E-Book, Deutsch, Band 8, 384 Seiten
Reihe: Lichterhaven
Schier Pfotenglück und Sommerwellen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7499-0685-7
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Romantischer Urlaubsroman an der Küste I Die Liebe hält wieder Einzug in Lichterhaven - Band 8 der Reihe, unabhängig voneinander lesbar
E-Book, Deutsch, Band 8, 384 Seiten
Reihe: Lichterhaven
ISBN: 978-3-7499-0685-7
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manchmal ist das größte Glück nur eine Fellnase entfernt
Isalie Charlotte Hansen hat sich ihren größten Traum erfüllt und ist als Influencerin von Hamburg aus durchgestartet. Ihre Kanäle, auf denen sie Marketingtipps gibt, haben Hunderttausende Follower und sie ist bei Unternehmen als Beraterin gefragt. Doch als sie einen Auftrag von einem Bauernhof an der Küste erhält, betritt Isalie Neuland. Nicht nur, dass sie sich mit der neuen Materie auseinandersetzen muss, auch Max, der schlecht gelaunte Sohn ihrer Auftraggeberin, legt ihr so manchen Stein in den Weg. Dabei findet Isalie Max eigentlich ganz attraktiv. Jetzt muss sie ihn nur noch davon überzeugen, dass auch in ihr, dem Stadtkind, mehr steckt.
Seit Petra Schier 2003 ihr Fernstudium in Geschichte und Literatur abschloss, arbeitet sie als freie Autorin. Neben ihren zauberhaften Liebesromanen mit Hund schreibt sie auch historische Romane. Sie lebt heute mit ihrem Mann und einem deutschen Schäferhund in einem kleinen Ort in der Eifel.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Als sein Wecker um fünf Uhr dreißig aufdringlich zu piepsen begann, zog Max Paulsen mit einer Hand stöhnend sein Kissen über die Ohren, mit der anderen tastete er rasch nach dem Unruhestifter und schaltete den Alarm aus. Durch die Ritzen der nicht ganz geschlossenen Rollläden stahl sich bereits etwas Tageslicht ins Schlafzimmer. Da das Fenster gekippt war, konnte er das vielstimmige Morgenkonzert der Vögel hören. Einen Moment blieb er ganz ruhig liegen und starrte in die diffuse Dunkelheit, doch da spürte er, wie sich neben ihm etwas regte.
»Ist schon morgen?«, drang eine helle Stimme gedämpft zwischen Kissen und Decke auf der rechten Betthälfte hervor.
Er spürte, wie die Hand seiner Tochter nach ihm tastete, ergriff sie und drückte sie kurz. »Schlaf weiter, Mäuschen, es ist noch zu früh für dich.«
Die Antwort darauf konnte er nicht verstehen.
Halb amüsiert, halb nachdenklich schwang er sich aus dem Bett, suchte, ohne Licht zu machen, Unterwäsche und Arbeitskleidung aus Schubladen und Kleiderschrank zusammen und wollte schon hinüber ins Bad schleichen. Gerade, als er die Schlafzimmertür öffnete, kam ihm sein fünfjähriger Sohn Jonathan entgegen. Der Junge trug einen Schlafanzug mit gelben Ufos auf dunkelblauem Untergrund und schlurfte mit hängendem Kopf und Schultern wortlos an ihm vorbei ins Schlafzimmer. Max wusste, dass der Junge wahrscheinlich kaum richtig wach war, deshalb sprach er ihn nicht an, sondern sah ihm nur zu, wie er, was in letzter Zeit häufig vorkam, auf Max’ Bettseite unter die Bettdecke krabbelte, sich einkuschelte und offenbar sofort einschlief.
Einen langen Moment blickte Max unschlüssig zu dem Doppelbett, aus dem nun zweistimmig tiefes, gleichmäßiges Atmen zu vernehmen war. Das schräge Krähen des Hahnes aus dem Hühnerstall ließ ihn leicht zusammenzucken. Rasch zog er die Schlafzimmertür bis auf einen kleinen Spalt hinter sich zu und begab sich endlich ins Bad, um sich für einen weiteren anstrengenden Tag fertig zu machen.
