E-Book, Deutsch, Band 3, 299 Seiten
Reihe: Calgary Sharks
Schneeberg Crashed Secrets. Erin & Jackson
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-61070-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mitreißender Fake Dating Eishockey-Liebesroman | Sports Romance
E-Book, Deutsch, Band 3, 299 Seiten
Reihe: Calgary Sharks
ISBN: 978-3-646-61070-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Solvig Schneeberg studierte Literaturwissenschaften in ihrer Heimatstadt Erfurt, bevor sie beschloss, sich einzig dem Schreiben zu widmen. Bereits in jungen Jahren entdeckte sie die Liebe zum geschriebenen Wort und fing bald an, ihre eigenen Geschichten aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Sie ist eine verträumte Romantikerin, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass ihr ganzer Fokus auf Fantasy- und Liebesromanen liegt. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, einem Hund und den Katzen lebt sie am Waldrand von Weimar.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1 Erin
Dunkelheit. Dunkelheit und Stille empfingen mich, als ich an diesem Abend nach Hause kam. Die Villa lag verlassen am Ende der langen Einfahrt und nur die Außenbeleuchtung erhellte die Umgebung. In keinem der vielen Zimmer brannte noch Licht. Niemand war mehr wach. Wieso hätte jemand aus meiner Familie auch darauf achten sollen, wann ich nach Hause kam? Oder ob.
Fröstelnd zog ich den Kopf ein, versteckte mich im Kragen meiner Jacke.
Ob.
Ich dachte an Fallon, meine Erzrivalin im Eishockeyteam der Calgary Sharks.
Fallon, die heute die Zusage für die Nationalmannschaft erhalten hatte und gerade im Krankenhaus um ihr Leben kämpfte. Sie war vor wenigen Stunden von einem Auto angefahren worden. Auf dem Heimweg von der Siegerparty, auf der ich ebenfalls gewesen war, obwohl niemand auf mich geachtet hatte. Das taten sie nie. Das Team verließ sich auf meine Fähigkeiten, aber für mehr war ich nicht gut genug.
Ich war kurz nach Fallon aufgebrochen und hatte gesehen, wie sich Polizei und Rettungswagen an der Unfallstelle versammelt hatten. Der Anblick war ein Schock gewesen. Das Blut auf dem Asphalt, der Turnschuh, der auf dem gegenüberliegenden Gehweg lag. Das zersplitterte Handy ein paar Meter entfernt, wo ein Polizist ein kleines Schildchen hinstellte, um es als Beweismittel zu kategorisieren.
Als ein Foto mit Blitzlicht gemacht wurde, war ich zusammengezuckt. Es hätte mich treffen können, wenn ich nur ein paar Minuten früher losgegangen wäre. Diese Erkenntnis hatte meinen Schock nur verstärkt und half nicht wirklich, mich vom Ort des Geschehens zu entfernen.
Ich hatte mit den anderen Schaulustigen hinter einer provisorischen Absperrung gestanden und auf den Unfallort gestarrt. Hatte beobachtet, wie Sanitäter eine regungslose Person auf eine Trage gehoben und sie in den Krankenwagen gebracht hatten. Eine Hand war kraftlos von der Bahre gerutscht und grotesk umher gebaumelt. Feingliedrige Finger, blutbeschmiert. Der Sanitäter hatten sie wieder hochgehoben und auf den regungslosen Körper gelegt. Kurz darauf war der Krankenwagenlosgefahren, mit Blaulicht und Sirenen. Dann erst hatte ich gesehen, wer noch da gewesen war.
Noah. Fallons bester Freund. Er hatte hinter dem Krankenwagen gestanden, deshalb hatte ich ihn zuerst nicht gesehen. Und ich wünschte, ich könnte dieses Bild verdrängen. Er wirkte vollkommen am Boden zerstört. Seine Sachen waren ebenfalls voller Blut, das Gesicht tränenverschmiert.
