E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: CORA Verlag
Schield Damals, heute - jede Nacht?
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0375-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: CORA Verlag
ISBN: 978-3-7515-0375-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fünf Jahre ist ihr unvergesslicher One-Night-Stand mit Grant jetzt her. Zwar hat Harley sich seitdem am anderen Ende der Welt eine neue Existenz aufgebaut, doch nun kehrt sie zurück nach Texas. Sie ahnt: Die Stunde der Wahrheit ist gekommen! Noch immer schlägt ihr Herz viel zu schnell, wenn sie Grant in die Augen sieht, und wie damals genügt eine zarte Berührung von ihm, um ihre Lust zu wecken. Aber etwas hat sich geändert: Harley hat inzwischen einen vierjährigen Sohn, der ihrem Ex-Lover wie aus dem Gesicht geschnitten ist!
Cat Schield lebt gemeinsam mit ihrer Tochter, zwei Birma-Katzen und einem Dobermann in Minnesota, USA und ist die Gewinnerin des Romance Writers of America 2010 Golden Heart® für romantische Serienromane. Wenn sie nicht gerade neue romantisch-heiße Geschichten schreibt, trifft sie sie sich mit ihren Freunden um auf dem St. Croix River zu segeln. Auch in der Karibik und Europa ist sie gerne unterwegs und erkundet neue Gewässer.
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1. KAPITEL
„Ich muss schon sagen, ich bin richtig schockiert, dich hier zu sehen.“ Rose Everett-Schuster musterte Grant mit ihrem berühmten durchdringenden Blick.
„Ich habe eine Kiste 2014er Château Pierre de Dupré Medoc für die Weinverkostung gestiftet“, gab Grant Everett zurück. Er wusste, dass seine Schwester stets nur noch neugieriger wurde, wenn man ihr auswich. Deshalb bemühte er sich um einen unbeteiligten Gesichtsausdruck, obwohl sein Herz schneller schlug, als er ihre hochgezogenen Augenbrauen bemerkte. „Und einen 2016er Château Margaux Bordeaux für die Versteigerung.“
Die Party mit Weinverkostung, Modenschau und einer sogenannten stillen Auktion wurde von Beth Wingate für ihre jüngere Schwester Harley gegeben. Genauer gesagt sollten die Einnahmen der internationalen Wohltätigkeitsorganisation Zest zugutekommen, die Harley gegründet hatte. Jeder, der in Royal, Texas, etwas auf sich hielt, war gekommen.
„Ich glaube nicht, dass eine Kiste Wein der einzige Grund ist, weshalb der führende Kinderwunschspezialist der Stadt seinen Elfenbeinturm verlässt und sich unter die Leute mischt“, sagte Rose. „An dieser Wohltätigkeitsveranstaltung muss noch etwas anderes dran sein.“
Grant verfluchte sich leise dafür, ausgerechnet zu dieser Party gegangen zu sein, wo er doch sonst nie eine von Roses Einladungen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen annahm. Er hatte einfach keine Geduld für große Menschenansammlungen und Small Talk, sondern leistete seinen Beitrag zum Wohl der Menschheit lieber mit einem Scheck. Wie sollte er also seiner Schwester erklären, weshalb er hier war, ohne ihr zu verraten, warum ihm Harleys Wohltätigkeitsorganisation seit der Gründung vor drei Jahren so am Herzen lag?
„Es ist ein guter Zweck“, gab er zurück.
„Das ist es immer.“ Rose ließ nicht locker und versuchte stur, ihm ein Geständnis abzuringen. „Das einzig Besondere an dieser Party ist, dass sie Zest, also Harley Wingates Organisation, zugutekommt.“
„Was meinst du damit?“, fragte Grant und musterte seine Schwester misstrauisch. Obwohl Rose immer den neuesten Klatsch über die wohlhabenden Familien in Royal kannte, vermutete er, dass sie ihn nur aus der Reserve locken wollte. Sie konnte unmöglich wissen, was er für die jüngste Tochter der Wingates empfand. Das wusste er ja selber kaum.
