Liebe Besucherinnen und Besucher,
aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 2, 781 Seiten
Reihe: Zwerge der Meere
Schenk Velara und das Reich der sieben Inseln
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7565-8973-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 781 Seiten
Reihe: Zwerge der Meere
ISBN: 978-3-7565-8973-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Schenk, Jahrgang 1955, schreibt Fantasy, Science Fiction, Horror und historische Romane. Speziell für seine Serien 'Sky-Navy', 'Sky-Troopers' und 'Die Pferdesoldaten' wurde unter www.sky-navy.de eine eigene Homepage angelegt, die eine Vielzahl zusätzlicher Informationen beinhaltet.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Velara
und das Reich der sieben Inseln
(Zwerge der Meere 2)
Fantasy
von
Michael H. Schenk
© Michael H. Schenk 2012/2024
Das Problem bestand nicht darin, einen der Dergo-Barsche zu finden. Die zwölf Meter langen Fische bevorzugten die seichten Gewässer der Hasgara-Inselkette. Die Schwierigkeit bestand vielmehr darin, in sein gewaltiges Maul zu gelangen, die wertvollen Rachenkristalle zu lösen und wieder zu verschwinden, bevor der Barsch zuschnappen konnte. Zwar waren diese Meeresbewohner eigentlich friedliche Pflanzenfresser, aber gelegentlich schätzten sie auch Fleisch, vor allem, wenn der leckere Happen gerade zwischen ihren Kiefern herumschwamm. Um an die kostbaren Dergo-Kristalle zu gelangen, benötigte man drei Dinge – die Schlafpause des Barsches, die eigene Schnelligkeit und einen Schnappstopper aus erstklassigem Zwergenstahl.
Die hölzernen Planken des Oberdecks waren durch die Sonne aufgeheizt. Es war fast zu heiß, um sie mit bloßen Füßen zu berühren. Velara tappte mit hastigen Schritten zur Backbordreling der Wellenpfeil und entkleidete sich, um rasch ins kühle Wasser zu gelangen. Auch der Handlauf war aufgeheizt und sie fluchte leise, als sie sich darüber schwang und ihre Füße auf die Außenbordleiter stellte. Der Schnappstopper in ihrer Hand schlug mit dumpfem Pochen gegen die Bordwand.
Velara befand sich in jener Phase, in der sich ein Mädchen zur Frau wandelt. Mit all den körperlichen und seelischen Schwierigkeiten, die damit verbunden waren. Ihr Vater war sich nicht besonders sicher, ob sie nun dreizehn oder fünfzehn Jahre alt war, da dies von der Umrechnung der jeweiligen Zeitzone abhing. Eigentlich spielte es keine Rolle. Auch wenn es Unstimmigkeiten über ihr Alter geben mochte, so waren sich doch alle darin einig, dass sich Velara zu einer Schönheit entwickelt hatte. Sie war relativ groß und sehr schlank und wies schon jene weiblichen Formen auf, die bei Männern begehrliche Blicke hervorriefen. Bei den Männern der Menschen waren diese Blicke mit dem Wunsch nach spontaner Paarung verbunden, die Männer anderer Rassen bewunderten immerhin ihr Ebenmaß und wussten Schönheit anzuerkennen, wo sie diese erblickten. Menschenmänner wurden gelegentlich ein wenig zu aufdringlich. Velara begegnete dem mit einem freundlichem Blick und einem höflichen oder entschiedenen „Nein“ und, wenn dies nicht reichte, mit einem weit nachdrücklicheren Tritt. Die männlichen Wesen anderer Rassen wurden in der Regel nicht sonderlich zudringlich und wenn doch, so reichte es aus, wenn Steuermann Dan´Hargos ein wenig knurrte oder nachdrücklich mit seinen Scheren klapperte. Velara hatte die sanft gebräunte Haut, die man erhielt, wenn man sich lange auf See aufhielt, und bis auf die Hüfte fallende schwarze Haare. Wie gewöhnlich hatte sie diese zu einem langen Nackenzopf geflochten.
