Schiller | Targa - Der Moment, bevor du stirbst | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Ein Fall für Targa Hendricks

Schiller Targa - Der Moment, bevor du stirbst

Thriller - Ein Fall für Targa Hendricks (1)
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-21071-7
Verlag: Penguin Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Thriller - Ein Fall für Targa Hendricks (1)

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Ein Fall für Targa Hendricks

ISBN: 978-3-641-21071-7
Verlag: Penguin Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Niemand kommt dem Bösen so nahe wie sie.
Targa Hendricks hat keine Freunde, keine Liebe, nichts zu verlieren. Doch vor allem hat sie keine Angst - und genau das macht sie so verdammt gut in ihrem Job. Denn als Undercover-Ermittlerin einer Sondereinheit des BKA ist es ihre Aufgabe, Serienkiller auf frischer Tat zu überführen, und dazu gibt es nur zwei Wege: Targa muss sich einem Mörder ausliefern - oder ihn glauben lassen, sie sei wie er.
Falk Sandman ist Hochschuldozent, charismatisch, clever und besessen von den letzten Worten Sterbender - seiner Opfer. Eines Tages trifft er eine junge Frau, die sich für seine dunkle Seite interessiert. Sie will von ihm lernen, und Sandman fasziniert ihr gefühlloses Verhalten. Zunächst ist er skeptisch, doch allmählich vertraut er ihr.
Ein tödliches Spiel beginnt. Wer wird gewinnen?


Barbara und Christian Schiller gehören zu den erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum. Ihre Thriller - darunter mehrere Nr.1-E-Book-Bestseller - haben sich bereits mehr als eine Million Mal verkauft und viele Hunderttausend Leser begeistert. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmeten, betrieben sie gemeinsam eine Werbeagentur. Sie leben auf Mallorca und in Wien.

Schiller Targa - Der Moment, bevor du stirbst jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


