Schmidt | Welt der Schwerter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 300 Seiten

Reihe: Welt der Schwerter

Schmidt Welt der Schwerter

Band 1
Originalausgabe 2021
ISBN: 978-3-948695-47-7
Verlag: Lindwurm Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 300 Seiten

Reihe: Welt der Schwerter

ISBN: 978-3-948695-47-7
Verlag: Lindwurm Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Welt, die den besten Krieger zum König kürt, wird stets eine Welt der Schwerter bleiben. Prinz Siluren der Zauderer soll heiraten. Nur die Ehe mit der Hohepriesterin Lynn garantiert ihm die Krone. Die Eskorte der Braut stellt Silurens Halbbruder, Cordian der Kaltblütige. Doch noch während ihrer Reise fällt die Armee des Nachbarreichs ins Land ein. Die eigensinnige Hohepriesterin ist nicht nur der Schlüssel zum Thron, sie trägt außerdem das Mal der Göttin, dessen Anblick jeden Mann in Liebe entbrennen lässt. Mit seinem heldenhaften Kampf um ihre Sicherheit gewinnt Coridan ihr Herz, doch darf sie ihr persönliches Glück über das des Reiches stellen? Unterdessen bringt der König Siluren in eine abgelegene Burg in Sicherheit, da Kampf und Krieg nie seine Stärken waren. Der ahnt, dass er mit einem Sieg endlich den Respekt des Vaters erringen würde - doch zu welchem Preis?

E. S. Schmidt wurde 1970 in Frankfurt am Main geboren und erfindet Geschichten seit dem 6. Lebensjahr. Einige davon sind in Zeitschriften und Anthologien vertreten und haben bereits Preise gewonnen. 2016 erschien ihr Roman 'Die zweite Finsternis', 2020 folgte die Fantasy-Trilogie 'Die Chroniken der Wälder' bei dotbooks. Weitere Informationen unter: http://esther-s-schmidt.de
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Kapitel 1


