E-Book, Deutsch, 340 Seiten
Schmidt Die Intrige
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-0518-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 340 Seiten
ISBN: 978-3-6957-0518-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich habe alles, was ich mir je gewünscht habe: Mann, Sohn, Karriere und meinen langjährigen Freundeskreis. Außerdem führen wir ein überaus luxuriöses Leben. Unsere erste gemeinsame Reise nach Mexiko macht unser Glück perfekt. Zwei Wochen, die uns gehören. Wir genießen entspannte Tage unter der karibischen Sonne zwischen weißen Sandstränden und türkisfarbenem Wasser. Ein Traum. Endlich haben wir Zeit füreinander. Dann passiert, was alles verändert. Ein Schicksalsschlag erschüttert mein Leben. Unser Leben. Nichts ist mehr, wie es scheint. Wo bist du? Wem kann ich noch vertrauen?
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HEUTE
Erschlagen schäle ich mich aus meiner schwarzen Daunenjacke. Seufzend lege ich sie mit einer nachlässigen Bewegung auf die Kommode.
Was für ein Tag!
Kraftlos quetsche ich mich aus meinen Boots. Nicht gerade anmutig schleudere ich sie quer durch den Hausflur.
Stöhnend reibe ich mir über die Schläfen. Wie so oft nach besonders anstrengenden Tagen merke ich, wie sich Kopfschmerzen anbahnen.
Resigniert betrete ich die cremefarbene Designerküche unseres Appartements. Automatisch schaltet sich die Beleuchtung ein. Ich greife nach einem sauberen Trinkglas. Damit begebe ich mich zum Kühlschrank und fülle es mit kaltem, perlendem Mineralwasser. Ich genieße die Erfrischung, die sich nach und nach in meinem Körper ausbreitet.
Dann halte ich mir das kalte Glas an die Stirn, was meine Kopfschmerzen augenblicklich dämpft.
Wie ich die jetzige Situation einschätze, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der Griff zu einer Kopfschmerztablette vermeiden lässt.
Genervt knalle ich das Glas auf die Spüle und begutachte das benutzte Geschirr, das seit dem Frühstück auf der Küchenarbeitsplatte aus Marmor steht. Auf den Schranktüren ist jeder verdammte Fingerabdruck sichtbar – der große Nachteil einer Hochglanzküche, wie ich allerdings erst nach dem Kauf feststellen konnte.
Soll sich Emilia morgen darum kümmern. Dankbar denke ich an unsere Haushaltshilfe. Glücklicherweise kommt sie drei Mal die Woche, um uns im Haushalt unter die Arme zu greifen.
Das gelingt weder mir, noch Andre in ausreichendem Maße, wird mir zum wiederholten Male klar. Auch wenn ich es gerne anders hätte. Mein Blick wandert über die krümelige Frühstückstheke. Ich brauche Sauberkeit und Ordnung um mich herum. Tatsächlich bin ich grundsätzlich sehr penibel und kann Unordnung nicht ausstehen.
Andre scheint da mehr Glück zu haben. Er ist stets ausgeglichen und nimmt das Chaos entweder nicht wahr oder es gelingt ihm erfolgreich, dieses zu ignorieren.
Andre – mein Fels in der Brandung. Wieder seufze ich auf.
Neben dem Berufsalltag mit seinen Verpflichtungen bleibt das Familienleben leider nicht selten auf der Strecke.
Gerade nach einem solchen Tag frage ich mich, warum ich mir den ganzen Stress antue.
Ich schaue mich in unserer luxuriösen Bleibe um und mir wird bewusst: deshalb.
Ein Maisonette – Appartement in der Baden - Badener Innenstadt bezahlt sich schließlich nicht von selbst.
Wieder macht sich ein bohrender Schmerz in meiner Schädeldecke bemerkbar. Ich kneife meine Augen zusammen und massiere mir die Stirn.
Wenn ich ehrlich bin, wäre die Finanzierung auch ohne Vollzeitjob möglich. Schließlich verdient Andre als erfolgreicher Investmentbanker mehr als genug. Wieder einmal gerate ich ins Grübeln.
Ich liebe meinen Beruf als Kardiologin im städtischen Klinikum. Er bedeutet so vieles für mich: Unabhängigkeit, Erfüllung, Beschäftigung.
Im Gegensatz zu meinem Lebensgefährten sehe ich durchaus die Notwendigkeit, finanziell unabhängig zu bleiben.
Andre bietet mir in regelmäßigen Abständen an, für unser Leben alleine aufzukommen – alle Kosten und jeglichen Luxus zu übernehmen. Er meint es gut und möchte mir den Rücken freihalten.
Es fühlt sich auch gut an, nicht arbeiten zu müssen, sondern sich frei dafür zu entscheiden.
Tatsächlich endet nicht jeder Tag wie dieser. Im Grunde genommen bin ich der festen Überzeugung, dass ich Erfüllung in genau diesem Beruf finde. Helfen.
Retten, was hoffnungslos erscheint.
Glücklich machen. Meine Mundwinkel wandern unmerklich nach oben. Ja, es ist genau das, was ich machen möchte – was ich schon immer machen wollte.
Davon abgesehen bin ich nicht zuletzt aus psychischer Sicht auf die Beschäftigung angewiesen.
Ich brauche eine sinnvolle Beschäftigung, die meine kreisenden Gedanken unterbricht. Arbeit bedeutet schließlich in erster Linie Ablenkung.
Ich brauche die Beschäftigung, wie andere Menschen die Luft zum Atmen.
