E-Book, Deutsch, 672 Seiten
Schindler Himmelfahrtskommando
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-7660-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tarnas B300433-A
E-Book, Deutsch, 672 Seiten
ISBN: 978-3-7504-7660-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor wurde 1966 in Ostdeutschland (in der ehemaligen DDR) geboren. Nach dem Abschluss der Schule und des Gymnasiums absolvierte er ein vierjähriges Hochschulstudium an der damaligen Offiziershochschule der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee in Löbau zum Panzerkommandeur und erlangte dabei auch den zivilen Abschluss eines Diplom-Ingenieurpädagogen. Im Anschluss an das Hochschulstudium diente er als Leutnant und führte einen Panzerzug. Nach der Wende und der Deutschen Wiedervereinigung war er als Offizier auf Zeit in den Reihen der Panzertruppe der Bundeswehr tätig. Nach Ablauf seiner Dienstjahre verpflichtete er sich nicht weiter, sondern wechselte ins Zivilleben, wo er seitdem als angestellter Zeitungsredakteur bei einem großen deutschen Medienkonzern tätig ist. Peter Schindler ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Er lebt in Thüringen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2 – Das Vorkommnis
Am nächsten Tag – seinem ersten wirklich freien Tag – ging Marc zunächst einkaufen.
Dieser 31. Oktober war zwar ein Sonntag, doch in den drei großen Marktpassagen auf Rumpfebene 80 hatten trotzdem zahlreiche Geschäfte und Basarstände geöffnet.
Der Starman besorgte sich Lebensmittel und ein paar zivile Kleidungsstücke, um sich ohne Uniform auf dem Schiff bewegen zu können. Nachdem all das erledigt war, ging es bereits auf den frühen Nachmittag zu. Die restliche Zeit bis zum Abend wollte er für ein Lauftraining nutzen, das erste nach einer sehr langen Pause mit vielen dramatischen und tragischen Ereignissen.
Als Laufstrecke wählte er einen der mit einer riesigen Glaskuppel überdachten Landschaftsparke.
Das Interstellarschiff verfügte über insgesamt dreißig gläserne Kuppeln, die im Bereich der Arbeitssektion reihenweise wie Nieten aus dem gewaltigen Titanrumpf herausragten. Jede dieser Kuppeln besaß einen Innendurchmesser von einhundertvierundsechzig Metern und eine lichte Höhe von vierundzwanzig Metern.
Eine von ihnen bildete das Dach des Amphitheaters, das Platz für sämtliche zwölftausend Menschen an Bord der bot. Alle anderen stellten mehr oder weniger thematische Parks dar, wobei das Angebot von einem Vergnügungspark mit Riesenrad und weiteren diversen Fahrgeschäften bis hin zu Landschaftsparks reichte, die sich in ihrer Gestaltung an verschiedenen Klimazonen der Erde orientierten.
Es gab allerdings auch die Imitation eines barocken Schlossparks sowie einen Japanischen und einen Chinesischen Garten.
Der Starman überlegte, seinen Lauf im Subtropenpark zu absolvieren, der auf Rumpfebene 1 mit elf weiteren, unterschiedlichen Landschaftsanlagen aus der Unterseite des gewaltigen Raumschiffes herausragte. Er hatte an Bord der in diesem Park mit seinen knallroten Flammenbrotbäumen und dem duftenden Jasmin eine Menge Zeit verbracht. Nicht allein, sondern zusammen mit Yini Chang. Die gemeinsamen Stunden mit der Chinesin stellten eine schöne Erinnerung dar. Seit ihrem Tod und dem Ende der aber auch eine sehr Schmerzhafte.
Die besaß ebenfalls einen solchen Subtropenpark – mit weitgehend ähnlichem Aufbau und ebenfalls an der Unterseite des Schiffsrumpfes liegend.
Dorthin war Marc nun unterwegs. Als er die subtropische Landschaft betrat, schlugen ihm schwülwarme Luft und der vertraute schwere Geruch der Pflanzen entgegen. Beides ließ die Erinnerungen wieder hochkommen. Erinnerungen, die wehtaten.
Der Starman hielt die aufsteigenden Bilder nicht sehr lange aus. Er verließ die Landschaftskuppel an der Unterseite des Raumschiffes beinahe fluchtartig wieder. In dem plötzlichen Drang, möglichst viel Abstand zwischen sich und diesen Ort zu bringen, fuhr er mit einem der Vertikallifte achtzig Rumpfdecks aufwärts – bis ganz nach oben.
Auf diese Weise fand er sich schließlich in einer Landschaftkuppel auf der Oberseite der wieder. Und dabei in einem grün wuchernden Park, in dem es noch schwüler und noch heißer war, da er den Besucher in die Tropen entführte. Auch hier gab es den starken Duft großer Pflanzen. Doch er war ein anderer und beschwor keine traurigen Bilder herauf.
Der Deutsche begann seinen Lauf. Während er auf schmalen Pfaden keuchend zwischen großen Mahagonis, hohen Kapokbäumen und prachtvoll bunten Orchideenstauden hindurchlief, stellte er rasch fest, dass die Geschehnisse der zurückliegenden Wochen immer noch ihren Tribut forderten. Er würde wohl noch einige Zeit brauchen, um zu seiner alten Kondition zurückzufinden.
Normalerweise wurde es nach den ersten beiden Kilometern besser, doch dieses Mal wollte sich dieser Effekt nicht einstellen.
Als der Starman seine zehn Runden auf dem Ringweg am Außenrand des Parks hinter sich hatte, war er völlig ausgepumpt. An seinen Beinen schienen Bleigewichte zu hängen. Trotzdem zwang er sich dazu, den Lauf über die diagonalen Wege mitten durch die Landschaft noch zu Ende zu bringen.
