Schenk | Pferdesoldaten 23 - Fort Bannister | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 23, 222 Seiten

Reihe: Pferdesoldaten

Schenk Pferdesoldaten 23 - Fort Bannister


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7575-9722-1
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 23, 222 Seiten

Reihe: Pferdesoldaten

ISBN: 978-3-7575-9722-1
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Die Pferdesoldaten' bietet spannende Western aus der Zeit der nordamerikanischen Indianerkriege. Die in sich abgeschlossenen Abenteuer stellen die U.S. Reitertruppen in den Jahren zwischen 1833 und 1893 vor. Entgegen der üblichen Western-Klischees bietet der Autor dabei tiefe Einblicke in Ausrüstung, Bewaffnung und Taktiken, die sich im Verlauf der Jahre immer wieder veränderten. Schicke gelbe Halstücher und Kavallerie mit Repetiergewehren wird der Leser hier nicht finden, wohl aber Action mit einem ungewohnten Maß an Authentizität.

Michael Schenk, Jahrgang 1955, schreibt Fantasy, Science Fiction, Horror und historische Romane. Er war Veranstalter des ersten Re-enactments zum nordamerikanischen Bürgerkrieg in Deutschland in Baumholder und Mitbegründer des ersten Dachverbandes der Re-enacment-Gruppen. Seine Militär-Western zeichnen sich durch ein ungewöhnliches Maß an Authentizität aus und bieten Spannung, weit jenseits der üblichen Klischees. Für seine Serien hat er unter www.sky-navy.de eine eigene Homepage angelegt.
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Kapitel 2 Holzeinschlag


Fort Bannister, am Ufer des Cheyenne River im Indianergebiet.

„Bei allem gebotenen Respekt, Sir, aber der Major ist ein Narr.“ Sergeant Smithers wies mit einer weit ausholenden Geste um sich. „Holzeinschlag. Fünf Meilen vom Fort entfernt.“ Der Unteroffizier wälzte den Priem von einer Wange in die andere und spie einen Strahl Tabaksaft auf den Grasboden. „Und das, während es um uns von den Wilden wimmelt.“

First-Lieutenant Bromwell blickte zum Bock des Pritschenwagens empor, wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte den schwarzen Feldhut wieder auf. „Es ist noch kein Fort, Sarge. Wir arbeiten daran, dass es eins wird, und deshalb schlagen wir hier Holz. Und der Major ist keineswegs ein Narr. Bald kommt der Winter und dann werden wir mächtig viel Holz für einen warmen Hintern benötigen. Wo wollen Sie sich dann das Holz holen, Smithers? Hier draußen oder lieber nahe beim Fort und im Schutz seiner Palisaden?“

Smithers stieß einen undefinierbaren Laut aus und zuckte mit den Schultern.

Sie beide gehörten der D-Company der 2nd California Volunteer Cavalry an. Wie viele andere Freiwilligentruppen waren sie nicht aufgestellt worden, um gegen den Süden zu kämpfen, sondern um die regulären US-Truppen an den Grenzen zu den Indianergebieten zu ersetzen und so die Sicherheit der Siedler zu gewährleisten. Obwohl die Zahl der Freiwilligen rund drei Mal so hoch war wie die der zuvor stationierten „Regulars“, war es zu Kämpfen mit Indianern gekommen. Im Süden gegen Apachen und Comanchen, im Westen und den nördlichen Plains zu schweren Auseinandersetzungen mit Sioux und Cheyennes.

Major Fairling erhielt daraufhin den Befehl, einen vorgeschobenen Außenposten zu errichten. Das Fort sollte am nördlichen Ufer des Cheyenne River entstehen, dort wo die Stammesgebiete der südlichen Sioux, der Lakota, an die der Cheyennes stießen.

Der Major interessierte sich sehr für die indianischen Kulturen, wobei sein Wissen aus den wenigen vorhandenen Büchern stammte. Praktische Erfahrungen besaß er nicht, aber er war kein arroganter Narr und stützte sich auf das Wissen eines erprobten Captains und zweier Crow-Scouts. Er bewies durchaus Weitsicht, denn im Gegensatz zu den meist offenen Anlagen eines Forts, beschloss er den Schutz durch eine Palisadenanlage.

