Schmidt | Verschollen in British Columbia | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 310 Seiten

Reihe: Die Anna-Behringer-Reihe

Schmidt Verschollen in British Columbia


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-6736-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 5, 310 Seiten

Reihe: Die Anna-Behringer-Reihe

ISBN: 978-3-6957-6736-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nachdem sie Bills Bruder George vor der Hinrichtung retten konnten, kehren die deutsche Ärztin Anna Behringer und der indigene Wildtierbiologe Bill Miles zu dessen Ranch in Oregon zurück. Dem Wunsch seines Bruders, ihre jahrelang verschollene Schwester Margaret zu suchen, fühlen sich Bill und Anna zutiefst verpflichtet, als der Schuss eines Attentäters George ins Koma befördert. Die Suche nach Margaret konfrontiert Anna und Bill mit einem düsteren Kapitel der indigenen und kanadischen Geschichte und führt sie tief in die gefährliche Wildnis des Great Bear Rainforest an der Pazifikküste British Columbias. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit - werden Anna und Bill Margaret rechtzeitig finden und zu George bringen können, der mit dem Tode ringt?

Birgit Schmidt ist ein Kind des Ruhrgebietes. Geboren 1964 wuchs sie in Dortmund und Gelsenkirchen auf, studierte und promovierte in Essen in der Humanmedizin. Von 1990 bis 2016 arbeitete sie als Gynäkologin zunächst in der Klinik, später in der eigenen Praxis. In ihrem zweiten Leben widmet sie sich der Kunst, ist als Malerin, Fotografin und Autorin tätig. Bisher wurden diverse Kurzgeschichten in verschiedenen Büchern veröffentlicht, 2019 gab sie zum Weltfrauentag eine Anthologie mit Short Storys heraus, 2021 wurde eine weitere Anthologie mit Kurzgeschichten unter dem Titel »Frauen geben niemals auf« veröffentlicht. 2020 erschien ihr erster Roman »Flucht zum Crater Lake«, der Auftakt der Anna-Behringer-Reihe, 2021 der zweite Band mit dem Titel »Verrat im Yellowstone«, 2023 der dritte Band »Entführt in Florida« und 2024 Band vier »Unrecht in Texas«. 2025 erschien eine Neuauflage von Flucht zum Crater Lake, dabei handelt es sich um eine überarbeitete und erweiterte Fassung des ersten Romans.
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ANNAS VISION


Anna stützte die Hände in die Hüften und atmete tief ein. Die letzten Schritte waren ihr schwergefallen, sie musste stehenbleiben, um mehr Luft zu bekommen. Eine Stunde war sie zügig bergan gestiegen, jetzt hatte sie endlich den oberen Rand des Kessels erreicht. Vor Anstrengung pochte ihr Herz wie verrückt. Glücklicherweise setzte ein leichter Regen ein und kühlte ihr erhitztes Gesicht. Für einen Moment schloss sie die Lider und genoss die Feuchte auf der Haut.

Wieder einmal war sie überwältigt von dem unbegreiflich tiefen Blau des Crater Lake. Vor fünf Jahren hatte das erste Mal sie diesen geheimnisvollen See erblickt. Damals war sie Hals über Kopf aus Deutschland vor ihrem psychopathischen Ehemann geflohen. Doch Paul und die State Police hatten sie bis in die Wildnis Oregons verfolgt. Dort war sie dann zufällig Bill begegnet, der sie selbstlos vor beiden beschützte. Am Crater Lake war es schlussendlich zum Showdown gekommen, bei dem ihr Mann in den Tod gestürzt war. Im darauffolgenden Winter hatte sie ihren Job als chirurgische Oberärztin in einer renommierten Frankfurter Klinik aufgegeben und war zu Bill in die Staaten zurückgekehrt. Während ihrer gemeinsamen Arbeit an einem Wolfsprojekt im Yellowstone-Nationalpark hatten sie zueinandergefunden.

Langsam sog Anna die rauchige Luft ein. Bald würde der erste Schnee fallen und seine schützende Decke über der Natur ausbreiten. Seit jeher liebte sie diese Zeit, die die Vergänglichkeit alles Lebenden offenbarte, aber gleichzeitig demjenigen Ruhe und Frieden schenkte, der sein Herz dafür öffnete. Konzentriert, um jede noch so winzige Einzelheit aufzunehmen, ließ sie den Blick über den See schweifen, der sich vor fast sechstausend Jahren nach einer Eruption des Vulkans Mount Mazama in dem eingebrochenen Krater gebildet hatte. Außer ihr war niemand hier. Nachdem Bill sie an der Straße, die den See umrundete, abgesetzt hatte, war ihr kein Mensch begegnet. Nur der krächzende Ruf eines Kiefernhähers hallte über das blaue Wasser und fand sein Echo an den Kraterwänden.

