Schier | Nur eine Fellnase vom Glück entfernt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 352 Seiten

Reihe: Lichterhaven

Schier Nur eine Fellnase vom Glück entfernt

Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7499-0385-6
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 6, 352 Seiten

Reihe: Lichterhaven

ISBN: 978-3-7499-0385-6
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit Vollgas ins Glück

Rüde Duke versteht die Welt nicht mehr. Sein Herrchen hat ihn einfach nicht wieder abgeholt aus der Hundepension. Jetzt soll er mit zwei fremden Menschen spazieren gehen, zwischen denen eine komische Spannung herrscht. Das macht ihm Angst - wie so vieles andere auch. Doch je besser Duke Henning und Caroline kennenlernt, desto spannender findet er, was da zwischen ihnen brodelt, und er wünscht sich mit jedem Spaziergang mehr, dass sie drei ein unzertrennliches Team werden.



Seit Petra Schier 2003 ihr Fernstudium in Geschichte und Literatur abschloss, arbeitet sie als freie Autorin. Neben ihren zauberhaften Liebesromanen mit Hund schreibt sie auch historische Romane. Sie lebt heute mit ihrem Mann und einem deutschen Schäferhund in einem kleinen Ort in der Eifel.

Schier Nur eine Fellnase vom Glück entfernt jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2. Kapitel


Wisst ihr, was? Ich finde alles blöd. So wirklich, richtig, umfassend blöd. Jetzt bin ich schon seit geschlagenen drei Wochen hier in dieser sogenannten Hundepension. Drei Wochen! Vor einer Woche hätte Herrchen mich hier abholen sollen. Das hat er fest versprochen, und auch, dass diese Christina sich gut um mich kümmern wird. Und Ralf und Lea und Tino und Nina. Das stimmt ja auch. Diese Menschen sind alle furchtbar freundlich zu mir. Insofern hat Herrchen Wort gehalten, was auch gut ist, weil ich ein bisschen … nun ja. Die Welt da draußen macht mir manchmal ein bisschen Angst.

Ich weiß selbst, dass das blöd ist, und Herrchen meint manchmal frustriert, ich sei ein Riesenbaby und ein Bangeschisserchen. Das ist nicht besonders nett, aber ich fürchte, so ganz unrecht hat er damit nicht. Was kann ich aber dafür, wenn ich mich vor einem unheimlichen Schatten fürchte oder vor einem lauten Knall oder vor diesen riesigen lauten Dingern, die hier oft vorbeirollen und die die Menschen Trecker nennen? Hallo? Die sind doch wohl total gefährlich, oder etwa nicht? Vor allen Dingen, wenn sie hintendran auch noch so scheußliche Hänger oder Maschinen haben. Und, ja, ich habe mich auch schon mal vor einer Maus erschreckt. Aber nur, weil sie so plötzlich aufgetaucht ist und, hey, was soll ich denn anderes machen als flüchten, wenn ich zuerst warnend belle, dieses kleine Ding aber überhaupt nicht reagiert und einfach weiter auf mich zurennt? Die könnte giftig sein oder plötzlich wachsen oder beißen oder … Ihr wisst, worauf ich hinauswill, oder? Die Welt ist ein gefährlicher Ort für einen sensiblen Rottweiler wie mich.

Mein Herrchen weiß das und versucht immer, mir das abzugewöhnen, indem er viel mit mir arbeitet. Dabei hasse ich Arbeiten, vor allem, wenn es auf dem sogenannten Hundeplatz geschieht. Da muss man lauter Kommandos einüben und ausführen und ganz eng an Herrchens Seite laufen und ihn ohne Unterbrechung ansehen und dabei einen richtigen Stechschritt vorlegen. Oder in so blöde Lederhandschuhe beißen und daran herumzerren, bis Herrchen oder der Trainer sagt, dass man aufhören soll.

Ich verrate euch mal etwas: Es mag Hunde geben, die das großartig finden, aber ich gehöre ganz sicher nicht dazu. Ich möchte viel lieber gestreichelt werden und kuscheln, und definitiv liege ich lieber auf der Couch oder an einem schattigen Plätzchen und genieße das Nichtstun, als mich sportlich zu betätigen. Mal abgesehen vom Spazierengehen, das mag ich. Und Buddeln – das ist auch toll. Aber Arbeiten? Nö.