Als er etwas mehr als eine Stunde später von den Ställen, in denen er die sechs Schweine, zwei Rinder, drei Kühe und siebzig Hühner versorgt hatte, ins Haus zurückkehrte, lag bereits herrlicher Kaffeeduft in der Luft. Aus der Küche war leises Klappern, die Stimme seines Vaters und das Lachen der Kinder zu vernehmen. Einen kurzen Augenblick blieb er im Hauseingang stehen, schloss die Augen und dankte dem Himmel dafür, dass er liebevolle und zupackende Eltern hatte, die ihm mit Jonathan und Lilly beistanden. Anders hätte er sein Leben nach der Scheidung von seiner Frau Inga vor etwas mehr als einem halben Jahr nicht in den Griff bekommen.
Inga hatte ihn im letzten Sommer verlassen und davor bereits mindestens ein Jahr lang, vielleicht sogar schon länger, so genau wollte er es gar nicht wissen, mit einem anderen Mann betrogen. Helge Mendelsen, gut aussehend und alleinstehend, war in Lichterhaven bisher immer als Hallodri und notorischer Schürzenjäger bekannt gewesen. Das hatte sich offenbar schlagartig geändert, nachdem Inga auf seine Annäherungsversuche eingegangen war. Die beiden waren seither ein Herz und eine Seele, und leider war Max einer der Letzten gewesen, der von dieser Tatsache erfahren hatte.
Er war mit Inga schon seit der Schulzeit liiert gewesen. Manche hatten sie sogar als so etwas wie das Traumpaar von Lichterhaven bezeichnet; er selbst hatte es genau so empfunden. Er hatte immer geglaubt, dass sie die gleichen Werte, Ziele und Träume hatten. Sie hatten recht früh geheiratet und den Bauernhof von seinen Eltern übernommen. Seine Mutter Inette arbeitete mittlerweile ganztags in dem Fischspezialitätengeschäft seiner Cousine, das täglich mit fangfrischem Fisch und Krabben versorgt wurde, die sein älterer Bruder Jörn lieferte.
Jörn war Fischer von Beruf, Krabbenfischer hauptsächlich, doch die Fischerei war kein einfacher Broterwerb, deshalb betätigte Jörn sich daneben auch noch in der Tourismusbranche. Er hatte zwei uralte Krabbenkutter für viel Geld restaurieren lassen und bot für die zahlreichen Feriengäste, die in der Sommersaison Lichterhaven fluteten, Ausflugsfahrten zu den Seehundbänken und weiteren Sehenswürdigkeiten der Nordsee an.
Auch Max’ Vater half immer mal wieder im Fischereibetrieb seines ältesten Sohnes und im Laden aus, hatte sich jedoch inzwischen auch als Imker einen Namen gemacht. Die restliche Zeit, die ihm neben diesen Beschäftigungen blieb, unterstützte er Max tatkräftig auf dem Hof oder kümmerte sich um seine beiden Enkelkinder. So wie jetzt.
Max atmete einmal tief durch, straffte die Schultern und betrat die große, gemütliche Wohnküche mit der elfenbeinfarbenen L-förmigen Küchenzeile im Landhausstil. Sein Vater stand an der über zwei Meter breiten Kochinsel und war gerade dabei, gekochte Eier aus einem Kochtopf zu fischen. An dem rechteckigen Tisch saßen Jonathan und die zwei Jahre ältere Lilly auf der Eckbank mit der schon etwas abgeschabten bunten Polsterung und schaufelten Cornflakes mit Milch in sich hinein.
Max’ Vater hob den Kopf und lächelte ihm zu, als Max einen der drei ebenfalls gepolsterten Stühle unter dem Tisch hervorzog und sich darauf fallen ließ. »Alles in Ordnung draußen? Ich habe gestern Abend einen Fuchs um den Hühnergarten herumschleichen gesehen. Zum Glück waren alle Hennen bereits im Stall, sonst hätte es bestimmt einen Aufruhr gegeben, auch wenn der Fuchs gar keine Möglichkeit hat, den Zaun zu überwinden.«
»Alles in bester Ordnung.« Max streckte die Beine aus. »Jetzt, wo wir nur noch so wenige Tiere haben, ist die Arbeit schnell getan.« Er bemühte sich um einen heiteren Ton, doch der Blick seines Vaters verriet, dass er genau wusste, wie Max sich in Wahrheit fühlte. Da er und Inga den Hof nach ihrer Hochzeit gemeinsam übernommen hatten, stand ihr nun die Hälfte des Besitzes zu. Da Max sich nicht von seinem Zuhause hatte trennen wollen, hatte er sie mit der Hilfe seiner Eltern und seines Bruders ausbezahlt. Dazu hatte er nicht nur einen hohen Kredit aufnehmen, sondern auch einen großen Teil seines Tierbestandes veräußern müssen. Die nunmehr bis auf ein paar wenige Tiere, die er zur Selbstversorgung behalten hatte, leeren Stallungen verursachten ihm tagtäglich ein Gefühl der Hilflosigkeit und Trauer.
