Schenk | Pferdesoldaten 17 - Die Geheimwaffe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 17, 244 Seiten

Reihe: Pferdesoldaten

Schenk Pferdesoldaten 17 - Die Geheimwaffe


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7549-8594-6
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 17, 244 Seiten

Reihe: Pferdesoldaten

ISBN: 978-3-7549-8594-6
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Geheimnisvolle Explosionen erschüttern die nächtlichen Lager der Union. Verrat und eine geheimnisvolle neue Waffe gefährden die Ziele von General Grant, der Matt Dunhill und einige dessen bewährtester Männer hinter die Linien des Feindes schickt. Gemeinsam mit Pinkerton-Agenten und einigen getreuen Unions-Anhängern stößt Matt auf eine Waffe, die den Krieg entscheidend beeinflussen kann.

Michael Schenk, Jahrgang 1955, schreibt Fantasy, Science Fiction, Horror und historische Romane. Er war Veranstalter des ersten Re-enactments zum nordamerikanischen Bürgerkrieg in Deutschland. Seine Militär-Western zeichnen sich durch ein ungewöhnliches Maß an Authentizität aus und bieten Spannung, weit jenseits der üblichen Klischees. Gelbe Halstücher und Kavallerie mit Repetiergewehren wird der Leser nicht finden, wohl aber Action mit einem ungewohnten Maß an Authentizität.
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Kapitel 1 Die Kuh


Pferdesoldaten 17

Die Geheimwaffe

Military Western

von

Michael H. Schenk

© M. Schenk 2021

Eine Weide in der Nähe von Richmond, Virginia.

Das Gelände lag, gegen Sicht gut geschützt durch umgebende Hügel und Wälder, in einer großen Senke. Mehrere Werkstätten und Hallen, die konföderierte Flagge und die anwesenden Soldaten verrieten, dass es sich um eine Anlage des Militärs handelte. Dennoch gingen hier Zivilisten ein und aus, sorgfältig von den Wachen kontrolliert.

Die Anlage wurde im Haushalt der Konföderation als „Little Surrey“ bezeichnet. Was hier ersonnen und gebaut wurde, unterlag der höchsten Geheimhaltung, denn hier forschte man nach Waffen, die den eigenen Truppen einen entscheidenden Vorteil in der Schlacht bringen sollten.

Auf beiden Seiten wurde geforscht, erfunden und realisiert. So waren im Norden nicht nur das Revolvergeschütz von Doktor Gatling und andere Salven- oder Schnellfeuerwaffen entwickelt worden, sondern auch Ambulanzwagen und sogar ein kompletter Hospitalzug. Der siebenschüssige Spencer-Karabiner wurde inzwischen auch als Gewehr gebaut und an die Unionstruppen ausgeliefert.

Der Süden wiederum hatte es bedeutend schwerer. Zwar hatte Colonel LeMat den neunschüssigen Revolver mit zusätzlichem Schrotlauf erfunden und es gab eigene Salvenwaffen, aber manche Idee scheiterte nicht am Können der Erfinder und Konstrukteure, sondern an fehlenden Ressourcen. So musste man sich immer wieder mit der Verbesserung vorhandener Waffen zufriedengeben.

An diesem Tag waren mehrere hochrangige Generäle, unter ihnen Robert E. Lee, A. P. Hill, Anderson und Stuart in Little Surrey erschienen, begleitet von einem ganzen Schwarm Adjutanten, Senatoren und Journalisten. Sie wollten der Vorführung einer besonderen Munition beiwohnen.

Ein junger Artillerie-Captain hatte alles vorbereiten lassen und war sichtlich stolz, das Ergebnis seiner Arbeit präsentieren zu können. Auch wenn die bisherigen Versuche nicht zur vollen Zufriedenheit verlaufen waren, so schien er doch zuversichtlich, die hohen Offiziere vom Nutzen seiner Erfindung überzeugen zu können.

Die maßgeblichen Herren standen nun bei zwei 12-Pfünder-Napoleongeschützen, die eigentlich schon als veraltet galten und nun zu neuem Ruhm gelangen sollten. Eifrig erläuterte der Captain den aufmerksamen Zuhörern, was sich vor ihnen abspielen sollte.

