Schmidt | GRETEL - Teil 2: Hexenwerk | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 120 Seiten

Reihe: Weltenwandler

Schmidt GRETEL - Teil 2: Hexenwerk

aus der Serie WELTENWANDLER
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95936-139-2
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

aus der Serie WELTENWANDLER

E-Book, Deutsch, Band 2, 120 Seiten

Reihe: Weltenwandler

ISBN: 978-3-95936-139-2
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Aus der Serie WELTENWANDLER präsentiert der Verlag in Farbe und Bunt den zweiten Teil der Reihe 'GRETEL' von C. R. Schmidt, dem Autor der erfolgreichen Dystopie 'Sherman' End'. Seit dem Verlust von einem Crewmitglied und einer gefährlichen Schlacht wächst der Druck auf die Besatzung der Gretel. Das Schweigen der Expeditionsleiter und verdächtige Verhaltensmuster innerhalb der Crew sorgen für zunehmende Paranoia. Doch erst als das Schiff weiter in die Tiefen des Kosmos vordringt, wird den Forschern bewusst, in welcher Gefahr sie sich wirklich befinden ... Werden Sie zum WELTENWANDLER und begleiten Sie uns auf den Pfaden der Phantastik! Tauchen Sie ein in spannende Geschichten aus allen Bereichen phantastischer Stoffe: Ob Science-Fiction, Fantasy, Mystery, Thriller, Dystopie oder Nervenkitzel - unsere abwechslungsreichen, exklusiven E-Books liefern jeden Monat neue Geschichten, sprengen die Grenzen der Phantasie und fesseln Sie mit fortlaufenden Erzählungen!

Der 1991 geborene C. R. Schmidt würde gern behaupten, dass er seit seiner Kindheit schreibt, ist als damaliger Teenager aber eher spät in das Autorentum eingestiegen. Er behauptet der Einfachheit halber, aus Hamburg zu stammen, da wirklich niemand das Kaff im Speckgürtel um die Hansestadt kennt, aus dem er damals geflohen ist. Nach einem abgeschlossenen Anglistik- und Philosophiestudium in Kiel wartet er nun sehnsüchtig darauf, als Lehrer auf Kinder losgelassen zu werden. Sein erster Roman 'Sherman's End' erschien 2015 und gehört immer noch zu den beliebtesten Büchern des Verlags in Farbe und Bunt. C. R. Schmidt gedeiht prächtig dank einer ausgewogenen Diät aus Weird Fiction, Super Smash Bros., alten Sci-Fi-Paperbacks und Dungeons and Dragons 3.5e. Seine Liebe zu der bunten und verrückteren Seite der Phantastik drückt er in seinen Geschichten aus.
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Kapitel 14 – Idiot Savant

Es waren mittlerweile sechs Tage vergangen, seit die Gretel den Planeten Santana verlassen hatte. Das Schiff hatte bereits zwei weitere Hyperraumsprünge hinter sich gebracht. Es wurden keinerlei belebte Planeten entdeckt. Daher wurde die meiste Zeit an Bord mit Kartenspielen und Unterhaltungen verbracht.

Abteil 8 des Forschungsschiffes hatte zwar ein Mitglied seiner Crew verloren, aber ein weiterer Passagier war dazugekommen. Der große, ruhige Santaner, der den Spitznamen Zip erhalten hatte, teilte sich nun mit Dr. Ritar Helmholtz ein Zimmer. Tinnit, ihr Zimmergenosse, nahm eher weniger Platz ein. Tinnit verbrachte die meiste Zeit des Tages damit, seinen Exo aufzuladen. Der eiserne Riese war ebenfalls nicht sonderlich gesprächig. Er ließ Dr. Helmholtz ihre Experimente mit Zip meist in Ruhe durchführen.

Admiral Draper hatte Zip als Passagier auf dem Schiff zugelassen. Aus der Erforschung der Lebensform konnten nicht nur neue Forschungsergebnisse gewonnen, sondern auch eine friedliche Basis für die Zusammenarbeit mit den Santanern geschaffen werden. Möglicherweise würde die blaue Spezies zum 213. Mitglied der Allianz werden. Und Zip könnte der Schlüssel zu alledem sein.

Zunächst mussten die ersten Hürden für Zip überwunden werden. Der Santaner besaß keine Kleidung und hatte keinen Besitz aus seiner Heimat mitgenommen. Ein Ganzkörperscan hatte dafür gesorgt, dass der Borddrucker schnell synthetische Kleidung für Zip herstellte, die ihm wie angegossen passte. Da der Innenraum der Gretel zu einhundert Prozent keimfrei war, konnte sich Zip nicht mit für seine Spezies fremden, gefährlichen Krankheiten anstecken. Eine gründliche Analyse der Proben vom Planeten Santana in Verbindung mit einem biologischen Scan gab schnell Aufschluss darüber, welche Lebensmittel Zip vertragen würde. Auch diese konnten problemlos für ihn gedruckt werden.

