E-Book, Deutsch, Band 346, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Schmidt Perry Rhodan Neo 346: Sabotage im All
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8453-5546-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Paragon
E-Book, Deutsch, Band 346, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-5546-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Irgendwann in ferner Zukunft: Einst hat der Astronaut Perry Rhodan die Menschen zu den Sternen geführt. Als er jedoch aus einer langen Stasis erwacht, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Mehr als drei Jahrhunderte sind vergangen. Das Sternenreich der Menschen ist zerschlagen, die Erde entvölkert. Und im Zentrum der Milchstraße lauert eine gefährliche Macht, die als Paragon bezeichnet wird. Immerhin hat Rhodan einige seiner alten Weggefährten wiedergefunden. Seine Frau Thora, der Arkonide Atlan, der Mausbiber Gucky und Roi Danton haben die Katastrophe ebenfalls überstanden. Auf gefährlichen Wegen erreichen sie schließlich Gäa - die Welt, auf der die Menschen der Erde eine Zuflucht gefunden haben. Aber sie treffen nicht den erhofften paradiesischen Ort an, sondern werden konfrontiert mit einer bedrohlichen SABOTAGE IM ALL ...
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1.
Stürmische Begrüßung
Als Perry Rhodan aus dem Zeitbrunnen trat, prasselten Tausende winziger Geschosse auf seinen Anzug, trommelten auf seinen Helm, hämmerten ihm ans Visier. Fast wäre er umgerissen worden.
Das Flugaggregat seiner Montur sprang an und stabilisierte ihn. Er stolperte zwei Schritte weit gegen heftigen Wind. Wo seine Füße auftrafen, platschte es. Starkregen.
Ringsum war es dunkel, dann zerriss ein gewaltiger Blitz den Himmel. Drei Sekunden später folgte der Donnerschlag. Der Schutzanzug meldete eine atembare Atmosphäre, in Zusammensetzung und Druck der irdischen sehr ähnlich. Das Gewitter war folglich rund einen Kilometer entfernt.
Für einen Augenblick rissen die Wolken am Himmel auf, und über Rhodan leuchtete zwischen zahlreichen hellen Sternen ein verschwommener orangefarbener Fleck. Ein Mond? Eher nicht, dazu flackerte er zu stark.
Hinter ihm traten nacheinander Atlan da Gonozal, Thora Rhodan da Zoltral und Gucky aus dem Zeitbrunnen. Atlan hatte sich den Vario-500 unter den Arm geklemmt. In den hyperinpotronischen Schaltkreisen des halbmeterlangen, zwanzig Zentimeter durchmessenden, eiförmigen Roboters steckte das Bewusstsein von Roi Danton, eines französischen Revolutionärs aus dem achtzehnten Jahrhundert. Danton hatte eine lange Odyssee durch Zeit und Raum hinter sich, die ihn zuletzt in dieses Konstrukt der Posbis geführt hatte, das sich in Pseudo-Variable Kokonmasken hüllen und täuschend glaubhaft fast beliebige Personen darstellen konnte.
Im Moment war davon allerdings nichts zu bemerken. Denn auf Styx war der Vario-500 beschossen worden und in einen katatonischen Selbstreparaturmodus gegangen. Rhodan selbst war 26 Sekunden lang mit kardialem Arrest und Kreislaufstillstand klinisch tot gewesen. Der Terraner fühlte sich deshalb noch immer etwas wacklig auf den Beinen. Nach einigen Schwierigkeiten hatte die kleine Gruppe aber dennoch den Zeitbrunnen am unteren Ende des Charon-Schachts erreicht und ihn benutzt.
In gewisser Weise erschien es Rhodan ironisch, dass ausgerechnet Danton, der Reisende durch die Zeit, die Passage durch den Zeitbrunnen nicht bewusst miterlebt hatte. Ebenso ironisch war, dass sie auf Gäa in stygische Finsternis getreten waren. Falls sie auf Gäa waren.
Denn das Raum-Zeit-Portal hatte sie zwar eigentlich von der Dunkelwelt Styx auf jenen Planeten bringen sollen, der ihnen als Zufluchtsort der verschollenen irdischen Menschheit angekündigt worden war. Wie eine ideale Asylwelt kam Rhodan die unwettergepeitschte Schwärze, in der er sich wiederfand, aber nicht vor.