Deshalb ist Herrchen auch oft genervt und hat mich nicht zu seinem Wander- und Kletterurlaub mitgenommen, weil eh klar ist, dass das nichts für mich ist.

Ich war auch früher schon mal in einer Hundepension, aber das war nur für fünf Tage und bei Weitem nicht so schön wie hier. Ich habe mein eigenes Schlafkissen von zu Hause, mein Lieblingsfutter und mein Spielzeug, und jeden Tag darf ich mit Leah oder Nina einen schönen Spaziergang machen. Ein paarmal waren wir sogar an dem riesigen Meer. Meine Güte, das ist unglaublich. Wasser, so weit man sieht. Oder gar kein Wasser, sondern so was seltsam Schlammig-Matschiges, das wohl Watt heißt. Keine Ahnung, wohin das Wasser manchmal verschwindet, aber mir kann es nur recht sein. Wasser ist nämlich auch so etwas Gefährliches und mir überhaupt nicht geheuer. Zumindest nicht, wenn es gleich in solchen Mengen vorkommt. Ein Teich oder Tümpel ist voll okay, da kann man drin plantschen, aber so ein Megawasser? Geht mir weg damit.

Leah wollte mal mit mir in dieses Watt gehen, ganz am Anfang, als ich gerade zwei Tage hier war. Ich habe mich aber geweigert. Sicherheitshalber, wisst ihr. Denn auch so viel Matsch auf einer Fläche ist mir nicht geheuer. Ein kleines Erdloch zum Buddeln und sich Einsauen ist perfekt, aber so viel Schlick am Stück kann doch nicht normal sein, oder? Da krabbeln bestimmt irgendwelche Viecher drin herum, und obendrüber fliegen diese lauten Vögel. Möwen heißen sie. Die sind auch nicht ohne. Manchmal stoßen sie pfeilschnell ins Watt hinab und fangen sich ihr Futter. Was beweist, dass da Viehzeug drin herumlungert. Und ganz oft fliegen die Möwen auch wie die Verrückten ganz dicht über meinen Kopf hinweg, und wenn ich mich dann ducke, was ja nur verständlich ist, lachen sie mich aus. Ja, genau! Die lachen! Ich schwöre es. Nee, also deshalb bleibe ich dem Watt auch lieber fern. Mir reichen schon die Gefahren und unheimlichen Begegnungen an Land, da braucht es nicht auch noch welche in Wasser und Schlick.

Tja, aber um auf mein Herrchen zurückzukommen: Ich vermisse ihn jetzt doch ziemlich arg, auch wenn er manchmal streng mit mir ist und es irgendwie blöd findet, dass ich kein »richtiger« Rottweiler bin. Dabei weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, was ein »richtiger« Rottweiler sein soll. Ich finde, ich bin einer. Soll mir doch mal einer das Gegenteil beweisen!

Herrchen hat also fest versprochen, dass ich hier nur zwei Wochen bleiben muss, und jetzt sind es schon drei und immer noch keine Spur von ihm weit und breit. Christina und Leah und Nina und alle anderen sind seit ein paar Tagen auch so seltsam, wenn sie in meine Nähe kommen. Irgendwie noch netter, aber auf eine merkwürdige Art. So als hätten sie Mitleid mit mir. Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Wenn ich bloß wüsste, was. Aber es muss mit meinem Herrchen zu tun haben.

Ob er mich hier vergessen hat? Das kann ich mir nicht vorstellen. Er hat mich noch nie vergessen. Wie auch? Es gab ja nur uns beide. Na ja, hin und wieder kam auch mal jemand vorbei – ein Freund oder eine Freundin von Herrchen. Aber nicht zu oft und meistens haben wir uns beide gehabt und sonst niemanden. Aber was soll denn jetzt aus mir werden, wenn Herrchen nicht mehr zurückkommt? Er kann doch nicht einfach so wegbleiben! Ich brauche ihn doch.

