E-Book, Deutsch, Band 18, 275 Seiten
Reihe: Pferdesoldaten
Schenk Pferdesoldaten 18 - Fort Coronado
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7549-9425-2
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 18, 275 Seiten
Reihe: Pferdesoldaten
ISBN: 978-3-7549-9425-2
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Schenk, Jahrgang 1955, schreibt Fantasy, Science Fiction, Horror und historische Romane. Er war Veranstalter des ersten Re-enactments zum nordamerikanischen Bürgerkrieg in Deutschland in Baumholder und Mitbegründer des ersten Dachverbandes der Re-enacment-Gruppen. Seine Militär-Western zeichnen sich durch ein ungewöhnliches Maß an Authentizität aus und bieten Spannung, weit jenseits der üblichen Klischees.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 4 Marschbefehl nach Süden
Fort Bridger am Oregon-Trail, im Grenzgebiet zwischen Dakota und Utah.
Mit dem ersten Morgenlicht hatte der Hornist vom Dienst die Reveille zum Wecken geblasen. Nach Feststellung der Vollzähligkeit beim Roll-Call war es zum Frühstück gegangen, anschließend das erneute Antreten, diesmal jedoch unter Waffen und in Paradeuniform. Mit dem Call-to-Colors war die große Unionsfahne am Flaggenmast aufgestiegen. An diesem Tag folgte der Church-Call, der alle Soldaten zum Gottesdienst rief. Die Predigten von Father William galten allerdings nicht nur dem Militär, sondern auch den in der Nähe des Forts lebenden Zivilisten, weswegen der Gottesdienst außerhalb des Forts auf dem angrenzenden Übungsplatz abgehalten wurde. Auch etliche der hier lebenden Indianer kamen herbei, um dem stimmgewaltigen Prediger zuzuhören. Einige von ihnen waren Christen geworden, doch die meisten der Ureinwohner waren einfach neugierig. Jene, die des Englischen mächtig waren, übersetzten die Worte von Williams in ihr eigenes Idiom.
Wie üblich nahm Father Williams Bezug auf örtliche Ereignisse und es machte Mark Dunhill ein wenig verlegen, als der gottesfürchtige Mann von der Gerechtigkeit des Herrn sprach, der eine Verurteilung des braven Captains Dunhill nicht zugelassen habe. An diesem Tag sprach Williams überraschend versöhnlich über die Konföderierten. Während sich sonst der Zorn des Herrn, mit einer großzügigen Portion Feuer und Schwefel, über die „Rebellenbrut“ ergoss, sprach Williams nun von fehlgeleiteten Brüdern und Schwestern, denen der Herr sicher die Irrtümer verzieh und ihnen großmütig die Rückkehr in die Arme der Union ermöglichen werde.
Dieser Wandel in den Predigten war sicher ein Anzeichen dafür, dass man das Ende des unseligen Krieges nahen spürte. Aus Washington war zu hören, dass sich Abraham Lincoln massiv für die Versöhnung mit dem Süden aussprach.
Nach den Chorälen „The Minstrel Boy“ und „Onwards Christian Soldier“ war die Gemeinde zur Dress-Parade entlassen. Hier würden die in Fort Bridger stationierten Truppen an ihrem Kommandeur und der Gemeinde vorbeiparadieren. Eine willkommene Gelegenheit für die Truppen, sich auf möglichst eindrucksvolle Weise zu präsentieren.
Überall, wo das Militär die Fahne der Union repräsentierte, lief der Sonntag nach demselben Muster ab. Gleichgültig, ob in einer großen Garnison des Ostens oder einem kleinen Stützpunkt am Rande des Indianergebiets, man zeigte Flagge und stellte sich bestmöglich dar.
