E-Book, Deutsch, 238 Seiten
Schmidlin Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse
2. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8006-4565-7
Verlag: Franz Vahlen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen
E-Book, Deutsch, 238 Seiten
ISBN: 978-3-8006-4565-7
Verlag: Franz Vahlen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aktien bewerten heißt Unternehmen verstehen! Denken und bewerten Sie wie ein Unternehmer, nicht wie ein Spekulant! Ist eine Aktie teuer oder günstig bewertet? Wie sind die Zukunftsaussichten und Kennzahlen eines Unternehmens einzuschätzen, und wie können die komplexen Bewertungsmodelle tatsächlich in der Praxis angewandt werden? Dieses Buch beantwortet diese Fragen und stellt die Unternehmensbewertung praxisnah, verständlich und anwendbar dar. Mehr als 100 Fallbeispiele führen anschaulich und nachvollziehbar durch die Welt der Unternehmensbewertung: - Kennzahlenanalyse und Interpretation, - Analyse des Geschäftsmodells, - Unternehmensbewertung, - Aktienanalyse, - Auffinden von Investitionsmöglichkeiten, - Portfolio Management, - Value Investing. Dabei verzichtet dieses Buch weitgehend auf komplizierte Modelle aus der Theorie, sondern richtet die Bewertung an den Fundamentaldaten der Unternehmen aus, um eine Anwendung im Anlegeralltag zu ermöglichen. Nicolas Schmidlin, geboren 1988, gründete bereits im Alter von 20 Jahren zusammen mit Marc Profitlich eine Personengesellschaft, die langfristig in Aktien und Anleihen nach den Grundsätzen des Value Investings investiert. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt studierte er im Masterprogramm Investment Management an der Cass Business School in London. Weitere Praxiserfahrungen sammelte er im Investmentbanking und Aktienresearch sowie im Investment Advisory für institutionelle Investoren in London und Frankfurt. 'Nicolas Schmidlin liefert eine sehr anschauliche Beschreibung fundamentaler Kriterien, ohne die eine seriöse Bewertung von Aktien nicht möglich ist. Die Lektüre ist ein Gewinn für jeden langfristig orientierten Investor.' Bert Flossbach, Gründer & Vorstand Flossbach von Storch AG, Fondsmanager des Jahres 2012 'Aus meiner Sicht ein wirklich tolles Buch zur Bilanzanalyse und Unternehmensbewertung, sowohl für Einsteiger wie auch für Fortgeschrittene ... uneingeschränkt empfehlenswert.' ValueAndOpportunity.com '(...) Schmidlin setzt sich das Ziel, 'in einem pragmatischen, lebhaften und fallorientierten Stil' zu schreiben. Das gelingt ihm! Für den Jungautor ist die Anwendung in der Praxis mindestens genauso wichtig wie die Theorie. Das macht denn auch sein Buch und Erfolgsrezept aus ... Buchbewertung: hoch!' Börse Online 25/2013, zur 2. Auflage '(...) Das Buch bietet eine praxisorientierte und didaktisch hervorragend aufbereitete Einführung in die Welt der Unternehmensbewertung.' Corporate Finance biz 05/2013, zur 2. Auflage '(...) Fazit: Das Buch bietet eine durchgehend praxisorientierte und didaktisch hervorragend aufbereitete Einführung in die Welt der Unternehmensbewertung. Dabei verzichtet der Autor auf jeglichen überflüssigen und theoretischen Ballast und konzentriert sich auf die erforderlichen Analysewerkzeuge eines Praktikers. Äußerst hilfreich sind hierbei auch die mehr als 100 Fallbeispiele aus der Praxis.' Frank Romeike in: Risiko Manager 12/2013, zur 2. Auflage
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Cover
;1
2;Zum Inhalt / Zum Autor;2
3;Titel;3
4;Vorwort;5
5;Inhaltsverzeichnis;8
6;Einleitung;11
7;Einleitung zur zweiten Auflage;13