Da jeder der Bewohner von Abteil 8 einen eigenen Schlaf- und Nahrungsrhythmus besaß, wurden die Mahlzeiten nicht gemeinsam eingenommen. Dieser Teil der Essenskultur fand nicht nur auf der Gretel, sondern auch im Rest der Allianz statt. Die meisten Lebewesen mit Personenstatus aßen allein oder in Gruppen, die aus der eigenen Spezies bestanden. Ein Food Printer, wie man ihn in jedem Allianzhaushalt finden konnte, zauberte die verschiedensten Köstlichkeiten, indem die notwendigen Grundsteine der Ernährung des Besitzers hinzugefügt wurden. Zip war als auf Kohlenstoff basierende Lebensform mit menschenähnlicher Nahrung vertraut. Die erste Mahlzeit, die er an Bord zu sich nahm, bestand aus Nudeln mit Sahnesauce – ein Gericht, das der große, blaue Santaner mit sichtbarem Vergnügen konsumierte.

Nachdem all diese Voraussetzungen geklärt waren, begann Dr. Helmholtz, ein psychologisches Profil von Zip zu erstellen. Sie wollte selbstverständlich wissen, wie ihr neuer Gast tickte. Daher verbrachte sie viel Zeit zusammen mit dem Santaner. Die beiden verließen nur selten ihr Doppelzimmer.

Dr. Helmholtz verfügte über eine Menge vorgefertigter Tests für Zwecke der ZADE, um das Verhalten von Zip zu studieren. Der große Holoprojektor in ihrem Zimmer konnte zahlreiche interaktive Situationen für Zip herstellen, von Gedächtnis- und Reaktionstests bis hin zu komplexeren Logikpuzzles. Das gesamte Forschungsmaterial, das die Kameras der 12 Exos der Forschungscrew auf der Oberfläche des Planeten aufgenommen hatten, stand ihr zur Auswertung zur Verfügung. Das hieß, dass sie beinahe 130 Stunden Videomaterial auswerten konnte, um das Verhalten der Santaner in ihrem natürlichen Lebensraum mit dem Verhalten von Zip zu vergleichen.

Es gab nur ein Problem: All das half ihr kein bisschen.

Zip reagierte auf beinahe nichts. Die Mundharmonika, die Quof dem Santaner gegeben hatte, war eines der wenigen Dinge, die Zip interessierten. Er saß meist im Schneidersitz auf dem Boden des Zimmers und blies in das Instrument. Zip hatte sich selbst beachtlich viel beibringen können. Die Melodien, die Zip wild auf der Mundharmonika spielte, hatten kaum innere Ordnung oder Struktur, waren aber von Tag zu Tag harmonischer und schöner anzuhören.

Zip reagierte nicht auf Projektionen von Angehörigen seiner Spezies. Dr. Helmholtz hatte Steve in ihr Zimmer bringen lassen, um mit Zip zu sprechen – ohne Erfolg. Der Santaner hatte nur auf dem Boden gesessen und den Phlant verdutzt angestarrt. Holoprojektionen jeglicher Art betrachtete er mit großer Aufmerksamkeit, aber er weigerte sich, mit ihnen zu interagieren. Dr. Helmholtz hatte zunächst vermutet, dass er vielleicht ein Kind sein könnte. Doch die Kameras in den Exos hatten Kinder aufgezeichnet. Alle Körpermerkmale von Zip wiesen darauf hin, dass der Santaner ausgewachsen war.

Nun, nach sechs Tagen, war Dr. Helmholtz am Ende ihres Lateins angelangt. Sie wusste nicht mehr, wie sie auf Zips Verhalten reagieren sollte. Daher rief sie die einzige andere Person an Bord, die ihr vielleicht helfen konnte: Floss. Als ZADE-Beauftragter verfügte er über Wissen, das ihr vielleicht endlich eine Lösung für den sturen Zip liefern könnte.

»Er reagiert auf nichts?«, fragte Floss. Er lauschte dem Mundharmonikaspiel, dem Zip sich noch immer hingab.

