E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Schick Sex. Kampf. Liebe. Tod.
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-7008-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Archilochos von Paros
E-Book, Deutsch, 300 Seiten
ISBN: 978-3-8192-7008-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf der Basis historischer Überlieferungen und der erhaltenen Gedichtfragmente beschreibt der Roman SEX. KAMPF. LIEBE. TOD. das letzte Lebensjahr des archaischen Dichters Archilochos. Der Sohn eines Adligen und einer thrakischen Sklavin lebt auf dem Landgut seines Vaters Telesikles auf Paros. Als Bastard ist er rechtlos, wird jedoch von seinem Vater wie ein legitimes Kind unterstützt. Bei der Vermählung seiner Schwester Eunike lernt er Neobule, die Tochter des Ratsherrn Lykambes, kennen und verliebt sich. Erste Erfolge als Dichter ermöglichen ihm die Verlobung mit Neobule. Vor der Hochzeit soll Archilochos noch einen Siedlerzug nach Thasos geleiten. Durch den zwischenzeitlichen Tod seines Vaters hat sich seine finanzielle und gesellschaftliche Stellung erheblich verschlechtert; er ist nunmehr auf den Erfolg dieser Mission angewiesen. Nach anfänglichen Fortschritten endet eine Exkursion auf das thrakische Festland in einer Katastrophe, die nur wenige seiner Männer überleben. Zurück auf Paros versucht Archilochos vergeblich, seine Braut Neobule wiederzufinden. Diese lässt sich mehrfach verleugnen. Ihr Vater teilt ihm auf der Trauerfeier für Eunikes bei einem Schiffsunglück ertrunkenen Mann mit, dass er seine Tochter einem reicheren Bewerber zur Frau geben wird. Zutiefst verletzt verfasst Archilochos spöttische Gedichte über Neobule und ihren Vater. Als sich unerwartet die Gelegenheit dazu bietet, verführt er aus Rache Neobules Schwester. Aus materiellen Gründen verdingt sich Archilochos als Söldner im Kampf gegen Eindringlinge aus Naxos. Das Heer zieht in den Osten von Paros. Zwischen zwei Schlachten erfährt er vom Selbstmord Neobules. Am folgenden Tag wird Archilochos von dem Naxier Kallondes getötet. Zahlreiche Gedichtfragmente des Lyrikers mit Themen wie Kampf, Prostitution, Verrat, sexuellen Höhepunkten und Lebensregeln sind in den laufenden Text integriert und beleuchten subjektiv das Geschehen.
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Wie erwartet, begann an dieser Seite des Hauptgebäudes der Garten, in dem sich vornehmlich Gemüsebeete und Obstbäume befanden. Ziellos schlenderte ich über einen gepflegten Weg und genoss den milden Sonnenschein. Ich dachte noch an die möglicherweise bevorstehende Aufgabe auf Thasos, als eine plötzliche Bewegung zu meiner Rechten mich aus meinen Gedanken aufschreckte. Ich hob meinen Blick und sah sie – Neobule, nur durch wenige Beete von mir getrennt. Sie trug ein winterliches, fast bis zum Boden reichendes, helles Kleid. Ihr langes dunkles Haar, in das über dem Ohr eine Blume geflochten war, trug sie nicht hochgesteckt, sondern ließ es frei den Rücken hinabgleiten. In der linken Hand spielte sie mit einem kleinen Zweig, den sie von einem Baum gebrochen hatte.
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sie hielt einen Myrtenzweig in der Hand, an dem sie sich erfreute, ebenso wie an der Blüte der schönen Rose – und das Haar beschattete ihr die Schultern und den Rücken.
Während ich noch zu Neobule hinübersah, bemerkte mich das Mädchen und kam auf mich zu. Mein Herz pochte schneller, in jeder Faser meines Körpers spürte ich, wie der Pulsschlag sich beschleunigte. Von der unerwarteten Situation völlig überrascht, wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte.
Mit rotem Kopf stand ich noch verlegen da, als nach einer endlos scheinenden Zeit Neobule das Wort ergriff und mich ansprach.
