Schmidt | So schön war meine DDR | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 508 Seiten

Schmidt So schön war meine DDR


2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-0376-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 508 Seiten

ISBN: 978-3-7448-0376-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das sind Begebenheiten aus meiner Kindheit und Jugend in der DDR. Hier wird die DDR nicht verklärt, aber auch nicht verteufelt. Es soll unseren Landsleuten in Süd, West und Norddeutschland zeigen, dass einiges doch nicht so verschieden war. Und für die Landsleute im Osten soll es zur Erinnerung sein. Es gibt viel zu lachen.

Geboren 1964. Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Lehre und Meisterschule alles in der DDR. Nach der Wende kurz selbständiger Vertreter. Danach Arbeit auf dem Bau.
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„Komm mal mit!“ Wir gingen zum Nähkasten. Oma fädelte in zwei Nadeln je ein Stück Faden ein. „Zeig mal her!“, sagte sie und nahm meine rechte Hand. Und schwupp, stach sie durch die Blase und zog den Faden ein. Ehe ich wusste was los war, hatte sie auch in der linken Hand in die Blase einen Faden eingezogen. Tat das weh. Ehe ich weinen konnte, drückte und tröstete Oma mich. Dann machte sie mir das Frühstücksbrot. Ich konnte das ja nicht, weil ich die Fäden in den Handflächen hatte. Die musste ich zwei Stunden drin lassen, ehe Oma sie wieder rauszog. Erst danach durfte ich zum spielen nach draussen.

Von nun an hatte ich auch noch andere neue Aufgaben. Unter anderem Sonntagvormittag Holz hacken. Je einen Huckekorb voll Anmacheholz und Feuerholz musste ich hacken. Vati hatte mir gezeigt, wie das geht. Als ich fertig war, sagte ich ihm Bescheid und er trug die vollen Körbe in den Stall. Danach ging er in die Kneipe zum Frühschoppen. Zwei kleine Bier und zwei doppelte Weinbrand trank er jedes Mal. Meistens spielte er noch Skat. Pünktlich 12.00 Uhr war er zum Mittagessen wieder da.

Nach dem Holz hacken durfte ich fernsehen. Erst kam die Programmvorschau von ZDF, dann die von der ARD und dann die Sendung mit der Maus. Das Wichtigste aus der Programmvorschau schrieb ich auf. Vor allem das Programm für das Wochenende.

Jetzt musste ich auch am Freitagabend zwölf Eimer Regenwasser aus unserem Bassin ins Waschhaus tragen. Denn Sonnabend war Waschtag. Die ganz schmutzige Wäsche wurde im Kessel gekocht, kam dann in die WM 66, wurde anschließend in einer großen Wanne gespült, dann durch die Mangel gedreht und geschleudert. Arbeitsanzüge wurden auf einem Waschbrett geschrubbt, bis sie sauber waren. Dann wurde die Wäsche im Hof aufgehangen oder, im Winter und bei schlechten Wetter, auf dem Hausboden. Das alles machten Mutti und Oma zusammen. Nebenbei kochten sie auch noch Mittagessen.

In diesem Jahr konnten wir wieder nach Neu Canow in den Urlaub fahren. Da freute ich mich drauf, denn das letzte Mal war es schön dort.

Wir fuhren wieder mit dem Bus in den Urlaub. Dieses Mal saßen nicht so viele Leute im Bus wie das letzte Mal. Ich las “Robinson Crusoe“, ein wirklich spannendes Buch. So verging die Fahrt sehr schnell.

In Neu Canow war alles beim alten geblieben. Nur die Tannen waren etwas größer geworden. Sogar Willem wartete schon auf uns. Ebenso die dicke Küchenfrau im Ferienheim, wo wir zum essen hingingen. Vati kaufte wieder die Essenmarken und Mutti stellte sich an der Ausgabe an. Während Vati etwas zu trinken holte, suchte ich einen freien Tisch. Den fand ich schnell, setzte mich gleich daran und hielt nach Vati und Mutti Ausschau um ihnen zu winken, wenn sie mich suchten. Am Nachbartisch saß auch ein einzelner Junge. Er war etwas größer als ich. Als er sich zu mir umdrehte, erkannte ich ihn. Es war Detlef. Er erkannte mich auch und winkte mir zu. Ich winkte zurück. Dann kamen seine Eltern. Auch die winkten mir zu. Die hatten mich bestimmt noch in bester Erinnerung.