»Gar nichts. Sein Verhalten weicht stark von dem der Santaner ab, die wir aufgezeichnet haben.«

Floss überlegte. »Vielleicht sollten wir nicht an ihm selbst ansetzen, sondern an den Umständen, die ihn zu uns gebracht haben.«

»Wie meinen Sie das?«

»Die Santaner hielten uns für die Zud-Zudur, beziehungsweise für die Götter aus dem Himmel.«

»Ja, sicherlich.«

»Die Zud-Zudur kamen jedesmal zum Planeten Santana, um einige der Santaner zu verschleppen. Die Santaner hatten jede Form von Widerstand aufgegeben, als wir ankamen. Carlos hatte sich sofort vor uns verneigt, da er wahrscheinlich dachte, dass wir ihn entführen wollten. Ich denke, all das kommt einem Ritual gleich.«

»Und die Santaner haben uns Zip einfach übergeben.«

»Ganz genau. Als rituelle Opfergabe. Versetzen wir uns einmal kurz in die Perspektive der Santaner. Wir wissen, dass in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die Götter in großen, eisernen Vögeln am Himmel erscheinen. Sie töten und rauben unsere Freunde. Dann verschwinden sie. Nehmen wir an, eines Tages steigen die Götter aus ihren eisernen Vögeln aus und kommen auf den Boden. Sie begegnen uns nicht mit Gewalt, sondern stehen uns gegenüber. In diesem Fall würden wir ihnen vielleicht geben, was sie wollen, statt dass sie es sich einfach nehmen. Und wenn wir die Wahl haben, wen die Götter mitnehmen, dann geben wir ihnen wen?«

Es dämmerte Dr. Helmholtz nun. »Die Alten, Kranken und Schwachen.«

Floss hob die mechanische Hand seines Exo und zeigte auf Dr. Helmholtz. »Ganz genau das. Das Dorf, das wir besuchten, war klein. Ich weiß nicht, wieviele andere Siedlungen auf dem Planeten waren, aber diese Siedlung war bestimmt eine der kleineren. Vielleicht haben die Zud-Zudur vorher andere, größere Siedlungen besucht, aber sie machen auch nicht vor den kleinen Dörfern halt. Wie groß war die Population in dem Dorf in etwa?«

»Dem ausgewerteten Material nach zu urteilen, waren dort etwa einhundert Santaner.«

»Die Kinder wollten die Santaner mit Sicherheit nicht herausgeben. Bei so kleinen Dörfern werden starke Arbeitskräfte gebraucht. Weibchen werden benötigt, um Kinder auf die Welt zu bringen. Aber dem Körperbau nach zu urteilen, sind die Santaner-Frauen genau so stark wie die Männer. Alte habe ich nicht gesehen. Beziehungsweise …«

»Wir haben bisher, abgesehen von der Körpergröße, keine Faktoren entdeckt, die auf den Alterungsprozess von Santanern hindeuten.«

»Daher bleiben nur die Kranken und die Schwachen, Dr. Helmholtz. Schwach ist keiner der Santaner, außer den Kindern vielleicht. Also heißt das, rein nach dem Ausschlussprinzip …«

»… Zip ist krank?« Dr. Helmholtz warf einen Blick auf Zip, wie er im Schneidersitz auf dem Boden saß. Wie er die meisten äußeren Reize eher ignorierte, egal wie fantastisch und außerweltlich sie waren. Zip war für das Dorf vielleicht eine Last gewesen. Er war psychisch krank.

»Vielleicht so etwas wie Autismus,«, sagte Floss. »Um bei den Vergleichen zu Ihrer Spezies zu bleiben, Dr. Helmholtz. Jede intelligente Rasse kennt Krankheiten, die die geistige Kapazität auf irgendeine Art und Weise einschränken.«

Dr. Helmholtz sah, wie Zip die Mundharmonika benutzte. Noch vor ein paar Tagen waren nur krumme Töne aus dem Instrument gekommen. Mittlerweile hätte der Santaner sicherlich Konzerte geben können. »Oder sie konzentrieren.«

»Inselbegabungen.«

»Ein Idiot Savant also?«

»Das müsste man ermitteln. Wenn er musikalisch begabt ist, bräuchten wir ein weiteres Instrument.«

»Wer hier in unserem Abteil spielt noch ein Instrument?«

»Da kenne ich genau den richtigen«, sagte Floss.

Dr. Demmilon Smith, von seinen Freunden meist Demm genannt, war für seine Errungenschaften auf dem Gebiet der theoretischen Physik unter den Wissenschaftlern der Allianz mehr oder weniger bekannt. Viele wussten ebenfalls von seinem exzentrischen und schon beinahe beleidigenden Verhalten. Seit er bei einem Laborunfall mit einem experimentellen Reaktor seinen rechten Arm verloren hatte, gab sich der Ommysh eher zurückhaltend. Meist war er zufrieden damit, keinen Mucks von sich geben zu müssen. Er war ein wahrhafter Einzelgänger. In Briefings und Vorträgen zeigte er eine Menge Sarkasmus und schreckte oft nicht davor zurück, sich über ihm missfallende Standpunkte lustig zu machen.

Wie immer war er in seine Arbeit vertieft. Er stand vor einer holographischen Tafel, auf der viele...



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