Seine Worte waren vor allem an Robert E. Lee gerichtet, der nun Oberbefehlshaber aller konföderierten Streitkräfte war. Dessen Wort würde ausschlaggebend dafür sein, die Erfindung des Captains in der Armee des Südens einzuführen.

Vor einigen Minuten waren beide Geschütze abgefeuert worden, jedes mit einer Kartätschenladung, die aus dreihundertzwanzig Bleikugeln bestand. Dieser Bleihagel hatte etliche Ziele getroffen und zerstört oder zumindest beschädigt. Die Ziele bestanden aus einfachen Holzbrettern, mannshoch und mannsbreit, die man in der Formation eines angreifenden Unionsregiments aufgestellt hatte.

„Wie Sie sehen konnten, Gentlemen, hätten die beiden Ladungen eine stattliche Zahl an Yankees erwischt“, erläuterte der Captain. „Doch die zerstörerische Wirkung der Kartätschen, auf vorgehende feindliche Infanterie, wird durch die von mir ersonnenen Spezialgeschosse noch wesentlich gesteigert.“

Im Augenblick wurden die vernichteten „Yankees“ durch unbeschädigte Bretter ersetzt. Der Captain nutzte die Zeit, seine Idee zu erläutern.

„Wie Sie nun sehen, Gentlemen, werden die beiden Geschütze neu geladen, diesmal jedoch nicht mit Canister (Anmerkung: Die Bezeichnung für Kartätsche im Englischen), sondern mit einer Kugel. Die Kugeln der beiden Geschütze sind dabei durch eine fünfzig Yards lange massive Kette miteinander verbunden.“

„Wollen Sie die Yanks gleich beim Angriff damit fesseln?“, kam die spöttische Frage eines Journalisten.

Das leise Gelächter einiger Offiziere ließ den Captain ein wenig erröten. „Keineswegs, Mister. Meine Idee hat sich schon oft bei der Marine bewährt. Dort verwendet man sogenannte Stangenkugeln. Dazu teilt man ein rundes Vollgeschoss und verbindet beide Hälften mit einer langen Stange. Das Geschoss wird aus dem Geschütz abgefeuert und beginnt in der Luft zu rotieren.“ Der Captain lächelte mit schmalen Lippen. „Sehr effektiv gegen Takelage und Segel eines Schiffes.“

„Die meisten Kriegsschiffe benutzen inzwischen Dampf als Antrieb“, wandte einer der Generäle ein. „Keine Takelage und keine Segel mehr, gegen die diese Stangenkugeln noch etwas ausrichten können.“

„Aber Infanterie ist weiterhin auf ihre Beine angewiesen“, hielt ein anderer dagegen. „Ich vermute, unser Captain hier legt es darauf an, den Yanks die Beine abzuschlagen.“

Der Kommandeur einer der Artilleriebatterien, die Richmond schützten, nickte. „Wie es beim Rochieren von Vollgeschossen passiert. Die Vollkugel schlägt vor der feindlichen Formation auf, gräbt sich aber nicht in den Boden, sondern hüpft mehrfach über ihn hinweg, bis sie ihren Schwung verliert. Sie kann eine Menge Schaden bei hintereinander marschierenden Soldaten anrichten. Ist aber letztlich nicht so effektiv wie Schrapnell oder Canister.“

Der junge Captain räusperte sich. Die Begeisterung der Anwesenden hielt sich offensichtlich in Grenzen, doch nun würde er ihnen beweisen, wie wirkungsvoll seine Kettengeschosse waren.

„Mein Kettengeschoss soll natürlich nicht sinnlos herumwirbeln“, sagte er lächelnd, obwohl seine Stimme eine leichte Verärgerung verriet. „Vielmehr wird die Kette in breiter Front, also fünfzig Yards, eine ebenso breite Schneise in den Gegner schlagen. Auf fünfzig Yards Breite und etliche Glieder Tiefe, werden die Yanks getötet oder so weit verstümmelt, dass sie nicht mehr kampffähig sind.“

„Wenn es funktioniert, dann könnte ein solches Kettengeschoss gleich mehrere Hundert Unionisten auf einen Schlag ausschalten.“ Die Stimme des Texaners A. P. Hill klang sichtlich zufrieden. Die brutale Grausamkeit des Krieges hatte eine Dimension angenommen, in der man kaum noch an das Leid beim Gegner dachte.