„Kind, sei vorsichtig.“
Am Heck der Wellenpfeil, wo sich das Steuerrad des Schiffes befand, stützte sich Velaras Vater auf die Handspeichen des Steuers und sah sie besorgt an. Die gedrungene Statur und seine Größe verrieten den Zwerg ebenso unzweifelhaft, wie die sorgfältig geflochtenen Bartzöpfe, die ihrem Besitzer bis fast zur Mitte der Oberschenkel reichten. Sein Alter war noch schwerer zu bestimmen als das seiner Tochter. Das Gesicht war von Wind und Wetter gegerbt und die Jahre hatten tiefe Furchen in die Haut gegraben. Das einst rot glänzende Haar war längst Schwarz geworden, doch die Augen von Vel Halkor blitzten noch immer schlau und unternehmungslustig.
Wenn man Tochter und Vater nebeneinander sah, war es offensichtlich, dass Vels Liebe nicht einer Zwergenfrau gegolten hatte. Es war ausgesprochen selten, dass sich ein Zwerg der Meere mit einem anderen Menschenvolk verband, doch es kam vor, und im Falle von Velara erwies sich das als Glücksfall.
„Ach, Vater, ich bin immer vorsichtig“, erwiderte sie lächelnd und überprüfte nochmals den Schnappstopper und den richtigen Sitz des Sammelgürtels. Der schmale Ledergurt mit den angenähten Taschen war im Augenblick ihr einziges Kleidungsstück.
„Du sagst immer, dass du vorsichtig bist“, brummte Vel Halkor. „Und dann gerätst du meist in größte Schwierigkeiten, aus denen wir dich nur mit Mühe herausholen können.“
„Du übertreibst, Vater.“
„Ja, das tut er“, ertönte ein tiefer Bass, der von einem zischenden Unterton getragen wurde. „Aber nur sehr wenig, kleines Mädchen.“
Dan´Hargos war eine beeindruckende Gestalt. Äußerlich glich der Steuermann einem drei Meter langen Krebs und er galt selbst im Volk der Irghil als ungewöhnlich groß. Die tiefblaue Farbe seiner Panzerung und die lange Form seiner tödlichen Scheren verrieten, dass er sich, gemessen an den intelligenten Krebsen, im besten Mannesalter befand. Die Irghil waren ein friedliches Händlervolk und verfügten über keine Stimmbänder. Sie formten ihre Laute durch das Aneinanderreiben von hornigen Gaumenplatten. Einige, darunter Dan´Hargos, verstanden sich darauf, die menschlichen und zwergischen Laute zu formen. Dabei wurde das „S“ von einem intensiven Zischen begleitet, an welches man sich erst gewöhnen musste, während das „R“ einen seltsam rollenden Klang erhielt. Der Steuermann gehörte zu den wenigen Gepanzerten, die mit den Gaumenplatten sogar die Betonung der Worte variieren konnten. Die drei langen Stielaugen waren auf Velara gerichtet und der Steuermann der Wellenpfeil hielt eine metallene Pfanne in den beiden Armen, die sich unterhalb der Mundöffnung seines gepanzerten Schädels befanden. Seine beiden Kampfscheren hatte er auf den Rücken gefaltet.
„Heute gibt es Parnat-Gulasch zum Mittag“, stellte der Krebs fest. „Du weißt, wie kompliziert es ist, das Gulasch zuzubereiten. Etwas zu viel Hitze, und es ist verdorben. Etwas zu wenig Hitze, und das Gift im Fleisch ist noch aktiv, und dann wird es eure Mägen verderben. Bring dich also nicht in Schwierigkeiten, kleines Mädchen, sonst ist das Mittagessen ruiniert.“
„Was ihr immer habt“, seufzte Velara. „Wollt ihr etwa selbst nach den Dergo-Kristallen tauchen?“
„Kind, ich muss mich um die verklemmte Steuerkette kümmern und Dan um sein Gulasch.“
„Euer Gulasch“, korrigierte der Krebs. „Ich mag so verbranntes Zeug nicht. Ich mag mein Fleisch roh.“
„Schön, unser Gulasch.“ Vel Halkor sah seine Tochter mahnend an. „Setz den Schnappstopper behutsam an und achte darauf … “
„Vater!“ Der Blick ihrer meergrünen Augen war empört.
