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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten
Reihe: UnderDocks-Reihe
Schlüter Das Auge der Fliege Die UnderDocks 2
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-423-42540-7
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten
Reihe: UnderDocks-Reihe
ISBN: 978-3-423-42540-7
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Andreas Schlüter wurde 1958 in Hamburg geboren und begann nach dem Abitur eine Lehre als Großhandelskaufmann. Bevor er mit seiner journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit begann, arbeitete er noch als Betreuer von Kinder- und Jugendgruppen. Nach einer Zeit bei der >Hamburger Rundschau< gründete er 1990 mit Kollegen das Journalistenbüro >SIGNUM< Medienservice, wo er auch als Redakteur für verschiedene Fernsehanstalten tätig war. Mittlerweile widmet er dem Schreiben von Büchern die meiste Zeit. Nach einigen Kurzkrimis, die er 1993 veröffentlichte, kam der große Erfolg ein Jahr später mit seinem ersten Kinderroman >Level 4 - Die Stadt der Kinder< (dtv junior 70459). In der spannenden Erzählung werden Computerspiel und Realität auf faszinierende grenzüberschreitende Art miteinander verknüpft und damit hat Schlüter den Nerv der Jugendlichen getroffen. Seine Protagonisten sind keine kleinen Superhelden, sondern ganz normale Kids, denen es stets ohne die Hilfe von Erwachsenen, aber dafür mit gegenseitiger Unterstützung gelingt, Probleme zu lösen und sich aus gefährlichen Situationen zu befreien. »Ich mache keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Ich nehme sie gleich ernst.« Denn Kinder sind für Schlüter keine unfertigen Erwachsenen, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Ideen, Wünschen, Sehnsüchten und Ängsten. Ebenso erfrischend unpädagogisch ist auch Schlüters erzählerischer Umgang mit Computern und virtuellen Welten. Seine Kinderbücher sieht er deshalb auch als eine längst überfällige Kampfansage an die These, Computer würden die Kinder vereinsamen lassen, und »wer Computer spiele, lese nicht«. Das seien die Ängste einer Generation, die schon am eigenen Videorekorder verzweifele.
Weitere Infos & Material
Ein Spion
Etwa zur gleichen Zeit, als Leon die UnderDocks gegründet hatte, hatte er an sich eine seltsame Gabe bemerkt. Wenn Leon es wollte und gleichzeitig den Atem anhielt, konnte er durch Wände gleiten! Außer Pep und Linda wussten nur noch die zwei weiteren Mitglieder der UnderDocks von dieser seltsamen Fähigkeit: die Geschwister Kevin und Tanja aus Downtown, einem finsteren und gefährlichen Gebiet im südlichen Zentrum Hamburgs, nicht allzu weit von der Hafencity entfernt. Leon würde die beiden am Nachmittag über den Einbruch informieren, denn sie besuchten eine andere Schule.
Linda und Pep ahnten also, was Leon jetzt vorhatte.
»Das ist nicht ungefährlich«, warnte Pep. »Wenn dich einer erwischt, weiß jeder von deiner Fähigkeit.«
Linda sah die Sache ähnlich. Andererseits wollte sie auch nicht abwarten und sich später mit einer lauen offiziellen Erklärung abspeisen lassen, sondern wirklich erfahren, was dort geschehen war.
»Ich versuche, von der rechten Seite hineinzukommen«, sagte Leon.
Das Gebäude hatte neben dem vorderen Eingang auf der linken Seite noch einen weiteren, der in den Schulhof führte. Rechts vom Gebäude – also hinter der Wand, an der die Spinde standen – lag der Schulgarten, den man problemlos betreten konnte. Die Absperrung endete dort, weil es keinen Zugang vom Garten ins Gebäude gab.
»Dann landest du genau in den aufgebrochenen Schränken, die sie gerade untersuchen!«, warnte Pep.
»Darin liegt die Gefahr, aber auch unsere Chance, alles mitzubekommen«, erklärte Leon. »Also, behaltet den Garten im Auge!«
»Okay!«
Leon machte sich auf den Weg.
Linda blieb an der Hausecke stehen, während Pep Leon bis zur Mauer begleitete, um Rückendeckung zu geben und helfen zu können, falls irgendetwas schiefging. Es wäre nicht das erste Mal, dass Leon in einer Wand stecken bliebe. Manchmal vergaß er, die Luft anzuhalten. Oder er hielt den Atem zu lange an und flutschte versehentlich vollkommen durch eine Wand hindurch. Das Durchwandern einer Wand erforderte erheblich mehr Koordination, Disziplin und Fingerspitzengefühl, als Leon manches Mal aufbringen konnte, zum Beispiel wenn er aufgeregt war. Und jetzt war er aufgeregt!