O Mist, jetzt muss ich ein bisschen jammern. Aber nur ganz leise. Nicht, dass man mich auch noch für eine Heulsuse hält.

***

»Leah, schau doch mal bitte nach Duke. Ich glaube, er winselt wieder mal«, hörte Henning Magnusson eine weibliche Stimme sagen, noch bevor er das Gelände von Christinas Hundeschule betrat. Links und rechts von der breiten Zufahrt wuchsen Hundsrosenbüsche, die seinen Blick versperrten. Als er sie passiert hatte, sah er Christina Brungsdahl nur wenige Schritte entfernt am Zaun der vorderen Trainingswiese stehen. Ihre schlanke Gestalt steckte in einer Jeanslatzhose und einem blau-weiß gemusterten T-Shirt, und das lockige hellbraune Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden. Neben ihr stand ein Doppelkinderwagen, in dem ganz offensichtlich die Zwillingsmädchen lagen, die sie im vergangenen September zur Welt gebracht hatte.

»Er vermisst sein Herrchen.« Leah Staller, eine schlanke blonde Frau Mitte vierzig, die seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann das Team der Hundetrainer ergänzte, seufzte deutlich hörbar. »Wenn man ihm doch nur erklären könnte, was passiert ist. Aber ändern würde das vermutlich auch nichts.« Sie nickte ihm kurz zu und ging rasch davon.

Christina drehte sich überrascht zu Henning um. Offenbar hatte sie seine Schritte auf dem gepflasterten Untergrund nicht gehört. »Nanu, hallo, Henning. Was führt dich denn hierher?«

Henning grinste und trat näher an Christina und den Kinderwagen heran. »Die pure Neugier. Ich habe gerade Feierabend gemacht und bin eigentlich auf dem Heimweg. Den Umweg hierher habe ich spontan gemacht, weil ich mal mit dir reden wollte. Und außerdem muss ich doch mal wieder diese zuckersüßen Zwillinge besuchen. Ich habe sie jetzt schon ein paar Wochen nicht gesehen und wette, sie sind schon wieder wie verrückt gewachsen. Jedes Mal, wenn ich Jörn oder Lars oder Ben über den Weg laufe, schwärmen sie in den höchsten Tönen.«

Christina lachte. »Also, dass Ben von seinen Töchtern schwärmt, kann ich ja nachvollziehen. Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der so verliebt in zwei Babys gewesen ist. Aber Jörn und Lars?«

»Du würdest dich wundern.« Hennings Grinsen verbreiterte sich. »Männer sind Softies, wenn es um Babys geht. Ich kenne keinen, der da nicht schwach wird. Und eure beiden Mädchen sind …« Er trat nah an den Kinderwagen heran und linste hinein. »Mein Gott, jetzt schon Schönheitsköniginnen!«

»O Mann, sag ihnen das doch nicht!« Kichernd schüttelte Christina den Kopf. »Im Leben kommt es nicht nur auf Schönheit an.« Sie hüstelte. »Auch wenn ich zugeben muss, dass du nicht ganz unrecht hast.«

Vorsichtig hielt Henning einem der beiden Mädchen seinen Zeigefinger hin, woraufhin die Kleine mit einem freudigen Glucksen zugriff und an dem Finger herumzerrte. Er mochte Kinder, hatte aber kaum Erfahrungen mit ihnen, wenn sie noch so winzig waren. Früher hatte er oft mit Jungen und Mädchen ab acht oder zehn Jahren auf der Kartbahn trainiert, wenn sein enger Zeitplan als Formel-1-Fahrer es zugelassen hatte.

Seit er sich zur Ruhe gesetzt hatte, wie er es nannte, obgleich er nicht vorhatte, jetzt eine ruhige Kugel zu schieben, vermisste er diesen Umgang mit Kindern und Jugendlichen ein wenig. Lichterhaven hatte keine Kartbahn; die nächste befand sich in der Nähe von Cuxhaven. Manchmal überlegte er sich bereits, ob er diesen Zustand nicht vielleicht eines Tages würde ändern können. Am besten beriet er sich noch einmal mit seinem Manager und mit seinem Finanzberater.

Nun reichte er auch dem anderen Mädchen einen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.