Schierl | Im Vertrauen wunderbar geborgen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Schierl Im Vertrauen wunderbar geborgen

Meine Sehnsucht nach Licht
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-5022-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Meine Sehnsucht nach Licht

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-7583-5022-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mein Leben gleicht einem Wunder. Es stand anscheinend unter einem besonderen Schutz. Trotz fürchterlicher Erlebnisse konnte ich durch außergewöhnliche Fügungen psychisch überleben und zu einer guten Entwicklung finden. Ohne Gott wäre ich an den schrecklichen Ereignissen zerbrochen. Um die Größe dieses wundersamen Geschehens sichtbar zu machen, reicht es nicht aus, die heilenden Vorgänge darzustellen. Nur wenn ich auch die verstörenden Sachverhalte aufzeige, ist es möglich, das Ausmaß der besonderen Fügungen zu begreifen, das meinem Leben eine unerwartete Wendung gab.

Brunhilde Schierl, geb. 1951, Mutter von vier erwachsenen Töchtern. Von Jugend an ehrenamtlich tätig, widmete sich lange der Obdachlosenarbeit, sowie der Schuldnerberatung. Die Justizsekretärin engagierte sich auch in der Seelsorge.
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Autoren/Hrsg.


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Um meine Geschichte auch in ihrem weiteren Verlauf verständlich zu machen, erscheint es mir sinnvoll, etwas über meine Kindheit und Jugendzeit zu berichten. Den Text habe ich schon vor einigen Jahren verfasst und füge ihn nun unverändert ein.

Kindheit, Jugend und der Weg zum Erwachsenwerden


Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort.
Dort treffen wir uns.
Rumi

Einleitung


Der Morgen ist mild, aber sehr windig. Regen ist gemeldet. Also breche ich sofort nach dem Frühstück zu einem ausgiebigen Spaziergang auf. Ich betrachte dabei die wilden, grauen, vom Wind getriebenen Wolkenberge am Himmel. Ein herrliches Schauspiel, das mich immer wieder fasziniert. Mir wird das Herz weit, in dem dankbaren Wissen, wie schön diese Welt ist, wie gut es ist, dieses Leben geschenkt bekommen zu haben.

Während ich zwischen den Wiesen und Feldern dahinlaufe, kommen Gedanken und Bilder der Erinnerungen hoch.

Manche Bilder sind schrecklich. Sie passen überhaupt nicht zu meiner guten Verfassung. Warum kommt das gerade jetzt hoch? Mein Leben ist gut und ich fühle mich glücklich.

Seltsam, diese alten Erinnerungen. Vielleicht soll ich sie noch einmal reflektieren, denke ich und lasse sie an mir vorüberziehen Ich kann sie betrachten, ohne Schmerz, ohne Hass, ohne Groll.

Meine Vergangenheit betrachte ich als bewältigt. Ich bin ausgesöhnt mit allem und jedem. Nach meiner Empfindung sind die einstigen Verwüstungen in meiner Seele geheilt. Aber vergessen kann ich die zurückliegenden Geschehnisse nicht.

Nun spüre ich den Drang, alle Erinnerungen niederzuschreiben.

Vielleicht soll es ein Buch werden? Aber darauf kommt es mir nicht an. Wie so oft, lasse ich mich einfach von meiner inneren Stimme führen, die mich nun zum Schreiben auffordert.

Meine Eltern sind tot und eines Tages werde ich ihnen nachfolgen.

Diese Tatsache macht mir keine Angst. Mit dem Tod habe ich mich längst auseinandergesetzt.

Seit ich vor ihm keine Angst mehr habe, ist meine Lebensqualität enorm gestiegen und ich liebe das Leben wie nie zu vor. Jeder Tag ist mir kostbar. Und dennoch könnte ich ohne Furcht loslassen, wenn ich wüsste, morgen ist es soweit. Für mich ist der Tod kein Endpunkt, sondern nur ein Übergang zu etwas Neuem, Besseren.