Noch einmal schaute Leon sich nach allen Seiten um, ob ihn jemand sah. Dann holte er tief Luft, um den Atem anzuhalten und den Kopf durch die Wand zu stecken, doch Pep hielt ihn zurück. »Warte!«
Leon stieß seinen angehaltenen Atem wieder aus. »Was ist?«
»Knie dich hin«, schlug Pep vor. »Dann bist du nicht gleich auf Augenhöhe mit jemandem auf der anderen Seite!«
Eine gute Idee, fand Leon. Kniend hielt er nun erneut den Atem an, steckte vorsichtig den Kopf durch die Wand – und erschrak!
Sein Blick fiel auf ein paar Beine direkt vor seiner Nase. Uniformierte Beine. Ein Polizist!
Er untersuchte gerade das obere Regal des Spinds, in dem Leons Kopf unten im Schuhfach aus der Wand ragte. Leon wollte sich natürlich sofort zurückziehen. Aber durch den Schreck hatte er geatmet und steckte fest.
»Verdammt!«, fluchte er leise.
Jetzt bemerkte er, dass sich seine Nase ganz dicht über ein paar alten, abgetretenen Turnschuhen befand, die entsetzlich stanken.
»Uähh!«, ekelte sich Leon.
Der Polizist merkte auf, weil sich da im untersten Fach irgendetwas rührte, und bückte sich.
Leon sog schnell die Luft mitsamt des Turnschuh-Gestanks tief ein, hielt den Atem an, als würde er unter Wasser tauchen wollen, und zog im selben Moment den Kopf zurück, in dem der Polizist nach unten schaute.
»Was ist?«, fragte Pep auf der anderen Seite.
Leon atmete tief durch. »Bäh, das stinkt!«, stöhnte er.
Pep musste lachen, als Leon ihm von den Turnschuhen erzählte.
»Das sind meine!«, kicherte er. »Ich wollte die schon lange mal wegwerfen, hab sie aber immer noch als Ersatz im Schrank.«
»Ersatz?«, stieß Leon entsetzt aus. »Die alten Stinkedinger? Wie kann man solche Schuhe haben?«
»Ich finde die Marke gut. Die gibt es leider nicht mehr!«, verteidigte sich Pep.
»Was?«, quiekte Leon auf. »Sooo alt sind die schon?« Er fragte sich gerade, wie viele Jahre Fußschweiß in den Schuhen und damit jetzt in seiner Nase steckten. »Mann, Pep!«
»Aber wenigstens wissen wir jetzt, auf welcher Höhe du durch die Wand geguckt hast. Genau in meinen Schrank. Deiner ist nur zwei Türen weiter!«, stellte Pep zufrieden fest.
Leon schätzte ab, wo ungefähr sich sein Schrank befinden musste, und unternahm dort einen zweiten Versuch. Er wusste, dass in seinem Schrank das untere Fach leer war.
Und er hatte Glück. Entweder war der Polizist schon an seinem Schrank gewesen oder er würde gleich erst kommen. Im Moment jedoch war die Luft vor seinem Schrank rein. Leon war zwar klein, aber nicht klein genug, um ganz und gar ins untere Fach zu passen. Also ließ er seine Beine einfach draußen aus der Wand baumeln und hielt nur seinen Oberkörper im Schließfach versteckt. Die Tür seines Spinds stand einen Spalt offen. So konnte er es wagen hinauszuspähen. Er sah den Schuldirektor, der sich nur ein paar Meter weiter gerade mit zwei Polizisten unterhielt. Leon spitzte die Ohren.
In den vergangenen Wochen, so berichtete der eine der beiden Polizisten, war bereits an verschiedenen Orten eingebrochen worden: in Villen, Büros, sogar in einem Krankenhaus und der Universität.
Das wusste Leon bereits von Paul. Nur hatten ihn diese Einbruchmeldungen heute Morgen noch, als er sie von Paul erfahren hatte, nicht sonderlich interessiert. Jetzt allerdings sah die Sache anders aus. Möglicherweise waren hier dieselben Diebe am Werk gewesen. Es sah nach einer organisierten, professionellen Bande aus. Andererseits … Leon hörte weiter, wie der eine Polizist berichtete, dass der Dieb durchs Toilettenfenster eingestiegen war.