Nach dem Essen und einem kleinen Mittagsschläfchen ging ich mit meinen Eltern zum Strand. Detlef war mit seinen Eltern auch schon da. Ich ging zu ihm hin und fragte ob er mit ins Wasser kommt. Er nickte und nahm sogar seinen Ball mit. Wir spielten im flachen Wasser. Detlef weinte nun nicht mehr, wenn er einen Wasserspritzer ins Gesicht bekam. Er war nun schon größer und kam in die 7. Klasse. Nach einer Weile wollte ich bis zum Bootssteg schwimmen. Ich hatte ja dieses Jahr im Schwimmlager die 2. Stufe geschafft. Detlef schwamm mit. Ich kletterte auf den Bootssteg und sprang runter. Das machte Spaß. Erst Arschbombe, dann Köpper und Salto. Auch Detlef sprang vom Steg runter. Ganz vorsichtig, kerzengerade und er hielt sich die Nase zu. Na, wenigstens hatte er etwas mehr Mumm bekommen. Selbst abends beim duschen weinte er nicht mehr. Nur, er ging immer noch nach dem Sandmann ins Bett. Aber wenigstens konnte ich tagsüber mit ihm rumstromern.

An einem Nachmittag gingen wir am See entlang durch den Wald. Ängstlich guckte er sich nach jedem Geräusch um. Hatte der immer noch Angst vor wilden Tieren? Nach einer Weile bat er mich aufzupassen ob jemand kommt. Erst musste ganz dringend kacken und wollte das hinter einem Busch machen. Bis zum Klo hätte er es nicht mehr geschafft. Und auch auf Tiere sollte ich aufpassen. Dann flitzte er hinter den Busch und ich hörte ihn pupsen. Der Geruch, der wenig später in meine Nase kam, roch wie unser Schweinestall. Und schon kam mir ein Einfall.

Ich schlich mich an den Busch und grunzte laut wie unser Schwein. Wie ein Blitz rannte Detlef laut schreiend, mit runter gelassenen Hosen, in den See. Im flachen Wasser stolperte er und stürzte kopfüber in den See. Ich lag am Ufer und hielt mir den Bauch vor Lachen. Detlef zog seine Hosen hoch und stapfte nach Hause.

Ein paar Tage später machten wir eine Dampferfahrt zur Müritz nach Röbel. Der Dampfer legte an unserem Bootssteg an und wir stiegen ein. Mutti hatte was zu essen und zu trinken dabei. Das konnte man auf dem kleinen Dampfer nicht kaufen. Am Anfang war die Fahrt sehr schön. Wir fuhren über kleine Seen, Kanäle und Schleusen. Die Müritz war langweilig. Nur Wasser. Sonst gab es nichts zu sehen. Bis der Gewittersturm kam. Der Dampfer schaukelte ganz schön.

Mir machte das erstaunlicher Weise nichts aus. Vati und Mutti wurden aber etwas blass um die Nase. Laufend rannten Leute mit dicken Backen an uns vorbei zu hinteren Teil des Dampfers. Dort war das Klo und ein Geländer. Dort beugten sich einige drüber und spukten ihr Frühstück ins Wasser. Nach einer halben Stunde war alles vorbei und wir legten wenig später in Röbel an. Wir gingen mit wackeligen Beinen an Land. Dort fragte ich Detlef, ob er mit eine Bockwurst essen kommt. Kaum hatte ich das Wort Essen ausgesprochen, spukte auch Detlef sein Frühstück ins Wasser. Den Rest des Tages ging es ihm schlecht. Wir hatte zwei Stunden Aufenthalt in Röbel, dann ging es zurück. Spät abends waren wir wieder in den Bungalows. Detlef hatte sein Sandmännchen verpasst.

