Schnee | Der Schlüssel nach Arvranna | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Reihe: LYX.digital

Schnee Der Schlüssel nach Arvranna


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7363-0122-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-0122-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Um den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen, muss Holly nach Arvranna reisen. Dort angekommen wird sie jedoch gefangen genommen und an einen Menschenhändler verkauft. Nach Tagen der Qual kann der gut aussehende und verschlossene Krieger Ben sie retten. Holly spürt sofort eine tiefe Verbindung zu ihm, doch Ben entzieht sich ihr immer wieder. Denn Ben hütet ein furchtbares Geheimnis, das ihm verwehrt, jemals glücklich zu sein ... (ca. 300 Seiten)

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Haydan Sol Ben Krain – Mein Leben ist der Tod


Dutzende schwarze Krähen überflogen die Ebene. Sie hielten Ausschau nach leichter Beute und kreisten über den Köpfen der Aufräumgruppen.

Die Beendigung der Kämpfe gab den Siegern dieser Schlacht jedoch keine Zeit zum Ausruhen oder Feiern. Die Kämpfer der zwei verfeindeten Heere hatten sich zurückgezogen, um sich neu zu formieren. Viele betrauerten die Gefallenen, andere versorgten kleinere Wunden an ihren unsterblichen Körpern. Es hatte erneut wahre Opfer gegeben in diesem Krieg. Kämpfer, die nie mehr zurückkehren sollten in die Reihen ihrer Kameraden.

Haydan schritt über das Feld und suchte nach seinem Bruder. Dorian war getötet worden, und nun lag es an ihm, ihn nach Hause zu bringen. Sein Herz war schwer von der Trauer und der unstillbaren Wut auf ihre Feinde.

Endlich, nach über einer Stunde kam er zu der Stelle, an welcher Dorian von den Nargs überrannt worden war. Tolan, der beste Freund seines Bruders, war ihm voraus geeilt und kniete bleich und fassungslos auf der blutgetränkten Erde und ließ seinem Zorn freien Lauf. Haydan starrte stumm auf das Schlachtfeld, sein Kopf war leer gefegt und er verspürte eine Hilflosigkeit, die er so nie wieder erleben wollte. Bald kamen andere zu ihnen, und gemeinsam bargen sie den Toten und trugen ihn zurück zu ihrem Zelt. Niemand wagte es, sie anzusprechen oder auch nur anzusehen. Jeder im Lager wusste um diesen großen Verlust, und alle Krieger trauerten mit dem Clan der Sol Ben Krain.

»Wozu sind wir unsterblich, wenn diese Nargs uns doch so einfach töten können?«

»Ich weiß es nicht, Tolan, jedoch werde ich für Dorian heute Nacht ein Massaker unter den Nargs anrichten. Kein Feind nimmt mir ungestraft meinen Bruder und erblickt das Licht des nächsten Tages!«

»Ich werde an deiner Seite sein, Haydan, auch wenn wir in den letzten Jahren keine guten Freunde mehr waren. Nicht, seitdem …«

Haydan unterbrach den anderen Krieger mit einem eisigen Blick.

»Lass es gut sein, Tolan. Ich werde an deiner Seite kämpfen, allerdings können wir beide nie wieder Freunde sein. Nicht nach deinen Worten vorhin auf dem Schlachtfeld, und nicht nach dem was vor über sechzig Jahren hier geschah.«

»Haydan.«

»Nicht jetzt. Meine Familie trauert. Schließ dich uns an oder geh deiner Wege. Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld wieder.«

Sie erreichten das Lager und brachten Dorian ins Zelt der Heiler. Tolan stellte sich stumm in eine Ecke und hielt Totenwache für seinen Freund. Nach und nach trafen andere Mitglieder des Clans Sol Ben Krain ein. Draußen vor dem Zelt versammelten sich die Kämpfer aus Dorians Gefolge und erwiesen ihrem Anführer die letzte Ehre. Ein dunkler Schatten legte sich auf die Herzen der gestandenen Männer und Frauen. Sie alle wussten, wie verlustreich der Kampf gewesen war, obwohl sie das Schlachtfeld als Sieger verließen. Niemand würde heute diesen Sieg bejubeln oder über die Ebene gehen, um die Kriegsbeute einzusammeln.