Durchs Toilettenfenster?, wunderte sich Leon. Da passte doch nur ein Kind durch! Aber es waren doch wohl keine Kinder für die Einbruchserie der vergangenen Wochen verantwortlich? Und weshalb sollte ein Kind in die Schule eindringen, um dreißig Schülerspinde aufzubrechen? Der Dieb wollte sich ja wohl kaum Peps alte Latschen klauen! Die meisten Schüler nutzten ihre Schränke aber eigentlich nur wie Pep: um Sportkleidung oder ihre Schulverpflegung darin aufzubewahren. Gedruckte Schulbücher gab es schon lange nicht mehr, stattdessen arbeiteten die Schüler mit Tablets. Darin waren sämtliche Unterrichtsmaterialien, Bücher, Hausarbeiten, Zeugnisse, Landkarten und so weiter gespeichert. Niemand ließ dieses Tablet über Nacht in der Schule. Nur im Kunstunterricht zeichneten sie noch auf richtigem Papier mit echten Stiften. Mochte sein, dass einige dieser Werke in den Schränken aufbewahrt wurden. Aber wegen der Schülerbilder war wohl kaum ein Dieb hier eingestiegen.
Auch der Schuldirektor, der inzwischen den größten Teil der betroffenen Schüler befragt hatte, zog gemeinsam mit den Polizisten entsprechend verwundert Bilanz: zwei Hightech-Anzüge in Kindergröße waren gestohlen worden, ein paar Gleitgel-Schuhe und ansonsten lediglich Astrocookies, davon allerdings so viele, wie ein Kind wohl überhaupt nur tragen konnte.
Astrocookies waren nicht nur an Leons Schule der neueste Hit, seit die Weltgemeinschaft unter Federführung Chinas wieder kräftig in die Raumfahrtforschung eingestiegen war. Man arbeitete fieberhaft daran, bis zum Jahre 2070 die erste mit menschenähnlichen Androiden bemannte Raumkapsel zum Mars zu schießen. Als Nebenprodukt dieses Raumfahrtprogramms waren die neuen Astrocookies entstanden, die eines Tages möglicherweise auf dem Roten Planeten als Nahrung für die ersten Weltall-Touristen dienen sollten: knallbunte, keksgroße Tabletten, die sich im Gaumen sofort auflösten, süß-sahnig, fruchtig oder herzhaft (zum Beispiel nach Currywurst oder Döner) schmeckten und den menschlichen Körper mit allem versorgten, was er benötigte. Jeder Cookie ersetzte eine vollständige Mahlzeit. Es gab sie speziell als Frühstück, Mittag- und Abendessen. Eine Menge Schüler hielten sich einen ganzen Vorrat an verschiedenen Sorten in ihren Schränken. Viele dieser Vorräte waren nun verschwunden. Es deutete also manches darauf hin, dass ein vielleicht obdachloses Kind in die Schule eingebrochen war, um sich mit Kleidung und Essen zu versorgen.
Leon hatte genug mitbekommen. Langsam schob er sich durch die Wand wieder zurück zu Pep. Mit ihm gemeinsam ging er zu Linda, um die Informationen auszuwerten.
»Ich könnte das gut verstehen«, kommentierte Pep. »Wenn ich allein ohne Eltern und ohne Geld auf der Straße leben müsste, würde ich auch irgendwo mein Essen stehlen. Was sonst?«
Leon nickte zustimmend. Trotzdem kam ihm irgendetwas an der Sache komisch vor.
»Meint ihr wirklich, dieser Einbruch hier hat nichts mit der Einbruchserie der letzten Wochen zu tun?«
Linda konnte es sich nicht vorstellen.
Leon drückte eine Taste auf dem Touchscreen seines Ärmels, ließ sich mit Pauls Zentraleinheit verbinden und gab den Geheimcode 0070 ein. »Mal hören, was der Polizeifunk vermeldet!«
Das Ergebnis war eine echte Überraschung. Was Leon bei seiner kleinen Lauschaktion nicht mitbekommen hatte, war: Die Polizei hatte mittlerweile festgestellt, dass Fingerabdrücke und Faserspuren der Kleidung identisch waren mit einigen, die man beim Einbruch in die Universität und ins Krankenhaus gefunden hatte.
»Das ist allerdings eine dickes Ding!«, fand Pep.
...



