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Scheweling | Academy of Lies (Band 1) - Anatomie einer Verschwörung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Academy of Lies

Scheweling Academy of Lies (Band 1) - Anatomie einer Verschwörung

Dark Academia mit Slow-Burn-Romance meets Medizinthriller
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7320-2426-1
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Dark Academia mit Slow-Burn-Romance meets Medizinthriller

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Academy of Lies

ISBN: 978-3-7320-2426-1
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Geheimnisse haben schreckliche Nebenwirkungen ... Quinn wird sterben. Denn ihr Spenderherz hält nicht mehr lange durch. Um den Tod besser zu verstehen, studiert sie Medizin an einer Eliteuniversität. Doch da wird der Rektor getötet, kurz darauf stirbt eine Studentin - und niemand anderes als ihr Bruder gerät unter Verdacht. Quinn muss herausfinden, was wirklich passiert ist. Und dabei kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das nicht nur ihre eigene Welt auf den Kopf stellen könnte ... Der fesselnde Auftakt einer atmosphärischen Medizinthriller-Reihe In Academy of Lies - Anatomie einer Verschwörung entführt uns Nina Scheweling an eine atmosphärische Eliteuniversitätvoller dunkler Machenschaften und Geheimnisse. Dark Academia trifft auf einen fesselnden Thriller rund um Medizin und bewegende Themen wie Tod, Verlust, Trauer und Familie - mit einer zarten Liebesgeschichte als Nebenhandlung (Slow Burn x Enemies-to-Lovers) und einer außergewöhnlichen Protagonistin, die einen durch ihren Sarkasmus und ihre abweisende Art nicht nur zum Lachen bringt, sondern auch tief berührt.

Nina Scheweling arbeitete als Kinderbuchlektorin und übersetzte zahlreiche Bücher, bevor Junior-Agent Nick Nader sie dazu überredete, selbst Geschichten zu schreiben. Zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt sie am Kaiserstuhl.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Mein Name ist Quinn Schreiber, ich bin achtzehn Jahre alt, und wenn alles seinen normalen Gang geht, werde ich bald sterben.

In meiner Kindheit habe ich mir mein Herz immer wie das rote Plüschherz vorgestellt, das ich einmal im Schaufenster eines Kaufhauses gesehen hatte. Später, als mein Herz anfing, mühsamer zu schlagen, kam es mir vor wie ein Stein, hart und tonnenschwer, der mich langsam, aber sicher in die Tiefe zog. Heute weiß ich es besser.

Das Herz ist eine Ansammlung von Zellen: ein Muskelschlauch, der am zweiundzwanzigsten Tag der Schwangerschaft anfängt zu schlagen; der sich ausdehnt, teilt, sich umbaut in ein komplexes System aus Vorhöfen und Herzkammern, Klappen, Knoten, Venen und Arterien, bis es irgendwann so groß ist wie die Faust seines Besitzers und so viel wiegt wie drei Tafeln Schokolade.

Es ist ein Muskel, der unablässig Blut durch unseren Körper pumpt: fünf Liter in der Minute, siebentausend am Tag, zweihundert Millionen im Leben.

Es hat seine eigene Schaltzentrale, die unseren Puls steuert: sechzig bis achtzig Schläge in der Minute, hunderttausend am Tag, drei Milliarden im Leben, ohne Pause. Es beschleunigt den Rhythmus, wenn wir rennen, fährt ihn runter, wenn wir schlafen, lässt ihn stolpern, wenn irgendetwas defekt ist.

Es ist ein Verstärker, der uns Gefühle spüren lässt, selbst wenn wir sie nicht wahrhaben wollen: Liebe, Freude, Nervosität, Wut, Angst.

Es ist eine gut geölte Maschine, die uns am Leben erhält – wenn alles glattläuft. Bei mir tat es das nicht. Mein Herz existiert nicht mehr. Es war kaputt, deswegen hat man es ausgebaut und weggeworfen.

Mit sechs hatte ich eine Herzmuskelentzündung, die die Ärzte nicht in den Griff kriegten. Mein Herz wurde immer schwächer, bis es schließlich ganz aufgab. Mit acht habe ich ein neues bekommen. Im Schnitt halten implantierte Organe etwa zehn Jahre durch, meins ist also ab sofort überfällig. Und meine Kombination aus seltener Blutgruppe und negativem Rhesusfaktor führt dazu, dass die Chance auf ein weiteres Spenderherz bei circa null liegt.

