E-Book, Deutsch, 164 Seiten
Schneider Ich bin gerne ein BOOMER
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-5184-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
+ Liebeserklärung an Generation Z und andere
E-Book, Deutsch, 164 Seiten
ISBN: 978-3-6951-5184-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman Schneider wurde Ende der 1960er in Düsseldorf geboren und widmete sich nach einer Bankausbildung später vor allen Dingen dem Onlinemarketing. Schon früh erkannte er die Vertriebspower, die im Internet steckte. Ob über Onlineshop, Onlinekurse oder die sozialen Medien. Er war bereits in jungen Jahren in der Geschäftsleitung von Firmen, begleitete zudem als Consultant Start Ups, denen in der Folge mit dreistelligem Millionenumsatz ein gewinnbringender Exit gelang. Er hat Höhen und Tiefen des Wirtschaftslebens kennengelernt. Ob als angestellter Geschäftsführer oder auf selbstständiger Basis. Er kennt die Tricks, die ein Projekt erfolgreich werden lassen können und die Fallstricke, über die man nicht stolpern sollte. Seine Erfahrung aus über 30 Jahren Berufsleben hat er als Autor mehrerer Bücher niedergeschrieben. Heute lebt Schneider mit seiner Frau in Süddeutschland, gibt Onlinekurse und schreibt Bücher, wenn er nicht auf einer Insel in südlichen Gefilden das Meer genießt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1: Die Kunst des Wartens
Letzte Woche stand ich in der Schlange beim Bäcker. Vor mir eine junge Frau, vielleicht Anfang zwanzig, die alle 15 Sekunden nervös auf ihr Handy starrte und dabei leise vor sich hin seufzte. Die Schlange war genau zwei Personen lang.
"Entschuldigung", fragte sie mich nach einer Minute, "wie lange dauert das denn noch?"
Ich schaute auf meine Armbanduhr – ja, ich trage noch eine echte Uhr, ein weiteres Boomer-Erkennungszeichen – und antwortete freundlich: "Etwa drei Minuten, würde ich schätzen."
Sie stöhnte auf, als hätte ich ihr gerade mitgeteilt, dass sie eine Woche warten müsste. Dann begann sie, hektisch auf verschiedene Apps zu tippen, offenbar auf der Suche nach einer Alternative.
Ich hingegen nutzte die Zeit, um das Sortiment zu studieren, den Duft von frischen Brötchen zu genießen und zu überlegen, was ich am Wochenende im Garten machen könnte. Als sie endlich an der Reihe war, wirkte sie gestresster als vorher. Ich dagegen war entspannt und gut gelaunt.
Das, liebe Leser, ist der Unterschied zwischen einem Boomer und einem Digital Native. Wir haben die Kunst des Wartens noch gelernt. Und das ist eine Superkraft, die heute unbezahlbar ist.
Warteschlangen: Die letzten Oasen der Ruhe
In einer Welt, die von Instant-Messaging, Same-Day-Delivery und 5- Sekunden-Videos bestimmt wird, sind Warteschlangen die letzten Bastionen der Entschleunigung. Während andere Menschen diese Momente als verlorene Zeit betrachten, sind sie für uns Boomer kostbare Geschenke.
Nehmen wir die Supermarktkasse. Für die meisten Menschen unter vierzig ist das offenbar eine Art Folter. Sie zappeln, schauen aufs Handy, wechseln hektisch die Schlange und kontrollieren alle fünf Sekunden, ob ihre Mobile-Payment-App noch funktioniert.
Ich dagegen habe in Supermarktschlangen schon die besten Beobachtungen gemacht. Hier lernt man alles über das menschliche Verhalten: Wer heimlich Süßigkeiten in den Wagen legt, wenn der Partner gerade wegschaut. Wer versucht, mit acht Artikeln durch die Sieben-Artikel-Kasse zu mogeln. Wer seine Kinder mit Gummibärchen ruhigstellt und dabei selbst mehr davon isst als der Nachwuchs.
Boomer-Hack #1: Nutzen Sie Warteschlangen als kostenloses Entertainment. Es ist besser als Netflix – und die Charaktere sind echter.
Die Meditation an der Kasse
Während ich so in der Schlange stehe, praktiziere ich eine Art Meditation, die ich "Kassenachtsamkeit" nenne. Ich beobachte, wie die Kassiererin jeden Artikel einzeln scannt – manchmal mit der Geduld einer Zen- Meisterin, manchmal mit der Effizienz einer Maschine. Ich sehe, wie sich die Produkte auf dem Band bewegen, wie das Förderband surrend seinen Dienst verrichtet.
Das mag langweilig klingen, aber es ist tatsächlich sehr beruhigend. Während um mich herum alle hetzen und stressen, bin ich im Hier und Jetzt. Ich denke nicht an die nächste E-Mail, die ich beantworten muss, oder an das Meeting am Nachmittag. Ich bin einfach da.
Neulich erzählte mir meine Schwiegertochter von einem Achtsamkeitskurs, für den sie 150 Euro bezahlt hat. "Roman", sagte sie, "dort lernt man, wie man im Moment lebt und die kleinen Dinge wertschätzt."
Ich musste lächeln. Das, was sie für teures Geld lernt, praktiziere ich seit Jahrzehnten – gratis, an jeder Supermarktkasse.
Das Telefon: Unser treuer Übungspartner
Aber die wahre Meisterklasse des Wartens findet am Telefon statt. Wer kennt sie nicht, die berühmte Warteschleife? Dieses moderne Purgatorium, in dem man zwischen schlechter Fahrstuhlmusik und der immer gleichen Ansage gefangen ist: "Ihr Anruf ist uns wichtig. Sie werden gleich verbunden."