„Dass es um eine gewisse verlorene Tochter geht, die nach ihrem mysteriösen Verschwinden ins Ausland erst unlängst wieder aufgetaucht ist.“
„Ach wirklich?“ Das klang wenig überzeugend, und am scharfen Blick seiner Schwester erkannte Grant, dass er sie nicht hinters Licht führen konnte.
„Du weißt schon“, bohrte Rose weiter. „Die Frau, mit der du nach dem TCC-Ball vor fünf Jahren verschwunden bist? Mit der du damals das Wochenende verbracht hast.“
„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“
Roses Lippen kräuselten sich zu einem zufriedenen Lächeln über das, was sie aus seinem Gesichtsausdruck zu lesen schien. „Alle haben sich gefragt, warum Harley Royal ein paar Wochen später so überstürzt verlassen hat.“
„Das hatte nichts mit mir zu tun“, erwiderte Grant und bemerkte zu spät, dass er sich mit diesen Worten verraten hatte. Normalerweise ließ er sich von den Sticheleien seiner Schwester nicht beeindrucken, aber er bereute, was damals mit Harley passiert war und wie er sich bei ihrem letzten Treffen benommen hatte.
„Du hast dich verändert, nachdem sie weg war.“
„Wie denn?“
„Du hast Paisley geheiratet“, fuhr Rose versöhnlicher fort. „Und nachdem du bemerkt hast, dass das ein Fehler war, hast du dich nur noch in deine Arbeit gestürzt.“
Beim Namen seiner Ex-Frau kippte Grant seinen Scotch hinunter und verzog das Gesicht, als der Alkohol in der Kehle brannte. Es war zwar erst sein zweiter Drink, aber er war ja auch noch nicht lange da, und er hatte schnell getrunken. Daher spürte er genau, wie der Alkohol seine Sinne betäubte, sodass er kaum mehr in der Lage war, seinen inneren Schmerz mit plausiblen Ausflüchten vor seiner Schwester zu verbergen.
Er wandte sich von Rose ab und ließ den Blick durch den Raum schweifen. „Ich möchte nicht über Paisley sprechen.“
Während seiner dreijährigen Ehe waren Grant seine Schwächen in Sachen Beziehung nur allzu deutlich geworden. Er hatte bald aufgehört zu zählen, wie oft Paisley ihn beschuldigt hatte, herzlos zu sein und sie nie wirklich geliebt zu haben. Er hatte sich auch nie dagegen verteidigt. Er hatte sie geheiratet, weil sie attraktiv war und eine angemessene Arztgattin abgab. Sie glaubte hingegen, ihn mit ihrer Liebe zu dem Familienmenschen machen zu können, den sie brauchte. Als er das bemerkt hatte, war es zu spät, und er war vor ihrer erdrückenden Zuneigung zu seiner Arbeit in die Klinik geflohen.
„Ich weiß, du hasst es, zu scheitern, und deine Ehe ist dein wunder Punkt“, sagte Rose leise. „Ich hoffe nur, du begreifst, dass es mit der richtigen Frau ganz anders sein kann.“
Grant schüttelte den Kopf und wünschte sich, seine Schwester würde einsehen, dass er nie ein guter Ehemann und Vater sein konnte. Er stellte nun einmal seine Arbeit über alles und musste sich damit zufriedengeben, die Träume anderer Familien zu erfüllen.
„Ich muss sagen, ich bin beeindruckt.“ Eine zartgliedrige Frau mit dunklen Haaren stand plötzlich neben Rose und bot eine willkommene Ablenkung. Henrietta Sinclair deutete auf den Laufsteg und das helle Sommerkleid, das gerade vorgeführt wurde. Die Frauen von Zest hatten es hergestellt. „Die ganze Kollektion ist wunderschön und so gut verarbeitet.“
„Es ist alles aus Bio-Baumwolle und mit Pflanzenextrakten gefärbt“, sagte Rose und deutete auf die Broschüre in ihrer Hand.
