Schiller | Immer wenn du tötest | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Ein Fall für Targa Hendricks

Schiller Immer wenn du tötest

Thriller - Ein Fall für Targa Hendricks (2)
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-21070-0
Verlag: Penguin Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Thriller - Ein Fall für Targa Hendricks (2)

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Ein Fall für Targa Hendricks

ISBN: 978-3-641-21070-0
Verlag: Penguin Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Sie findet dich. Sie tötet dich. Alles was bleibt, ist ein Bild aus deinem Blut.
In einem stillgelegten Schlachthaus findet die Berliner Polizei die Leichen von drei jungen Menschen, allesamt blond und blauäugig. Ihre Körper sind bizarr in Szene gesetzt und enthalten fast keinen Tropfen Blut mehr. Der Verdacht fällt auf Freya von Rittberg, eine exzentrische Künstlerin, die mit dem Blut ihrer Fans Gemälde malt und gefährliche Mut-Challenges veranstaltet. Ihre Vorfahren haben eine dunkle NS-Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reicht, und deshalb scheint jemand in der Regierung eine schützende Hand über Freya zu halten. Das BKA sieht sich gezwungen, seine beste Undercover-Ermittlerin einzuschleusen: Targa Hendricks heuert bei Freya als Bodyguard an. Sie verspürt keine Angst und hat nichts zu verlieren - bis Freya die einzige Schwäche von Targa entdeckt ...


Barbara und Christian Schiller gehören zu den erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum. Ihre Thriller - darunter mehrere Nr.1-E-Book-Bestseller - haben sich bereits mehr als eine Million Mal verkauft und viele Hunderttausend Leser begeistert. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmeten, betrieben sie gemeinsam eine Werbeagentur. Sie leben auf Mallorca und in Wien.