8;1. Grundlagen der Bilanzierung und Bilanzanalyse;14
8.1;1.1 Bedeutung und Entwicklung des Rechnungswesens;15
8.1.1;1.1.1 HGB/IFRS-Vergleich sowie US-GAAP;18
8.1.2;1.1.2 Begrenzte Aussagekraft von Abschlüssen;20
8.1.3;1.1.3 Besonderheiten der Finanzbranche;21
8.2;1.2 Aufbau und Struktur von Jahresabschlüssen;22
8.2.1;1.2.1 Gewinn- und Verlustrechnung;22
8.2.2;1.2.2 Aufwandsquoten im Gesamtkostenverfahren;24
8.2.3;1.2.3 Aufwandsquoten im Umsatzkostenverfahren;27
8.2.4;1.2.4 Bilanz;29
8.2.5;1.2.5 Cashflowrechnung;34
8.2.6;1.2.6 Eigenkapitalveränderungsrechnung;45
8.2.7;1.2.7 Anhang;45
9;2. Kennzahlen zu Ertrag und Rentabilität;49
9.1;2.1 Eigenkapitalrendite;50
9.2;2.2 Umsatzrendite;54
9.3;2.3 EBIT/EBITDA-Marge;56
9.4;2.4 Kapitalumschlag;57
9.5;2.5 Gesamtkapitalrendite;58
9.6;2.6 Return on Capital Employed;59
9.7;2.7 Umsatzverdienstrate;61
10;3. Kennzahlen zur finanziellen Stabilität;63
10.1;3.1 Eigenkapitalquote;63
10.2;3.2 Gearing;66
10.3;3.3 Dynamischer Verschuldungsgrad;68
10.4;3.4 Net Debt/EBITDA;71
10.5;3.5 Sachinvestitionsquote;72
10.6;3.6 Anlagenabnutzungsgrad;75
10.7;3.7 Wachstumsquote;76
10.8;3.8 Cash-Burn-Rate;77
10.9;3.9 Umlauf- und Anlageintensität;78
10.10;3.10 Anlagendeckungsgrad I und II;80
10.11;3.11 Goodwill-Anteil;81
11;4. Kennzahlen zum Working Capital Management;83
11.1;4.1 Debitoren- und Kreditorenlaufzeit;84
11.2;4.2 Liquidität 1. Grades;86
11.3;4.3 Liquidität 2. Grades;88
11.4;4.4 Liquidität 3. Grades/WC-Quote;88
11.5;4.5 Vorratsintensität;90
11.6;4.6 Umschlagshäufigkeit der Vorräte;91
11.7;4.7 Geldumschlag;92
11.8;4.8 Kennzahlen zum Auftragseingang und -bestand;93
12;5. Analyse des Geschäftsmodells;96
12.1;5.1 Kompetenzbereich;98
12.2;5.2 Charakteristika;98
12.3;5.3 Rahmenbedingungen;101
12.4;5.4 Informationsbeschaffung;102
12.5;5.5 Branchenstrukturanalyse;103
12.6;5.6 SWOT-Analyse;105
12.7;5.7 BCG-Analyse;106
12.8;5.8 Wettbewerbsstrategie;110
12.9;5.9 Management;111
13;6. Ausschüttungspolitik;113
13.1;6.1 Dividende;113
13.2;6.2 Aktienrückkäufe;115
13.3;6.3 Schlussfolgerung;119
14;7. Bewertungskennzahlen;121
14.1;7.1 Kurs-Gewinn-Verhältnis;122
14.2;7.2 Kurs-Buchwert-Verhältnis;129
14.3;7.3 Kurs-Cashflow-Verhältnis;135
14.4;7.4 Kurs-Umsatz-Verhältnis;136
14.5;7.5 Enterprise-Value-Ansatz;138
14.6;7.6 EV/EBITDA;143
14.7;7.7 EV/EBIT;147
14.8;7.8 EV/FCF;150
14.9;7.9 EV/Sales;151
15;8. Unternehmensbewertung;153
15.1;8.1 Discounted-Cashflow-Modell;155
15.1.1;8.1.1 Equity-Verfahren;157
15.1.2;8.1.2 Entity-Verfahren;165
15.1.3;8.1.3 Adjusted-Present-Value (APV)-Verfahren;170
15.1.4;8.1.4 Operativer und finanzieller Hebel;172
15.1.5;8.1.5 Alternative Verwendung des DCF-Modells;178
15.1.6;8.1.6 Fallbeispiele zum DCF-Verfahren;179
15.2;8.2 Multiplikatorenmethode;184
15.2.1;8.2.1 Faires Kurs-Gewinn-Verhältnis;186
15.2.2;8.2.2 Faires Kurs-Buchwert-Verhältnis;201
15.2.3;8.2.3 Faires Kurs-Umsatz-Verhältnis;215
15.2.4;8.2.4 Faires Enterprise Value-EBIT-Verhältnis;217
15.2.5;8.2.5 Mathematik der Multiplikatoren;220
15.2.6;8.2.6 Liquidationsansatz;221
15.3;8.3 Jahresabschlussbereinigung;223
15.3.1;8.3.1 Pro-forma-Abschlüsse und Sondereffekte;226
15.4;8.4 Zusammenfassung der Bewertungsmethoden;227
16;9. Value Investing;230
16.1;9.1 Ansatz der Margin of Safety;232
16.2;9.2 Value-Investing-Strategien;233
16.2.1;9.2.1 Qualitätsinvestments;234
16.2.2;9.2.2 Zigarettenstummel;234
16.2.3;9.2.3 Net-Nets/Liquidationssicht;235
16.3;9.3 Auffinden von Investitionsmöglichkeiten;235
16.4;9.4 Portfoliomanagement;238
16.4.1;9.4.1 Diversifikation;239
16.4.2;9.4.2 Risiko;240
16.4.3;9.4.3 Liquidität;240