„Da hat Harley Wingate etwas Tolles aufgebaut“, sagte Henrietta. „Ihre Familie sollte stolz auf sie sein.“
„Ja“, antwortete Rose. „Aber ich kann mir vorstellen, dass niemand gedacht hätte, dass sie es zu etwas bringt. So wie sie war, bevor sie weggegangen ist.“
Roses letzte Bemerkung traf Grant ins Mark, und er nutzte die Gelegenheit, um sich zu entschuldigen. Als er durch die Menge wanderte, bemerkte er, dass viele Gäste überrascht zu sein schienen, ihn zu sehen. Er war zwar wegen seiner wohltätigen Spenden und auch als Kinderwunschspezialist und Mitglied des Texas Cattleman’s Club bekannt. Seit seiner Scheidung hatte er jedoch nur eine Handvoll Veranstaltungen besucht, und nun erregte er Aufsehen.
Er war sich sicher, dass niemand außer Rose erraten hatte, weswegen er hier war. Nämlich wegen Harley Wingate. Sie war die Frau, derentwegen er sich bei dem schicksalhaften Ball des Texas Cattleman’s Club so völlig untypisch verhalten hatte. Die beiden Freunde, mit denen er damals dort gewesen war, hatten nichts bemerkt. Dabei hatte sich für ihn alles geändert, als er Harley zum ersten Mal gesehen hatte. Doch er verhielt sich stets diskret – und Harley war dreizehn Jahre jünger als er. Eine wichtige Information, die er damals noch nicht gehabt hatte. Nie hätte er geahnt, dass er so für ein Mädchen empfinden könnte, das gerade mit der Schule fertig geworden war.
Grant schauderte bei dem Gedanken daran, wie er sich gefühlt hatte, als er ihr Alter erfahren hatte. Er hatte ihr gemeinsames Wochenende sofort beendet und sich regelrecht vor der Vorstellung geekelt, eine unschuldige Minderjährige verführt zu haben. Auch wenn er Harley so nicht beschrieben hätte, ganz im Gegenteil. In einem aufreizenden pfauenblauen Kleid, das ihre schlanke Figur betonte, war Harley im vollen Bewusstsein ihrer Wirkung auf ihn über den Ball geschlendert. Als er später noch einmal darüber nachgedacht hatte, war ihm klar geworden, dass sie ihm nachgestellt hatte wie ein Kopfgeldjäger einem gesuchten Verbrecher.
Sie hatte gerade im richtigen Maß mit ihm geflirtet, während sie ihm intelligente Fragen über seinen Beruf und die Wohltätigkeitsarbeit seiner Familie stellte. Er war damals der aufrichtigen Bewunderung in ihren moosgrünen Augen und ihrem verspielten Lächeln erlegen, bei dem sich die kleine Lücke zwischen ihren Schneidezähnen zeigte.
Auch in den fünf Jahren, in denen sie getrennt gewesen waren, war sein Verlangen nach ihr nicht abgeflaut. Doch jetzt, wo Harley Wingate wieder zu Hause war, musste er sich der großen Frage endlich stellen. Waren die dreizehn Jahre Altersunterschied weniger schlimm, weil sie nun dreiundzwanzig war und er sechsunddreißig?
Grant strich sich über die Schläfen – zu seinem Erschrecken hatte er bereits einige graue Strähnen festgestellt. Doch viele Männer waren mit jüngeren Frauen zusammen, damit hatte er auch kein Problem. Aber die Art und Weise, wie Harley seine Gefühle geweckt hatte, beunruhigte ihn noch immer. Er hatte sich keinerlei Gedanken mehr um irgendwelche Konsequenzen gemacht.
Der Sex war bombastisch gewesen, aber er hatte sich die besondere Chemie zwischen ihnen mit dem Reiz des Verbotenen erklärt. Eine Nacht mit einer schönen Fremden zu verbringen, war nicht gerade angebracht in seiner Position, und doch hatte ihn das nicht abgehalten, als die Zimmertür im Hotel hinter ihnen zugefallen war. Er hatte die nächsten beiden Tage damit verbracht, jeden Zentimeter ihres Körpers zu erkunden und ansonsten keine Fragen zu stellen.
Sie hatte ihm nur ihren Vornamen gesagt, und er hatte sie nicht mit der Familie Wingate in Verbindung gebracht. Selbst nachdem er ihren vollen Namen kannte, passte das schlaksige Mädchen, das er gelegentlich im Texas Cattleman’s...