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4 Kaltes Wasser schlägt über Targa zusammen. Von den wirbelnden Wellen wird sie unerbittlich nach unten gezogen. Sie kämpft dagegen an, um wieder an die Oberfläche zu gelangen. Doch der Sog ist stärker. Gegen die Strömung hat sie keine Chance. Plötzlich wird sie ruckartig zurückgerissen. Die Rettungsleine, die Jorge zu Beginn ihrer Ausfahrt um ihre Hüften gebunden hat, strafft sich. Zum Glück hat Jorge mitbekommen, dass sie über Bord gegangen ist, und zieht sie an der Leine aus der Tiefe. Die Luft wird knapp. Targas Lungen brennen, und ein leichter Schwindel befällt sie. Sie sieht bereits den dunklen Rumpf des Bootes über sich. Noch einmal mobilisiert sie alle Kräfte und schnellt keuchend aus dem Wasser. »Hier! Der Rettungsring!«, hört sie die verzerrte Stimme von Jorge. Der orangefarbene Ring klatscht neben ihr ins Wasser. Sie krallt sich daran fest. Noch immer herrscht starker Wellengang. Für Jorge ist es mühsam, Targa an Bord zu ziehen. Hustend und nach Luft ringend, liegt sie auf dem Deck. Sie spuckt Wasser und starrt in den düsteren Himmel. Heute ist ein schlechter Tag, denkt Targa. Dann steht sie auf und wankt zu dem Holzverschlag, wo Hund auf sie wartet. Sie geht in die Knie und lässt sich von ihm das Gesicht ablecken. Je näher sie der Küste kommen, desto mehr verliert der Sturm an Stärke. Jetzt kann Jorge das Boot sicher in den Hafen steuern und an der Mole vertäuen. »Hilfst du mir beim Ausladen der Fische?«, fragt er. »Später. Ich bin ganz nass.« Targa springt von Bord. »Dann lass uns nachher bei der Tankstelle ein Bier trinken.« »Ich trinke keinen Alkohol, das weißt du doch. Wir haben auch keinen Anlass dafür.« Targa wendet sich zum Gehen. »Ich habe dir gerade das Leben gerettet. Das können wir auch mit Wasser feiern«, ruft ihr Jorge hinterher, als sie grußlos verschwinden will. Targa stoppt und dreht sich um. Jorge hat recht. Sie muss sich bei ihm bedanken. Das macht man so. Auf diese Weise entstehen soziale Kontakte und Bindungen. Darüber hat sie gelesen. »Danke«, sagt sie nach einigem Zögern. »Das war sehr mutig von dir.« »Schon gut«, brummt Jorge. Er fragt kein zweites Mal, ob sie mit ihm zur Tankstelle geht. Mittlerweile kennt er Targas Eigenheiten und weiß, dass sie sich mit persönlichen Beziehungen schwertut. Er akzeptiert das. Das rechnet Targa ihm hoch an. Sie spürt, dass er ihr hinterherblickt, doch sie dreht sich nicht mehr um. Mit einem Ruck öffnet sie die Schiebetür ihres Busses. Sofort fällt ihr Blick auf das schmale Bücherbord oberhalb der Sitzbank. Gestern hat sie wieder zu viel an ihren Vater gedacht und dabei die Bücher durcheinandergewirbelt. Ich muss die Bücher wie einen Regenbogen ordnen. Das ist ihre Therapie, wenn es ein schlechter Tag ist. So wie heute. Beinahe wäre sie ertrunken. Wie immer kommen zuerst die schwarzen Umschläge. Dann folgt das ganze Farbenspektrum. Zum Schluss hält sie noch ein Buch in der Hand. Mit einem blauen Einband. Er passt nicht ans Ende und bringt den Regenbogen jedes Mal durcheinander. Doch das blaue Buch muss am Ende stehen. Anders als sonst beruhigt sie das Ordnen heute nicht. Noch immer hat sie ihre nassen Klamotten an. Kleine Wasserpfützen bilden sich auf dem Boden. Sie muss sich umziehen. Doch zuerst greift sie nach der silbernen Urne, die neben den Büchern auf dem Bord steht. Sie öffnet den Deckel. Darin befindet sich die Asche von Carlos. Er hat ihre Mutter geliebt, aber er konnte sie trotzdem nicht retten. Dafür hat er sich um Targa gekümmert. Er hat ihr bei der Suche nach ihrem Vater geholfen. Anfangs wollte er sie von ihrer gefährlichen Suche nach ihm abbringen. Doch das hat er nicht geschafft. Es ist ihre private Rache. Andere Menschen laufen vor ihrem Vater davon, sie ihm hinterher. Als Targa vorsichtig hineingreift, fühlt sich die Asche zwischen ihren Finger wie Staub an. So wenig bleibt übrig, wenn man stirbt. Warum macht man sich dann immer so viele Sorgen um das Leben?, überlegt sie. Sie ertastet einen harten Gegenstand und zieht ihn aus der Asche. Es ist eine Pistole. Vorsichtig bläst sie die Asche von der Waffe. Dann stellt sie die Urne wieder zurück auf das Bord. Die Pistole gehörte Carlos, ihrem Beschützer. Sie steckt sie in die Brusttasche ihrer nassen Latzhose. Denn heute ist kein guter Tag. Sie steigt aus dem VW-Bus und geht hinunter zur Mole. In ihren Sneakers sammelt sich die Nässe. Sie hat vergessen, sich umzuziehen, aber der Wind wird ihre Kleidung schnell trocknen. Sie will Jorge jetzt doch helfen. Mit ihm den Fang aus dem Boot holen und in Kisten verladen. Das schuldet sie ihm. Und dann können sie anstoßen. Jorges Boot dümpelt einsam an der Kaimauer, von ihm keine Spur. »Jorge?