An einem anderen Tag wurde der See abgefischt. Das guckten wir uns vom Boot aus an. Auf dem Kutter sahen wir einige riesige Hechte liegen. Von nun an ging ich mit gemischten Gefühlen baden. Und schon garnicht nackig. Die Fische sollte ja auf den kleinsten Wurm beißen.

Eigentlich war es ein langweiliger Urlaub. Ich freute mich auf zuhause und meine Freunde. Das waren keine Angsthasen und Memmen.

Den Rest Sommerferien fuhren wir am liebsten zum baden in den Schmiedern. Das war ein riesiger Steinbruch bei Landsberg. Das Wasser war sehr kalt und klar. Erst gegen Ende der Ferien wurde das Wasser wärmer. Meistens fuhren Worsti, Bobby, Rudi, Popei und ich zusammen dorthin. Und meistens hatte wir auch viel zu transportieren. Worsti hatte einen Schlauch aus einem Treckerreifen. Der war schon von seinem Vater mit einem Kompressor aufgeblasen worden. Mit der Luftpumpe hätten wir das nie geschafft. Popei hatte einen Kesseldeckel. Der passte in die Mitte von dem Gummireifen. So hatten wir ein großes Floß. Worsti's Mutter gab uns ab und zu mal einen großen Stapel kalte Eierkuchen oder Kartoffelpuffer mit. Ich nahm oft eine harte Bratwurst mit. Und ein Stück Brot und eine große Flasche Pfefferminztee. Bobby und ich hatten eine Taucherbrille. Damit konnten wir unter Wasser Fische beobachten oder die Schwimmer. Das sah wie immer doof aus.

Mit unseren Fahrräder transportierten wir alles zum Steinbruch. Als erstes wurden zwei Decken ausgebreitet und ein Handtuch nass gemacht. Das wurde über unseren Proviant gelegt. Dann brachten wir den Gummireifen ins Wasser und legten den Kesseldeckel rein. Wir setzten unsere Taucherbrillen auf, kühlten uns ab und gingen ins Wasser. Den Gummireifen schoben wir schwimmend vor uns her. Ab und zu tauchte ich auf den Grund um einen Stein hochzuholen, den ich, nachdem ich ihn allen gezeigt hatte, wieder ins Wasser zurück warf. Einmal schwamm ich im Abstand von ein paar Metern Worsti hinterher. Der machte plötzlich seinen Buckel krumm, zog sich die Hose runter und ließ ein mächtiges, braunes U-Boot auftauchen. So ein Ferkel. Ins Wasser pullerten ja alle. Vielleicht war deshalb am Ende der Ferien das Wasser wärmer. Aber kacken? Das hätte er ja auch hinter den Brombeeren machen können. So wie andere auch. Wenn wir Brombeeren naschen wollten, mussten wir immer genau hinschauen, wo wir hintraten. Auch auf einen Brombeerzweig wollten wir auch nicht treten. Wegen der Stacheln. Auf unserem Gummifloß ließen wir uns treiben und sprangen von ihm ins Wasser oder versuchten es zum kentern zu bringen. Das war immer ein riesiger Spaß. Zum Abendbrot um 18.00 Uhr mussten wir wieder zuhause sein. Wenn ein Gewitter aufzog, mussten wir uns beeilen, dass wir zuhause waren, bevor es losging. Da passten die Erwachsenen, die dort auch badeten, auf und scheuchten uns beizeiten los.

Gegen Ende der Sommerferien wurden die Getreidefelder abgeerntet. Dann kam für uns die Zeit des Hamster grabens. Das hieß, wir buddelten Hamsterbaue aus, um an ihre Vorratskammern zu kommen. Mäusebaue gruben wir auch aus, aber das lohnte sich meistens nicht.

So zogen Bobby, Worsti und ich an einem Vormittag mit einem Spaten los um für Bobby's Opa eine ordentliche Menge Getreide für seine Hühner zu...



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