E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: GU New Adult
Schira Stronger Than Ever
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8338-9553-1
Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: GU New Adult
ISBN: 978-3-8338-9553-1
Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Larissa Schira, geb. 1995, hat an der Universität Nürnberg Grundschullehramt studiert und ihr Staatsexamen in pädagogischer Psychologie geschrieben. Sie arbeitet jedoch nicht als Lehrerin, sondern hat sich als freie Lektorin selbstständig gemacht. Sie gewann einen Romance-Wettbewerb von Carlsen Impress, wo 2021ihr Siegertitel herauskam, 2023 erschien eine Young-Adult Christmas Romance bei Lübbe One, 2024 folgt dort ein weiteres Jugendbuch. Larissa Schira lebt mit ihrem Mann bei Nürnberg.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Hinweis zur Optimierung
Impressum
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Epilog
Sensible Themen
Hilfsangebote
Danksagung
Schon ausgelesen?
Die einzigartige Romance-Generation bei GU
Larissa Schira
2. KAPITEL
Ryan
Der Fahrer öffnet mir die Tür. Instinktiv kneife ich die Augen zusammen, als das Blitzlichtgewitter über mich hereinbricht. Verdammt, ist das hell! Ich zwinge mich, die Lider wieder aufzureißen, setze das Zahnpastalächeln auf, das Harold mir beigebracht hat, und springe aus dem weißen Jaguar.
Sofort wird es dunkler. Nicht dass meine Augen sich so schnell an die Blitze gewöhnt hätten. Die Reporter haben nur aufgehört zu fotografieren. Sie scheinen bemerkt zu haben, wen sie vor sich haben. Oder eher das Gegenteil davon – dass sie keinen blassen Schimmer haben, wer dieser herausgeputzte Kerl im königsblauen Smoking ist.
Ihren enttäuschten Gesichtern nach zu urteilen, tippen die meisten wohl auf ein verwöhntes Millionärssöhnchen. So leicht lasse ich mich aber nicht beirren. Ich setze ihrer Enttäuschung ein freundliches Nicken entgegen, warte, bis Nick hinter mir vom Rücksitz gerobbt ist, und wünsche den Fotografen einen guten Abend, während ich langsam den roten Teppich entlangschreite.
So unangenehm. Was hat Harold sich nur dabei gedacht, nicht nur für diese Premiere, sondern auch für den anschließenden Empfang zuzusagen, ohne mich vorher zu fragen? Ich hätte ihm gleich verraten können, wie das enden wird.
Zwei einzelne Kameras blitzen auf.
»Ryan! Mr Morley, hier drüben! Würden Sie mir eine Frage beantworten?«
Halleluja. Ich muss mich beherrschen, mir meine Erleichterung nicht anmerken zu lassen. So wird dieser Auftritt immerhin kein kompletter Reinfall werden.
Ich bleibe vor der Reporterin im schicken weißen Kleid stehen. Das plüschige Mikrofon, das sie in der Hand hält, erinnert mich an einen Staubwedel.
»Natürlich! Wie kann ich Ihnen helfen?«, frage ich so charmant wie möglich.
»Wie haben Sie den Film erlebt?«
Optimal. Darüber könnte ich stundenlang reden. »Ich fand die Umsetzung wirklich gelungen. Im Vorfeld hab ich mich schon über Wochen intensiv mit dem Fall befasst. Deswegen kann ich sagen, dass sich sowohl die Darstellung des Täters als auch der Opfer sehr nahe an den realen Personen hält. Dadurch war die Atmosphäre so dicht, erschreckend und gleichzeitig faszinierend, dass ich zwischendurch sogar vergessen habe, dass ich hier einen inszenierten Film ansehe und nicht das echte Geschehen mitverfolge.«
»Also würden Sie den Film Ihren Fans weiterempfehlen?«
»Definitiv. Ich werde in den nächsten Tagen eine ausführliche Filmreview hochladen.«
Ich suche ihre Kleidung und ihr Mikro nach einem Hinweis auf ihren Arbeitgeber ab, kann aber nichts entdecken. Egal. Hoffentlich sendet sie das einfach und erreicht wenigstens ein paar Leute damit.
