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Schmid | Die (un)verborgene Gewalt gegen Frauen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Schmid Die (un)verborgene Gewalt gegen Frauen

Wie Prostitution den Frauenhass in unserer Gesellschaft fördert, zur Gefahr für jede Frau wird und was wir dagegen tun können | Misogynie
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98922-143-7
Verlag: mvg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie Prostitution den Frauenhass in unserer Gesellschaft fördert, zur Gefahr für jede Frau wird und was wir dagegen tun können | Misogynie

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-98922-143-7
Verlag: mvg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gewalt gegen Frauen hat in Deutschland erschreckende Ausmaße angenommen: Jeden Tag wird eine Frau ermordet, alle paar Minuten erlebt eine Frau brutale Gewalt. Im öffentlichen Raum haben Frauen und Mädchen Angst vor Übergriffen. Wie hängt diese Entwicklung mit unserem Umgang mit Prostitution zusammen? Freier, das belegen Studien und Experten, gehen nicht nur immer brutaler mit Prostituierten um, sie sind auch gewaltbereiter gegen Frauen allgemein. Viele verurteilte Sexualstraftäter waren zuvor Sexkäufer. Darum geht Prostitution uns alle an: Sexkauf trägt zur Verrohung unserer Gesellschaft bei und ist ein Hindernis für die Gleichstellung. Dieses Buch klärt und rüttelt auf. Es erzählt erschütternde Geschichten von Frauen, die als Prostituierte arbeiten, und legt die dramatischen Konsequenzen für diese Frauen, aber auch für uns als Gesellschaft offen. Und es zeigt Wege aus dieser Misere, denn eine gewaltfreiere Welt für Frauen und Mädchen ist möglich.

Barbara Schmid, geboren in Nürnberg, ist Journalistin, Autorin und Podcasterin. Sie hat zuletzt 20 Jahre für das Nachrichtenmagazin »SPIEGEL« gearbeitet und war zuvor Hauptstadtkorrespondentin für die »BILD am Sonntag«. 2006 war sie Sprecherin für das Kulturprogramm der Fußball-WM. 2020 hat sie die Biografie der Zwangsprostituierten Katharina M. veröffentlicht, »Schneewittchen und der böse König«. Sie ist Mitglied im Bundesverband Nordisches Modell und im Verein DIAKA, der sich für eine Welt ohne Menschenhandel einsetzt. Barbara Schmid lebt im Rheinland und Ligurien.
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Autoren/Hrsg.


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Prolog: Warum dieses Buch?


Vor fünf Jahren habe ich unter dem Titel Schneewittchen und der böse König die Biografie der Zwangsprostituierten Katharina M.1 geschrieben. Seither werde ich zu Vorträgen eingeladen und mache Lesungen an Schulen, um aufzuklären und Prävention zu betreiben. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie wenig die Menschen über das Thema Prostitution wissen. Kaum einer weiß, dass es dabei meistens um Menschenhandel, Armuts- und Zwangsprostitution geht und dass sogenannte Loverboys im Internet Schülerinnen ausspähen, um sie später auf den Strich zu schicken. Damit geht es alle an, die Kinder haben oder Enkelkinder oder Freunde mit Kindern. In Schulklassen mit 13- und 14-Jährigen, in die ich eingeladen werde, sitzen immer öfter Opfer solcher Loverboys. Und wer weiß, dass kriminelle Banden und Clans das Milliardengeschäft im Milieu dominieren2 und Deutschland durch seine liberale Politik – wie sie sich insbesondere im Prostitutionsgesetz der rot-grünen Bundesregierung von 20023 zeigt – zum »Bordell Europas« geworden ist? Menschenhandel und Prostitution sind ein Geschäftszweig solcher Organisierter Kriminalität, die unser aller Sicherheit bedroht. Viele haben das Bild der »Pretty Woman« und Julia Roberts vor Augen, wenn es um Prostitution geht. Dabei handelt es hier um moderne Sklaverei und brutale Ausbeutung.

