E-Book, Deutsch, 700 Seiten
Schindler Die Basis
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-8685-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tarnas B300433-A
E-Book, Deutsch, 700 Seiten
ISBN: 978-3-7534-8685-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dies ist nach den Titeln "Sternenflug", "Drachenfeuer", "Himmelfahrtskommando", "Scheideweg", "Planetarlandung" und "Vorauskommando" die Fortsetzung und zugleich der siebente Band der Geschichte um Marc Ewert und die Mission rund um den extrasolaren Planeten Tarnas B300433-A. Nachdem das Vorauskommando in einer Ebene des extrasolaren Planeten im Schutz einer Gebirgsinsel einen geeigneten Standort für die geplante, große Bodenbasis fand, startet mit deren Errichtung nun die nächste Phase der Tarnas-Mission. Während vom Raumschiff aus in großem Umfang Menschen und Material hinab auf den Planeten geschafft werden, beginnen am Boden die Baumaßnahmen. Sie erweisen sich schon sehr bald als schwierig und äußerst gefährlich. Denn die Basisbauer müssen nicht nur den rauen Bedingungen auf dem Himmelskörper trotzen. Tarnas stellt vielmehr auch keine leere, unbewohnte Welt dar. Seine Lebensformen werden rasch zu einer ständigen Bedrohung für die Menschen und den Baufortschritt. Es kommt zu Zwischenfällen, zu Rückschlägen und sogar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Sicherungs- und Rettungsmissionen werden notwendig. Bald gibt es auch die ersten Opfer. Es sind sehr harte Wochen für die zukünftigen Stationsbewohner. Doch die Mitglieder der Tarnas-Mission, zu denen auch Corporal Marc Ewert und seine Gruppe zählen, stellen sich den komplizierten Bedingungen sowie den Bedrohungen. Dabei erfahren sie immer mehr über den extrasolaren Planeten, auf dessen Boden sie ihre Basis bauen wollen. Sie entdecken in ihm eine Welt voller Fremdartigkeit und Schönheit. Vor allem aber erleben sie ihn als einen Ort voller Gefahren.
Der Autor wurde 1966 in Ostdeutschland (in der ehemaligen DDR) geboren. Nach dem Abschluss der Schule und des Gymnasiums absolvierte er ein vierjähriges Hochschulstudium an der damaligen Offiziershochschule der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee in Löbau zum Panzerkommandeur und erlangte dabei auch den zivilen Abschluss eines Diplom-Ingenieurpädagogen. Im Anschluss an das Hochschulstudium diente er als Leutnant und führte einen Panzerzug. Nach der Wende und der Deutschen Wiedervereinigung war er als Offizier auf Zeit in den Reihen der Panzertruppe der Bundeswehr tätig. Nach Ablauf seiner Dienstjahre verpflichtete er sich nicht weiter, sondern wechselte ins Zivilleben, wo er seitdem als angestellter Zeitungsredakteur bei einem großen deutschen Medienkonzern tätig ist. Peter Schindler ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Er lebt in Thüringen.
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Prolog
Paolo Galante befand sich früh auf den Beinen. Denn nach den Uhren im Stationsmodul war es erst halb sechs am Morgen. Die rund einhundertsechzig Menschen, die sich gegenwärtig auf der Oberfläche des extrasolaren Himmelskörpers namens Tarnas B300433-A aufhielten, orientierten sich an der Zeitrechnung des Raumschiffes, das in sechsunddreißigtausend Kilometern Höhe um den Himmelskörper kreiste. Alles andere machte keinen Sinn. Denn auf dem dritten Planeten des Siriussystems, der sich als extrasolarer Gesteinsplanet mit der Katalognummer B300433-A schmücken durfte und es immerhin auf einen Erdähnlichkeitsindex von 0,87 brachte, dauerten die Tage und Nächte rund dreimal länger als auf der Erde. Das war definitiv zu lang, als dass sich ein Mensch daran gewöhnen konnte. Allerdings musste man sich dann auch damit abfinden, dass zeitlich nichts zusammenpasste. Um das zu erkennen, genügte schon ein einfacher Blick aus dem Fenster. Außerhalb der dicken, gepanzerten Modulwände dämmerte gerade eine neue