Inga hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als die entsprechenden Vereinbarungen unterzeichnet worden waren. Sie wollte nur zügig das ihr zustehende Geld für ihre neue Zukunft mit Helge haben, Max’ Gefühle schienen sie vollkommen kaltzulassen. Sie hatte sogar behauptet, dass ihm ihre Gefühle all die Jahre ebenso einerlei gewesen seien. Dabei hatte sie nie auch nur ein Wort darüber verlauten lassen, dass sie unglücklich sei oder sich ein anderes Leben wünschte. Max war sprichwörtlich aus allen Wolken gefallen, als er erfahren hatte, dass sie bereits seit Längerem eine Affäre mit Helge hatte und ihn verlassen wollte.
Was womöglich noch schwerer auf Max’ Schultern lastete, war die Tatsache, dass Inga nicht einmal das geteilte Sorgerecht für Lilly und Jonathan angestrebt hatte. Ein Besuchsrecht hatte ihr vollkommen ausgereicht, und selbst das nahm sie nur unregelmäßig wahr. Fast kam es ihm so vor, als wolle sie mit ihrem alten Leben vollkommen abschließen. Dabei behauptete sie, dass sie die Kinder liebte, und Max klammerte sich daran, hoffte aus tiefstem Herzen, dass sie die Wahrheit sagte. Denn anderenfalls hätte er all die Jahre mit einer ihm völlig fremden Frau zusammengelebt, die ihm jedes Lächeln, jedes Lachen, jedes zärtliche Wort nur vorgespielt hatte. Ihm und den beiden wundervollen Kindern, die sie zur Welt gebracht hatte und die noch immer nicht ganz begriffen hatten, dass ihre Mama einfach von heute auf morgen gegangen war und sie nur noch alle zwei, drei Wochen für ein paar Stunden besuchte.
Inga und Helge waren inzwischen nach Cuxhaven gezogen, das etwas mehr als eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt lag. So waren sie aus dem Auge, jedoch keinesfalls aus dem Sinn – zumindest nicht bei den Kindern. Doch Inga wollte es nicht anders und behauptete, sie sei einfach nicht zur Mutter geschaffen und dass sie es für besser hielt, wenn Max das alleinige Sorgerecht hatte. Sie wollte die Verantwortung nicht mehr tragen, und das konnte Max ihr nicht verzeihen. Er hatte sich mittlerweile damit abgefunden, dass sein ursprünglicher Lebenstraum geplatzt war, doch zu sehen, wie sehr die Kinder unter dem gefühllosen Verhalten ihrer Mutter litten, konnte und wollte er nicht hinnehmen. Es war einfach nicht richtig.
»Frau Schrader hat gesagt, wir lernen heute neue Lieder, die wir auf dem Stadtfest singen«, riss Jonathans Stimme Max aus seinen abdriftenden Gedanken. »Und wir machen ein Spielstück, nee«, er kicherte, »ein Theater, das führen wir nämlich dann in dem großen Zelt auf dem Marktplatz auf. Alle Kinder aus dem Kindergarten machen mit, aber auch die Großen aus der Grundschule. Aber wir brauchen keinen Text auswendig zu können, sondern sind nur Blumen und Vögel oder so.«
Max richtete seine Aufmerksamkeit auf die Kinder, die inzwischen beide ihre Müslischalen geleert hatten. »Ein Theaterstück führt ihr auf?« Dunkel erinnerte er sich, dass Lillys Klassenlehrerin so etwas in einem der letzten E-Mail-Newsletter geschrieben hatte. »Und da fangt ihr jetzt erst mit dem Üben an?«
»Warum?«, wandte sein Vater ein. »Es sind doch noch fast sechs Wochen bis zum Stadtfest. Das werden die Lütten mit ihren Lehrerinnen und Lehrern und dem Personal im Kindergarten doch wohl hinkriegen.«
...



