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SPACE Science Fiction Stories Sammelband | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 407 Seiten

Reihe: SPACE Raumfahrtjahrbücher

SPACE Science Fiction Stories Sammelband

Neue Welten
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-944819-98-3
Verlag: Verein zur Förderung der Raumfahrt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Neue Welten

E-Book, Deutsch, 407 Seiten

Reihe: SPACE Raumfahrtjahrbücher

ISBN: 978-3-944819-98-3
Verlag: Verein zur Förderung der Raumfahrt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zehn Jahre VFR Science Fiction Kurzgeschichten-Wettbewerb - Es ist mittlerweile eine beachtlicheSammlung von Geschichten zusammengekommen. Der Verein zur Förderung der Raumfahrt VFR e.V. - unterstützt von DLR, OHB und Airbus - hat besonders die Raumfahrt im Blick, darum behandeln die jährlichen Wettbewerbsthemen jeweils einen Aspekt künftiger Raumfahrtabenteuer. Zum Jubiläum haben wir in diesem Sammelband nun erstmals alle Preisträger zusammengefasst. Aus den vielen originellen und hochwertigen Einsendungen haben wir außerdem zehn sehr lesenswerte und bisher noch unveröffentlichte Bonus-Stories ausgewählt.

Die Autoren sind die Gewinner des VFR Science Fiction Kurzgeschichten-Wettbewerbs. Mehr zum Wettbewerb und den Teilnahmebedingungen auf vfr.de/wettbewerb.
SPACE Science Fiction Stories Sammelband jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Save our Future, save our World


Dr. Karoline Lukaschek
SCIENCE FICTION WETTBEWERB 2008 – Platz 2b

Die „Glaspalast“ näherte sich dem Ziel ihrer Reise: Dem Saturn mit seinem atemberaubenden Ringsystem. Nun würde sie in einem Swing-by Manöver die Schwerkraft des Saturns ausnutzen, um sich zur Erde zurückkatapultieren zu lassen. Der Kurs war so berechnet, dass das Weltraumkreuzschiff durch die Cassini-Teilung in den Kernschatten des Saturns eintauchte, damit beim Herausfliegen das Sonnenlicht diffus zwischen den Saturnringen hindurch schimmerte und dem Planeten eine eigene Aura zu geben schien. Durch die großen, umlaufenden Fenster des Kreuzers konnten die Passagiere dieses eindrucksvolle Schauspiel beobachten.