„Selbstverständlich hängt alles davon ab, dass die Geschütze absolut gleichzeitig abgefeuert werden, damit das Kettengeschoss effektiv wirkt“, führte der Captain weiter aus. Er sah den Wink eines Lieutenants, die Vorbereitungen auf dem Feld waren abgeschlossen. Erneut räusperte er sich, der Bedeutung des Augenblicks bewusst. „Gentlemen, wir werden Ihnen nun die Wirkung meiner Kettenkugeln demonstrieren.“

Der junge Captain war sichtlich ebenso nervös wie die Bedienungen der beiden Geschütze. Als er dem Lieutenant zunickte, hob der seinen Degen, führte ihn blitzschnell nach unten und brüllte laut und vernehmlich: „Feuer!“

Die beiden Zwölfpfünder brüllten auf und ruckten auf ihren Lafetten zurück. Eine braungelbe Pulverwolke wurde von zwei Mündungsblitzen durchstoßen. Die beiden Projektile schossen aus den Läufen und rissen die lange Kette mit sich.

Soweit verlief alles nach Plan und doch dann ging die Demonstration entsetzlich schief.

Es war im Grunde unmöglich, beide Geschosse so synchron abzufeuern, dass sie die Kette tatsächlich zwischen sich mitführten, so dass sie wie eine Sense in den anmarschierenden Feind schlug. Sekundenbruchteile Verzögerung zwischen der Zündung der beiden Treibladungen, geringe Unterschiede in den Pulvermengen, minimale Gewichtsunterschiede der Geschosse, ja selbst Luftströmungen mussten dazu führen, dass aus der geplanten Flugbahn eine unberechenbare wurde. Genau dies geschah.

Begleitet von einem ungewöhnlichen Brummton sauste das Kettengeschoss davon, in Richtung der aufgestellten Ziele. Noch bevor es die vordere Reihe erreichte, begann es aufzusteigen und sich, ähnlich einer Bola, um sich selbst zu drehen. Drei oder vier der Bretter wurden getroffen, doch über die anderen flogen Kugeln und Kette hinweg, rasten über die Kuppe eines der Hügel und verschwanden.

Für einen Moment herrschte Schweigen, das jedoch rasch von enttäuschten Lauten oder spöttischem Gelächter durchbrochen wurde.

„Zumindest fliegt das Ding“, stieß ein Colonel lachend hervor, „und mit etwas Glück kann es die Yankees sogar erschrecken.“

General Lee trat zu dem jungen Captain und legte ihm für einen Moment in einer väterlich wirkenden Geste die Hand an den Arm. „Grämen Sie sich nicht, Captain. Ich fürchte, Ihre Erfindung ist nicht so hilfreich, wie mancher wohl gehofft hat. Aber lassen Sie den Mut nicht sinken. Jede Idee kann zu etwas Sinnvollem führen, das uns hilft, die Gentlemen aus dem Norden zu schlagen.“

Unter den Beobachtern war eine hitzige Diskussion entbrannt, bei der es hauptsächlich darum ging, ob die Armee wertvolles Geld für solche offensichtlich sinnlosen Versuche ausgeben solle.

Die Gespräche endeten, als ein berittener Offizier herangaloppierte und Lee eine ungewöhnliche Meldung machte. „Verzeihung, Sir, aber am Tor ist ein Farmer, der sie unbedingt sprechen will,“

„Ein Farmer?“, vergewisserte sich der Oberbefehlshaber irritiert. „In, äh, in welcher Angelegenheit?“

„Es geht wohl um eine seiner Kühe, Sir. Der Mann behauptet, sie sei von einem merkwürdigen Ding erschlagen worden, dass von uns...



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