Fairling erwartete keine ernsthaften Schwierigkeiten, denn sein Baukommando bestand aus zwei Kompanien der 2nd California Volunteer Cavalry und drei Kompanien der 5th California Volunteer Infantry, zuzüglich eines Trosses aus Fuhrwerken mitsamt deren Fahrern sowie einem Zug Maultieren und deren Treibern. Alles in allem über sechshundert Männer. Eine Streitmacht, auf die man keinen leichtfertigen Angriff riskierte.

Das Holzkommando bestand aus einer Kompanie Infanterie und, zu deren Bedeckung, einer Kompanie Kavallerie.

Ein Captain der Infanterie verfügte über die Befehlsgewalt. Er ließ die ausgewählten Bäume schlagen und vor Ort entrinden. Auch hier plante Fairling für die Zukunft und wollte nicht, dass „sein“ Fort wegen ungeschälter Stämme der Verrottung anheim fiel.

Ein anderer Teil arbeitete im Fort. Dort hob man die Gräben für die Palisaden aus und verarbeitete das gelieferte Holz zu Palisadenpfählen, Bohlen und Brettern. Die Zeit drängte, auch wenn man in den vergangenen drei Monaten schon viel geleistet hatte. Aber der Winter würde in drei Monaten hereinbrechen und in Dakota (Anmerkung: später South Dakota) konnte es bitterkalt werden. Bis dahin sollte alles fertig sein.

Die Landschaft strotzte vor Grün. Gras und Wald wechselten einander ab und das Gelände war hügelig. Rund fünfzig Meilen südwestlich lagen die Black Hills, jenes Gebirge, das den Sioux als „Paha Sapa“ heilig war. Rund zweihundert Meilen westlich lag das Powder River Land mit den Big Horn Mountains.

Das Fort, welches den offiziellen Namen „Fort Bannister“ trug, lag somit sehr exponiert und konnte, im Falle eines sich ausweitenden Krieges mit den Indianern, auch rasch isoliert werden. Fairling schickte daher immer wieder Jagdtrupps aus, die schon jetzt zu den Wintervorräten beitragen sollten.

Der Holzeinschlag fand in Ufernähe des Dry Fork Creek statt, des nördlichen Zuflusses des Cheyenne River. Es war eine Lichtung, die sich durch die Arbeiten beständig ausweitete. Hier gab es genug Gras und Wasser, um die Tiere versorgen zu können. Die Männer nutzten abgeschälte Rinde und Knüppelholz, um Kochfeuer zu unterhalten.

Es war eine schweißtreibende Arbeit und die meisten der Infanteristen und Zivilisten arbeiteten mit bloßem Oberkörper. Das Schlagen der Äxte und die Geräusche der Sägen und Schälmesser mischten sich mit den Lauten der Tiere und den Stimmen der Männer.

Lieutenant Bromwell beobachtete Captain Bullmer im Gespräch mit einem der Crow-Scouts und beschloss, sich zu ihnen zu gesellen. Beide verständigten sich in einem Mischmasch aus Englisch, Crow und Zeichensprache, bei dem Bromwell selbst kapitulieren musste. Umso begieriger wartete er, bis der Crow-Indianer wieder auf seinen Mustang stieg und gemächlich davontrabte.

„Etwas Neues, Sir?“, fragte Bromwell mit leiser Stimme.

Der Infanterie-Offizier schüttelte den Kopf. „Nichts, Mister Bromwell. Absolut nichts und ich halte das für beunruhigend.“

„Sir?“

„Unsere Crow stoßen immer wieder auf Spuren von Sioux, gelegentlich bekommen sie sogar einen von deren Späher zu Gesicht.“ Der Captain kratzte sich im Vollbart. „Aber keine Anzeichen für größere Gruppen.“

„Ist doch beruhigend, Sir.“

Der Infanterist nahm sein Bummers-Cap ab und drehte es einen Moment mit den Händen, während er zum Waldrand starrte. „Seit dem Minnesota-Aufstand im September ´62 sind die gesamten Plains im Kriegszustand. Bannister soll ja nicht zuletzt zum Schutz des nahen Bozeman-Trails dienen. Vielleicht ist unser Fort jener berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.“ Er setzte das Kepi wieder auf und rückte es zurecht, so dass der Schirm exakt eine Fingerbreite über den Augenbrauen lag. „Sehen Sie, Mister Bromwell, wir haben hier sechshundert Mann. Das ist eine ziemliche Streitmacht, auch wenn uns keine Geschütze zur Verfügung stehen. Ich schätze, die Roten warten derzeit einfach ab, was sich in nächster Zukunft tut.“