„Du musst der älteste Sohn von Telesikles sein – ich habe gehört, dass ihr heute am Vormittag zu uns auf das Landgut kommen würdet. Ich hätte dich aber auch ohne diesen Hinweis erkannt, warst du doch wie ich bei der Hochzeit von Eunike und Perikles.“
Ihre Stimme war angenehm, etwas tiefer, als ich es mir – ohne darüber nachzudenken – vorgestellt hatte. Ich war noch immer ohne Worte, musste jetzt aber irgendwann einmal etwas sagen, wollte ich nicht wie ein karischer Esel dastehen. Einen Moment lang überlegte ich, ihr zu verschweigen, dass ich nur der uneheliche Sohn einer thrakischen Sklavin war, entschloss mich dann aber angesichts ihrer herzlichen Offenheit, die Wahrheit zu sagen.
„Ja, ich bin Archilochos, der Sohn von Telesikles. Zwar bin ich tatsächlich der erstgeborene Sohn, allerdings nur ein Bastard. Der legitime Sohn meines Vaters, den du wohl erwartest, ist mein Halbbruder Kylon.“
Als hätte ich meine niedrige gesellschaftliche Stellung nicht eben preisgegeben, fuhr sie fort, mit mir in einer Weise zu sprechen, als entstammte ich einer öffentlich anerkannten Beziehung. Meine Herkunft schien sie nicht zu interessieren.
Wir unterhielten uns eine ganze Weile über die Hochzeitsfeier, und es zeigte sich, dass Neobule mich dort mehr als einmal wahrgenommen hatte. Sie hatte mich beim Tanzen und Singen beobachtet und lachte über belanglose, amüsante Begebenheiten des Festes.
„Wie geht es deiner Schwester? Waren die Bemühungen um Nachwuchs bereits erfolgreich?“
Ich erwiderte mit wenigen Worten, dass ich noch nichts gehört hatte. Auch den größten Teil der folgenden Unterhaltung bestritt Neobule – ich stand nur da, wie gelähmt von ihrer Schönheit, und nickte gelegentlich. Schließlich erwähnte sie mit einem leichten Augenaufschlag, der mich fast um den Rest meines entleerten Gehirns gebracht hätte, dass sie mich etliche Wochen vor der Hochzeit schon einmal mit Eunike am Hafen gesehen hatte. Ich tat überrascht, als könnte ich mich an diese Begebenheit nicht erinnern.
„Möchtest du mit mir ein wenig auf dem Weg durch den Garten spazieren?“, fragte sie mich nach einiger Zeit. Ich stimmte nur zu gerne zu und ließ ihr den Vortritt. Als sie schweigend vor mir ging, bewunderte ich einmal mehr die graziöse Leichtigkeit ihrer Bewegungen. Einige Male bogen wir von den immer kleiner werdenden Wegen ab, bis wir zu einem rechteckigen Platz gelangten, an dem im Schatten eine Holzbank stand. Das Haus, in dem Lykambes lebte, war von hier aus nicht mehr zu sehen; es war von Bäumen und Büschen verdeckt.
Neobule nahm auf der Bank Platz, ich setzte mich neben sie und rechnete mit der Fortsetzung des geführten, für sie wohl harmlosen Gesprächs. Unerwartet schob sie stattdessen ihre rechte Hand auf meinen Oberschenkel und blickte mich erwartungsvoll an. Ich war völlig überrascht von ihrem erkennbaren körperlichen Begehren. Wer hätte damit gerechnet, dass die behütete Tochter eines Ratsherrn einem fast fremden Mann gegenüber die Erziehung, die sie zweifellos genossen hatte, vergessen würde? Wortlos drehte sie sich mir entgegen. Ich erwiderte ihre Geste, indem ich vorsichtig zunächst eine Hand auf die ihre legte. Mit meiner Rechten begann ich, zart über ihre Wange zu streichen, dann umfasste ich ihre Schulter. Sie schob den Kopf, die Augen senkend, zu mir herüber, und wir küssten uns lange. Wenig später glitten meine Hände über ihren Körper und streichelten ihre Hüften und ihre Brüste, deren Knospen sich unter meinen Fingern aufrichteten. Ihre Hände beantworteten meine Zärtlichkeiten.
