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Schlegel / Leimbach | Großmütter und Hebammen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

Schlegel / Leimbach Großmütter und Hebammen

Lengsfelder Geschichten VI
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7460-7098-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Lengsfelder Geschichten VI

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

ISBN: 978-3-7460-7098-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das vorliegende Buch ist ein gemeinsames, sechstes Opus von Rolf Leimbach und Rolf Schlegel zur Geschichte ihres Heimatortes Stadtlengsfeld. Viele Ereignisse und Personen wurden berücksichtigt, aufgearbeitet und auf die vorliegende Weise einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Der Inhalt basiert auf einer Fülle historischer Daten, auf persönlichen Lebensläufen sowie auf Gesprächen mit Zeitzeugen. Die populären Darstellungen zielen auf einen großen Leserkreis ab, v. a. auf Bürger von Stadtlengsfeld, Weilar, Gehaus oder Geisa, auf Heimatforscher, auf Lehrer und Schüler. Eintausend Jahre Geschichte eines kleinen Städtchens in der Rhön bieten genügend Stoff für Anekdoten, kuriose Begebenheiten und Intrigen. Sie bieten Anlass zum Staunen und Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken! Die souveräne Auswahl der Themen, Sortierung und ihre prägnante Abhandlung lassen Sachverstand und nötiges Einfühlungsvermögen der Autoren erkennen. Dass schon früh die Christianisierung der Rhön begann,, dass Juden enorm zum Ruf des Ortes beitrugen - einer sogar Hochhäuser in Amerika baute - und dass Hebammen maßgeblich zur stabilen Bevölkerung des Ortes beitrugen, sind nur einige von vielen Enthüllungen, die dieser Band enthält.

Prof. Rolf Schlegel, ist Emeritus für Zytogenetik, Genetik und Pflanzenzüchtung, nach über 40 Jahren Erfahrung in Forschung und Lehre. Er ist Autor von mehr als 200 wissenschaftlichen Publikationen und anderen Abhandlungen, Koordinator internationaler Forschungsprojekte und Mitglied mehrerer internationaler Organisationen. Er veröffentlichte bereits erfolgreich fünf Fachbücher in englischer Sprache, herausgegeben von drei amerikanischen Verlagen. Rolf Schlegel diplomierte 1970 auf dem Gebiet der Genetik und Pflanzenzüchtung und promovierte 1973. Die Habilitation (Dr. sc.) folgte 1982. Er war langjährig an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem Institut für Genetik und Kulturpflanzenforschung der Akademie der Wissenschaften, in Gatersleben, dem Institut für Getreide- und Sonnenblumen-Forschung, Dobrich/Varna sowie dem Institut für Biotechnologie der Bulgarischen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, Kostinbrod/Sofia tätig, darüber hinaus an verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen der USA, Brasilien, England, Japan, Russland und anderer Länder. Seit geraumer Zeit hat er die Ahnenforschung seines Heimatortes Stadtlengsfeld zur Freizeitbeschäftigung gemacht. Dabei entstand eine Datei von mehr als 45.000 Personeneinträgen aus der mehr als tausendjährigen Geschichte des Ortes. Die Schicksale der Menschen und deren Leben bieten Stoff für eine Vielzahl von Geschichten und historischen Darstellungen. Diese einem breiten Publikum kundzutun, ist eine Passion des Autors.
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Christianisierung der Rhön


Im altgermanischen Heidentum verehrte man heilige Orte, Götzen und Gottheiten. Haine oder auch einzeln stehende, recht breitkronige Bäume wurden mit Vorliebe ausgewählt. Der Eiche mit ihren immergrünen Misteln gab man im Tullifeld und Frankonien den Vorzug. Manchmal war es auch ein „gewiehter Born“, eine geweihte Quelle. Ein „Quieteborn“ gibt es noch immer bei Kaltennordheim. In der Nähe von Stadtlengsfeld, nahe Lenders gibt es den Bilstein, ein erodierter Vulkanschlot. Daneben fließt der „Bilstenborn“, der ähnlichen Ritualen diente.