Fußtruppen und berittene Einheiten trugen ihre Paradeuniformen. Die Infanterie mit den langen Frockcoats, an denen die Epauletten aus Messing blitzten, auf den Köpfen die schwarzen Hardeehüte mit den gleichfarbigen Straußenfedern, den Quastenschnüren in hellem Blau und blinkenden Adlerplaketten, welche die linke Hutkrempe an die Krone hefteten, damit das an die Schulter gelegte Gewehr mit dem Bajonett Platz fand. Die Reiter hatten hingegen die rechte Krempe nach oben, denn bei ihnen lag der Säbel an der dortigen Schulternaht. An ihren taillenkurzen Shelljacketts war ebenfalls der Säbelschutz in Form der Messingepaulette befestigt und an den Jacken leuchtete der Besatz in der gelben Farbe der Kavallerie. An den Stehkragen war eine einzelne Litzenschlaufe zu sehen, denn in Bridger waren Freiwillige stationiert, während die Angehörigen der regulären U.S.-Kavallerie zwei Litzenschlaufen am Kragen zeigten.
Colonel Daniel Probst und sein Stellvertreter, Major Welton, zeigten sich mit der sonntäglichen Parade sichtlich zufrieden und Betty, die Frau des Colonels, lud, wie üblich, die Offiziere zu einem anschließenden Umtrunk im Privatquartier des Kommandeurs.
Mark Dunhill erhielt überrascht die Bitte, sich zuvor in der Kommandantur einzufinden. Da diese Aufforderung auch für seinen Stellvertreter, Lieutenant Ted Furbanks galt, ahnte Mark, dass es nicht alleine um ihn, sondern die weitere Verwendung seiner Kompanie ging. So bat er First-Sergeant Jim Heller, sie beide zu begleiten.
Für die Truppen galt hingegen der normale Dienst, noch immer im Full Dress, um die noch anwesenden Gäste auch weiterhin zu beeindrucken. Während die Infanterie sich auf dem Appellplatz des Forts in den verschiedenen Formationen übte, vollzog Marks Kompanie „H“, gemeinsam mit den anderen anwesenden Kavalleristen, den üblichen berittenen Säbeldrill auf dem Übungsplatz außerhalb der Anlage. Noch immer war die Blankwaffe im Nahkampf eine Hauptwaffe der berittenen Einheiten, denn war der Revolver leer geschossen, so blieb oftmals keine Zeit zum Nachladen dieser Waffe oder des Karabiners. Wer sich dann mit Lanze, Kriegsbeil, Schädelkeule oder Messer eines indianischen Reiters konfrontiert sah, der war froh, fast einen Meter blanken Stahls auf seiner Seite zu wissen.
Jim Heller folgte den beiden Offizieren mit dem vorgeschriebenen Abstand, in der Hand sein kleines schwarzes Buch, in dem der First-Sergeant sorgfältig alle Ereignisse der Kompanie sowie Namen und Rang ihrer Zugehörigen mit Bleistift notierte. Derzeit ein wichtiger Nachweis für die offensichtliche Schwäche der Kompanie. Von der einstigen Sollstärke von einhundert Männern standen Mark nur vierundzwanzig zur Verfügung. Von diesen litten vier noch unter den Nachwirkungen ihrer Verletzungen und waren daher nicht voll einsatzfähig. Somit hatte Kompanie „H“ der fünften Wisconsin-Freiwilligenkavallerie kaum noch die Stärke eines Platoons.
Mark Dunhill und Ted Furbanks respektierten einander und doch verspürte man immer wieder eine gewisse Reserviertheit bei Furbanks, der oft ein wenig steif wirkte. Sein langer Uniformrock saß tadellos. Knoten und Quasten der roten Seidenschärpe waren exakt nach Vorschrift gebunden. Kein Fleckchen verunzierte das Weiß seines „Vatermörder“-Kragens. Obwohl sich auch Mark redliche Mühe gegeben hatte, wirkte er neben Ted stets ein wenig nachlässig gekleidet, was im Grunde auch für Jim Heller, den ehemaligen Trapper, galt.
Ein Quartermaster-Sergeant (Company-Grade) der Infanterie führte sie ins Büro des Colonels, der hinter seinem Schreibtisch saß und in einem Schriftstück las. Er lächelte freundlich, als die drei eintraten, und bot ihnen Platz und Kaffee an.