„Sir?“ Der Lieutenant wusste nicht, worauf der Captain da gerade anspielte. „Was meinen Sie mit nächster Zukunft?“

Der Infanterist warf Bromwell einen raschen Blick zu, bevor er sich wieder auf den Waldrand konzentrierte. „Der Krieg, Mister Bromwell. Der Krieg. Sie haben doch sicherlich mitbekommen, dass er zu Ende ist, oder? Und dass wir ihn gewonnen haben.“

„Sir!“ Diesmal klang die Stimme des Kavalleristen ein wenig eingeschnappt.

Sein Gesprächspartner grinste. „War nicht despektierlich gemeint, Bromwell, ganz gewiss nicht. Sagen Sie, unter welcher Bedingung haben Sie sich für Ihr Regiment verpflichtet?“

Bromwell begriff. „Bis Kriegsende.“

„Yeah, wie praktisch jeder Einzelne von uns.“ Erneut ein flüchtiges Lächeln. „Abgesehen von den zivilen Wagenführern und den Maultiertreibern, natürlich.“

„Wir sollten alle längst zu Hause sein“, meinte Bromwell nachdenklich. „Natürlich abgesehen von den Fahrern und Treibern.“

„Natürlich.“ Sie mussten beide lachen. Etwas entspannter standen sie nebeneinander und sahen den Arbeiten um sich herum schweigend zu.

„Timber!“, ertönte ein Ruf aus dem Inneren des Nadelwaldes. „Baum fällt!“

Das typische Knacken und Knistern eines stürzenden Baumes war zu hören, dem der dumpfe und von Rauschen begleitete Aufschlag folgte. Ein paar Infanteristen hasteten mit zwei Rückepferden in den Halbschatten am Waldrand. Dort, wo der Baum lag, erklangen nun die Axthiebe, mit denen der Stamm von seinem Geäst befreit wurde. Anschließend würde man ihn an Kette oder Seil legen und mit Hilfe der Pferde zur Lichtung verrücken, wo man ihn dann schälen musste. Mit der Rinde würden auch etwaige Schädlinge am Holzeinschlag zurückbleiben.

„Ich schätze, wir werden bald abziehen“, sagte der Captain plötzlich.

Instinktiv zog Bromwell seine silberne Taschenuhr aus der Weste, unter seiner Uniformjacke hervor, und ließ den Deckel aufspringen. „Wir haben noch eine Stunde, bevor wir zurückkehren müssen.“

Der Kavallerist lachte erneuert. „Heute scheinen wir vortrefflich zu Missverständnissen zu neigen, Mister Bromwell. Ich meine nicht unser Holzkommando, sondern unsere Garnison. Grundgütiger, Bromwell, jeder in Bannister weiß, dass der Krieg zu Ende ist. Hallelujah, kann ich da nur sagen. Yeah, alle wissen das. Alle wissen, was der Meldereiter überbrachte und erinnert sich an die Worte des Majors und den Jubel. Können Sie sich noch daran erinnern, was die meisten von uns bei der Gelegenheit sagten?“

„Das es bald nach Hause geht“, knurrte Bromwell. „Das unsere Verpflichtungszeit abgelaufen ist.“

„Und das war vor über einem Monat, Mister Bromwell. Vor über vier Wochen. Im Grunde sind wir alle längst Zivilisten und es ist höchste Zeit, dass wir heimkehren und abmustern können.“

„Wird aber sicher noch ein paar Wochen dauern, bis Bannister endgültig steht.“

„Und das ist meine Sorge, Bromwell. Genau das. Ich habe mich mal so bei den Jungs umgehört, Bromwell. Die Jungs wollen heim, Bromwell. Sie alle. Und ich will das im Grunde genommen ebenfalls.“

Sie verstummten, als ein Corporal herankam und den beiden Offizieren Becher...



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