Man geht heute davon aus, dass die Rhön zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert von den Franken kolonisiert wurde. Im Jahr 531 besiegte der Frankenkönig Theoderich im Bündnis mit den Sachsen bei Runibergun (Ronneberge bei Burgscheidungen an der Unstrut) die Thüringer. Schon Chlodwig I. hatte die Thüringer im Jahr 491 mit einem gewaltigen und grausamen Heer heimgesucht. [2]

Ziemlich sicher ist, dass mit dem 6. Jahrhundert die Franken das Fuldaer Land und die Rhön besiedeln. Sie kamen zunächst als politische Eroberer. Später waren sie Träger des Christentums und Gründer von Siedlungen. Ortsnamen auf (hus oder huson) deuten auf Gründung in fränkischer Zeit hin. Neben Frankenheim sind die Ortsnamen Völkershausen, Gehaus, Urnshausen, Bernshausen, Hümpfershausen, Friedelshausen, Öpfershausen, Aschenhausen, Erbenhausen beredte Zeugnisse der fränkischen Siedlungsgeschichte.

Es kommt zur weiteren Eingliederung Thüringens in das Fränkisch-Karolingische Reich. Die Karolinger gehen aus den Pippiniden, Langobarden und Bayern hervor. Nach dem Tod von Theoderich IV. im Jahr 737 übernahmen mit Karl Martell Hausmeier und eine längere Folge seiner Nachfahren die Macht der Franken (vgl. Anhang). Die Karolinger starben im 10. Jahrhundert vollständig aus.

Ausschnitt aus einer Landkarte „Deutschland unterer den sächsischen und fränkischen Kaisern bis zu den Hohenstaufen“. Quelle: K. Spruner von Merz, 1884, aus D. Ramsey Map Collection 2016, modifiziert

Im Jahr 782 führte Karl der Große die fränkische Grafschaftsverfassung ein und ernannte auf dem Reichstag in Lippspringe sächsische Adelige zu Grafen. Die Grenzen einer Grafschaft orientierten sich oft, aber nicht immer an den alten Gaugrenzen. Als Vertreter des Herrschers übte der Graf alle hoheitliche Gewalt aus, denn man unterschied noch nicht zwischen rechtsprechender und verwaltender Instanz. Er hatte somit die Verantwortung für die Rechtspflege, war militärischer Befehlshaber und wachte über die Leistungen öffentlicher Dienste und Abgaben.

Die Gauverfassung ist altgermanisch. Karl der Große (747-814) wandelte die Gaue nach und nach in Grafschaften um, d. h. Verwaltungsbezirke, an deren Spitze je ein Gaugraf stand (vgl. Abb. 1). Aus dieser Zeit stammt auch eine Schenkungsurkunde an die Abtei Hersfeld. Der erste von ihnen in der Region war Poppo von Henneberg, verantwortlich für das Grabfeld und somit auch für das Tullifeld. Zur Schlichtung von üblichen Grenzstreitigkeiten hielt er am 20. Februar 825 erstmals in Geismar ein öffentliches Gaugericht für das Tullifeld ab.

Die Henneberger beseelten auf lange Zeit das Feldatal. Sie treten zuerst als Gaugrafen auf und zählen zu den ältesten Geschlechtern Deutschlands. Das Tullifeld geriet im 9. und 10. Jahrhundert in ihren erblichen Besitz. Erpho I. von Neidhardshausen aus ebendiesem Geschlecht erbte um 1130 das Oberamt Fischberg. Nicht für lange. Die Nachkommen Erphos verloren schon 1214 das Oberamt und später den Besitz an Abt Heinrich III. von Fulda und die Frankensteiner.

Letztere behielten ihren Besitz im Feldatal auch nur etwa 100 Jahre. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 1295 verloren sie ihn an Fulda. Reste des Besitzes erwarb König Adolf 1317 für 450 Heller. Zum Schluss im Jahr 1326 kam Dermbach an die Fuldaer. Der Abt verlegt damit den Sitz des Amtes von Dermbach in die Burg Fischberg, oberhalb von Diedorf. Dort standen seinerzeit noch andere Zwingburgen, wie die Sachsenburg am Gerstengrund, die Röter- und Hessenburg.

Alle sog. Waldgaue wurden dem Grabfeld angegliedert. In späteren Urkunden erscheinen sie immer wieder als sogenannte Untergaue: Buchonia (Buchenland), Tullifeld (Föhrengau), Baringau (Eibengau), Aschfeld (Eschengau). Die älteste Bezeichnung unserer Heimat stammt somit aus dem Jahr 744, dem Gründungsjahr des Klosters Fulda unter dem Heiligen Sturmius: Tullifeld. Der Name hat sich bis in die Gegenwart erhalten in „Tollfeld“ oder „Tollifeld“ – volkstümlicher Name für den Feldagrund, einschließlich des Ulstertals, insbesondere das Gebiet um Zella und Dermbach. [1]

Die Christianisierung des nachmaligen Deutschlands verlief in mehreren Schüben. In den römischen Provinzen Germaniens lebten schon im 2. Jahrhundert Christen. Das frühe Christentum dürfte die Völkerwanderungszeit jedoch nur vereinzelt überlebt haben. Ab dem 7. Jahrhundert kamen iro-schottische Missionare auf das europäische Festland1. Sie wurden im 8. Jahrhundert von angelsächsischen Mönchen abgelöst. Die fränkische Reichskirche war Träger der Christianisierung der Sachsen und der westlichen Slawen im 9. Jahrhundert.