»Und stimmt es, was man sich erzählt?«
Diese Frage kann nichts Gutes bedeuten. Aber ich weiß nicht genau, worauf sie anspielt. »Was erzählt man sich denn?«, frage ich so höflich, wie es nur möglich ist.
»Dass Sie und Katie ein Paar sind?«
Was … Ich brauche einen Moment zu lange, um auf diese absolut bescheuerte Frage zu reagieren.
»Ich … nein … natürlich nicht!«, rufe ich eine Spur zu laut und versuche, es mit einem Lachen zu überspielen, das jedoch so künstlich klingt, dass ich sofort verstumme.
Sie starrt mich mit großen Augen an. Hoffentlich interpretiert sie mein Gestotter nicht falsch.
Während meine Wangen zu glühen beginnen, füge ich hinzu: »Ich bin Katie vor ein paar Wochen zum ersten und einzigen Mal bei einer Gala begegnet. Wir haben ungefähr fünf Sätze miteinander ausgetauscht.« Wie kommt die Reporterin überhaupt auf die Idee, dass wir ein Paar sein könnten?
»Ach so.« Sie lässt das Mikrofon sinken. »Das war ’s auch schon. Danke für Ihre Zeit!«
Ich wende mich ab und laufe weiter, um die Hitze in meinen Wangen zurückzudrängen.
»Alter, was war das denn?«, zischt Nick von hinten.
»Diese Frage? Ach, du weißt doch, wie das läuft. Jeder will die neueste Schlagzeile entdecken.«
»Aber was soll so was denn? Versuchen die wirklich, dir mit jeder Person, mit der du mal zufällig auf einem Foto zu sehen bist, eine Lovestory anzudichten?«
Ich zucke mit den Schultern. »Vermutlich. Laut Inside London bin ich ja sogar mit Katie verlobt.«
»Welche Katie überhaupt? Katie Benson? Dieses Model?«
Ein groß gewachsener Reporter schiebt sich zwischen den anderen nach vorn und hält mir sein kleines Diktiergerät unter die Nase. So ein Ding habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. »Ich hätte auch noch eine Frage. Woher kennt man Sie denn?«
Enttäuschung flutet meine Adern. Die einzige Frage, von der ich gehofft habe, sie heute nicht gestellt zu bekommen. Ich hätte lieber zu Hause bleiben, mich mit Chips und Cola ins Studio verziehen und für den neuen Fall weiter recherchieren sollen.
»Mein True-Crime-Podcast Secrets in the Silence wird auf der ganzen Welt gestreamt. Deswegen bin ich kurz davor, die Eine-Million-Follower-Marke bei Instagram zu knacken.«
»Also schon wieder einer von diesen Influencern«, murmelt der Reporter und drückt einen Knopf an seinem Diktiergerät.
Er kann nicht wissen, dass er damit einen wunden Punkt trifft. Ich atme tief durch und versuche, die Worte, die mir auf der Zunge liegen, hinunterzuschlucken.
Als hätte ich das jemals hingekriegt.
»Definiert sich ein Influencer nicht eher dadurch, dass er vor allem durch seine auffallende Persönlichkeit bekannt ist und nichts weiter macht, als Social-Media-Content zu produzieren?«, entgegne ich.
Der Reporter blinzelt und richtet seine altmodische Krawatte. »Also genau das, was Sie mir gerade erzählt haben.«
Ich lächle und schüttle den Kopf. »Das wird leider oft verwechselt. Aber nein. Die Leute folgen mir in den sozialen Medien, weil sie meinen Podcast mögen. Und in diesem Podcast steckt richtig viel Arbeit. Ich recherchiere teilweise wochenlang, bereite die Fälle akribisch auf und dann …«
»Ist gut, Junge. Hab schon verstanden.«
Bevor ich noch etwas erwidern kann, dreht er sich wieder um und verschwindet zwischen den anderen Journalisten. Voller Verständnislosigkeit und Frust sehe ich ihm hinterher.