3 Heute ist kein guter Tag, denkt sie und beginnt die Bücher auf dem schmalen Bord der Farbe nach zu ordnen. Zuerst kommen die schwarzen Einbände, dann die roten, und so geht es weiter. Zum Schluss kommen die blauen. Langsam tritt sie zurück, betrachtet ihre Arbeit. Die Buchrücken sehen jetzt aus wie ein Regenbogen. Wegen der blauen Umschläge, die immer am Ende stehen müssen, allerdings wie ein durcheinander geratener Regenbogen. Aber das muss so sein, denn Blau erinnert sie an gefrorenes Wasser. Kein guter Tag. Wieder dieser Gedanke, der ein sofortiges Handeln nach sich zieht, ihr geradezu aufzwingt. Jetzt ist es wieder einmal so weit, sie kann nicht anders als ihren VW-Bus zu verlassen, muss etwas mit ihren Händen tun, aktiv sein. Drinnen nur herumzusitzen, macht sie verrückt. Sie muss nach draußen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie zwängt sich in die winzige Waschecke, lässt das eisige Wasser in ihre Hände laufen, bis sie ganz kalt sind, dann klopft sie sich mit den Handflächen gegen die Wangen, die schnell rosig durchblutet werden. Sie blickt in den winzigen Spiegel oberhalb des Waschbeckens, sieht ein ebenmäßiges Gesicht, helle Haut, hohe Wangenknochen, aufgeworfene Lippen und Augen wie gefrorenes Wasser, wie Eis? Einmal hat ein Mann in einem Lokal zu ihr gesagt, dass sie doch mehr aus sich machen könne, sie sei doch eine so schöne Frau. Als er begann, sie auszufragen, ist sie gegangen. In dem engen Waschraum ist es nicht leicht, die langen gewellten Haare zu zwei Zöpfen zu flechten. Wenn es ein schlechter Tag ist, so wie heute, dauert es eine Weile, bis sie die widerspenstige blonde Mähne unter Kontrolle hat. Ehe sie die Schiebetür des VW-Busses öffnet, atmet sie noch einmal tief durch. Dann tritt sie auf die Obstkiste, die als provisorische Treppe dient, und steht barfuß auf der großen Bastmatte, die durch den vielen Regen der letzten Tage bereits ein wenig modrig ist und sich unter ihren Fußsohlen feucht anfühlt. Sie greift nach einer kleinen Schaufel, die auf einem ausgeblichenen Klappstuhl liegt und deren Griff mit Klebeband fixiert ist. Dann geht sie an den Rand der Bastmatte und beginnt, die Schaufel in die noch feuchte Erde zu stoßen. Doch schon nach wenigen Zentimetern trifft sie auf Stein oder Beton, und es geht nicht mehr tiefer. »Versuchst du schon wieder, was anzupflanzen?« Ein kleiner Junge steht neben dem Bus und sieht ihr neugierig zu. Er ist etwa sechs Jahre alt, hat kurze schwarze Haare, und seine leuchtenden dunklen Augen erinnern sie an glimmende Kohlestücke. »Ja.« Sie nickt und wischt die schmutzige Hand an ihrer Jeanslatzhose ab. »Aber da wächst doch nichts mehr«, gibt der Junge altklug zu bedenken. »Ich mache das, um mich zu beschäftigen. Ich kann nicht immerzu alleine in meinem Bus sitzen.« »Du hast niemanden, der mit dir redet? Bist du gern allein?« Auf diese Frage antwortet sie nicht, denn sie ist nicht gerne allein. Aber es ist mit den Jahren so gekommen, schleichend. Manchmal, wenn sie in einer Bar am Tresen steht und Pep Lemon trinkt, dann beneidet sie die anderen Frauen, die mit Freundinnen lachen oder mit Männern flirten. Dann fühlt sie sich ausgeschlossen und erlebt dieses nächtliche Treiben wie durch eine Glaswand, die zwar durchsichtig ist, sie aber vom Rest der Menschheit trennt. »Hast du keine Freunde?«, lässt der Junge nicht locker. Nein, Freunde hat sie keine. Wenn sie darüber nachdenkt, muss sie sich eingestehen, dass es überhaupt niemanden gibt, dem sie ihr Herz ausschütten könnte. Doch, halt! Das stimmt so nicht, korrigiert sie sich in Gedanken selbst. Da ist Yella, für die ich koche, mit der ich rede, die mir zur Seite steht, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Es gibt Yella, also bin ich nicht einsam und allein. Sie denkt eine Weile nach, lässt verschiedene Gesichter in ihrem inneren Fotoarchiv vorbeirasen. Da ist auch noch Volker Lundt, der sie kennt und der sie nimmt, wie sie ist. Volker Lundt, von dem sie schon eine Weile nichts mehr gehört hat, der sie auf Stand-by-Modus gestellt hat. »Mir ist langweilig, können wir spielen?« »Du bist sechs Jahre alt und ich dreißig. Was sollten wir miteinander spielen?«, fragt sie und stochert weiter in der feuchten schwarzen Erde. Auf der Schaufel liegt ein Regenwurm, den sie mit zwei Fingern hochhebt und eingehend betrachtet. »Ih, das ist eklig.« Der Junge schüttelt sich vor gespieltem Entsetzen. »Warum sollte ein Regenwurm eklig sein?«, fragt sie und legt ihn behutsam zurück in die feuchte Erde. »Er sieht doch hübsch aus.« »Du spinnst ganz schön!« »Wieso? Nur weil ich Regenwürmer mag? Das verstehe ich nicht. Sie sind doch nützlich.