E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Reclams Universal-Bibliothek
Schiller Wallensteins Tod. Ein dramatisches Gedicht
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-15-961292-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Textausgabe mit Anmerkungen/Worterklärungen, Literaturhinweisen und Nachwort - Schiller, Friedrich - 19469
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Reclams Universal-Bibliothek
ISBN: 978-3-15-961292-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Friedrich Schiller (seit 1802: von; 10. 11. 1759 Marbach a. N. - 9. 5. 1805 Weimar) bildet mit Goethe die Kernzelle der Weimarer Klassik, der bedeutendsten deutschen Literaturepoche. Schiller begann als Aufsehen erregender Sturm-und-Drang-Dichter und prägte seit 1795 als Publizist, Theoretiker, Dramatiker und Lyriker das berühmte klassische Weimarer Jahrzehnt. Schillers Dramen gehören noch heute zu den meistgespielten der deutschen Literatur, seine Gedichte, z. B. die Balladen, zählten im 19. Jahrhundert und darüber hinaus zum festen kulturellen Kanon der deutschen Literatur.
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Ein Zimmer zu astrologischen Arbeiten eingerichtet und mit Sphären, Karten, Quadranten und anderm astronomischen Geräte versehen. Der Vorhang von einer Rotunde ist aufgezogen, in welcher die sieben Planetenbilder, jedes in einer Nische, seltsam beleuchtet, zu sehen sind. Seni beobachtet die Sterne, Wallenstein steht vor einer großen, schwarzen Tafel, auf welcher der Planeten Aspekt gezeichnet ist.
Erster Auftritt
Wallenstein. Seni.
WALLENSTEIN.
Lass es jetzt gut sein, Seni. Komm herab.
Der Tag bricht an, und Mars regiert die Stunde.
Es ist nicht gut mehr operieren. Komm!
Wir wissen gnug.
SENI.
Nur noch die Venus lass mich
Betrachten, Hoheit. Eben geht sie auf.5
Wie eine Sonne glänzt sie in dem Osten.
WALLENSTEIN.
Ja, sie ist jetzt in ihrer Erdennäh
Und wirkt herab mit allen ihren Stärken.
(Die Figur auf der Tafel betrachtend.)
Glückseliger Aspekt! So stellt sich endlich
Die große Drei verhängnisvoll zusammen,10
Und beide Segenssterne, Jupiter
Und Venus, nehmen den verderblichen,
Den tückschen Mars in ihre Mitte, zwingen
Den alten Schadenstifter mir zu dienen.
Denn lange war er feindlich mir gesinnt,15
Und schoss mit senkrecht- oder schräger Strahlung
Bald im Gevierten, bald im Doppelschein
Die roten Blitze meinen Sternen zu,
Und störte ihre segenvollen Kräfte.
Jetzt haben sie den alten Feind besiegt,20
Und bringen ihn am Himmel mir gefangen.
SENI.
Und beide große Lumina von keinem
Malefico beleidigt! der Saturn
Unschädlich, machtlos, in cadente domo.
WALLENSTEIN.
Saturnus’ Reich ist aus, der die geheime25
Geburt der Dinge in dem Erdenschoß
Und in den Tiefen des Gemüts beherrscht,
Und über allem, was das Licht scheut, waltet.
Nicht Zeit ists mehr zu brüten und zu sinnen,
Denn Jupiter, der glänzende, regiert30
Und zieht das dunkel zubereitete Werk
Gewaltig in das Reich des Lichts – Jetzt muss
Gehandelt werden, schleunig, eh die Glücks-
Gestalt mir wieder wegflieht überm Haupt,
Denn stets in Wandlung ist der Himmelsbogen.35
(Es geschehen Schläge an die Tür.)
Man pocht. Sieh, wer es ist.
TERZKY
(draußen).Lass öffnen!
WALLENSTEIN.
Es ist Terzky.
Was gibts so Dringendes? Wir sind beschäftigt.
TERZKY
(draußen). Leg alles jetzt beiseit. Ich bitte dich.
Es leidet keinen Aufschub.
WALLENSTEIN.
Öffne, Seni.
(Indem jener dem Terzky aufmacht, zieht Wallenstein den Vorhang vor die Bilder.)
Zweiter Auftritt
Wallenstein. Graf. Terzky.
TERZKY
(tritt ein).
Vernahmst dus schon? Er ist gefangen, ist40
Vom Gallas schon dem Kaiser ausgeliefert!
WALLENSTEIN
(zu Terzky).
Wer ist gefangen? Wer ist ausgeliefert?
TERZKY.
Wer unser ganz Geheimnis weiß, um jede
Verhandlung mit den Schweden weiß und Sachsen,
Durch dessen Hände alles ist gegangen –45
WALLENSTEIN
(zurückfahrend).
Sesin doch nicht? Sag nein, ich bitte dich.
TERZKY.
Grad auf dem Weg nach Regenspurg zum Schweden
Ergriffen ihn des Gallas Abgeschickte,
Der ihm schon lang die Fährte abgelauert.
Mein ganz Paket an Kinsky, Matthes Thurn,50
An Oxenstirn, an Arnheim führt er bei sich,
Das alles ist in ihrer Hand, sie haben
Die Einsicht nun in alles, was geschehn.