Nun also wurde mir die Salbung zuteil, und ich zittere. Ist es Ehre oder Bürde, Vorrecht oder Fluch?
– 14. Akh’Eldash, 1. Eintrag, Vers 3
Selbst sein Husten war der eines Tyrannen: gewaltig, derb und von despotischer Lautstärke. Speichel sprühte von Ruothgars Lippen, und sein Gesicht rötete sich vor Anstrengung.
Siluren senkte den Blick. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren stand er im königlichen Gemach. Vermisst hatte er diese Audienzen nicht, und wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er auch die Begegnungen beim gemeinsamen Mahl vermieden. Hoffentlich gesundete Ruothgar bald und ging wieder auf die Jagd oder brach aus irgendeinem Anlass in die Provinz auf.
Der Hustenanfall verebbte, und Ruothgar sank keuchend zurück. Jetzt erst trat Siluren in den Geruch nach altem Schweiß und dem Nachttopf unter dem Bett. Er verneigte sich. »Du hast mich rufen lassen, Vater.«
»Ja. Dich und Coridan.«
Es ging also nicht um etwas, das er getan oder versäumt hatte, sonst hätte Ruothgar mit der Zurechtweisung nicht auf Coridan gewartet.
Kanzler Panald trat hinter den Samtvorhängen vor, den Blick gesenkt und die Hände vor dem Bauch gefaltet.
»Warum ist er hier?«
»Der Kanzler muss über die wichtigen Dinge im Schloss Bescheid wissen.« Ruothgar wedelte mit einem leeren Glas, und sein Mundschenk füllte es neu. Blauer Felarer. Der schwere Rote war Ruothgars Gesundheit sicher nicht zuträglich, aber kein Wort Silurens würde den König je von eigenen Wünschen oder Plänen abrücken lassen.
»Ist Cor denn im Schloss?«
Ruothgar schnaubte. »Er hat Besseres zu tun, als in der Stube zu hocken und seine Nase in Papier zu stecken.«
Siluren reagierte schon lange nicht mehr auf diese Sticheleien. Hoffentlich konnte er bald zu seiner Lektüre von Shin Fus Werk zurückkehren. Vermutlich war seine Übersetzung das einzige Exemplar östlich der erstarrten Riesen. Welch wunderbarer Schatz! Schon die ersten klugen Worte dieser Abhandlung über den Krieg hatten ihn in ihren Bann gezogen, vor mehr als siebenhundert Jahren niedergeschrieben und noch immer so wahr. Nun lag das Buch auf Silurens Bett wie eine wartende Geliebte, während er hier Zeit vertat.
Siluren trat an eines der Fenster. Unten kehrten Diener den Neuschnee von den Wegen. Wie sehr er sich nach dem Frühling sehnte! Früher hatte Ruothgar ihn stundenlang in der Kälte exerzieren lassen, damit er sie zu lieben lernte – umsonst. Siluren hasste sie ebenso wie die Trostlosigkeit der Landschaft und den Mangel an frischem Obst und Gemüse.
Ein Reiter galoppierte heran, und obgleich die Bleiglasfenster die Sicht verzerrten, wusste Siluren, wer der Mann war. Schon der Ulphan, auf dem er ritt, war etwas Besonderes. Ulphane hatten von ihren Vorfahren, den Wisenten, eine gewisse Schwerfälligkeit geerbt, doch einem Züchter in den Seelanden war eine elegantere, schnellere Erblinie mit rotbraunem Fell gelungen. Nur eine Handvoll Männer in Galathräa besaßen einen solchen Kupfer-Ulphan, und nur einer von ihnen pflegte diese Kostbarkeit mit so halsbrecherischer Kühnheit über den gefrorenen Boden zu jagen. Das Tier schlitterte, als der Reiter es auf die Hinterhand zwang, und war kaum zum Stehen gekommen, als er aus dem Sattel sprang. Ehe ein Diener die Zügel übernommen hatte, verschwand er aus Silurens Blickfeld.
Siluren wandte sich um. »Cor wird gleich hier sein.«
Ruothgar hatte derweil das nächste Glas Wein geleert. »Gut.«
Schweigen senkte sich erneut über den Raum. Ruothgar starrte auf den Schädel eines wilden Wisents, der ihm gegenüber die Wand zierte. Die vier Hörner, jedes so lang und dick wie ein Männerbein, machten deutlich, wie mächtig das Tier zu Lebzeiten gewesen sein musste. Ruothgar hatte es mit dem Bogen erlegt, als er gerade einmal zehn Jahre alt gewesen war.
Ungezählte Male hatte Siluren diese Geschichte gehört, stets gefolgt von einem Vortrag darüber, was von einem zukünftigen König erwartet wurde. Heute genügte Ruothgars Blick dorthin, um all das in Erinnerung zu rufen, dazu jede enttäuschte Erwartung, jeden bitteren Vorwurf und vor allem jenen Höhepunkt des Versagens: den unseligen Karindenbock.
Energische Schritte näherten sich, dann klopfte es. Auf einen Wink des Königs öffnete der Türdiener, und klirrenden Schritts trat Coridan ein. Er roch nach Ulphan, nach Kälte und Schnee und hatte sich nicht einmal die Zeit genommen, seinen wolfspelzverbrämten Mantel abzulegen. Vor Ruothgars Bett sank er auf ein Knie und neigte den Kopf. »Majestät.«
Coridans Haltung drückte eine tief empfundene Ehrerbietung aus, um die Siluren ihn beneidete. Wie gerne hätte er seinem Vater und König solchen Respekt entgegengebracht.
»Steh auf, Sohn.« Ruothgar hielt Coridan die Hand hin. Der küsste den königlichen Siegelring, trat einen Schritt zurück und nickte Siluren zu, der den Gruß auf die gleiche verhaltene Art erwiderte.