Gäa war sogar über die Zeitbrunnen nicht leicht zu erreichen. Hatten sie sich im Netz der im Quantenraum verankerten Chronophasen verirrt? Waren sie nur von der einen Sturmwelt zu einer anderen gelangt? Oder hatten sie Styx gar nicht erst verlassen? Die vielen hellen Sterne, die Rhodan kurz gesehen hatte, deuteten darauf hin, dass sie sich in der Nähe des galaktischen Zentrums befanden. Aber das galt sowohl für Styx als auch für Gäa.
Die Helmscheinwerfer hatten Mühe, etwas aus der Tintenschwärze zu schälen. Lebte an diesem Ort überhaupt jemand?
Rhodan suchte Guckys Blick. Der Mausbiber schien etwas sagen zu wollen, doch dann wurden seine Augen glasig. Ohne einen Laut von sich zu geben, verlor der Ilt die Kraft in den Beinen und sackte vor dem Zeitbrunnen zusammen. Viel fehlte nicht, und er wäre mit dem Kopf gegen die silberschwarzen Quader geschlagen, aus denen die kniehohe Umfassung bestand. Das Raum-Zeit-Portal durchmaß zwanzig Meter und war von einer Lichtlosigkeit erfüllt, die ruhig wirkte wie windstille See, unberührt von dem prasselnden Regen und den sturmartigen Böen.
Im nächsten Moment gellte ihnen durch das Brausen des Unwetters ein Schrei entgegen.
Rhodan fuhr herum. Aus der Dunkelheit preschte etwas Großes auf ihn zu.
Bevor er den Handstrahler aus dem Gürtelholster ziehen konnte, erreichte ihn die gedrungene, massige Gestalt. Das Licht des Helmscheinwerfers erhellte ein gewaltiges Froschmaul und kräftige Extremitäten an einem kompakten Leib. Darüber schimmerten merkwürdige Augen.
Facetten?
Die Erscheinung riss Rhodan zu Boden. Der Terraner holte mit der rechten Faust aus und schlug sie mit aller Kraft gegen das Maul des Albtraumwesens.
»Hiii!«, rief er laut. »Ganz ruhig. Hiii!«
Der Okrill nieste und drückte seinen Kopf an Rhodans Schulter. Trotz seiner Körpermasse und seiner ungeschlachten Gestalt war er sanft und ließ von Rhodan wieder ab.
Eine weitere Kontur schälte sich aus der Nachtschwärze. Auch sie war groß, fast zwei Meter, aber schlank, und sie war humanoid. Mit tiefer, kräftiger Stimme rief sie: »Wird es bald etwas mit dem Licht?«
Zur Antwort flammten mehrere Scheinwerfer auf, die Rhodan geblendet hätten, wäre seine Helmscheibe nicht automatisch dunkler geworden, als die Lichtintensität schlagartig zunahm. Eine Sekunde später gab sie die Sicht wieder frei, und Rhodan erkannte seine Umgebung.
Er befand sich in einem hundert Meter weiten, stadionähnlichen Areal. Bei näherem Hinsehen waren es jedoch keine Tribünen, die ihn umgaben, sondern aufsteigende Bunkeranlagen mit Geschütztürmen, deren Bestückung immerhin nicht ausgefahren war. Davor stand ein Projektorkreis für einen Schutzschirm erkennbar ungewöhnlicher Konstruktion.
Atlan trat neben ihn. »Umgekehrte Wirkpolarität«, äußerte der Arkonide. »Das Energiefeld legt sich nicht abschirmend um die Bunker, sondern stülpt eine Sperrkuppel über den Zeitbrunnen, die von innen undurchdringbar ist. Sie dient zur Abwehr von dem, was aus dem Zeitbrunnen kommt.«
Rhodan nickte. Das leuchtete ihm ein.
Thora, die Frau seines Lebens, die Rhodan verloren geglaubt und doch wiedergefunden hatte, kniete neben Gucky nieder und untersuchte ihn. »Er lebt«, sagte sie, »aber er ist bewusstlos. Wie erwartet, hat die Passage durch den Zeitbrunnen ihm viel stärker zugesetzt als uns.«
Gucky war ein Außerirdischer mit drei Paragaben. Er vermochte zu teleportieren, Gegenstände telekinetisch zu bewegen und telepathisch die Gedanken anderer Lebewesen zu lesen. Besonders die letztere Gabe hätte ihnen in dieser Situation nützlich sein können.