planetare Nacht herauf, die absolut gar nichts mit der gegenwärtigen Morgenstimmung der Menschen zu tun hatte. Doch Paolo Galante sah nicht aus dem Fenster. Was in der Welt um das Stationsmodul herum vorging, interessierte ihn nur wenig. Sein Job war es, die Dinge innerhalb der 200.000-Tonnen-Konstruktion am Laufen zu halten, die vor zwölf Stunden auf der Oberfläche des Exoplaneten gelandet war und nun das erste Gebäude der menschlichen Bodenbasis namens Azores bildete. Damit hatte er wahrlich genug zu tun, sodass alles andere ihm gestohlen bleiben konnte. Im Moment hätte er es allerdings durchaus begrüßt, wenn die Nacht für ihn deutlich länger ausgefallen wäre. Denn er fühlte sich immer noch von der fürchterlich aufregenden Reise erschöpft, die ihn am Vortag zusammen mit weiteren sechzig Zivilisten und Militärangehörigen vom Raumschiff hier herunter auf den Planeten geführt hatte. Der siebeneinhalbstündige Flug an Bord einer Starlifter-Raumfähre durch gleich fünf dichte Materiegürtel und die stark aufgewühlte Atmosphäre des Tarnas war kein entspanntes Vergnügen gewesen. Und jetzt? Jetzt plagte den graumelierten Italiener eine andere Eigenart des Exoplaneten – dessen Schwerkraft. Die fiel um glatte zehn Prozent höher aus als auf der Erde. Und das merkte man. Von seinem Idealgewicht hatte sich Galante schon vor langer Zeit verabschieden müssen, sich aber an sein kleines Bäuchlein gewöhnt. Nun jedoch machte sich die Wampe sehr viel deutlicher bemerkbar – wie übrigens auch alles andere an seinem Körper. Selbst die Arme fühlten sich irgendwie schwer an, wenn man sie hob. Auf seinem routinemäßigen Morgenrundgang hatte der Leitende Modulmanager inzwischen die beiden Wohndecks, das vollgestopfte Frachtdeck auf Ebene 2 sowie das mit mächtigen Planetar-Fahrzeugen zugestellte Parkdeck ganz unten im Rumpf des Stationsmoduls inspiziert. Nun trottete er etwas missmutig über den breiten Steuerbordkorridor des Wirtschaftsdecks, das sich ganz oben befand. In einer der beiden großen Bordküchen mit angeschlossener Kantine wurde schon gewirtschaftet. Dort bereitete ein vierköpfiges Versorgungsteam mit Unterstützung fleißiger Samson-Arbeitsroboter das Öffnen des Speisesaals für den Frühstücksdurchgang vor. Paolo Galante stellte mit einer gewissen Genugtuung fest, dass es den Leuten keineswegs besser erging als ihm. Die zwei Frauen und die beiden Männer zeigten nicht nur die gleichen Müdigkeitssymptome, sondern nahmen gleich ihm ihr eigenes erhöhtes Körpergewicht bewusst als Ärgernis wahr. Man merkte es ihren eckigen und schleppenden Bewegungen an. „Wie sieht es aus, Riza?“, fragte Galante den Teamchef. „Laufen die Lager- und die Küchensysteme einwandfrei?“ „Ja, es funktioniert alles problemlos“, erwiderte der Gefragte. „Aber kein Wunder, ist ja auch alles noch absolut fabrikneu und wurde nie benutzt. Also keine Bange, wir bekommen die hungrigen Mäuler schon gestopft. Sind ja gegenwärtig nur einhundertsechzig. Da unsere Küche für zweihundert Leute ausgelegt ist, schaffen wir das spielend.“ „Zum Abendbrot könnten es schon deutlich mehr Leute sein“, merkte Paolo Galante an. „Falls das Wetter auf diesem Kack-Planeten halbwegs mitspielt, schicken die heute von der Independence aus die nächste Transportgruppe zu uns hier herunter. Das wären dann die Damen und Herren Stabsleute des Grenadierbataillons. Macht mindestens zweihundertfünfzig Futterverwerter mehr.“ Riza Alan zuckte mit den Schultern. „Wenn die Herrschaften von Küche 2 mitspielen, kriegen wir alle satt. Davon abgesehen, dürfte sich der Appetit der Stabstypen nach ihrer Ankunft eher in Grenzen halten. Denn ich wette, denen wird ihr Flug genauso wenig Spaß machen, wie uns gestern unser Trip.