Im Zentrum des Parks, direkt unter der künstlichen Sonne am Mittelpunkt der gläsernen Kuppel, befand sich neben einem Teich eine kleine Bar unter Palmen.
Direkt am Teichufer ließ Marc sich erschöpft auf eine Bank sinken, um wieder zu Atem zu kommen. Während sich sein jagender Puls langsam beruhigte, starrte er auf das Gewässer und stellte fest, dass er in diesem etwas vermisste. Nach einer Weile kam er auch darauf, was es war. Es gab zwar jede Menge Pflanzen in dem Teich, doch es fehlten die farbenprächtigen Fische.
Einen echten Blickfang bildete dagegen eine große, tropische Pflanze direkt am Uferbereich, die sich mehr als zwei Meter an einem Ziergitter emporrankte und auffällige orangerote Blüten von beinahe zwanzig Zentimetern Durchmesser besaß.
Der Deutsche war nicht gerade ein großer Pflanzenkenner und wusste daher nicht, dass er eine Passionsblume vor sich hatte. Aus diesem Grund erlosch sein Interesse an dem Gewächs auch ziemlich rasch, und er wandte seine Aufmerksamkeit der Bar zu.
Dort wurden kühle Getränke ausgeschenkt.
Da er nach seinem schweißtreibenden Lauf etwas Flüssigkeit gebrauchen konnte, erhob Marc sich, blieb aber nach zwei Schritten wieder stehen.
An der Bartheke gab es unter einem schattenspendenden Vordach mehrere spärlich besetzte Barhocker.
Zwei der dort sitzenden Gäste, eine Frau und ein Mann, stachen dem Deutschen sofort ins Auge. Er beobachtete sie eine Weile und war sich schließlich sicher, dass es sich bei der Frau um Captain Aiyana Rayen handelte. Jene Aiyana Rayen, von der er sich erst am gestrigen Tag in der Annahme verabschiedet hatte, ihr nicht noch einmal zu begegnen. Nun jedoch – nicht einmal vierundzwanzig Stunden später – entdeckte er sie hier in diesem Park. Marc war kein Mensch, der an irgendeine Vorsehung oder ein vorbestimmtes Schicksal glaubte. Das Ganze stellte schlicht einen Zufall dar, wie er eben manchmal vorkam. Vor allem in einer so räumlich begrenzten Welt, wie einem Raumschiff.
Aiyana Rayen trug keine Uniform, sondern ein schlichtes T-Shirt sowie eine Hose mit über den Knien abgeschnittenen Hosenbeinen. In dieser Aufmachung glich sie eher einer Studentin, als einem weiblichen Offizier der Solaren Bodenstreitkräfte, der bereits den Rang eines Captains bekleidete. Sie sprach gerade eindringlich auf einen Mann ein, der schon etwas älter sein musste, da er bereits graues Haar besaß.
Auffallend war auch die kleine, sehnige Statur von Rayens Gesprächspartner, die in einem eleganten Anzug mit schwarzer Hose und weißem Hemd steckte. Seine Jacke hatte der Mann über einen anderen Barhocker gelegt und die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Hier, im tropischen Park, musste ihm trotzdem sehr warm sein.
Obwohl Marc den Mann momentan nur von hinten sehen konnte, kam er ihm irgendwie bekannt vor.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sich der Beobachtete auf seinem Barhocker etwas herum- und dabei direkt der Kundschafterin zudrehte. Er nickte im Anschluss mehrmals heftig mit dem Kopf und lachte.
In diesem Moment erkannte Marc ihn.
Es handelte sich um das Mitglied des Solaren Unionsrates und der Schiffsführung der , Okuma Tessai. Der kleine asketische Japaner, der im Prozess gegen den Deutschen im Richtergremium gesessen hatte, beugte sich jetzt zu Aiyana Rayen hinüber und sagte leise etwas zu ihr.
Seine Worte brachten sie zu einem leichten Lächeln.
Die sichtbare Vertrautheit zwischen den beiden versetzte Marc einen Stich. Und sie warf Fragen auf. Was hatte die Kundschafterin mit Tessai zu schaffen? Warum und woher kannten die beiden sich? So vertraut, wie sie sich miteinander unterhielten, konnte es kaum das erste Gespräch zwischen ihnen sein.
In der Fantasie des Starmans entwickelten sich verschiedene Szenarien.
Hatten Aiyana Rayen und Okuma Tessai möglicherweise ein Verhältnis miteinander? Grundsätzlich ausschließen konnte man so etwas nicht. Gut, der Japaner wirkte mit seiner geringen Körpergröße und seiner asketischen Statur nicht gerade wie ein Adonis. Sehr wahrscheinlich aber besaß er andere Qualitäten, die eine Frau anzogen. Wie etwa Intelligenz und Redegewandtheit. Er verfügte mit Sicherheit über das, was man gemeinhin als Esprit bezeichnete.
Zudem gab es genügend Frauen, die auf reife, ältere Männer standen. Vielleicht gehörte Aiyana Rayen ja zu ihnen.
, durchzuckte es den Deutschen plötzlich. Was die Kundschafterin und der Japaner taten oder miteinander hatten, ging ihn absolut nichts an. Er schämte sich einen Moment lang vor sich selbst. Dann jedoch starrte er wieder zur Bar hinüber.
Auf der Bartheke zwischen Okuma Tessai und der Kundschafterin lag ein elektronischer Aufzeichner, auf dessen Anzeige die beiden jetzt etwas durchgingen.
Was sie wohl zu bereden haben mochten? Etwas Dienstliches? Oder stellte das hier doch eher ein privates Treffen...