Für jüngere Generationen ist das anscheinend eine Form der Folter. Sie legen nach zwei Minuten auf und schreiben stattdessen eine böse E- Mail oder einen wütenden Social-Media-Post.
Wir Boomer hingegen haben gelernt, Warteschleifen als das zu sehen, was sie sind: unerwartete Geschenke an Zeit. Zeit, in der wir nichts Produktives tun müssen. Zeit, in der wir einfach sein können.
Meine Warteschleifen-Strategien
Über die Jahre habe ich verschiedene Strategien entwickelt, um Warteschleifen zu meistern:
Die Entspannungsstrategie: Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und lasse die Fahrstuhlmusik auf mich wirken. Manchmal entdecke ich sogar schöne Melodien, die ich sonst nie gehört hätte.
Die Produktivitätsstrategie: Ich nutze die Zeit für kleine Aufgaben, die keine Konzentration erfordern. Stifte sortieren, den Schreibtisch aufräumen, oder einfach aus dem Fenster schauen und die Vögel beobachten.
Die Zen-Strategie: Ich versuche zu erraten, wann genau der Mitarbeiter sich melden wird. Das ist wie eine Art Meditation – man konzentriert sich völlig auf den Moment des Übergangs von der Warteschleife zum echten Gespräch.
Boomer-Hack #2: Machen Sie Warteschleifen zu einem Spiel. Zählen Sie, wie oft die Ansage wiederholt wird, oder versuchen Sie, die Melodie zu summen. Plötzlich wird das Warten zum Vergnügen.
Die Geduld der Generationen
Es ist kein Zufall, dass wir Boomer geduldiger sind. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der Warten normal war. Warten auf den Bus, der vielleicht kam oder auch nicht. Warten auf die Lieblingssendung im Fernsehen, die nur einmal pro Woche lief und die man verpasste, wenn man nicht pünktlich vor dem Fernseher saß. Warten auf Briefe, auf Fotos aus dem Fotolabor, auf das Telefon, wenn jemand anrufen sollte.
Für uns war Warten nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und dadurch haben wir gelernt, was jüngere Generationen heute mühsam in Achtsamkeitskursen und Meditations-Apps zu erlernen versuchen: den Moment zu schätzen, Geduld zu haben und nicht ständig nach der nächsten Beschäftigung zu suchen.
Das Paradox der Geschwindigkeit
Hier ist das Paradoxe: Je schneller die Welt wird, desto wertvoller wird die Langsamkeit. Während alle anderen versuchen, jede Sekunde zu optimieren und zu beschleunigen, haben wir Boomer einen unschätzbaren Vorteil: Wir können noch warten.
Das bedeutet nicht, dass wir rückständig sind. Es bedeutet, dass wir eine Fähigkeit bewahrt haben, die in der modernen Welt zu einer Seltenheit geworden ist. Wir sind wie Menschen, die noch wissen, wie man Feuer macht, während alle anderen nur noch Feuerzeuge kennen.
Boomer-Hack #3: Sehen Sie Wartesituationen als Training für Ihre Gedulds-Muskeln. Je öfter Sie entspannt warten, desto besser werden Sie darin.
Die Kunst des bewussten Wartens
Aber Geduld ist mehr als nur passives Erdulden. Wir Boomer haben gelernt, das Warten aktiv zu gestalten. Wir beobachten, denken nach, planen oder genießen einfach den Moment.
Neulich wartete ich beim Arzt – eine weitere klassische Wartesituation. Neben mir saß ein junger Mann, der permanent zwischen drei verschiedenen Apps hin und her wechselte und dabei sichtlich unruhiger wurde. Nach zwanzig Minuten fragte er die Arzthelferin genervt, wie lange es noch dauern würde.
Ich hingegen hatte die Zeit genutzt, um ein interessantes Gespräch mit einer älteren Dame zu führen, die mir von ihren Reisen erzählte. Als ich schließlich aufgerufen wurde, war ich tatsächlich ein bisschen enttäuscht, dass das Gespräch unterbrochen wurde.
Warten als sozialer Klebstoff
Das ist ein weiterer Aspekt, den die Digital-Generation verpasst: Wartesituationen sind oft die einzigen Momente, in denen Fremde noch miteinander ins Gespräch kommen. Während alle anderen auf ihre Bildschirme starren, entstehen in Warteschlangen und Wartezimmern noch echte menschliche Begegnungen.
Ich habe schon die interessantesten Menschen kennengelernt, während ich irgendwo gewartet habe. Den pensionierten Lehrer, der mir von seinen Reisen erzählte. Die junge Mutter, die Tipps für den Umgang mit trotzigen Kindern brauchte. Den Handwerker, der mir half, mein Gartentor zu reparieren.
All diese Begegnungen wären nicht möglich gewesen, wenn ich ungeduldig gewesen wäre oder die ganze Zeit auf mein Handy gestarrt hätte.
Die Zukunft gehört den Geduldigen
In einer Welt, die immer schneller und hektischer wird, werden diejenigen einen Vorteil haben, die noch ruhig bleiben können. Die noch warten können, ohne sofort in Panik zu geraten. Die noch die kleinen Momente schätzen können, statt ständig nach dem nächsten Kick zu suchen.
Das ist unser Geschenk an die Welt: Wir zeigen, dass es auch anders geht. Dass man nicht jede Sekunde produktiv nutzen muss. Dass Langeweile nicht der Feind ist, sondern ein Freund, der uns hilft, zur Ruhe zu kommen.
Ein Vorschlag an die Jugend
Liebe jüngere Generation, hier ist mein Angebot: Lasst uns eine Art Patenschaft starten. Ihr zeigt uns, wie man effizient online bestellt und Apps benutzt. Wir zeigen euch, wie man entspannt wartet und den Moment genießt.
Geht das nächste Mal bewusst in die...