16.5;9.5 Kaufen und Verkaufen: Anlagehorizont;241
16.6;9.6 Schlusswort;243
17;Stichwortverzeichnis;245
18;Impressum
;247
372. Kennzahlen zu Ertrag und Rentabilität
| Time is the enemy of the poor business and the friend of the great business. If you have a business that's earning 20%–25% on equity, time is your friend. But time is your enemy if your money is in alow return business. |
| Warren E. Buffett |
Gewinnmaximierung ist eines der wichtigsten Unternehmensziele in der Betriebswirtschaftslehre. Gewinn entsteht dabei durch den Einsatz von Kapital unter Unsicherheit. Ein Bäcker benötigt etwa eine Filiale, eine Backstube und Waren, um mit diesem Kapital die operative Tätigkeit durchzuführen und einen Gewinn zu erzielen. Um den Erfolg einer Unternehmung zu messen, müssen daher beide Seiten der Gleichung betrachtet werden: Gewinn und benötigtes Kapital. Je größer der Gewinn und je geringer die dazu notwendige Kapitalbasis, desto rentabler wirtschaftet ein Unternehmen. Die Rentabilität stellt daher ein wichtiges Maß der Unternehmensbewertung dar.
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie Rentabilität gemessen werden kann und welche Aussagekraft diesen Ergebnissen zukommt. Anhand von Fallbeispielen werden verschiedene Rentabilitätskennzahlen erläutert, die als grundlegende Werkzeuge der Unternehmensbewertung dienen. Der Gewinn oder Jahresüberschuss ist die meistbeachtete betriebswirtschaftliche Kenngröße, die Aussagekraft dieser Erfolgsgröße lässt allerdings nur einen begrenzten Rückschluss auf den Wert eines Unternehmens zu, solange dieser nicht in Bezug zu anderen Kenngrößen gesetzt wird. Betrachten wir dazu die Entwicklung der Konzernergebnisse zweier fiktiver Unternehmen.
Beispiel 2.1 – Rentabilität
| Unternehmen A | in € | Unternehmen B |
| Jahr | Gewinn | Jahr | Gewinn |
| 2009 | 100,00 | 2009 | 1.000,00 |
| 2010 | 150,00 | 2010 | 1.000,00 |
| 2011 | 200,00 | 2011 | 1.000,00 |
| 2012 | 250,00 | 2012 | 1.000,00 |
| 2013 | 300,00 | 2013 | 1.000,00 |
Neben diesen Daten sei bekannt, dass beide Unternehmen über konstantes Eigenkapital von 5.000 € verfügen. Beide Unternehmen erzielen solide Gewinne, jedoch 38steigert Unternehmen A die Gewinne jährlich um 50 €, während Unternehmen B stagniert. Auf Basis der Gewinndynamik ist Unternehmen A daher attraktiver einzustufen. Im Verhältnis zum benötigten Eigenkapital erweist sich Unternehmen B jedoch als deutlich rentabler. Bei gleichem Kapitaleinsatz der Aktionäre erwirtschaftet B sehr viel mehr Gewinn als A.
Bei Rentabilitätsbetrachtungen steht stets der Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Die alleinige Betrachtung der Gewinnentwicklung sagt daher nur wenig über die Qualität eines Unternehmens aus. Unternehmen A hätte das Eigenkapital beispielsweise festverzinslich zu 5% anlegen können und dadurch ebenfalls einen Gewinn von 250 € erzielen können. Da Kapital ein knappes und innerhalb von Unternehmen risikoreiches Gut ist, sollte auf eine angemessene Verzinsung großen Wert gelegt werden.
2.1 Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalrendite gibt die Verzinsung des von den Eigenkapitalgebern eingebrachten Kapitals an. Zur Berechnung dieser wichtigen Kennzahl wird der erwirtschaftete Jahresüberschuss mit dem durchschnittlichen Eigenkapital des Geschäftsjahres ins Verhältnis gesetzt. Es ist wichtig, den Jahresüberschuss und das Eigenkapital nach Anteilen Dritter bei der Berechnung heranzuziehen, um nur Erfolgsgrößen zu berücksichtigen, die den Aktionären auch tatsächlich zustehen.
