berührte. Als er zum

ersten Mal aus eigener Kraft auf seinen Beinen stehen konnte, hatten seine

Eltern ihn zur Feedanaa gebracht, der Hüterin des Horstes. Sie hatte

Anschudars Gaben erkannt und über seine Zukunft bestimmt. Doch all seine

Erziehung und sein theoretisches Wissen würden vergebens sein, wenn das

für ihn bestimmte Flugwesen zu Tode stürzte.

Anschudar blickte nach oben. Nur wenige Längen noch, und sie hatten

endlich den Gipfel des Geburtsfelsens erreicht. Diese höchste Erhebung des

Uma’Roll fiel zu einer Seite steil ab. Gute eineinhalb Tausendlängen ging es

dort hinab in die Tiefe. Dieser Abgrund würde über das Schicksal seiner

Lederschwinge und Anschudars Zukunft entscheiden.

Ein Stück über sich sah er das schwarze Rund des Eises. Anschudar

bemerkte den Schatten, der über ihn fiel, und spürte einen leichten Luftzug,

als das Muttertier dicht neben ihnen am Pfad vorbeistrich. Ihre ledrigen

Schwingen bewegten sich auch hier, in der dünnen Höhenluft, mit anmutigen,

sanft wirkenden Bewegungen. Sie hatte ihr Ei bebrütet und nun, da der

Schlupf unmittelbar bevorstand, behutsam auf dem Geburtsfelsen abgelegt.

»Sie ist sicherlich ebenso aufgeregt wie du, mein Junge.« Mordeschdar

nickte unter seinem Helm und der Kapuze. »Auch für sie hängt viel davon ab.

Es muss schwer sein, ein Junges zu verlieren.«

Anschudar konnte das verstehen. Die Lederschwingen empfanden um den

Tod eines ihrer Jungen nicht weniger Trauer als die Menschen des Volkes um

den ihrer eigenen Kinder. Er sah erneut auf das Ei. »Ich glaube, es ist gleich

so weit, Schwingenführer. Das graue Netz breitet sich aus.«

»Dann sollten wir uns beeilen«, knurrte Mordeschdar. »Du musst deine

Hände an die Schale legen, bevor sie bricht.«

Die Schale begann sich unmerklich zu öffnen. Mit den zahlreichen

Sprüngen, die ihre Oberfläche überzogen, wirkte sie, als habe man ein graues

Netz darübergeworfen. Lederschwingen hatten keinen Eizahn, mit dem sie die

dicken Schalen öffnen konnten. Sie mussten ihre Körpermuskeln anspannen

und die Schwingen ausbreiten, um das Ei zu zersprengen. Die Natur hatte es

so eingerichtet, damit das Wesen bereit war, sofort nach der Geburt zu

fliegen.

Erneut strich das Muttertier um den Geburtsfelsen, und dieses Mal stieß es

einen leisen Schrei aus, der die Männer zur Eile mahnte. Hastig kletterten sie

den Pfad hinauf, bis sie endlich auf dem winzigen Gipfelplateau des

Geburtsfelsens standen. Sie achteten nicht auf die Höhe, in der sie sich

befanden. Sie waren es gewohnt, in die Tiefe hinabzusehen. Sei es vom

Boden ihres Hortes aus oder vom Rücken einer Lederschwinge.

Das Plateau maß keine zehn Längen im Durchmesser und war nahezu

kreisrund. Der Boden war von den Lederschwingen sorgfältig geglättet und

anschließend gebrannt worden, damit kein spitzer Stein die Hülle eines Eis

beschädigen konnte. Eine kräftige Bö hätte die beiden Männer einfach vom

Felsen heruntergewischt, aber der Wind ging gleichmäßig, als Anschudar mit

einem langen Schritt an das Ei herantrat, während Mordeschdar am Ende des

Pfades verharrte. Es mochte an die fünf Längen hoch sein und deren zwei im

Durchmesser haben. Anschudar zog die gefütterten Handschuhe aus und legte

die klamm werdenden Hände an die Schale des Eis. Sie fühlte sich warm an

und vibrierte leicht. Es konnte nur noch Augenblicke dauern, bis es so weit

war.

»Es ist groß«, murmelte Anschudar.

»Ja, das ist es. Wenn du Glück hast, wirst du auf einer außergewöhnlichen

Schwinge reiten können. Doch beeile dich. Du musst nun ihren Namen

denken«, mahnte der Schwingenführer. »Rasch, bevor sie schlüpft.«

Gedanken waren intensiver, wenn man sie in Worten formulierte. Das

hatte sich Anschudar gut eingeprägt. »Flieg, Showaa, meine Lederschwinge.

Flieg.«

»Showaa?« Mordeschdar nickte beifällig. »Ein guter Name. Wollen wir

hoffen, dass …«

Es knackte hörbar, und Anschudar trat instinktiv zurück. Andächtig

starrten die beiden Männer auf das Ei. Die Linien des grauen Netzes

...



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