“ Paolo Galante nahm an, dass der Küchenchef mit dieser Annahme gar nicht so falsch lag, ersparte sich aber einen Kommentar. Er setzte stattdessen seinen Rundgang fort und lief seine vorerst letzte Station an – die Sicherheits- und Überwachungszentrale. Sechs zivile Modulüberwachungsspezialisten kümmerten sich in dem großen Raum mit den zahlreichen Überwachungspulten, Holoprojektoren und großformatigen Wandbildschirmen gerade darum, die Technik zum Leben zu erwecken. Paolo Galante wandte sich an die Teamchefin, eine leicht untersetzte Frau in einem zivilen Overall. „Was macht unsere Sicherheit, Damira?“ Die Angesprochene, eine Kirgisin mit stark knochigem Gesicht und schrägstehenden Augen, schürzte die Lippen. „Wir sind noch beim Hochfahren. Die Software führt gerade einen Statustest durch, dürfte aber gleich so weit sein. Doch wie auch immer, die erste Nacht hier unten haben wir heil überstanden. Und das ohne komplette Bereichsüberwachung, ohne durchgehenden Schichtbetrieb und ohne unsere persönliche Anwesenheit in der Zentrale hier. Da kein automatischer Alarm ausgelöst wurde, scheint die Lage mit den hiesigen Planetenbewohnern wohl doch nicht ganz so dramatisch zu sein, wie man gestern beinahe den Eindruck gewinnen konnte. Das gruselige Gebrüll dieser Kreatur nach unserer Landung verfolgte mich die ganze Nacht im Schlaf. Hab mir wieder und wieder vorzustellen versucht, wie dieser lautstarke Krakeeler wohl aussah. Ließ es dann aber doch sein. Man braucht ja schließlich seinen Schlaf.“ Galante nickte. Es hatte eine Zeit gegeben, in der ihm sein Glaube abhandengekommen war, jemals bei Tarnas B300433-A anzukommen. Der tragische Verlust des Schwesterschiffes Antares, der damit verbundene Tod von zwölftausend Menschen, die bewaffneten Auseinandersetzungen mit einem Industriekonsortium namens Draconis und nicht zuletzt die Schwierigkeiten mit dem Exoplaneten selbst, der sich mit fünf orbitalen Asteroidenbändern umgab und so kaum zugänglich war, hatten den Italiener zweifeln lassen. Und doch befand er sich nun hier. Der Gesteinsplanet hatte sie alle überrascht. Denn er barg tatsächlich Leben. Nicht nur primitive Mikroben, sondern Formen von Pflanzen und Tieren, die schon deutlich höherentwickelt waren. Die Wissenschaftler fanden es gut. Nein, für sie stellte es in Wirklichkeit eine absolute Sensation dar. In der Hoffnung, dass alle anderen der Entdeckung ebenfalls eine positive Note abgewinnen konnten, verwiesen sie immer wieder darauf, dass das Vorhandensein solcher Lebensformen auf Bedingungen schließen ließ, die sich halbwegs auch für den Menschen eigneten. Man brauchte den Tarnas. Denn die menschliche Spezies hatte ihren eigenen Heimatplaneten durch Umweltverschmutzung und Überbevölkerung so stark heruntergewirtschaftet, dass die Zustände bereits existenzbedrohend waren. Ein Teil der Menschheit lebte inzwischen in riesigen, orbitalen Habitaten in der Erdumlaufbahn. Zudem gab es Mond- und Marskolonien. Was nichts daran änderte, dass Milliarden Menschen ohne ausreichenden Lebensraum, gute Luft zum Atmen, sauberes Wasser und gesundes Essen auskommen mussten. Ein Ersatzplanet musste her. Man benötigte einen Himmelskörper, der Bedingungen besaß, die trotz der langen Flugzeit von einem Jahr und dreihundert Tagen eine Besiedlung lohnenswert erscheinen ließen. Im Sonnensystem gab es diesen Himmelskörper nicht. Mit der Entdeckung des Heliogantis-Wurmloches und dessen Ausgang im Siriussystem hatte sich der Menschheit dann die Möglichkeit eröffnet, sich in einem anderen Sternensystem umzusehen. Und sie war mit Tarnas B300433-A auf einen möglichen Kandidaten gestoßen. Inzwischen stand fest, dass die Welt des extrasolaren Planeten längst nicht so lebensfeindlich war, wie etwa der Mond oder der Mars. Sie war anderthalbmal größer, als die Erde und besaß doppelt so viel Fläche. Sie bot also Platz. Und auch jede Menge natürliche Ressourcen. Aber sie besaß einen Fehler – sie wurde schon von jemandem bewohnt. Zwar nicht von irgendeiner intelligenten Alienrasse – zumindest hatte man eine solche bisher...