Der erste Versuch im Bereich der Rhön ein der römischen Kirche verbundenes Benediktinerkloster zu errichten, fällt in das Jahr 716. In diesem Jahr schenkte der fränkisch-thüringische „“ Hetan II. dem angelsächsischen Missionar Willibrord Land bei Hammelburg zur Klostergründung. [7] Aus unbekannten Gründen unterblieb die Gründung aber. Erfolgreich war jedoch die Gründung von Kloster Fulda im Jahr 744 durch Bonifatius (vgl. Anhang 1).

Um die Mitte des 8. Jahrhunderts beginnt die Christianisierung unseres Rhöngebietes, maßgeblich befördert durch die Klostergründungen von Fulda und Hersfeld. In der Schenkungsurkunde Karls des Großen vom 31. August 786 an das Kloster Hersfeld wird zwar Lengsfeld nicht explizit genannt, wohl aber

Angeblich ältestes Massivhaus von Stadtlengsfeld (Mitte), die sog. Kemnate, oberhalb des Marktes; Fundamente mit hellem behauenem Sandstein aus dem Mittelalter; später mehrfach umgebaut und renoviert. Quelle: Archiv R. Schlegel, 2015

Orte der Stadtlengsfelder Umgebung, u. a. Steinfeld (später Wölferbütt), Öchsen- und Dietrichsberg, Badelachen, Schlägelbach und die Felda (vgl. Lengsfelder Geschichten II). [3,4] In einem Vertrag von Retzbach (827) wird auch die Meierei „Vahche“ (Vacha) erwähnt, die der Fuldaer Abt Ratgar erwarb.

Mit der Gründung des Bistums Würzburg (um 742) begann die eigentlich kirchliche Organisation unseres Raums. Fast die ganze (katholische) Rhön gehörte bis zur Errichtung der Diözese Fulda 1752 kirchlich zu Würzburg. Zur Gründungsausstattung des Bistums Würzburg gehörten die königlichen Eigenkirchen von Hammelburg, Brendlorenzen, Mellrichstadt, Königshofen und Untereßfeld. Damit war der Keim für die spätere Ausbildung der Würzburger Landesherrschaft gelegt. Der Aufbau einer dem Bischof allein unterstehenden Pfarrorganisation mit Pfarrzwang kam erst im 11. Jahrhundert zum Abschluss. Bis dahin gab es neben den bischöflichen Kirchen und Klöstern weiterhin adelige. Die Ausbildung eines breiten, verinnerlichten, von allen Schichten getragenen kirchlichen Lebens ist vor allem auf das Wirken der Bettelorden (Dominikaner, Franziskaner, Karmeliter etc.) ab dem 13. Jahrhundert zurückzuführen.

Von Fulda wurden durch Abt Raban (822-844) regelrecht Mönche ausgesandt, um Kolonien im Grenzland zu gründen. Sie sollten dem Volk das Evangelium verkünden und es für die Kultur empfänglich machen. Zella war eine solche Kolonie. Um das Jahr 837 besaß Zella schon Ländereien in der Umgebung bis nach Roßdorf () und Urnshausen (). Das Land an der Felda war natürlich schon vor der neuen Zeitrechnung von keltischen Stämmen bewohnt. Sie verließen das Land gegen Ende des letzten Jahrhunderts vor der Zeitrechnung. Ihnen folgten die Hermunduren, die sich im Lauf der Zeit mit den Alemannen vermischten. Chlodwig, der Gründer des Frankenreiches, besiegte sie im Jahre 496 in einer bedeutsamen Schlacht im Elsass. So wurden auch die Alemannen der Rhöngegend zu d. h. zu zinspflichtigen Untertanen. Dennoch hinterließen sie Orts- und Flussbezeichnungen, die noch heute fortleben. Das altgermanische Wort „affa“ weist auf ein Gewässer, Bach oder Fluss hin. Der Wortstamm wandelte sich u. a. zu „aha“, „acha“ oder „ach“. Diese Silben sind z. B. in Hulstraha (Ulster) und Geisaha (Geisa) und Vahche (Vacha) enthalten, vielleicht sogar in Feldaha (Felda).

Die...



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