Das kleine, wendige Raumschiff hielt sich zwischen den Trümmern der Saturnringe versteckt. Wie ein Raubtier auf Beute lauerte es auf den schweren, trägen Kreuzer, der vor den Saturnringen manövrierte. Captain Torben Lind freute sich bereits auf die „Ladung“ des großen Schiffes: steinreiche Erdprivilegierte, denen eine gewitzte Agentur für viel Geld die Illusion vorspiegelte, mit dem Flug zum Saturn ein richtiges Abenteuer zu erleben. Für die Menschen des vereinigten Siedlungsraumes All, die das Geld und den Einfluss hatten, immer noch auf der Erde zu leben, war es wohl eine willkommene Abwechslung zu der behüteten Normalität ihres Alltags auf dem Blauen Diamanten, wie die Erde von Nichtbewohnern genannt wurde, weil sie für die meisten so unglaublich schön und ebenso unerreichbar war wie einer jener Edelsteine. Dank zahlreicher, teils sehr drastischer und rigoros durchgeführter Maßnahmen war es den Menschen vor fast hundert Jahren gelungen, die drohende Klimakatastrophe auf der Erde zu stoppen und den Planeten nicht nur zu retten, sondern in das zu verwandeln, was er jetzt war: Von ferne die blauschimmernde Verheißung von Wasser, dem wertvollsten Handelsgut des Siedlungsraumes, die sich beim näher kommen in das Paradies für Menschen schlechthin verwandelte: nirgendwo sonst im Siedlungsraum waren die Werte so perfekt für die Lebensform Mensch. Die Zusammensetzung der Luft war genauso, wie es der Mensch brauchte (nicht etwa zu dünn, wie etwa im Lunaseum), die Schwerkraft genau richtig und die Strahlung…. Lind dachte mit Grauen an die Menschen (waren das denn noch Menschen?), die auf dem Mars einer erhöhten Strahlung ausgesetzt waren. Obwohl Lind als Mitglied der unabhängigen Piratenflotte einiges gewöhnt war, war der Anblick der verwachsenen, formlosen Fleischmassen, die einige der Marsbewohner anstelle von Gesichtern, Armen oder Füßen hatten, für ihn nur schwer zu ertragen. Zu den Primärmaßnahmen bei dem Projekt „Save our World, save our Future“ hatte die Reduzierung der Bevölkerung der Erde gehört. Dies wurde durch strikte Geburtenkontrolle mittels fragwürdiger Abtreibungen um der Menschheit willen und Gebärlizenzen an die Meistbietenden versucht, aber auch durch Reduzierung des vorhandenen Menschenbestandes, indem man unerwünschte oder unbrauchbare Elemente der Bevölkerung abschob. Und zwar auf neu eingerichtete extraterrestrische Camps, in denen das Überleben Sache der Campbewohner war. Einige wenige Verrückte waren sogar freiwillig „in das größte Abenteuer ihres Lebens“ gestartet, wie es die Werbung hatte weismachen wollen. Viele von ihnen hatten auf eine bessere Zukunft gehofft und waren mit der Erinnerung an eine glorifizierte Vergangenheit an das Leben auf der Erde im Dreck eines Aussiedlercamps gestorben. Einige Camps hatten nicht lange existiert, aus anderen hatten sich lebensfähige Gemeinschaften entwickelt, deren Bewohner dem Aussehen nach noch Menschen waren, ihrer ethischen und moralischen Werte nach aber irgendetwas anderes. So entstanden auch die Piratenflotten. Lind selbst stammte aus einer Mülltonne auf Enceladus, aus der ein Eisminenarbeiter das halbtote Baby gefischt und später an die Händlerallianz verkauft hatte. So jedenfalls hatte es ihm Säbelzahn erzählt, die mit ihren Männern das Händlerschiff überfallen und das Baby zusammen mit den anderen Waren an Bord eines Piratenschiffes gebracht hatte. Aus Gründen, die sie bis zu ihrem Tod nicht genannt hatte, hatte sie Lind einen Namen gegeben und ihn bei sich aufgenommen. Da sie Captain bei den Unabhängigen Piraten war, wuchs Lind also bei selbigen auf und wurde selbst zum Captain eines kleinen Schiffes, das nun zwischen den Saturnringen versteckt auf Beute lauerte. Linds Plan war einfach: Im Kernschatten des Saturns herrschte völlige Finsternis, so dass kein visueller Kontakt möglich war. Außerdem näherte sich der Kreuzer auf der Ringebene des Saturns, wo das Magnetfeld am stärksten war, so dass mit Sicherheit die Sensoren gestört werden würden. Das kleine Piratenschiff würde man erst bemerken können, wenn es zu spät war – wenn er mit seinen Leuten das Schiff geentert hatte und dabei war, seine Arbeit zu tun.

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Chris Donat war nicht wohl bei dem Manöver. Durch das starke Magnetfeld der Äquatorebene des Saturns waren die Sensoren der Glaspalast gestört, ein Umstand, den Donat nicht müde geworden war der Agentur und den Offiziellen immer wieder vorzuhalten. Außerdem hatten sie während ihres Fluges im Kernschatten des Saturns auch keine visuelle Sicht. Ein kleines Schiff – wie es z.B. die Piraten gerne benutzten – könnte es unter einem erfahrenen Captain schaffen, an einer der hinteren Schleusen der Glaspalast anzudocken. Die Sicherheitscodes der Schleusen zu knacken war keine große Kunst – trotz der wertvollen Passagiere waren die Sicherheitsstandards nicht erhöht worden. Bis die Sicherheitsleute den hinteren Teil des Schiffes erreicht hätten, wären etwaige Eindringlinge schon zu weit ins Schiff vorgedrungen. Welche Sicherheitsleute eigentlich, fragte sich Donat. Gut, es gab ihn und Hannah Suttner, die Copilotin, außerdem noch Dillan Bach, Offizier für Navigation und Kommunikation. Im Bauch der Glaspalast schwirrte noch eine drei Mann starke Technikcrew um Chefmaschinistin Laila Banderlow herum, aber das waren auch schon alle Besatzungsmitglieder der Glaspalast. Zwar wussten sie alle mit Waffen umzugehen und hatten auch die entsprechende Ausbildung genossen, aber um in einer Krisensituation wirkungsvoll agieren zu können, waren sie einfach zu wenige, da ja auch jeder im Ernstfall mit seinem Hauptaufgabenbereich genug zu tun hatte. Man hatte es nicht für nötig gehalten, ihnen Sicherheitspersonal mitzugeben, da die Offiziellen und die Siedlungsraumpolizei das Gebiet für sicher erklärt hatten. Zwar hatten die Patrouillen das Gebiet erst kürzlich von Piraten gesäubert, aber er glaubte nicht, dass sie alle erwischt hatten. Auch der Umstand, dass die Glaspalast ohne Eskorte fliegen musste, weil die Agentur bestimmte Sicherheitsbestimmungen aus Kostengründen nicht so ernst nahm, wurmte ihn.