Die zweite harte Erkenntnis innerhalb weniger Minuten: Ich kannte das Opfer. Fallon. Bisher hatte sich mein Verstand geweigert, meine Teamkameradin in der regungslosen Person auf der Trage zu erkennen.
Fassungslos hatte ich ihn angestarrt, unfähig mich zu bewegen. In meinem Kopf rasten die Gedanken. Bilder überschlugen sich und waren abrupt zum Stehen gekommen, als Noah in ein dunkles Auto gestiegen war. Die Innenbeleuchtung war kurz angegangen und hatte das Gesicht seines Vaters beleuchtet. In einem anderen Wagen erkannte ich Noahs Mutter. Natürlich. Seine Eltern würden immer kommen, wenn er sie anrief.
Jetzt stand ich vor der Eingangstür der riesigen Villa, in der ich wohnte. Ich war hierher gelaufen, hatte fast eine Stunde gebraucht, aber niemals wäre ich auf die Idee gekommen, meinen Vater anzurufen, um ihn zu bitten, mich abzuholen. Er hätte den Anruf wahrscheinlich nicht einmal angenommen. Und ich hatte nicht genug Geld für ein Taxi dabei gehabt.
Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und das leise Piepen der Alarmanlage durchbrach die schwere Stille. Ich gab den Code ein, schlagartig war es wieder ruhig und das kleine grüne Licht blinkte ordnungsgemäß.
Leise ging ich die breite Treppe nach oben. Meine Stiefel waren nass und ich rutschte mehrmals auf dem eleganten Marmor aus. Morgen würde meine Stiefmutter einen riesen Aufriss wegen der dreckigen Schuhabdrücke machen, das wusste ich. Das hinderte mich trotzdem nicht daran, weiterzugehen. Schließlich war nicht Karen diejenige, die das Haus putzte, das war unter ihrer Würde. Nein, dafür hatten wir Jill, eine Putzfrau. Das schlechte Gewissen meldete sich. Ich verursachte nicht gerne Probleme. Also für Karen schon, aber nicht für Unbeteiligte wie Jill.
Seufzend hielt ich mich am Geländer fest und zog umständlich die Schuhe aus. Auf Socken schlich ich weiter. Oben wandte ich mich nach rechts, wo meine kleine Schwester Yvette und ich unsere Zimmer hatten. Mein Vater und Karen bewohnten ein riesiges Schlafzimmer auf der anderen Seite des Hauses. So weit weg wie möglich von uns Kindern.
An Yves Zimmer hielt ich kurz an, ihre Tür stand einen Spaltbreit offen und ihr Nachtlicht leuchtete in den Flur. Sie war mit ihren acht Jahren eigentlich schon zu alt dafür, aber ich hatte mich durchgesetzt, dass sie es behalten durfte, als Karen es wegwerfen wollte.
Vorsichtig öffnete ich die Tür ein Stück weiter und sah ins Kinderzimmer. Yvette lag in einem riesigen Himmelbett, dessen rosa Vorhänge zum Rest der Ausstattung passten. Der gesamte Raum war ein wahr gewordener Prinzessinnentraum. Die Stofftapete war nicht nur hellrosa, sondern auch mit Glitzerfäden durchzogen. Der flauschige Teppich hatte dieselbe Farbe. In der Ecke stand ein riesiges Puppenhaus, dem Original nachempfunden, in dem wir wohnten. Selbst die Möbel darin waren aus Echtholz statt aus Plastik. Nur das Beste für Yvette.
Ich wäre froh gewesen, in ihrem Alter überhaupt eine billige Plastikpuppe zu besitzen. Ich gönnte Yve diesen Luxus. Sie war verwöhnt, ja, aber keinesfalls verzogen. Nicht sehr zumindest, gestand ich mir grinsend ein und zog mich wieder in den Flur zurück.
In meinem Zimmer empfing mich das komplette Gegenteil zu Yvette.