Der Zwerg kapitulierte mit einem vernehmlichen Seufzer. „Sei einfach vorsichtig.“
Velara ließ sich sachte ins Wasser gleiten und genoss die Kühle, mit der es ihre nackte Haut zu umschmeicheln schien. Für einen flüchtigen Moment spürte sie den leichten Schmerz, als ihr Körper von der Lungenatmung auf Kiemenatmung umstellte. Die drei waagrechten Kiemenschlitze in ihrem Nacken würden sich nun sanft bewegen. Diese Kiemen waren ein Geheimnis, das von der kleinen Mannschaft der Wellenpfeil gut gehütet wurde.
Ihr Vater hatte eine der letzten Überlebenden der Ataner zur Frau genommen. Dieses Volk war vor wenigen Jahren mit seiner Insel versunken und nahm dabei seine zahlreichen Geheimnisse mit in den Tod. Die Ataner waren nie besonders beliebt gewesen und niemand bedauerte ihr Verschwinden. Dennoch hatte sich Vel Halkor ausgerechnet in eine Atan verliebt. Es war eine gegenseitige und glückliche Liebe gewesen, bis Velaras Mutter bei einem Sturm über Bord gegangen war. Vater und Tochter versuchten noch immer, ihre Trauer zu überwinden. Möglicherweise war dies der Grund, warum sich Vel Halkor so ausnehmend um seine Velara sorgte.
Die Geheimnisse des versunkenen Volkes lockten. Wenn man erfuhr, dass Velara und ihr Vater intensiven Kontakt zu ihm gepflegt hatten, würde man sicher versuchen, ihnen dieses Wissen zu entlocken. In dem Fall wäre es für beide auch kaum von Nutzen, darauf hinzuweisen, dass sie die Atan kaum zu Gesicht bekommen hatten, da die Besatzung der Wellenpfeil seit Velaras Geburt auf und von der See lebte. Atan war das Reich der Welt gewesen und hatte sie beherrscht. Die nördliche Seescheibe ebenso wie die südliche und sogar die unüberwindliche Tiefe, die dazwischen lag.
Velara bewegte sich ebenso sanft wie die Kiemendeckel in ihrem Nacken. Dergo-Barsche spürten, wie alle anderen Fische, die Bewegungen im Wasser, und Velara wollte sie nicht aufscheuchen. Als die Wellenpfeil in die Lagune eingelaufen war, hatten sie von Deck aus die mächtigen Barsche erkennen können. Fünf von ihnen lagen um eine der Korallenbänke und würden jetzt, um die Mittagszeit, ihr Verdauungsschläfchen halten. Wenigstens hoffte Velara, dass es so war. Ihre mächtigen Körper waren in dem kristallklaren Wasser gut sichtbar gewesen. Die grau gefleckten Leiber hatten sich deutlich von dem hellen Sand der Lagune abgehoben. Die Barsche benötigten keine Tarnung, denn keiner der Meeresräuber war hungrig und verwegen genug, sich mit einem Dergo anzulegen. Nun aber beabsichtigte Velara, einem von ihnen in das vier Meter lange Maul hineinzuschwimmen.
Velara liebte die Lagunen der Hasgara-Inselkette. Es war Süßwasser, kristallklar und es hatte immer eine angenehme Temperatur. Während des Tages kühlte das Wasser und in der Nacht, wenn die Sonne gesunken war, strahlte der...