Viele der Krieger waren des Kämpfens müde und hinterfragten bereits den Sinn ihres täglichen Einsatzes. Gab es nicht noch etwas anderes hinter dem Horizont blutiger Schlachten und zermürbender Wachen an den Grenzen? Die Krain konnten an diesem Abend keine Hoffnung mehr sehen, und so verfielen die Männer in tiefes Schweigen, während sie ihren trüben Gedanken nachhingen.

Sie wussten nicht mehr genau, wann dieser Krieg begonnen oder von welcher Seite er ausgegangen war. Jeder von ihnen handelte auf Befehl des jeweiligen Herrschers, und alle kämpften gemeinsam bis zum bitteren Ende. Auge um Auge.

Für jeden der ihren, den die Dämonen töteten, nahmen sie bittere Rache. Ein endloser Krieg, den niemand gewinnen konnte. Ein Kreislauf aus Kampf und Tod für den König und das Land, bis keiner mehr da sein würde, der sie betrauerte.

Die Nacht brach herein und der letzte Kampflärm verstummte. Es wurde still, selbst die Verletzten unterdrückten die Schmerzensschreie und erstickten ihr Stöhnen, indem sie ihre Hände auf den Mund pressten. Im ganzen Lager hatte man die Flaggen des Königs auf Halbmast gehisst, und vor einem der nun leeren Zelte wehte die schwarze Fahne des Todes. Der tollkühnste Kämpfer der Armee, Dorian Sol Ben Krain, war tot.

Im Zelt stand Haydan wie erstarrt vor dem Aufbahrungsplatz des besten Bruders, den ein Mann nur haben konnte. Tränen liefen ihm übers Gesicht. Die erste Gefühlsregung, die er sich seit Jahren gestattete, denn heute konnte er nicht aufhalten, was aus ihm herausbrach.

Das Unfassbare war geschehen, sein Zwilling weilte nicht mehr unter ihnen. Die Sense eines Nargs hatte ihn enthauptet. Niemals wieder sollte der lebensfrohe junge Mann nun seine Scherze mit Haydan treiben oder ihn, den Jüngeren, beschützen. Dorian, einst nur wenige Minuten vor ihm geboren, bekam nie wieder die Schönheit eines neuen Tages zu sehen.

Haydan ballte die Hände zu Fäusten, die einzige Reaktion, die er sich erlaubte, um seiner ihm den Verstand raubenden Wut Herr zu werden. Seine jüngste Schwester war an seine Seite getreten. Raja starrte ihn mit leeren Augen an und wartete anscheinend darauf, dass er sie tröstete. Sie konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten, und doch würde Haydan ihr nicht helfen. Selbst in diesem Augenblick war es ihm unmöglich, Körperkontakt zuzulassen.

Ihr Blick wanderte zwischen ihm und dem Gefallenen hin und her. Er wusste, was sie sah. Den Unterschied zwischen den Zwillingen. Sie mochten gleich aussehen, aber dennoch war Haydan anders. Zu oft schon hatte er das ihm verhasste Abbild erblickt. Er war ein hochgewachsener Mann, sein Körper muskulös, in den Schlachten dieses Krieges gestählt. Das Gesicht männlich, kantig, brutal und finster. Allerdings fanden ihn viele durchaus gut aussehend, wenn sie ihm zum ersten Mal begegneten. Die gefährlich wirkende Aura verursachte ihnen dann allerdings Furcht und Unbehagen.

Wahrscheinlich blickten seine grünen Augen nun wie immer hart und kalt. Haydan betrachtete mit starrem Ausdruck die anderen Geschwister, die hier versammelt waren. Tief einatmend fuhr er sich durch das verschmutzte Haar. Eigentlich war es bronzefarben, doch heute klebten die Strähnen, braun vom Blut der Feinde, zusammen.

Mit einem Mal wünschte er sich so zu sein wie der Rest der Familie. Doch dies schien unmöglich, er war und blieb ein gefühlskaltes Monster.

Luca, der Älteste, hatte selbst eine Verletzung davongetragen. Aber auch in seinem Gesicht erschien dieser grimmige Ausdruck, der den Feinden ewige Rache schwor, sobald die Bestattung vollzogen war.

»Die Nargs werden bald wieder aus ihrem Berg herauskriechen, und dann sollten sie uns besser fürchten, denn ich will sie alle vernichten. Jeden einzelnen!«

Die Helfer im Zelt wickelten gerade die letzten Bandagen um den Gefallenen. Sie tränkten den Stoff mit einer brennbaren Flüssigkeit und wagten kaum, den obersten Krain anzusehen. Luca verschaffte sich allein durch sein Erscheinen stets Respekt und Loyalität.