Unbewegt und unergründlich lag der See vor ihr. Von alters her war er für viele Indigene ein heiliger Ort, für Anna jedoch mit traurigen Erinnerungen verbunden. Unweit von hier war Bills Vater gestorben, in einer Höhle am gegenüberliegenden Kraterrand hatten sie ihn bestattet. Wie so oft versetzte ihr der Gedanke an Grey Owl einen Stich ins Herz. Obwohl der alte Mann sie nicht gekannt hatte, war er ihr von Anfang an wohlgesonnen gewesen. Und dann hatte ihn eine Kugel aus Pauls Gewehr tödlich verletzt. Ein kaltblütiger Mord. Bis heute war sich Anna nicht sicher, ob die Kugel nicht ihr gegolten hatte. Kein einziges Mal hatte Bill ihr das vorgeworfen, doch insgeheim gab sie sich die Schuld daran. Wäre sie Bill auf ihrer Flucht nicht begegnet, hätten er und Grey Owl ihr nicht geholfen. Hätte Paul sie nicht verfolgt, hätte er Bills Vater nicht erschossen. Sie seufzte. Hätte, hätte, hätte. Dinge passierten nun einmal, man hatte nicht auf alles Einfluss. Schicksal, sagten manche, was geschehen soll, geschieht. Trotzdem …

Gleichzeitig war sie glücklich und dankbar, Bill getroffen zu haben. Er gehörte zum Stamm der Nez Percé, lebte jedoch nicht im Reservat, sondern mit ihr auf der Ranch, die er von seinem Vater nach dessen Tod übernommen hatte. Seitdem sie in den USA wohnte, hatte Anna nicht mehr als Ärztin gearbeitet und mit ihm manch brenzliges Abenteuer bestritten. Doch schon einige Zeit überlegte sie, wie es für sie weitergehen sollte. In der Vergangenheit hatte Bill mehrmals den Crater Lake aufgesucht, um dort zu meditieren und Antworten auf Lebensfragen zu erhalten, deshalb hatte er ihr vorgeschlagen, ebenfalls an diesem See die Inspiration für eine Entscheidung zu suchen.

Solch eine Geisterreise, wie Bill es nannte, war nicht ungefährlich. Man musste sich allein an einen Meditationsort begeben und drei Tage und Nächte ohne Essen und Trinken in der Wildnis Einkehr halten. Da auch sein Bruder George eine Meditationsreise machen wollte, waren sie am Morgen zu dritt von der Ranch aufgebrochen. Bill hatte zuerst George zur Ostseite des Sees gebracht und danach Anna auf eigenen Wunsch im Westen nahe Wizard Island abgesetzt. So würde jeder für sich seinen Weg finden.

Bill hatte Anna eine Decke umgehängt, die seine Oma mit dem jahrhundertealten Muster seines Stammes gewebt hatte, und ihr versprochen, sie in drei Tagen an derselben Stelle wieder abzuholen. Beim Abschied hatte er ein Töpfchen mit blauer Farbe aus seiner Jackentasche geholt und mit dem Finger einen Punkt auf ihre Stirn gemalt. Dann hatte er sie lange geküsst, war in seinen betagten Ford gestiegen und heimgefahren, ohne sich noch einmal nach ihr umzusehen. Beim Anstieg hatte Anna unter der Decke geschwitzt, aber an diesen nebligen Herbsttagen und in den kalten Nächten würde sie ihr vor dem Wetter Schutz gewähren.