Meine Wände waren weiß, ich hatte einen hellen Holzfußboden und simple Möbel ohne Schnörkel oder Verzierungen. Auf dem Bett lagen nicht fünf Kopfkissen, sondern nur zwei. Die Bettwäsche war schwarz, hatte keine Muster. Ich hatte auch nicht Dutzende Poster an den Wänden. Bei mir hingen lediglich mein Trainingsplan und Autogrammkarten von Leon Draisaitl und Meghan Acosta über dem Schreibtisch. Mehr nicht. Wenn diese persönlichen Dinge nicht wären, könnte dieses Zimmer so ziemlich jedem gehören. Außer natürlich meiner kleinen Schwester.
Ich warf meine Stiefel in die Ecke, in der sich auch die Turnschuhe stapelten. Ich hatte ein kleines Schuhregal, aber ich schaffte es einfach nicht, Ordnung zu halten. Deshalb landeten sie prinzipiell in der Ecke hinter der Tür. Meine Stiefmutter hatte es längst aufgegeben, mich dahingehend erziehen zu wollen. Gott sei Dank. Ihr ewiges Genörgel war mir mächtig auf die Nerven gegangen, nur nicht genug, um zu tun, was sie von mir verlangte.
Müde zog ich mich um und fiel ins Bett. Eigentlich hatte ich erwartet, schnell einschlafen zu können. Der Tag war körperlich und emotional anstrengend gewesen, doch Fallons Unfall ging mir nicht aus dem Kopf. Wir waren keine Freundinnen, so etwas hatte ich nicht, aber ich respektierte sie und ihre sportlichen Leistungen. Sie hatte mich immer inspiriert, mich selbst zu verbessern. Um sie zu übertrumpfen. Ich hoffte, sie würde schnell wieder gesund werden. Vielleicht hatte es nur schlimmer ausgesehen, als es war. Der blutige Asphalt blitzte vor meinem inneren Auge auf. So viel Blut.
Kopfschüttelnd drehte ich mich auf die Seite und starrte die Wand an, nur wollte mir das Bild nicht aus dem Kopf gehen. Ich kniff die Augen zusammen und atmete tief durch. Zählte bis zehn. Bis zwanzig. Statt des Unfallorts sah ich jetzt die Eishalle vor mir und Fallon, die lachend zwischen den anderen stand. Lebendig und unverletzt. So wie ich sie kannte. Nicht die leblose Person, die in den Krankenwagen geschoben wurde.
Angespannt drehte ich mich auf den Rücken. Ich wollte nicht darüber nachdenken, mich nicht erinnern. Das war einfach zu viel für mich. Zu viel Fassungslosigkeit, zu viel Schmerz, zu viel … Alles. Ich wollte nur noch schlafen und morgen würde die Welt dann bestimmt schon ganz anders aussehen. Richtig? Es brachte jetzt nichts, darüber nachzudenken, was passiert war oder welchen Folgen der Unfall haben würde. Egal wie viele Gedanken ich mir machte, am Ende würde ich keine Lösung haben.
Seufzend drehte ich mich zurück auf die Seite und rollte mich ein, die Knie bis an die Brust gezogen, und schloss die Augen.
***
Ich hatte nicht damit gerechnet, am nächsten Morgen eine Nachricht zu Fallons Zustand zu erhalten – okay, hatte ich doch. Anders konnte ich mir diesen schmerzhaften Stich in meiner Brust nicht erklären, weil mein Handy weder SMS noch Anruf anzeigte. Noch während ich im Bett lag, wählte ich Haileys Nummer. Sie war Fallons beste Freundin und hatte bestimmt Neuigkeiten. Aber sie ging nicht ran. Als ich die nervig-fröhliche Mailboxansage hörte, legte ich auf und tippte eine Nachricht an sie. Wenige Minuten später war ich auf dem neusten Stand. Auch wenn es nicht die Neuigkeiten waren, die ich erhofft hatte.
Fallon lag im Koma. Die Ärzte wussten nicht, wann und ob sie wieder aufwachen oder welche Schäden sie davon tragen...