So überraschend, wie Neobule sich mir zugewendet hatte, so überraschend löste sie sich von mir. Plötzlich zog sie sich leicht zurück und entwand sich meinen Armen.
„Ich glaube, wir sollten zurück zum Haus gehen. Mein Vater wird uns gewiss schon vermissen.“
Mein Blick blieb sicherlich fragend – ich hörte meine raue Stimme ihr zustimmend sagen, dass es wohl besser sei, jetzt zu den anderen Gästen zurückzukehren. Beim Aufstehen zogen wir beide unsere Gewänder zurecht. Anschließend bückte sie sich nach dem kleinen Myrtenzweig, der während des Kusses auf den Boden gefallen war. Mit einem koketten Lächeln gab sie mir zu verstehen, dass sie mir das Zweiglein zur Erinnerung schenken wollte.
Leichten Schrittes, als wäre nichts geschehen, schwebte sie vor mir über die verschlungenen Wege durch den Garten zu der Stelle, an der wir uns getroffen hatten. Mir kam der Gedanke, dass dieses Treffen vielleicht nicht zufällig gewesen war – hatte sie etwa in der Nähe des Ausgangs vom Speisezimmer auf mich gewartet?
Tatsächlich stand Lykambes bereits vor der Tür und sah uns mit leicht erhobenen Augenbrauen entgegen. Aus den Augenwinkeln konnte ich Telesikles im Speisezimmer stehen sehen; die Besprechung der Ratsmitglieder war offenbar beendet. Mit belanglosem Ausdruck sagte Neobule zu ihrem Vater, sie habe mich zufällig getroffen und mir ein wenig den herrlichen Obstgarten gezeigt. So konnte man es auch nennen, dachte ich mir insgeheim.
Ich ergriff das Wort und entschuldigte mich mit etwas brüchiger Stimme dafür, dass ich ohne die Erlaubnis des Hausherrn das Speisezimmer verlassen hatte, um mir die Beine zu vertreten. Ich hätte nur ein wenig das milde Sonnenlicht genießen wollen und dankte Neobule für ihre Führung, wobei ich mich leicht vor ihr verneigte. Neobule nickte uns beiläufig zu und verschwand in Richtung eines anderen Gebäudes.
Nun traten auch Neilos und Leptines aus der Tür. Mein Vater sagte, dass Leophilos das Anwesen bereits verlassen habe, und es sei auch Zeit für uns, nach Paros zurückzufahren. So verabschiedeten wir uns von den Ratsmitgliedern und dankten dem Hausherrn für die erwiesene Gastfreundschaft. Im Davonfahren drehte ich mich noch einmal um, ob ich irgendwo Neobule sehen könnte, doch sie blieb verschwunden.
Auf dem Rückweg berichtete Telesikles von dem Teil der Gespräche, der ohne meine Anwesenheit stattgefunden hatte. Man hatte sich in der Frage der zu erweiternden Kolonisation von Thasos nicht einigen können; die Standpunkte waren zu weit voneinander entfernt. Leophilos sei am Ende recht verärgert, aber mit seiner Meinung alleine gewesen. So sei man übereingekommen, das delphische Orakel zu befragen. Telesikles und Lykambes sei die Aufgabe zugeteilt worden, die Pythia zu befragen, und nach deren Spruch würde man eine Entscheidung treffen. In den nächsten Tagen würden die beiden aufbrechen, um nach Delphi zu reisen. Der Rat von Paros müsse dem Vereinbarten zwar noch zustimmen, dies sei aber nur eine Formsache. Im Folgenden sprach er noch von anderen Themen, über die debattiert worden war.
Ich hörte mir Telesikles’ Bericht an und schwieg. Die Probleme von Paros interessierten mich im Moment nicht allzu sehr. Vielmehr fasste ich in die Tasche meines Gewandes und berührte mit der Hand den Myrtenzweig, den Neobule mir überlassen hatte. Dann nahm ich allen Mut zusammen und erzählte meinem Vater von dem Treffen mit der Tochter von Lykambes – wobei ich einige wichtige Einzelheiten ausließ. Ich berichtete ihm gerade genug, dass er begriff, dass ich dem Mädchen zugeneigt war.
„Wäre...