Vorsichtig kletterte sie vom Kraterrand hinab. Hier gab es nirgends einen Weg, und sie musste höllisch aufpassen, auf dem Geröll nicht zu stürzen. Glitt sie aus und verletzte sich schwer, dauerte es womöglich Tage, bis man sie fand. Fraglich, ob sie das in den vorausgesagten Frostnächten überleben würde. Sie verdrängte den Gedanken und stieg weiter abwärts. Zwar hätte sie am Kraterrand entlanglaufen und an der nördlichen Seeseite den einzigen regulären Weg hinab zum Ufer gehen können. Doch ihr Plan war ein anderer. Wohin genau sie am Crater Lake wollte, hatte sie Bill nicht erzählt – und er hatte nicht gefragt. Den genauen Ort müsse jeder für sich behalten, um seine Vision zu erlangen, waren seine Worte gewesen. Mit ihm war sie damals nach Wizard Island gekommen, genauer gesagt, sie waren vor einem verheerenden Waldbrand dorthin geflüchtet. Die dem Uferrand zum Greifen nahe liegende Insel mit dem kegelförmigen Berg, der einem Zauberhut glich, zog sie unwiderstehlich an. Äußerst vorsichtig kletterte sie Stück für Stück hinab, musste jedoch mehrmals spagatähnliche Ausfallschritte machen und mit den Händen ins Felsgeröll fassen, um sich abzufangen. Mit klopfendem Herzen erreichte sie endlich das Ufer.

Vor ihr lag der Skell Channel, dahinter Wizard Island. Das Wasser des schmalen Kanals schien nicht tief zu sein. Nach einem extrem trockenen Sommer war der Pegel mehr als einen Meter abgefallen. Da der See keinerlei Zuflüsse hatte, bestimmten ausschließlich Niederschlag und Verdunstung seine Tiefe. Wizard Island war die größte Insel im See, ihr waren neun kleinere Eilande vorgelagert. Die Entfernung bis zum ersten schätzte Anna auf höchstens zweihundertfünfzig Meter. Sie zog Schuhe und Strümpfe aus, wickelte alles in die Decke und rollte die Hosenbeine hoch. Dann nahm sie das Paket unter den Arm und stieg zaghaft ins Wasser. Es war nicht so kalt, wie sie befürchtet hatte. Vorsichtig balancierte sie auf den glatt geschliffenen Steinen, bis sie auf sandigen Boden trat. Von da an kam sie besser voran. Sie hatte sich nicht getäuscht, der Kanal zwischen dem Ufer und der Insel war nicht tiefer als siebzig Zentimeter. So erreichte sie den schmalen Strand. Sie legte das Paket ab und ruhte sich eine Weile aus. Niemand würde sie hier stören. Nur in den Sommermonaten steuerten Bootstouristen Wizard Island an. Sie starteten in Cleetwood Cove am nördlichen Ende des Crater Lake, umrundeten den See gegen den Uhrzeigersinn und hielten an einem Dock in Governors Bay auf der Südseite der Insel. Dort standen auch die einzigen Gebäude.

Nachdem der kühle Novemberwind ihre Beine und Füße getrocknet hatte, zog sie Strümpfe und Schuhe an und marschierte Richtung Südwesten. Bald darauf lag Fumarole Bay vor ihr, in der ein felsiger Küstenpfad seinen Anfang nahm. Es war längst Nachmittag, als sie die Südspitze der Bucht erreichte. Von dort schlängelte sich ein schmaler Weg durch den Kiefernwald bergan bis zum höchsten Punkt der Vulkaninsel. Oben pfiff ein eisiger Wind, aber sie fühlte sich wunderbar frei und eins mit der Natur. Anna stand am Rand von Witches Cauldron, einem hundertfünfzig Meter breiten und dreißig Meter tiefen Vulkankrater und blickte nachdenklich auf die kleine, bizarr geformte Insel Phantom Ship an der südlichen Seeseite. Auf ihr war Paul in den Tod gestürzt.

Inzwischen war es dunkel geworden. Probehalber ließ sie sich am Fuße einer Kiefer nieder, doch trotz der Decke fröstelte sie schon nach wenigen Minuten. Jetzt im November fielen die Temperaturen nachts auf minus fünf Grad, da war ein windgeschützter Platz überlebenswichtig. Am Rand des Hexenkessels standen die Bäume zu weit auseinander, um ihr ausreichend Schutz zu gewähren. Es half nichts, sie musste den Trail wieder hinabsteigen und im Wald den passenden Ort für ein Nachtlager suchen.

Ab der vierten Kehre wuchsen die Kiefern so dicht, dass Anna trotz Taschenlampe kaum etwas erkennen konnte. Vorsichtshalber hatte sie auf dem Weg liegendes Totholz eingesammelt, das sie zwischen drei eng beieinanderstehenden Bäumen zu einem halbhohen Schutzwall aufstapelte. Die kleinsten Zweige schichtete sie auf und zündete ein Feuer an. Sie ließ sich auf dem weichen Waldboden nieder, lehnte sich an den mittleren...



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