Nick zieht mich sanft am Arm. »Komm, lass den einfach. Hilft doch nix.« Wie recht er damit hat.
Niemand möchte uns noch Fragen stellen, während wir den Rest des roten Teppichs überqueren und in die große Galahalle treten.
Lautes Stimmengewirr empfängt uns. Unschlüssig bleibe ich stehen und sehe mich um. Obwohl ich nicht genau weiß, wo ich hingehen soll, erkenne ich sofort, dass es sich gelohnt hat, hierherzukommen.
Die prunkvollen Kronleuchter an der hohen Decke, die jemand mit einem Kran hochgehoben haben muss, bilden einen beeindruckenden Kontrast zum modern gestalteten Empfangsbereich. Ich entscheide mich für einen der äußeren Stehtische, der mit einem weißen Tuch umspannt ist. Von dort aus kann ich gut beobachten, wer sich hier noch so herumtreibt, ohne selbst auf dem Präsentierteller zu sitzen. Erst jetzt fällt mir die seichte Klaviermusik auf, die die unzähligen Gespräche leise untermalt.
Vorsichtig ziehe ich mein Handy ein Stück weit aus der Anzugtasche. Kein verpasster Anruf, keine neue Nachricht. Trotzdem nehme ich es heraus und schieße ein paar Fotos für meine Instagram-Story, bevor ich es wieder verschwinden lasse.
Nick steht mir gegenüber, zieht die lächerlich kleine Fliege an seinem Kragen zurecht und streicht sich eine blonde Strähne aus der Stirn. »Puh, ich könnte langsam echt was zu futtern vertragen.«
Wie auf Kommando taucht ein junger Mann in einem schwarzen Anzug neben ihm auf und hält ein Tablett zwischen uns. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, er hätte sich gerade erst neben uns materialisiert.
»Canapés?«, fragt er.
Ich muss nicht lange überlegen. Beim Anblick der kleinen Häppchen zieht sich mein Magen sehnsüchtig zusammen.
Nick greift nach etwas, das wie ein Mini-Yorkshire-Pudding aussieht, und einem Garnelenspieß. Der Kellner stoppt ihn jedoch und drückt ihm zuerst ein Tuch in die Hand.
Ich lasse mir ebenfalls eines reichen, um bei den Roastbeef-Röllchen und den Gläschen mit Minilöffel und einer seltsamen, rosafarbenen Creme zuzuschlagen – die Avocadostückchen darauf wirken zu verlockend.
In weiser Vorausahnung platziere ich mein Tuch auf dem Tisch und lege die Köstlichkeiten dort ab. Nick dagegen hat den Mund voller Garnelen, als eine weitere Kellnerin herbeieilt und uns eine Auswahl an Drinks von ihrem Tablett anbietet.
Während Nick sich für Champagner entscheidet, wähle ich das alkoholfreie Getränk. Irgendwas mit Minze und Limette. Heute ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren.
»Hast du schon jemanden entdeckt?«, flüstere ich, als die Bedienungen sich zum nächsten Tisch aufgemacht haben.
»Ich? Wie denn? Alles, was ich sehe, ist dieses seltsame Gemälde hinter dir – und natürlich das wunderbarste Kunstwerk überhaupt – dein zauberhaftes Antlitz.«
Ich überlege kurz, eine Avocadospalte nach ihm zu werfen, erinnere mich aber rechtzeitig daran, wo wir gerade sind. Außerdem wäre es viel zu schade, diese perfekt gereifte Avocado wegen ihm zu verschwenden.
Wozu habe ich ihn eigentlich gecoacht?
»Hätte ja sein können, dass du beim Reingehen nicht nur Frauen auf den Hintern geguckt hast«, erwidere ich grinsend.
...