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Er würde keinen weiteren Flug für diese Agentur mehr machen, schwor sich Donat nicht zum ersten Mal auf dieser Reise. Sobald er konnte würde er kündigen und dann…. Die Sensoren erwachten wieder zum Leben. Während Suttner routiniert die Checkliste durchging, überprüfte Donat die Sicherheitssysteme des Schiffes. Alles schien innerhalb normaler Parameter zu arbeiten – außer Schleuse 7. Laut den Systemen lag hier eine Störung vor. Donat brach der kalte Schweiß aus. Komm schon, Junge, eine Störung kann vieles sein, machte er sich Mut. Vielleicht liegt es immer noch am Magnetfeld des Saturns, vielleicht war der Sensor ja komplett ausgefallen oder anderswie beschädigt. „Laila, schick mal einen Deiner Jungs zu Heckschleuse sieben“, schickte Donat seinen Befehl durch das schiffsinterne Kommunikationssystem an die Technikerin. „Laila, hast Du verstanden?“ Die Stille nagte an Donats nerven. Konnten die Kommunikationssysteme ebenfalls beschädigt sein? „Bach, was ist los mit dem System?“ Der Offizier drehte sich zu ihm um: „Gar nichts, Sir, ich habe keine Fehlermeldung.“ „Warum antworten die dann nicht?“ Selbst die sonst unerschütterliche Hannah wirkte besorgt. „Bach, kontaktieren Sie den Passagierraum, ich will wissen. ob da alles in Ordnung ist!“

Bis jetzt war alles einfach gewesen. Fast schon zu einfach. Sie hatten den Sicherheitscode der Luke geknackt, waren in das Schiff eingedrungen und hatten sich ihren Weg durch das Innere gebahnt, ohne Widerstand vorzufinden. Lind würde nie verstehen könne, warum man auf diese teuren Reisen keine Sicherheitsleute zum Schutz der wohlhabenden Reisenden abstellte. Erst im Maschinenraum waren sie auf zwei Mitglieder der Besatzung gestoßen, die aber zu überrascht waren, um sich wehren zu können. Allerdings hatten die Schüsse eine Frau in der Schaltzentrale aufgeschreckt, die sie mit ihrer C13 unter Beschuss nahm. Richtig brenzlig wurde es, als ein dritter Mann von irgendwo auftauchte und sie mit der Frau zusammen ins Kreuzfeuer nahm. Doch sie hatten Glück – die C13 war ein altes Modell, bekannt dafür, hin und wieder Ladehemmungen zu haben, genau wie jetzt. Nachdem die Frau ausgeschaltet war, war es nicht mehr schwer, den Mann ebenfalls außer Gefecht zu setzen. Gerade, als Lind über die Leiche des Maschinisten stieg, um das Schiff weiter zu erkunden, schaltete sich die Sprechanlage an. „Laila, schick mal einen Deiner Jungs zu Heckschleuse sieben“ ertönte eine Stimme blechern durch die Halle. „Laila, hast Du verstanden?“ Die gleiche Stimme, nun deutlich besorgt. „Beeilen wir uns“, sagte Lind zu seinen Männern, „sie wissen, dass etwas nicht stimmt. Selbst diese verwöhnten Muttersöhnchen können eins und eins zusammenzählen, viel Zeit haben wir nicht mehr“. Sam, einer seiner Männer, hatte nach der Einnahme der Schaltzentrale die...



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