Dritter Auftritt
Vorige. Illo kommt.
ILLO
(zu Terzky). Weiß ers?
TERZKY.
Er weiß es.
ILLO
(zu Wallenstein).Denkst du deinen Frieden
Nun noch zu machen mit dem Kaiser, sein55
Vertraun zurückzurufen? wär es auch,
Du wolltest allen Planen jetzt entsagen,
Man weiß, was du gewollt hast. Vorwärts musst du,
Denn rückwärts kannst du nun nicht mehr.
TERZKY.
Sie haben Dokumente gegen uns60
In Händen, die unwidersprechlich zeugen –
WALLENSTEIN.
Von meiner Handschrift nichts. Dich straf ich Lügen.
ILLO.
So? Glaubst du wohl, was dieser da, dein Schwager,
In deinem Namen unterhandelt hat,
Das werde man nicht dir auf Rechnung setzen?65
Dem Schweden soll sein Wort für deines gelten,
Und deinen Wiener Feinden nicht!
TERZKY.
Du gabst nichts Schriftliches – Besinn dich aber,
Wie weit du mündlich gingst mit dem Sesin.
Und wird er schweigen? Wenn er sich mit deinem70
Geheimnis retten kann, wird ers bewahren?
ILLO.
Das fällt dir selbst nicht ein! Und da sie nun
Berichtet sind, wie weit du schon gegangen,
Sprich! was erwartest du? Bewahren kannst du
Nicht länger dein Kommando, ohne Rettung75
Bist du verloren, wenn dus niederlegst.
WALLENSTEIN.
Das Heer ist meine Sicherheit. Das Heer
Verlässt mich nicht. Was sie auch wissen mögen,
Die Macht ist mein, sie müssens niederschlucken,
– Und stell ich Kaution für meine Treu,80
So müssen sie sich ganz zufrieden geben.
ILLO.
Das Heer ist dein; jetzt für den Augenblick
Ists dein; doch zittre vor der langsamen,
Der stillen Macht der Zeit. Vor offenbarer
Gewalt beschützt dich heute noch und morgen85
Der Truppen Gunst; doch gönnst du ihnen Frist,
Sie werden unvermerkt die gute Meinung,
Worauf du jetzo fußest, untergraben,
Dir einen um den andern listig stehlen –
Bis, wenn der große Erdstoß nun geschieht,90
Der treulos mürbe Bau zusammenbricht.
WALLENSTEIN.
Es ist ein böser Zufall!
ILLO.
O! einen glücklichen will ich ihn nennen,
Hat er auf dich die Wirkung, die er soll,
Treibt dich zu schneller Tat – Der schwedsche Oberst –95
WALLENSTEIN.
Er ist gekommen? Weißt du, was er bringt?
ILLO.
Er will nur dir allein sich anvertraun.
WALLENSTEIN.
Ein böser, böser Zufall – Freilich! Freilich!
Sesina weiß zu viel und wird nicht schweigen.
TERZKY.
Er ist ein böhmischer Rebell und Flüchtling,100
Sein Hals ist ihm verwirkt; kann er sich retten
Auf deine Kosten, wird er Anstand nehmen?
Und wenn sie auf der Folter ihn befragen,
Wird er, der Weichling, Stärke gnug besitzen? –
WALLENSTEIN
(in Nachsinnen verloren).
Nicht herzustellen mehr ist das Vertraun.105
Und mag ich handeln, wie ich will, ich werde
Ein Landsverräter ihnen sein und bleiben.
Und kehr ich noch so ehrlich auch zurück
Zu meiner Pflicht, es wird mir nichts mehr helfen –
ILLO.
Verderben wird es dich. Nicht deiner Treu,110
Der Ohnmacht nur wirds zugeschrieben werden.
WALLENSTEIN
(in heftiger Bewegung auf und ab gehend).
Wie? Sollt ichs nun im Ernst erfüllen müssen,
Weil ich zu frei gescherzt mit dem Gedanken?
Verflucht, wer mit dem Teufel spielt! –
ILLO.
Wenns nur dein Spiel gewesen, glaube mir,115
Du wirsts in schwerem Ernste büßen müssen.
WALLENSTEIN.
Und müsst ichs in Erfüllung bringen, jetzt,
Jetzt, da die Macht noch mein ist, müssts geschehn –
ILLO.
Wo möglich, eh sie von dem Schlage sich
In Wien besinnen und zuvor dir kommen –120
WALLENSTEIN
(die Unterschriften betrachtend).
Das Wort der Generale hab ich schriftlich –
Max Piccolomini steht nicht hier. Warum nicht?
TERZKY.
Es war – er meinte –
ILLO.
Bloßer Eigendünkel!
Es brauche das nicht zwischen dir und ihm.
WALLENSTEIN.
Es braucht das nicht, er hat ganz Recht –125
Die Regimenter wollen nicht nach Flandern,
Sie haben eine Schrift mir übersandt,
Und widersetzen laut sich dem Befehl.
Der erste Schritt zum Aufruhr ist geschehn.
ILLO.
Glaub mir, du wirst sie leichter zu dem Feind,130
Als zu dem Spanier...