Ich könnte mir ein Kunstherz einsetzen lassen, eine Pumpe, die durch ein Kabel mit einem Akku außerhalb des Körpers verbunden ist. Dann wäre ich an eine Batterie angeschlossen wie irgendein Haushaltsgerät. Natürlich verstehe ich, dass das für einige der letzte Ausweg ist. Aber für mich ist es unvorstellbar. Und so finde ich mich seit einem Jahrzehnt mit meinem Tod ab. Wir alle sterben irgendwann. Die einen früher, die anderen später. So einfach ist das.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich so gern allein bin. Warum ich mich abschotte von der Welt, den Menschen aus dem Weg gehe und genau das Gegenteil von dem mache, was alle von mir erwarten. Auch – oder erst recht – heute.

Ich komme aus der Lücke zwischen zwei Regalen hervor, in der ich mich versteckt habe, und laufe bis zur verlassenen Ausleihtheke mit ihrer aufwendigen Wandvertäfelung im Hintergrund. Ich sollte nicht hier sein – zumindest nicht um diese Zeit. Die Bibliothek schließt samstags um 18Uhr, und jetzt ist es 18.47Uhr. Es ist gar nicht so schwer, sich irgendwo einschließen zu lassen, besonders an Orten, an denen niemand damit rechnet. Wenn es keine Überwachungskameras gibt, kein Sicherheitspersonal, nur eine studentische Hilfskraft, die am Ende der Öffnungszeiten einen halbherzigen Kontrollgang macht. Als sie kurz nach sechs die Eingangstür hinter sich zuzog und das elektronische Schloss verriegelte, hat sie mich ein- und die Welt ausgesperrt und die Bibliothek zu meinem ganz persönlichen Rückzugsort gemacht. Einem Ort, der die Geschichte des alten Klosters atmet, das hier einmal untergebracht war. Einem Ort mit dunklen Holzregalen, kleinen Schirmlampen an den Lesetischen und Wandmalereien an den hohen Decken. Einem Ort, an dem die Flachbildschirme, die zur Recherche bereitstehen, wie Fremdkörper wirken.

Ich drehe mich langsam um mich selbst und nehme die Stille in mich auf, die Einsamkeit, die Energie des Tages, die noch in der Luft hängt, bevor sie im Laufe der Nacht zwischen den Büchern versickern wird. Dann schlendere ich ziellos an den Regalen entlang, fahre mit dem Finger über die Buchrücken der Fachliteratur, ohne einen bestimmten Titel wahrzunehmen, und atme den Geruch nach Papier, nach altem Holz und Staub ein. Ich bin nicht hier, um etwas Besonderes zu tun. Ich verfolge keinen Plan. Ich bin hier, weil alle anderen es nicht sind. Anstatt mit den restlichen Erstsemestern noch vor der Einführungswoche in Kneipen und auf Partys nach Anschluss zu suchen, bin ich, wo niemand ist. Sogar mein Handy habe ich ausgeschaltet. Ich habe keine Lust auf oberflächliche Glückwunsch-Nachrichten. Heute ist mein Geburtstag. Aber ich feiere lieber allein.

Ein Knall zerfetzt die Luft und zerstört meinen Frieden. Ich zucke zusammen, und sofort beginnt mein Herz, heftig zu klopfen, setzt seinen eigenen Willen durch, ganz egal, wie sehr ich versuche, es unter Kontrolle zu halten. Tauben flattern erschrocken am Fenster vorbei in den Himmel, und die Schallwellen des Knalls hallen in der Bibliothek wider, als suchten sie jemanden, dem sie eine Botschaft überreichen könnten.

Was in aller Welt war das? Ich gehe zu einem der Fenster, die auf den Innenhof hinausführen. Auf den ersten Blick scheint er verlassen zu sein. Doch dann erkenne ich die offen stehende Eingangstür des Rektorats, das gegenüber der Bibliothek liegt, und einen dunklen Umriss auf der Steintreppe davor. Plötzlich verstehe ich es – verstehe, was den Knall verursacht hat, verstehe, warum mein Herz so aufgeregt ist und immer schneller schlägt, während alles andere in mir erstarrt. Der Umriss auf der Treppe ist ein Mann, und unter seinem reglosen Körper sickert Blut hervor, das die Stufen in ein dunkles, glänzendes Rot taucht.