Das Ergebnis gibt die Verzinsung des eingebrachten Kapitals wieder und bietet Investoren eine Vergleichsgröße zwischen verschiedenen Anlagen. Auf Beispiel 2.1 angewandt ergibt sich für Unternehmen A im Jahr 2009 eine Eigenkapitalrendite von 2% (100 € / 5.000 €). Hätten die Investoren dagegen das Kapital auf dem Bankkonto angelegt, wäre die Rendite bei vernachlässigbarem Risiko gegebenenfalls vorteilhafter gewesen. Unternehmen B lieferte seinen Eignern dagegen trotz stagnierender Gewinne eine Verzinsung ihres Kapitals von 20% (1.000 € / 5.000 €).
Eine niedrige Eigenkapitalrendite lässt auf den ineffizienten Einsatz von Kapital oder einer Überbewertung der Aktiva (und damit des Eigenkapitals) schließen. Die Eigenkapitalrendite stellt aufgrund der Verbindung von Gewinn und Eigenkapital die zentrale Rentabilitätskennzahl für Eigenkapitalgeber dar. Wie in Kapitel 8 gezeigt wird, gewinnen Unternehmen an Wert, wenn diese ihr Eigenkapital mit einer hohen Rate bei geringem Risiko steigern können. Die Eigenkapitalrendite gibt diese Steigerungsrate an.
Verteilung der Eigenkapitalrendite im S&P 500
Die folgende Übersicht bildet die Verteilung der Eigenkapitalrenditen (3-jähriger Durchschnitt) der S&P 500-Unternehmen ab. Diese Aufstellung soll einen 39Überblick verschaffen, wie eine gegebene Eigenkapitalrendite im Marktumfeld einzuschätzen ist. Der Median der Eigenkapitalrenditen liegt bei 14,1%. Rund 73% der Werte liegen in der Spanne zwischen 0 und 20%.
Quelle: Bloomberg; Stand Februar 2013
Beispiel 2.2 – Eigenkapitalrendite: Rational
Im Konzernabschluss der Rational AG, einem Hersteller von Dampfgarern für Großküchen, sind die folgenden relevanten Daten zu finden:
| Rational |
| in T € | 2010 |
| Konzernergebnis 2010 | 79.793 |
| Eigenkapital 2010 | 230.266 |
| Eigenkapital 2009 | 189.750 |
Quelle: Rational AG (2010) [IFRS]
Durch die außergewöhnliche Marktstellung erzielte die Rational AG im Geschäftsjahr 2010 eine Eigenkapitalrendite von:
Dieses Ergebnis ist als überdurchschnittlich einzustufen. Besonders der Verzicht auf die Steigerung der Eigenkapitalrendite durch Fremdkapitalaufnahme unterstreicht die Qualität der Rentabilität. Der Rational-Konzern weist zum 31.12.2010 eine Eigenkapitalquote von 75% und keine Finanzverbindlichkeiten auf. Die Zahlen sind der Gewinn- und Verlustrechnung (Konzernergebnis = Jahresüberschuss) und der Passiva in der Konzernbilanz zu entnehmen. Bei der Analyse der Kennzahl im Zeitverlauf 40sollte insbesondere auf die Entwicklung des Verschuldungsgrades und das eingegangene Risiko geachtet werden. Erzielt ein Unternehmen hohe Eigenkapitalrenditen und geht dabei hohe Risiken ein, so ist die erzielte Überrendite entsprechend gering. Besonders hohe Eigenkapitalrendite bei geringem Risiko, wie dies beispielsweise bei dem hier vorgestellten Rational-Konzern der Fall ist, deuten dagegen auf eine sehr gute Marktposition und den effizienten Einsatz von Kapital hin. Die Qualität dieser Kennzahl kann durch die Verwendung des Mittelwertes des quartalsweisen Eigenkapitalbestandes anstatt dem durchschnittlichen Eigenkapital auf Jahresendbasis erhöht werden. In der Regel hat diese Modifikation jedoch keinen nennenswerten Einfluss.
Beispiel 2.3 – Eigenkapitalrendite: Energizer
Betrachten wir nun die Berechnung der Eigenkapitalrendite anhand eines US-amerikanischen Abschlusses. Untenstehend ist ein Auszug aus dem Konzernabschluss der Energizer Corp. für das Geschäftsjahr 2010 abgebildet.
| Energizer |