Ruothgar stemmte sich hoch, und der Diener beeilte sich, ihm Kissen in den Rücken zu schieben. Schließlich saß der König aufrecht und betrachtete seine Söhne, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. Zwar hatten beide Ruothgars breite Schultern und den edlen Wuchs geerbt, doch während Siluren die weichen Züge und das blonde Haar seiner Mutter besaß, war Coridan kantig und schwarzhaarig. Selbst frisch rasiert lag ein Bartschatten auf seinem Kinn. Siluren war zwar größer, Coridan dafür breiter und muskulöser.
Doch so stattlich sie beide auch waren, Siluren wusste, dass das Strahlen in den Augen des Königs nicht ihm galt. Coridan, dessen Mut ein Jahr zuvor die Schlacht von Carondim gewendet hatte, war ganz nach dem Herzen des Vaters geraten. Er wäre der ideale Thronfolger gewesen. Doch seine Mutter war eine einfache Magd, und so stand ihm der Thron nicht zu.
Diese Tatsache bedauerten sie wohl alle drei.
»Seit Monaten«, begann Ruothgar, »liegt mir Panald in den Ohren, dass ich endlich meine Nachfolge regeln soll, und ich denke, er hat recht.«
»Es ist nur ein Schnupfen«, sagte Cor. »In ein paar Tagen bist du wieder auf den Beinen.«
Im ersten Moment war Siluren geneigt, ihm zuzustimmen. Er konnte sich den Doppelthron nicht ohne Ruothgar vorstellen. Der König hatte über vierzig Jahre alt werden müssen, bis sein Vater nach der Akh’Eldash geschickt hatte, und er würde seine Macht so schnell nicht wieder hergeben. Das hatte er Siluren oft genug unter die Nase gerieben.
Doch es war erschreckend, wie schnell Ruothgar in den letzten Wochen gealtert war. Jahre der Unmäßigkeit im Arbeiten wie im Feiern forderten ihren Preis. Selbst die unwillige Handbewegung, die er jetzt machte, wirkte ungewohnt fahrig.
»Ich habe den Schwirrer heute fliegen lassen. Die Tempelschwestern werden die Zeremonie vollziehen und die Akh’Eldash salben. Sobald sie hier ist, heiratet ihr.« Er musterte Siluren scharf, erwartete wohl Widerspruch. Doch Siluren hatte immer gewusst, dass es eines Tages geschehen würde. Er hatte nur gehofft, dass ihm die Ehe mit einer Unbekannten und die Bürde der Krone noch eine Weile erspart bleiben würden.
Ruothgar wirkte enttäuscht über Silurens Schweigen. »Ein toter Fisch könnte mehr Begeisterung zeigen als du.«
»Wann wird der Kanzler aufbrechen?« Cor lenkte mit dieser Frage die Aufmerksamkeit des Königs wieder auf sich. Noch immer war Siluren dankbar für diese kleinen Gesten des Schutzes.
Ruothgar erwiderte: »Ich habe nicht vor, Panald zum Tempel zu senden. Diese Ehre wird dir zuteilwerden.«
Cor war sichtlich überrascht. »Du sendest mich, um die Akh’Eldash zu holen?«
»Wer wäre besser geeignet, die Braut des zukünftigen Königs zu beschützen, als dessen Bruder?« Ruothgar winkte dem Türdiener. »Ruf den Schreiber her – und du, Cor, stellst dir deine Truppe zusammen.«
»Jawohl, Vater.«
»Wähle keine allzu prachtvollen Burschen, sonst verfängt sich die Akh’Eldash in Wunschträumen, die Siluren nur enttäuschen kann.« Er lachte. »Seine Mutter hat es jedenfalls genossen, ein wenig rauer angepackt zu werden.«
Man hatte Siluren seine Mutter als zart, fast feenhaft beschrieben, eine Fünfzehnjährige, die nur das Leben im Tempelstift gekannt hatte. Was mochte sie empfunden haben, als der grobschlächtige, fast dreimal so alte Ruothgar in der Hochzeitsnacht über sie hergefallen war?
Diesmal nützte ihm sein Schweigen nichts – Ruothgar las den Unwillen in seinen Augen. »Glaub es ruhig. Deine Mutter hat sich nie beklagt.«
»Immerhin hat sie an einem Leben mit dir nicht sonderlich festgehalten.«
Ruothgar erstarrte. Sein weingerötetes Gesicht verdunkelte sich noch mehr. »Hinaus!«
Siluren gehorchte wortlos. Mit schnellen, hämmernden Schritten durchquerte er Salon und Vorzimmer. Erst im Kabinett wurde ihm bewusst, dass er floh. Er blieb stehen und ballte die Fäuste, um das Zittern zu bezwingen.
Coridan war ihm gefolgt, trat nun neben ihn. »Das hättest du nicht sagen sollen.«
»Er auch nicht.«
Natürlich hatte Ruothgar seine Frau geliebt. Der No’Ridahl, der Kuss der Göttin, sorgte dafür, dass jeder Mann in Liebe zur Akh’Eldash entbrannte, sobald er das Mal auf ihrer Stirn erblickte. Damit garantierte die Göttin seit über tausend Jahren, dass der König seine Macht mit dem Tempel teilte.
Doch solange Siluren lebte, war der Doppelthron auf der rechten Seite leer gewesen.
»Ich frage...


E. S. Schmidt wurde 1970 in Frankfurt am Main geboren und erfindet Geschichten seit dem 6. Lebensjahr. Einige davon sind in Zeitschriften und Anthologien vertreten und haben bereits Preise gewonnen. 2016 erschien ihr Roman "Die zweite Finsternis", 2020 folgte die Fantasy-Trilogie "Die Chroniken der Wälder" bei dotbooks.

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