«, ruft sie. Sein Name steigt ungehört an der Felswand empor und verschwindet in den Bergwerksschächten. Sie wartet noch eine Weile. Dann gibt sie Hund ein Zeichen, und sie machen sich auf den Weg. Ihr Ziel ist die Tankstelle, die zwei Kilometer entfernt an der Landstraße liegt. Wahrscheinlich ist Jorge schon längst da. Auf dem Weg dorthin zerreißt plötzlich lautes Rotorengeknatter die Stille. Ein Hubschrauber taucht am Horizont auf und verschwindet schnell wieder. Der Überlandbus rast an Targa vorbei und hüllt sie in eine Wolke aus Staub. Bisher das einzige Fahrzeug auf dieser Straße, die wie ein graues Band die eintönige Landschaft durchschneidet. Die Sonne brennt vom Himmel, aber der Wind bläst noch immer heftig. Als Targa mit Hund die Tankstelle erreicht, ist sie völlig durchgeschwitzt. Wie immer füllt sie zunächst für Hund eine Plastikschüssel mit Wasser. Sie stellt sie unter das rostige Vordach und wartet, bis Hund getrunken hat. Dann geht sie in den menschenleeren Verkaufsraum. Wie es aussieht, ist sie die einzige Kundin. Seit der Schließung des Bergwerks und der Fabrik kämpft der Tankwart ums Überleben. Er telefoniert und nickt ihr zu. Als er das Gespräch beendet hat, schlurft er wieder hinter seinen Tresen. Sie weiß nicht mehr, wie er heißt, denn sie hat ein schlechtes Namensgedächtnis. Aber sie redet sowieso nie viel mit ihm. Ein Ventilator schaufelt die stickige Luft durch den Raum. Trotzdem ist es nicht kühler als draußen. Langsam geht Targa durch die beiden Regalreihen. Die Waren sind angestaubt und zum Großteil bereits abgelaufen, aber das macht ihr nichts aus. Sie widersteht dem Zwang, die Produkte in den Regalen der Größe nach zu ordnen. Vor dem dritten Regalfach bleibt sie stehen. Sie nimmt vier Dosen Ravioli von dem Bord. Damit geht sie zum Tresen, zögert einen Moment und stellt die Dosen dann doch exakt parallel zur Kante in einer Reihe auf. Der Tankwart weicht ihrem Blick übertrieben auffällig aus. »Warum kannst du mir heute nicht in die Augen schauen?«, fragt sie. Ihr Gefühl ist richtig. Heute ist irgendetwas anders. »Darum«, antwortet er einsilbig. Er deutet auf ihre Latzhose. Dort zeichnen sich die Umrisse der Pistole unter dem Jeansstoff ab. Sie hatte sie völlig vergessen. »Ich brauche sie, um mich sicher zu fühlen.« Targa streicht den feuchten Stoff glatt. »Heute ist kein guter Tag.« »Ich habe mit Jorge über dich gesprochen. Warum lässt du uns nicht in Ruhe? Warum bist du nicht längst verschwunden? Eine Frau, die mit einer Pistole herumläuft, bedeutet Ärger. Aber Jorge will dich hierbehalten. Der Alte hat wohl einen Narren an dir gefressen.« »Wo sollte ich denn hin?« »Verschwinde einfach. Du passt nicht hierher«, antwortet der Tankwart ungerührt. »Du hast recht«, sagt Targa, nachdem sie einige Sekunden lang nachgedacht hat. »Vielleicht verschwinde ich morgen.« »Morgen ist es zu spät.« Noch immer starrt der Tankwart auf den Tresen und weicht ihrem Blick aus. »Ich habe dich schon früher gewarnt. Aber du hast nicht auf mich gehört.« Ein Auto taucht auf der Landstraße auf und nähert sich rasch. Mit quietschenden Reifen stoppt es direkt unter dem verrotteten Vordach der Tankstelle. Es ist ein SUV der Guardia Civil. Die Türen werden aufgerissen, drei Männer in schwarzen Overalls springen heraus. Sie halten Schnellfeuergewehre in den Händen. In einem ersten Reflex will Targa hinter dem Tresen in Deckung gehen und schnell durch die Hintertür verschwinden. Doch Hund steht mit gefletschten Zähnen vor dem Eingang. Er verteidigt Targa, lässt die Männer nicht herein. Einer der Polizisten legt das Gewehr an und zielt auf ihn. »Nicht schießen!« Mit erhobenen Händen geht Targa in die Mitte des Verkaufslokals. »Lasst meinen Hund am Leben! Er tut nichts.« Hund dreht den Kopf zu ihr. Targa gibt ihm ein Zeichen. Widerstrebend trottet er von der Tür weg, beobachtet Targa jedoch angespannt. Er wittert die Gefahr. Zwei Polizisten gleiten vorsichtig mit angelegten Waffen in die Tankstelle. Einer hält sein Gewehr direkt auf Targas Kopf gerichtet. Der andere zieht mit spitzen Fingern die Pistole aus ihrer Brusttasche. Dann wird sie brutal im Nacken gepackt und auf den Boden geworfen. Jemand drückt ihr die Arme auf den Rücken und legt ihr Handschellen an. Alles geschieht fast lautlos und professionell. Targa wird hochgezogen und zum Eingang gezerrt. Noch einmal wendet sie sich zu dem Tankwart. »Du hast mich verraten«, stellt sie emotionslos fest. Zum ersten Mal sieht ihr der Mann jetzt in die Augen. »Ja«, sagt er leise. »Wir wollen hier unsere Ruhe haben.« »Jorge soll auf Hund aufpassen, bis ich zurück bin«, ruft sie ihm über die Schulter zu. »Versprichst du mir das? Das bist du mir schuldig.« Der Tankwart...



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