Ich sollte wegrennen. Vielleicht ist der Täter noch da, sucht weitere Opfer oder will sichergehen, dass es keine Zeugen gibt. Aber ich kann mich nicht bewegen, kann nur hinausschauen auf den Hof, das Kopfsteinpflaster, die herbstlichen Platanen, die Fenster der Gebäude, die den Innenhof umranden und in deren schwarzen Scheiben sich der Himmel spiegelt. Niemand ist zu sehen, weder Passanten, die sich zufällig in den Innenhof verirrt haben, noch jemand, der wie ein Mörder wirkt. Die einzige Bewegung, die ich ausmachen kann, ist die des vertrockneten Laubs, das auf dem Boden umhertanzt, und die des Bluts, das in einem kleinen Rinnsal von der obersten Stufe hinabläuft.

Da kommt ein Hund in den Innenhof gelaufen. Er schnüffelt über den Boden, bleibt schließlich vor der Treppe stehen und fängt aufgeregt an zu bellen. Eine Frau tritt durch den Durchgang, ruft nach ihm, streng, aber vergeblich. Dann sieht sie, was den Hund so durcheinanderbringt. Sie schreit auf, zerrt ihn von der Treppe weg, wühlt in ihrer Tasche nach ihrem Handy.

Eine Viertelstunde später wimmelt der Innenhof von Menschen – Polizisten, Gerichtsmedizinern und einer Handvoll Schaulustiger, die von Männern und Frauen in Uniform aber rasch wieder vertrieben werden. Ich stehe immer noch am Fenster und beobachte alles, verborgen von den Schatten, die zwischen den Regalen hervorkriechen und die Bibliothek in Zwielicht hüllen. Solange ich die Lampen nicht anmache, sieht mich niemand; im Gegensatz zu den Polizisten, die erst das Erdgeschoss und dann die oberen Stockwerke des Rektorats durchstreifen. Durch die Fenster erkenne ich, wie sie von einem Raum in den nächsten gehen, das Licht anschalten, sich umsehen, auf der Suche nach dem Täter oder weiteren Opfern. Aber sie scheinen nichts zu finden. Als sie dem Einsatzleiter im Innenhof Bericht erstatten, dreht dieser sich nachdenklich im Kreis, lässt seinen Blick über die Fassade gleiten, entlang der verschlossenen Türen und der Scheiben, die das Blaulicht der Einsatzwagen reflektieren. Ich zucke zurück, aus Angst, dass er mich entdeckt, doch er wendet sich schon wieder ab und schüttelt den Kopf. Die Beamten zerstreuen sich. Offenbar gehen sie nicht davon aus, dass der Mörder noch vor Ort ist.

Ein leichter Regen setzt ein und droht die Spuren der Tat wegzuwaschen. Hastig wird ein Zelt über der Treppe errichtet, das den Toten vor dem Wasser schützt. Scheinwerfer werden aufgestellt, um die Dämmerung zu vertreiben. Ein Auto fährt in den Hof, ein Zivilfahrzeug diesmal. Ein Mann und eine Frau steigen aus, gehen auf den Eingang zu und werden kurz darauf von dem Zelt verschluckt.

Ich frage mich, wer der Tote ist. Nur jemand, der zur falschen Zeit am falschen Ort war? Ein Spaziergänger vielleicht? Oder ein Tourist, der in irgendeinem Reiseführer von der Renovierung der alten Klosteranlage gelesen hat, die zu einer der modernsten privaten Hochschulen des Landes umgebaut wurde? Allerdings sah es so aus, als wäre das Opfer aus der Tür des Rektorats gekommen. Dabei ist das Rektorat am Wochenende eigentlich nicht besetzt. Wer könnte heute trotzdem dort gewesen sein? Der Einzige, der mir einfällt, ist Johann Sailer, der neue Rektor der Wilhelm-Schreiber-Akademie. Er ist erst seit dem Sommer im Amt und womöglich noch motiviert genug, um auch am Wochenende zu arbeiten. Aber warum sollte ihn irgendjemand erschießen?

Ich lasse den Blick über den Innenhof schweifen. Eine Frau in einem weißen Plastikanzug – offensichtlich von der Spurensicherung – fotografiert den Tatort aus jedem erdenklichen Winkel. Ein weiterer Beamter sucht den Boden ab, zögert an einer Stelle kurz und stellt ein kleines Metallschild mit einer Nummer daneben. Die meisten anderen Polizisten stehen herum, schweigend, rauchend, den Kopf tief in ihren Jacken vergraben, um sich vor dem immer stärker werdenden Regen zu schützen.

Und dann sehe ich ihn. Einen Mann, vielleicht zwei,...



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