Jetzt werden viele trotzdem noch denken: Was geht mich Prostitution an? Die Antwort ist: Es geht uns etwas an, denn wenn täglich 1,2 Millionen Männer in Deutschland Sex4 kaufen, wenn jeder vierte Mann5 schon mindestens einmal bei einer Prostituierten war, dann macht das etwas mit der Gesellschaft. Über die Hälfte der Sexkäufer sind verheiratet oder fest liiert. Es geht hier also auch um Ehefrauen und Freundinnen, die in der Regel keine Ahnung haben, dass ihr Partner sie mit Prostituierten betrügt. »Es sind unsere Söhne, Brüder, Väter, unsere Lebensgefährten und Kollegen«, verdeutlicht Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.6

Und es geht vor allem um eine weitgehend unbeachtete Folge des Sexkaufs: Er fördert Gewalt gegen Frauen. Viele verurteilte Vergewaltiger haben zuvor Sex gekauft. Studien belegen, dass Sexkäufer gewaltbereiter gegenüber Frauen allgemein sind. Dass sie sich eher als Nicht-Sexkäufer vorstellen können, mal eine Frau zu vergewaltigen7, und dies zum Teil auch schon getan haben8. Und Therapeutinnen berichten aus ihrer Praxis, dass die »Nutzung« von Prostituierten auch zu sexueller Gewalt in Beziehungen führt. Weil dadurch Männern das Bild vermittelt wird, sie hätten ein Recht auf Sex und die Frauen müssten sich fügen.9

In Freierforen zeigt sich, wie Sexkäufer mit Prostituierten umgehen. Ganz offen beschreiben sie Gewalt, die schon beim Lesen oft kaum auszuhalten ist. Sie sind frauenverachtend, rassistisch und geben sich als die ganz harten Kerle. Dass sie es oft mit Zwangsprostituierten, Minderjährigen und Frauen zu tun haben, die das nicht freiwillig tun und häufig dabei erkennbar Schmerzen haben, ist vielen bewusst, aber letztlich egal. Schließlich haben sie für die »Dienstleistung« bezahlt.

Internationale Organisationen wie die UN oder auch das EU-Parlament werfen Deutschland immer wieder vor, dass hierzulande eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen fehlt.10 Und in dem Zusammenhang geht es immer wieder um Menschenhandel und Prostitution. Die Bundesrepublik ist, wie bereits beschrieben, aufgrund ihrer liberalen Prostitutionsgesetzgebung zum größten europäischen Umschlagplatz von Menschenhandel und zu einer Drehscheibe der Zwangs- und Armutsprostitution geworden.11 Als ich kürzlich für das Magazin chrismon philippinische Pflegekräfte interviewt habe, erzählten mir die Frauen, dass sie Angst gehabt haben, nach Deutschland zu kommen. Sie hatten Angst, in der Prostitution zu landen. So schauen Menschen, die hier dringend zur Pflege gebraucht werden, inzwischen auf Deutschland. Es ist zum Schämen. Für den UN-Menschenrechtsrat verhindert die liberale Prostitutionsgesetzgebung zudem die Gleichstellung in Deutschland.12 Solange Frauenkörper in Deutschland ganz legal gekauft werden können, kann es keine Gleichberechtigung geben.

Und tatsächlich hat die Gewalt gegen Frauen in Deutschland erschreckende Ausmaße angenommen, wie in einem Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) von November 2024 nachzulesen ist: Nahezu jeden Tag wird in Deutschland eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist.13 Dazu kommen noch dreimal so viele versuchte Femizide, wie diese geschlechtsspezifischen Verbrechen genannt werden. Statt über »Femizide« wird allerdings häufig über »Familiendramen« und »Beziehungstaten« berichtet – damit soll verharmlost werden, dass es hier um die Tötung von Frauen geht, die getötet werden, weil sie Frauen sind. Alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Die Zahlen von sexualisierter Gewalt gegen Frauen, schwere Körperverletzungen und Stalking sind besorgniserregend. Vielerorts trauen sich Frauen bei Dunkelheit nicht mehr allein auf die Straße. Sie meiden abends Bahnhöfe und dunkle Ecken, wann immer es geht.

Vermutlich kennt jede von uns Frauen, die abends nur mit Pfefferspray in der Hand vor die Tür gehen oder auf dem Weg von der Bahn bis zur Haustür mit einer Freundin oder einem Freund telefonieren, damit bei Gefahr schnell die Polizei verständigt werden kann. Aus diesem Grund gibt es das »Heimwegtelefon e. V.«14, mit dem Ehrenamtliche Frauen nachts am Telefon begleiten. Neuerdings wird überlegt, bei uns eigene Frauenabteile in U- und S-Bahnen einzuführen. Damit sich Frauen sicherer fühlen können. 2024 wurden bei uns in Zügen über 1100 Sexualdelikte gemeldet. In Tokio, Mexiko-Stadt und Rio de Janeiro gibt es solche Schutzabteile im Bahnverkehr schon länger.15

Das Gefühl von Angst und Unsicherheit ist weit verbreitet. Und das hat einen Grund: 12 Millionen Frauen sind in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt geworden.16