Also schleppe mich Stufe für Stufe ohne ersichtliche Energie die Treppe hinauf. Auch wenn es sich um wenige Meter handelt, halte ich inne, als ich oben ankomme.
Erneut fasse ich mir die Stirn. Ein quälendes Stechen macht sich bemerkbar, das ich nicht mehr lange ertragen kann.
Nicht nach diesem alptraumhaften Tag.
Langsam begebe ich mich ins Schlafzimmer und lasse mich auf die Bettkante fallen. Ein Blick aus dem überdimensional breiten Fenster zeigt mir, dass peitschender Regen und Wind das Herbstlaub von den Bäumen wehen. Ein gelb-rot-brauner Blätterregen wirbelt durch die Luft.
Gedankenverloren schaue ich dem bunten Treiben zu. Das Ganze hat eindeutig etwas Deprimierendes an sich.
Mir ist eindeutig danach, meinen Kopf auf dem weichen Daunenkissen abzulegen. Ich brauche dringend Ruhe. Ich zögere und gestatte mir nicht, der Sehnsucht nachzugeben.
Angewidert betrachte ich meine Hände. Wo nichts zu sehen ist, spüre ich den Schmutz eines erfolglosen Arbeitstages. Der Schmutz eines aussichtslosen Kampfes mit anschließender Niederlage – einer Niederlage, die mich buchstäblich in die Knie gezwungen und sowohl psychisch als auch körperlich alles von mir abverlangt hat.
Duschen – ich muss dringend unter die Dusche. Auf einmal scheint mir nichts wichtiger und erlösender, als heißes, reinigendes Wasser.
Demnach reiße ich mich zusammen und stehe ich auf.
Ich sammle den letzten Rest an Kraft, den ich aufzubringen im Stande bin und taumele auf zitternden Beinen ins Ankleidezimmer. Dort entledige ich mich meiner Kleidung und hülle mich in meinen seidenen Bademantel. Ich genieße barfuß die wohlige Wärme der Fußbodenheizung und schleiche ins angrenzende Badezimmer.
Dort stelle ich die passende Temperatur ein und lasse genieße das warme Wasser, das auf Kopf und Schultern prasselt. Mir ist heute nach einer unterstützenden Aromatherapie. Ich entscheide mich für Ylang-Ylang und Lavendel. Beruhigung und Entspannung.
Um den Tag buchstäblich von mir abzuwaschen, wähle ich abwechselnd entspannenden Tropfennebel und belebenden Regenschauer. Zum Schluss genieße ich den kräftigen Massagestrahl, der meine Verspannungen spürbar lockert.
Wellness pur. Und wieder einmal weiß ich, dass ich diesen Luxus schätze. Ich atme tief ein und aus, so wie es mir meine Psychologin regelmäßig empfiehlt.
Und wieder erscheinen die Bilder des Tages vor meinen Augen, grausame Schnappschüsse des Leids.
Der Junge. Max. Blondgelockt. Sechs Jahre alt. Lebhaft. Blaue strahlende Augen und vertrauensvolle Hände, die sich mir entgegenstrecken. Mir, der Ärztin. Der Retterin – der Person, die aus Kindersicht zaubern kann.
„Eine Ärztin macht gesund!“, hat er mir noch vor einem Tag selbstbewusst erklärt. Dann mein Lachen. Ich klatsche ab – give me five – und gebe ihm selbstverständlich die mehr als verdiente Fünf. „Da hast du Recht!“
Hat er Recht?
Schaudernd löse ich mich nach einer gefühlten Ewigkeit von der erlösenden Reinigungsprozedur, verlasse die Dusche und wickele mich in ein weiches Handtuch.
Der Blick in den Spiegel verrät mir, dass der Tag auch äußerlich seine Spuren hinterlassen hat. Bläuliche Schatten unter den Augen und geschwollene Augenlider sowie eine unnatürliche Blässe spiegeln deutlich meinen Zustand wider.
Ein Zittern fährt durch meinen Körper und lässt mich zusammenzucken. Hoffentlich werde ich nicht krank.
Warum eigentlich nicht? Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, den ein oder anderen Tag zu Hause zu verbringen. Den Krankenhausalltag auszublenden. Auch meine Seele verlangt nach Heilung.
Wie kann ich helfen, wenn ich selbst am Boden zerstört bin? Heiße Tränen rinnen meine Wangen hinab.
Ich erschaudere. Eine plötzlich auftretende Kälte nimmt von meinem Körper Besitz.
Das Spitzennegligé aus glänzender Seide muss warten. Inzwischen friere ich so, dass ich mich für meinen wollenen Winterpyjama und dicke Thermostrümpfe entscheide.
Um die Treppe und jegliche zusätzliche Anstrengung zu vermeiden, tapse ich in mein persönliches Refugium – mein Atelier. Dort versorge ich mich mit einer Flasche kühlem Orangensaft und einer Aspirin aus meiner Notfallschublade.
Beides stelle ich auf meinem Nachttisch ab.
Inzwischen ist es mir regelrecht schlecht vor Schmerzen. Ich stelle fest, dass ich mich über die Maßen nach Ruhe sehne. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als die Erlösung von den immer intensiver werdenden Kopfschmerzen.
Das Pochen wird unerträglich.
Eine Migräne – ja, das scheint es zu sein. Ich hoffe, dass die Tablette helfen wird. Mit einem großen Schluck Saft schlucke ich die vielversprechende Medizin hinunter. Dann entscheide ich mich dafür, eine zweite hinterherzuschieben. Sicher ist sicher.
Und wieder ziehen Bilder wie in einer eiligen Diashow in rascher Abfolge an mir vorüber.
Max. Blond gelockt....