„Gentlemen, Sie werden sich sicherlich fragen, warum ich Sie außer der Reihe zu mir gebeten habe“, begann Probst ein wenig zögernd, „doch nachdem Sie alle vom Militärgericht entlastet worden sind, müssen wir über die weitere Verwendung Ihrer Kompanie sprechen. Zumal mir hierzu ein Schreiben des Kriegsministeriums zugegangen ist. Ein Schreiben, welches wohl auch auf Initiative von Präsident Lincoln beruht.“ Ein abschätzender Blick traf Mark. „Offensichtlich hegt Mister Lincoln ein persönliches Interesse an Ihrem Schicksal, Mister Dunhill, was wohl im Zusammenhang mit Ihrem werten Herrn Vater steht.“
Mark errötete ein wenig, verzichtete aber auf jeglichen Kommentar, obwohl der Colonel diesen zu erwarten schien. Schließlich räusperte sich Probst. „Nun, schön, wie dem auch sei … Sie haben sich einen gewissen Ruf erworben, Captain Dunhill, und dies gilt zweifellos ebenso für Ihren Herrn Vater, der ja bekanntlich Träger der Tapferkeitsmedaille ist. Wie Sie ja wissen, dient er in der fünften U.S.-Kavallerie und wurde unlängst zum Lieutenant-Colonel befördert.“
Letzteres war Mark neu und er freute sich über die Beförderung seines Vaters Matt. Zweifellos hatte dieser ihm geschrieben, doch gelegentlich nahm die Beförderung der Feldpost einige Zeit in Anspruch, so sehr man sich auch um eine rasche Zustellung verdient machte.
Erneut ein Räuspern von Probst, der das Schreiben nun sinken ließ. „Normalerweise bin ich gegen das Protegieren und die Ausnutzung gewisser, äh, Beziehungen, doch in Ihrem Fall und im Fall Ihrer Kompanie kann ich dies durchaus begrüßen. Wie Sie ja wissen. ist Ihre Kompanie überzählig, denn das Regiment, dem sie ursprünglich eingegliedert war, wurde ja inzwischen aufgelöst, da die Dienstzeit abgelaufen ist. Aufgrund der besonderen Leistungen Ihrer Kompanie ‚H‘ hat der Gouverneur von Wisconsin diese jedoch als Sonderkompanie im Dienst behalten. Was allerdings die Zuordnung von Ausrüstung und Ersatz ausgesprochen schwierig gestaltet.“
Mark und seine Begleiter sahen sich kurz an. Dieses Problem beschäftigte sie alle. Es gab kein für sie zuständiges Regiment mehr. Somit keinen direkten Nachschub an Ausrüstung oder Personal. Seit der Entlassung des Regiments zehrte die Kompanie von dem, was andere ihr übrig ließen. Nur selten fand sich ein Freiwilliger, der sich ihr anschloss. und mancher Zahlmeister vergewisserte sich erst beim Gouverneur in Wisconsin, ob der Truppe tatsächlich Sold zustand. Manches Ausrüstungsteil musste privat erworben werden. Glücklicherweise war das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Kompanie dermaßen ausgeprägt, dass die Soldaten immer wieder zusammenlegten. Mark und Ted steuerten den größten Teil ihres Soldes bei. Mark tat dies. weil ihm die Männer am Herzen lagen, bei Ted war es eher so, dass die Existenz der Kompanie seinen Offiziersrang rechtfertigte.
Daniel Probst schien auch jetzt auf eine Erwiderung zu warten und wurde erneut enttäuscht. Schließlich seufzte er vernehmlich. „Na schön, wo war ich? Ah, ja, Organisation … Nun, Gentlemen, auf Grund der bislang erlittenen Verluste musste das fünfte Regiment der U.S.-Kavallerie reorganisiert werden. Teilweise umfasste es nur noch knapp sechzig Säbel“, erläuterte der Colonel und machte sich zu Eigen, dass die Stärke einer Kavallerieeinheit oft mit der Anzahl ihrer Säbel bezeichnet wurde....