Der Ilt hatte etwas sagen wollen, bevor er zusammenbrach. Hatte er etwas aufgefangen, was Rhodan wissen sollte? Oder hatte Gucky ihn nur informieren wollen, dass erstens ein Okrill auf Rhodan zustürmen würde und er sich zweitens vor dem Wesen nicht zu fürchten brauchte?
Denn zumindest den Oxtorner, der zu dem Okrill gehörte, kannte Rhodan.
Der kahlköpfige Mann hatte eine olivbraune Haut und buschige schwarze Augenbrauen. Er sah kein bisschen anders aus als der Omar Hawk, den Rhodan zuletzt vor weit mehr als drei Jahrhunderten gesehen hatte. Ob es sich bei dem Okrill noch immer um Watson handelte, konnte Rhodan nicht erkennen; er vermochte Okrills nicht voneinander zu unterscheiden. Allerdings lag es nahe, dass er Watson vor sich hatte. Immerhin hatte der Okrill Rhodan erkannt und auf seine umwerfende Art begrüßt.
Während Watson sich Atlan, Thora und Gucky zuwandte und wie ein krötenförmiger Riesenhund freute, trat Rhodan zu Omar Hawk und reichte dem Oxtorner die Hand. »Ich freue mich, Sie wiederzusehen, Mister Hawk. Aber ich bin überrascht.«
Hawk ergriff Rhodans Rechte und schüttelte sie. Vorsichtig. Oxtorner waren gentechnisch veränderte Menschen mit einer sogenannten Kompaktkonstitution, bei der Muskelfasern erheblich dichter gepackt waren als bei gewöhnlichen Terranern. Das verlieh ihnen eine bedeutend größere Kraft und ging mit einer erheblich höheren Körpermasse einher.
»Sie können Ihren Helm ruhig öffnen, Mister Rhodan«, sagte Hawk. »Die Luft von Gäa ist nicht nur für Oxtorner atembar.«
Rhodan klappte die Helmscheibe hoch. Den Helm selbst behielt er auf. Die Luft war kühl, feucht und trug eine deutliche Note von Ozon. Der Regen hatte kein bisschen nachgelassen.
Hawk schien der heftige Niederschlag nichts auszumachen. Von seiner seidenmatten Haut und den Augenbrauen perlten die Tropfen ab wie an einer fettigen Glasscheibe; Rhodan fragte sich, ob sie den Oxtorner überhaupt benetzten.
»Schönes Wetter«, sagte Thora. Sie reichte Hawk ebenfalls die Hand. Ihre Bemerkung war keine freilich lapidare ironische Feststellung, sondern eine implizite Nachfrage.
Ein Medoroboter schwebte heran, fuhr eine Trage aus seinem Körper aus und bettete Gucky darauf.
Atlan begrüßte Hawk mit einem Schlag auf die Schulter. Den Vario-500 streifte der Oxtorner nur mit einem Blick.
»Was ist das für ein Feuer am Himmel?«, fragte Thora.
»Ich würde vorschlagen, wir folgen dem Medoroboter in die Bunkeranlage«, erwiderte Hawk. »Von dort geht es in die Hauptstadt, die Sol-Town heißt. Und was Ihre Überraschung betrifft, Mister Rhodan: Ich habe immer wieder lange Zeiträume im Kryoschlaf verbracht. Watson ebenso.«
»Irgendwoher kommt mir das bekannt vor«, spottete Atlan.
»Normalerweise würden wir Ihnen erst Quartiere zuweisen und Ihnen Gelegenheit geben, sich frisch zu machen«, sagte Hawk. »Aber jemand hat mich gebeten, Sie sofort zu ihm zu bringen.«
In der Morgendämmerung waren sie über eine große Stadt hinweggeflogen, die Rhodan stark an Terrania erinnert hatte, und waren an einem Gebäude gelandet, das wie eine Kopie der irdischen Union Hall aussah. Sogar ein zweites Crest Memorial gab es in der Nähe, nur keinen zweiten Stardust Tower. Hawks Auskünften zufolge hatte dieses Symbol der Terranischen Union einmalig und Terra vorbehalten bleiben sollen.
Der Oxtorner hatte erläutert, dass er im Stab des Protektors von Gäa als...