Ich besitze eine starke Vorstellungskraft, kann mich mit meiner Phantasie in Situationen hineinversetzen, sie durchleben als wären sie real. Gleichzeitig verliere ich nie den Bezug zur Realität, sondern kann beides voneinander gut unterscheiden. Pragmatisch und bodenständig fühle ich mich immer gut geerdet.

Aber mit meinem Geist kann ich durch andere Sphären streifen und Dinge wahrnehmen, die nur mit dem Geist erfahrbar sind. Mein Geist braucht somit keinen Körper, mit ihm kann ich weiterhin sein, weiterhin lieben, weiterhin wahrnehmen. So stelle ich mir mein Weiterleben vor, wenn es mich auf dieser Erde nicht mehr gibt.

So wie ich mit meinen Verstorbenen in Verbindung bleibe, sie weiterhin liebe, weiterhin mit ihnen spreche, werde ich dann mit den zurückgebliebenen Lebenden geistig in Verbindung bleiben. Und erst wenn auch sie tot sind, werden wir uns auf gleicher Ebene wieder begegnen.

Meine Aufgaben hier sind weitgehend erfüllt und ich kann gut loslassen, jeden Moment, wenn es denn sein soll.

Was hat mich erfüllt und glücklich gemacht, wenn ich zurückblicke auf mein Leben? Meine vier Töchter haben mich glücklich gemacht.

Ebenfalls gehört die Beziehung mit Daniela dazu. Vor allem erfüllt mich auch meine innere Freiheit und meine Selbstbestimmtheit, die ich trotz schwieriger Bedingungen erreichen konnte. Das sehe ich als Privileg, als das große Geschenk, das mir das Leben machte.

Hätte man in meiner Jugend eine Prognose für meine Zukunft abgegeben, sie wäre verheerend ausgefallen.

Trotz meiner Schwächen und Unzulänglichkeiten fühle ich mich heute als wertvoller Mensch.

Wertvoll bin ich, weil mir Gott meinen Wert gibt. Seine Liebe macht mich wertvoll, sonst nichts.

Unfähigkeit, Versagen, Schuld, das alles hat keine Bedeutung. Ich muss nichts ungeschehen machen. Fehler, im Großen wie im Kleinen, gehören zu unserem Menschsein dazu. So sind wir Menschen nun einmal.

Wenn wir uns das eingestehen können, hören wir auf mit dem Finger auf gescheiterte oder schuldig gewordene Menschen zu zeigen, hören wir auf zu verurteilen, beginnen wir, sie zu verstehen. Dann erfüllt uns Mitgefühl mit diesen Menschen und Dankbarkeit, wenn uns nicht das gleiche Versagen passiert ist. Dann sehen wir unsere grundsätzliche Gemeinsamkeit mit jedem Menschen und sehen, dass wir alle miteinander verbunden sind.

Wenn wir das verstehen, kann der Teufelskreis von Hass und Gewalt durchbrochen werden. Wenn wir hinter aller Destruktivität die Not des Einzelnen sehen, die mehr oder weniger auch unsere eigene Not ist, dann sitzen wir in einem Boot.

Das alles bedeutet nicht, dass ich jemanden von seiner Verantwortung freisprechen will. Jeder muss für sein Tun Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen. Es bedeutet nur, dass wir einen Menschen für sein Tun nicht ablehnen oder hassen müssen.

Wenn wir uns von Ablehnung befreien können, leisten wir einen Beitrag, dass sich etwas ändern kann.

Für mich gibt es nichts Spannenderes, als Menschen in ihrem tieferen Wesen zu erforschen und ihre Verhaltensweisen zu studieren.

Mit diesem Studium habe ich bereits früh begonnen. Es fand jedoch nicht in den Hörsälen der Unis statt, sondern in der Praxis des Alltags. In der Armut hat es begonnen. Später habe ich es fortgesetzt bei den psychisch Kranken, bei den weiblichen Häftlingen im Gefängnis, bei den Aidskranken, bei den Obdachlosen und bei den Schuldnern, aber natürlich auch bei den ganz normalen Durchschnittsmenschen.