« War sie deshalb immer allein, weil sie einen anderen Blick auf die Dinge hatte? Gerade das macht sie aber doch so erfolgreich, dafür schätzt Volker Lundt sie. Weil sie »auf die andere Seite« sehen kann. Weil sie sich in jemanden, der auf der anderen Seite steht, verwandeln kann. Das macht sie zu etwas Besonderem. »Wo ist Hund?« Der Junge blickt suchend umher. »Hund schläft noch.« »Darf ich mit ihm auf das Feld gehen?« »Gut.« Sie nickt, steht langsam auf und krempelt die Hosenbeine hoch. Dann öffnet sie die Schiebetür des VW-Busses und steckt den Kopf hinein. Hund ist taub, deshalb muss sie ihm Zeichen geben, damit er versteht. Gehorsam erhebt er sich und trabt gemächlich auf sie zu, während er sie keine Sekunde aus den Augen lässt. »Was ist Hund eigentlich für eine Rasse?«, fragt der Junge, der neben ihm fast verschwindet. »Er ist ziemlich groß.« »Ist das wichtig?« Sie zuckt mit den Schultern. Darüber hat sie noch nie nachgedacht. Sie hatte sofort gewusst, dass Hund zu ihr passt, da taten Rasse und Stammbaum nichts zur Sache. Er sieht aus wie eine wirre Mischung aus allen möglichen Hunderassen. Sein Fell ist gestromt, je nach Lichteinfall wirkt es braun oder dunkelgrau mit schwarzen Sprenkeln, und von einem Ohr fehlt die Hälfte. Sein Besitzer hatte ihn einfach bei einem Müllcontainer zum Entsorgen angebunden. Das war in Spanien, und sie war mit ihrem VW-Bus vorbeigekommen. Da sie kein gutes Namensgedächtnis hat, nennt sie den Mischling einfach Hund, das ist ja auch irgendwie logisch. Hund ist dankbar, dass sie ihn gerettet hat, und will immer in ihrer Nähe bleiben. Aber zu dem kleinen Jungen hat er schon Vertrauen gefasst und lässt sich von ihm nach hinten auf das Feld führen. Der braune Acker reicht bis an den Rastplatz der Autobahn, den man in der Ferne gerade noch erkennen kann. Die Sonne blendet, und sie schirmt mit der Hand die Augen ab, um den Jungen und Hund zu beobachten. Doch dann weckt etwas auf dem Rastplatz ihre Aufmerksamkeit. Die Sonnenstrahlen treffen den Außenspiegel eines dunklen Geländewagens, der auf den Parkplatz gefahren ist. Sie glaubt, das Zuschlagen einer Autotür zu hören, obwohl das natürlich nicht sein kann, denn der Rastplatz ist viel zu weit entfernt. Aber sie hört es trotzdem. In ihrem Kopf. Sie tritt in die schwarze Erde, spürt die Feuchtigkeit, geht vorne um den VW-Bus herum und starrt mit zusammengekniffenen Augen auf das Feld. Dann sieht sie die winzige Gestalt, die sich von dem dunklen Geländewagen löst und über die niedrigen Büsche steigt. Die Person bleibt am Rand des Ackers stehen und senkt den Kopf, vermutlich, um sich eine Zigarette anzuzünden. In der Hand trägt sie eine weiße Tüte, die sich ein wenig im Wind bläht. Es ist ein Mann in einem grauen Anzug, das erkennt sie jetzt. Er zieht ein Paar grüne Gummistiefel aus der Tüte, zieht umständlich die Schuhe aus und schlüpft in die Stiefel. Dann macht er einige zögernde Schritte in das Feld und sinkt immer wieder in der lehmigen Erde ein. Zielstrebig stapft er über den Acker, wird groß und immer größer. Er trägt eine Sonnenbrille und bleibt ab und an stehen, um an seiner Zigarette zu ziehen. »Der will zu dir.« Der Junge steht plötzlich neben ihr und deutet auf den Mann, der nun bereits die Hälfte des Ackers überquert hat und in wenigen Minuten hier sein wird. »Geh wieder nach Hause«, sagt sie und deutet auf einen silbrig glänzenden Wohnwagen, der halb verdeckt hinter Gestrüpp hervorblitzt. »Das ist nichts für kleine Jungs.« »Holst du jetzt eine Pistole?«, fragt der Junge mit glänzenden Augen. »Wirst du ihn niederschießen?« Mit seinem Zeigefinger visiert er den Mann an, der jetzt schon deutlich zu erkennen ist. »Peng!« »Dein Vater lässt dich zu viele Actionfilme schauen. Du sollst jetzt gehen.« Der Mann auf dem Acker hat sein Sakko geöffnet, und der Wind bläst es ein wenig nach hinten, sodass sie das Holster mit dem Kolben der Sig Sauer kurz sehen kann. Achtzehn Schuss im Magazin, und noch ein Reservemagazin hinten am Gürtel, so ist das immer. Sie wirft einen schnellen Blick auf den Jungen, aber der hat es nicht mitbekommen. »Geh endlich nach Hause«, wiederholt sie schroff und winkt Hund, der sie aufmerksam beobachtet. Sie zeigt auf eine Schaumgummimatratze neben dem VW-Bus, und Hund lässt sich gehorsam darauf nieder. Als der Junge verschwunden ist, schiebt sie sich langsam um den Bus herum, bis sie wieder auf der Bastmatte steht. Das ist ihr Terrain, hier ist sie sicher, hier kann ihr nichts passieren. Der unangekündigte Besuch kommt ihr alles andere als gelegen. Sie hat heute noch eine Verabredung, die ihr viel bedeutet. Langsam öffnet sie die Schiebetür des Busses und will hineinsteigen, als Hund leise zu knurren beginnt....



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.