Unser Land ist frauenfeindlicher, misogyner geworden in den letzten Jahren. Rechte Parteien stellen inzwischen das Abtreibungsrecht und damit das Selbstbestimmungsrecht von Frauen infrage und schwadronieren von der guten alten Zeit, als die Frau noch am Herd ihren Platz hatte und der Mann das Sagen. Dazu passen die Tradwifes, ein neues, altes Frauenbild, das gerade von jungen Frauen auf Social Media gefeiert wird, die auf die eigene Karriere verzichten, um sich ganz Kindern und Ehemann zu widmen. Gleichzeitig geben Alpha-Männer dort Tipps für echte, harte Männer, die auf devote Frauen stehen. Es boomen gerade traditionelle Rollenbilder und junge Männer werden immer konservativer in ihren Anschauungen. Das ist ein besorgniserregender Backlash.

Für die Wiesbadener Soziologin Manuela Schon trägt Prostitution wesentlich dazu bei, die »niedrige Position aller Frauen in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten«17. Und für die SPD-Politikerin Leni Breymaier fördert Prostitution Frauenhass und Respektlosigkeit.

Was ist los in unserem Land? Was macht Frauen zu Opfern und was Männer zu Tätern? Welche Rolle spielt dabei Prostitution? Und welche die Politik, die 2002 aus der zuvor sittenwidrigen Prostitution einen Beruf wie jeden anderen machen wollte? Darum geht es in diesem Buch. Es soll informieren über diese weitgehend verborgene Parallelwelt, die doch einen erheblichen Einfluss hat auf unser aller Leben.

Seit 2014, als ich die Zwangsprostituierte Katharina M. kennenlernte, habe ich viele Gespräche zu dem Thema geführt, habe mich mit Prostituierten und Aussteigerinnen, die sich selbst »Überlebende« nennen, unterhalten. Ließ mir von Anwältinnen und Anwälten, die Opfer vertreten, von ihren Verfahren berichten. Bei Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten habe ich mich über deren Erfahrungen informiert. Wirklich belastend waren die Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten, die – überwiegend ehrenamtlich – Prostituierte versorgen, die oftmals keine Krankenversicherung haben und sich keinen Arztbesuch leisten können. Das gilt auch für die Berichte der Therapeutinnen und Therapeuten, die mir aus ihrer Praxis erzählt haben. Ich sprach mit Bordellbetreibern, Zuhältern und dem Verwalter eines Laufhauses. Und ich habe immer wieder das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern gesucht, wobei mir aufgefallen ist, wie wenig viele über das Thema wussten oder wissen wollten, wenngleich sie als Gesetzgeber darüber entscheiden. Und ich habe mit Betroffenen und Hilfsorganisationen in Frankreich und Schweden gesprochen und mir ihre Erfahrungen schildern lassen – beide Länder haben das sogenannte Nordische Modell (dazu später mehr) eingeführt und bestrafen den Sexkauf.

Mich hat das Thema seit 2014 nicht mehr losgelassen. Es macht mich wütend, wie in Deutschland mit Frauen umgegangen wird. Wie die Politik die Augen zudrückt, wenn es um Frauenhandel und Zwangsprostitution geht. Der Staat duldet hier die Geschäfte von...


Schmid, Barbara
Barbara Schmid ist Journalistin, Autorin und Podcasterin. Sie hat zuletzt 20 Jahre für das Nachrichtenmagazin »DER SPIEGEL« gearbeitet und war zuvor Hauptstadtkorrespondentin für die »BILD am Sonntag«. 2006 war sie Sprecherin für das Kulturprogramm der Fußball-WM. 2020 hat sie die Biografie der Zwangsprostituierten Katharina M. veröffentlicht, Schneewittchen und der böse König. Sie ist Mitglied im Bundesverband Nordisches Modell und im Verein DIAKA, der sich für eine Welt ohne Menschenhandel einsetzt. Barbara Schmid lebt im Rheinland und in Ligurien.

Barbara Schmid ist Journalistin, Autorin und Podcasterin. Sie hat zuletzt 20 Jahre für das Nachrichtenmagazin »DER SPIEGEL« gearbeitet und war zuvor Hauptstadtkorrespondentin für die »BILD am Sonntag«. 2006 war sie Sprecherin für das Kulturprogramm der Fußball-WM. 2020 hat sie die Biografie der Zwangsprostituierten Katharina M. veröffentlicht, Schneewittchen und der böse König. Sie ist Mitglied im Bundesverband Nordisches Modell und im Verein DIAKA, der sich für eine Welt ohne Menschenhandel einsetzt. Barbara Schmid lebt im Rheinland und in Ligurien.



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