Mit den unterschiedlichsten Menschen konnte ich Erfahrungen sammeln. Die vielen Begegnungen mit Menschen haben mir geholfen, mich selbst besser wahrzunehmen, um zu erfahren, wer ich eigentlich bin und um zu entscheiden, wer ich sein will.

Wir sind von einer Realität umgeben, die sich zwischen zwei Polen bewegt.

Es gibt den Pol, wo die Liebe, die Vergebung und die Barmherzigkeit herrschen.

Am gegensätzlichen Pol befinden sich Hass, Gewalt und Zerstörung.

Da, wo Liebe herrscht, geht es uns gut und wo Zerstörung herrscht, geht es jedem schlecht.

Man sollte meinen, alle Menschen wären so klug, sich der Liebe zuzuwenden.

Aber leider ist das nicht so.

Wir sind umgeben von Tätern, die einst Opfer waren und dann ebenfalls zu Tätern wurden.

Was könnte ein Weg sein, diesen Teufelskreis zu durchbrechen?

Diese Frage beschäftigt mich, soweit ich denken kann.

Seit meiner frühen Jugend habe ich versucht, Hass und Gewalt zu verstehen. Ich dachte, wenn ich die tiefere Ursache entdecken würde, könnte ich den richtigen Schlüssel finden. Dann müsste man ihn nur noch ins Schloss stecken und eine Türe aufsperren, um Licht in die Dunkelheit zu bringen und um den anderen zu befreien und zu erlösen. Das war kindlich naiv gedacht. Diesen Schlüssel konnte ich nicht finden, weil es ihn einfach nicht gibt.

Bestimmte Menschen sehen in Hass und Gewalt einen Sinn für sich und auch eine Entlastungsfunktion von ihren eigenen Problemen und Schmerzen.

Menschen, die Unrecht und Schmerz erlebten, machen oft dicht, kapseln sich mit ihren Gefühlen ab, spüren nur noch den eigenen Schmerz, die eigene Wut. Für andere werden sie völlig unberührbar.

Für mich stellt sich die Frage, wie durch diesen Kokon hindurch wieder die Berührbarkeit für andere erreicht werden könnte.

Der Mangel an Mitgefühl und Empathie macht Grausamkeiten anderen gegenüber erst möglich.

Männer, die Frauen verachten und hassen, hatten wohl ebenfalls eine tiefgehende Entwürdigung erfahren. Nur so kann ich mir ihren Hass und ihr Machtbedürfnis über Frauen vorstellen. Auch sie waren vermutlich einst Opfer, vielleicht sogar das Opfer einer Frau.

Sitzen wir nicht alle im selben Boot? Könnte uns die Tatsache, dass wir alle mehr oder weniger verletzt wurden, nicht vereinen? Könnten wir uns nicht gemeinsam entscheiden, alles zu tun, um diese Spirale von Hass und Gewalt einzudämmen und zu beenden?

Heute weiß ich, dass Menschen durch ein Trauma in ihrer frühen Kindheit Prägungen bekommen können, die nur schwer oder überhaupt nicht mehr veränderbar sind. Auch, wenn manchmal durch einschneidende Erfahrungen die reinsten Wunder geschehen und Menschen sich von einem Tag zum anderen verändern. Da wird ein Saulus plötzlich zu einem Paulus. Das geschieht zwar eher selten, zeigt aber, dass alles möglich ist. Deshalb sollte man nie einen Menschen aufgeben.

Menschen in gut und böse einzuteilen, bringt uns nicht weiter. Wir alle haben beides in uns. Manche Menschen wurden nur nie mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert, die sie so in Not brachten, dass sie mit destruktivem Verhalten ihre innere Not zu bewältigen versuchten.

In jedem Menschen steckt ein göttlicher Funke, mag er beim einzelnen noch so...



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