E-Book, Deutsch, 438 Seiten, Web PDF
Schmittat Asset Backed Securities
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8350-5536-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die Verbriefung von Handelsforderungen als Finanzierungsalternative für den großen Mittelstand
E-Book, Deutsch, 438 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8350-5536-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Johannes E. Schmittat befasst sich mit den verschiedenen Effekten der Verbriefung von Handelsforderungen und untersucht deren tatsächlichen Nutzen auf Basis der bestehenden Corporate Finance Literatur empirisch. Mit Hilfe von Clinical Studies und Case Studies analysiert er einzelne Transaktionen intensiv mit dem Ziel eines umfangreichen Verständnisses der Verbriefungen. Hierbei werden Einblicke in die Finanzierungsentscheidungen der Unternehmen und der hierfür wichtigen Einflussfaktoren gegeben. Abschließend vergleicht und bewertet der Autor die Motive der verbriefenden Unternehmen mit den ermittelten Wertschöpfungspotenzialen.
Zielgruppe
Research
Weitere Infos & Material
Grundlagen zu Asset Backed Securities.- Der große Mittelstand.- Forschungsdesign.- Effekte von Forderungsverbriefungen.- Empirische Untersuchungen.- Analyse der empirischen Untersuchungen.- Zusammenfassung und Bewertung.
(S. 13-14)
In einer ABS-Transaktion (auch Verbriefung genannt) werden ausgewählte Forderungen in einem Pool zusammengefasst und von einem Originator22 an ein Special Purpose Vehicle (SPV) veräußert. Diese Zweckgesellschaft .nanziert sich durch die Ausgabe von Wertpapieren, die mit den gekauften Forderungen besichert sind und daher Asset Backed Securities genannt (ABS) werden. Risiken werden auf diese Weise neu zusammengestellt und auf verschiedene Gruppen von Investoren übertragen.23 In diesem Kapitel werden für das Verständnis der Arbeit hilfreiche Grundlagen zu ABS gelegt. Zunächst wird ihre historische Entwicklung beschrieben und anschließend die aktuelle Marktsituation in Deutschland sowie die Eigenschaften der Verbriefung von Handelsforderungen als Spezialform der ABS erörtert.
2.1 Historische Entwicklung von Asset Backed Securities
Asset Backed Securities haben in den USA eine lange Tradition. Als in den 1970ern die Gefahr eines Anstiegs der Kreditnachfrage für Wohnungsimmobilien auf Grund demographischer Entwicklungen bestand und nicht gesichert war, ob die Kredite in Zukunft weiterhin mit den bestehenden Strukturen zur Verfügung gestellt werden könnten, gründete die US-Regierung verschiedene so genannte Government Sponsored Entities (GSEs)24 mit dem Ziel, durch die Verbriefung von Hypotheken für zusätzliche Liquidität auf diesem Markt zu sorgen. Die GSEs poolen die verschiedenen Forderungen aus Hypothekendarlehen und stellen die Strukturen zur Verbriefung zur Verfügung (oder verbriefen auch selbst). Sie sorgen für Standardisierungen, übernehmen Monitoring-Aktivitäten und stellen durch ihre quasi staatlichen Garantien sichere Produkte zu attraktiven Zinssätzen zur Verfügung.
Die Nutzung dieser Strukturen ermöglicht es den Banken (und sonstigen Anbietern von Immobilien.nanzierung), die Hypotheken aus ihrer Bilanz zu entfernen und zusätzliche Mittel für weitere Kredite zu erhalten. Die mit den Hypothekenforderungen gesicherten Wertpapiere werden Mortgage Backed Securities (MBS) genannt. Seit den 1970er Jahren hat der amerikanische MBS-Markt bereits eine lange Entwicklung hinter sich, während der die Verbriefungsvolumina immer weiter anstiegen, so dass heute über 50% aller privaten Immobilien.nanzierungen in den USA verbrieft werden.26 Der nächste große Schritt war die Entwicklung von ABS-Strukturen, die nicht mehr mit Hypothekenkrediten, sondern mit anderen Forderungen unterlegt waren. Eine solche Transaktion fand zum ersten Mal im Jahre 1985 statt.
Seitdem wurden immer neue Asset-Klassen für die Verbriefung entdeckt. Kreditkartenforderungen, Autokredite, Flugzeugkredite, sogar Einnahmen aus CD-Verkäufen oder englischen Pubs wurden schon verbrieft. Die letzte Steigerung sind so genannte Whole Business Securitizations, bei denen die Zweckgesellschaft alle Aktiva eines Unternehmens als Sicherheit erhält.27 In Europa begann man erst einige Zeit später, ABS-Strukturen zu verwenden. Zwar gab es in Großbritannien bereits 1987 die erste MBS-Verbriefung, relevante Volumina wurden jedoch erst Mitte der 1990er Jahre erreicht. Deutschland liegt hierbei im europäischen Vergleich zurück, da die verstärkte Nutzung von ABS hierzulande erst 1997 begann.
Zum einen kann die langsamere Entwicklung des deutschen ABS-Markts damit zusammenhängen, dass es in Deutschland nicht, wie in England, Spanien und Frankreich ein eigenes ABS-Gesetz gibt, sondern die Rechtsvorschriften mehrerer Gesetze Anwendung .nden. Dies sorgt für ein komplexes Rechtsumfeld. Sicherlich hat jedoch auch die traditionelle Finanzierung deutscher Unternehmen über Bankkredite und das Hausbankprinzip28 ihre Aus wirkungen auf die verzögerte Nutzung von ABS. Im Hinblick auf das Ausfallrisiko nicht adäquat gepreiste Kredite haben ABS unattraktiver gemacht. Auch ist die Nutzung des Kapitalmarkts in den USA wesentlich stärker in der Unternehmens- .nanzierung vertreten als in Deutschland. Dort werden 26% des Fremdkapitals über Bonds zur Verfügung gestellt, während es in Deutschland nur 8% sind.