Nachdem die Helfer fertig waren, trat einer von ihnen vor Luca, verneigte sich und bekundete sein Beileid im Namen aller anwesenden Heiler. »Wir haben unsere Arbeit vollendet, Herr. General Dorian ist nun bereit für seine letzte Reise.«

Haydan räusperte sich leise, er wollte nicht, dass sein Bruder für immer fortging. Er hätte sich gewünscht, dass sie für alle Zeiten und über den Tod hinaus gemeinsam, Seite an Seite, kämpften. Er fühlte in seinem Herzen die kalte Wut darüber, dass Dorian ihn einfach im Stich ließ. Es war nicht richtig. Kein Zwilling sollte sich auf die Reise zu den stillen Felder machen und den anderen allein zurücklassen. Wie konnten die Nargs ihn nur so einfach töten? Dorian war ein Held und einer der größten Kämpfer ihrer Generation. Er tötete schon so viele Nargs in den vergangenen Jahrhunderten. Sein Zwilling nahm ihnen das unsterbliche Leben und schickte diese Dämonen auf ewig in die Hölle zurück aus der sie kamen.

»Herr? Können wir mit der Zeremonie beginnen?«

»Was? Selbstverständlich. Mein Bruder verdient einen würdigen Abschied und kein schnelles Hinüberschicken, weil die Nargs schon wieder vor unseren Toren lärmen.«

Luca, Haydan, Stephen, Elizza, Raja und Artan griffen nach der Bahre und trugen ihren Bruder hinaus.

Tolan schritt bleich hinter ihnen her. Er trug das Schwert und den Schild von Dorian. Haydan wollte den Mann hassen, für alles, was dieser ihm in den letzten Jahrzehnten angetan hatte. Dorian hatte Tolan immer verehrt und sich mit dem Frauenschwarm des Lagers stets wohlgefühlt. Haydan mochte den Kämpfer dagegen nie, weil dieser sich in das besondere Verhältnis der Zwillinge hineindrängte. Tolans Anwesenheit brachte neue Aspekte in die Verbundenheit der Brüder und veränderte alles.

Schweigend erreichten sie den Ort der Zeremonie. Alle Menschen im Lager waren ihnen gefolgt und verteilten sich nun im Kreis um einen riesigen Holzstapel, den die Männer aufgeschichtet hatten.

Die Träger stellten die Bahre ab und neigten zum Gebet das Haupt. Jeder sprach leise für sich die rituellen Worte, dann traten alle zurück. Ein Soldat übergab Luca eine brennende Fackel.

»Du hast deinem Volk großen Ruhm und viel Ehre bereitet, Dorian Sol Ben Krain. Gehe nun hin in das Geisterreich unserer Ahnen und werde eins mit dem Wind der Vergessenen und dem Licht der allmächtigen Sonnen. Halte die Hände schützend über uns Zurückbleibenden. Friede sei mit dir, mein Bruder.«

Luca stand mit versteinertem Gesicht vor dem Leichnam seines Bruders und entzündete das trockene Holz darunter. Ein leises...


Schnee, Katja
Katja Schnee wurde 1970 in Wilhelmshaven an der Nordesee geboren und lebt zur Zeit mit Kind und Hund in Sillenstede, einem kleinen Ort zwischen Jever und Wilhelmshaven. Sie war schon als Kind und später als Jugendliche vom Lesen und Schreiben begeistert und verfasste Kurzgeschichten um ihrer Fantasie Gestalt zu geben. Im Erwachsenenalter ging ihr dieses Hobby ein wenig verloren und wurde erst vor fünf Jahren von ihr erneut entdeckt.

Katja Schnee wurde 1970 in Wilhelmshaven an der Nordesee geboren und lebt zur Zeit mit Kind und Hund in Sillenstede, einem kleinen Ort zwischen Jever und Wilhelmshaven. Sie war schon als Kind und später als Jugendliche vom Lesen und Schreiben begeistert und verfasste Kurzgeschichten um ihrer Fantasie Gestalt zu geben. Im Erwachsenenalter ging ihr dieses Hobby ein wenig verloren und wurde erst vor fünf Jahren von ihr erneut entdeckt.



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