Schneider | Mut zum ersten Schritt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Schneider Mut zum ersten Schritt

Weil Veränderung nicht warten kann. Empowerment für pädagogische Fachkräfte in Krippe und Kita
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-4013-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Weil Veränderung nicht warten kann. Empowerment für pädagogische Fachkräfte in Krippe und Kita

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

ISBN: 978-3-8192-4013-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Personalmangel, Frust, zu große Gruppen, hohe Fluktuation... Es gibt zahlreiche Gründe, warum sich das Kita-System dringend ändern muss. Und während wir geduldig warten, ändert sich: nichts. Zumindest nicht so deutlich, wie es müsste. Deshalb kommt mit diesem Buch die Ermutigung, für deine Grenzen einzustehen. Denn gute Bedingungen sind dein Recht! Rebellisch sein heißt, sich für etwas einzusetzen, das uns am Herzen liegt, und das sind ganz klar die Kinder und die Arbeitsbedingungen vor Ort, die wir nicht mehr aushalten wollen. Bildung braucht Haltung - und manchmal auch Widerstand. Und zwar genau jetzt. Dort, wo du gerade stehst. Wo du dich fragst, wie lange du das noch aushältst, oder vielleicht schon deine Kündigung geschrieben hast, obwohl das mal dein Traumjob war. Deshalb: Mut zur Wut. Lasst uns all das verändern, was in unserer Macht steht. Um klar und deutlich zu sagen: Hier ist Schluss! Wir verändern das System von innen heraus, damit es auch im Außen spürbar wird. In 14 Kapiteln geht es um Empowerment, Haltung und Reflexion, aber auch um Selbstfürsorge und Burnout-Prävention. Nutze deine Stärken, bilde Netzwerke und hab Mut zur Rebellion! Die wichtigste Botschaft: Trau dich, Veränderungen anzustoßen. Mach dich auf den Weg - alles beginnt mit deinem ersten Schritt.

Lena Schneider ist Kindheitspädagogin und Autorin. Sie setzt sich gemeinsam mit Mira Wolters für eine bedürfnisorientierte und positive Begleitung von Kindern ein. Folge ihnen auf Instagram: die_paedagogikschwestern.
Schneider Mut zum ersten Schritt jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1


Sehen, was darunter liegt

Die Herausforderungen in der Pädagogik


„Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.“

– George Eliot

Jeden Tag begleiten wir Kinder in ihrer Entwicklung und unterstützen sie dabei, die Welt zu entdecken. Doch gleichzeitig ist die pädagogische Arbeit von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Wenn du bereits in der Frühpädagogik tätig bist, sage ich dir mit den nachfolgenden Punkten nichts Neues. Ich habe sie trotzdem als Einstieg und zur Übersicht gewählt, weil wir darauf aufmerksam machen müssen.

Fachkräfte stehen allgemein unter enormem Druck, erfüllen viele verschiedene Aufgaben und müssen gleichzeitig mit Ressourcenengpässen und immer neuen Anforderungen umgehen. Diese Herausforderungen beeinflussen einerseits die Qualität der Arbeit, andererseits aber auch das Wohlbefinden der Fachkräfte. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass diese Zustände normal sind. Null-Toleranz bedeutet, dass wir anerkennen, was schiefläuft, und uns aktiv für die Veränderungen einsetzen, die nötig sind, um die Bedingungen zu verbessern.

WAS DEN ARBEITSALLTAG BELASTET


Unterbesetzung und Personalmangel:

In vielen Einrichtungen sind die Teams chronisch unterbesetzt. Zu wenige Fachkräfte für zu viele Aufgaben: Das führt zu einer enormen Arbeitsbelastung. Besonders bei großen Gruppen (und auch unabhängig von Personalengpässen) ist der Fachkraft-Kind-Schlüssel unzureichend, was bedeutet, dass eine einzelne Fachkraft nicht immer genügend Zeit hat, um die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu erkennen und auf sie einzugehen, auch wenn sie ihr Bestes gibt. Das kann ungewollt zu einer oberflächlichen Begleitung führen, bei der die Qualität der pädagogischen Arbeit leidet und das Gefühl der Überforderung wächst.

Auch ständig wechselnden Teamzusammenstellungen wird nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdienen: ein gutes Team zu werden, braucht Zeit. Das geht nicht, wenn Kolleg:innen mit kurzen Kündigungsfristen gehen, keine Übergabe oder Einarbeitung der neuen Kolleg:innen erfolgt oder die Stelle einfach zu lange unbesetzt bleibt. Auf Dauer ist das für das Team, das bleibt, zermürbend.

Unrealistische Arbeitsanforderungen:

Pädagogische Fachkräfte erledigen viele administrative Aufgaben. Sie erarbeiten umfangreiche Konzepte, füllen Formulare aus, schreiben Berichte und Briefe, gestalten Aushänge etc. All das beansprucht wertvolle Zeit. Diese Zeit fehlt dann in der Begleitung der Kinder. Auch das führt zu einem Ungleichgewicht, das das Arbeitsklima negativ beeinflussen kann. Zudem werden Aufgaben oft nicht nach den jeweiligen Stärken und Bedürfnissen der Fachkräfte aufgeteilt. Auch hier erleben sie dann Fremdbestimmung und eine Zuweisung, die ihren Interessen unter Umständen gar nicht gerecht wird. Auch willkürliche Dienstzeiten, die so ganz ohne Absprachen oder Austausch mit den Team-Mitgliedern festgelegt werden, können die Motivation und Leidenschaft für den Beruf auf Dauer beeinträchtigen. Und damit sind nicht nur die individuellen Wünsche der Kolleg:innen gemeint, sondern ihre Bedürfnisse:

  • Wenn ich früh morgens nicht konzentriert und aufnahmefähig bin, ist ein Dienstbeginn um 7 Uhr eine Qual und nicht zielführend – weder für mich noch für die Kinder.
  • Wenn ich eine längere Anreise habe, ist ein Start um 8 Uhr vermutlich häufig mit Stau auf der Autobahn oder vollen Zügen verbunden, was bedeutet, viel mehr Zeit einzuplanen (und unter Umständen zu früh auf der Arbeit zu sein) oder zu spät zu kommen.
  • Wenn ich mittags müde bin, aber im Schlafraum bei der Begleitung der Kinder wach bleiben muss, ist diese Einteilung kontraproduktiv. Solche Dinge belasten die Abläufe (und Motivation) zusätzlich.

Fehlende Unterstützung und Fortbildungsmöglichkeiten:

Jedes Kind sollte individuell wahrgenommen und begleitet werden. Nur so können wir den jeweiligen Interessen und Bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Allerdings ist das gar nicht so einfach: Nicht nur aus Zeitgründen, sondern oft auch, weil das Wissen fehlt. Was brauchen neurodivergente Kinder? Wie merkt man, ob ein Kind aus dem Autismus-Spektrum in der Gruppe ist? Was ist Hochsensibilität und wie gehe ich damit um? Welche Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es und wie äußern sie sich? Kinder mit Traumerfahrungen – was brauchen sie von uns und was könnte ihnen im Kita-Alltag schaden? Eltern suchen Rat und bitten nicht nur um Tipps für die Begleitung ihrer Kinder, sie greifen auch partnerschaftliche und familiäre Themen auf. Pädagog:innen stehen also vor komplexen Aufgaben und haben nicht immer die notwendige Unterstützung oder Fortbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das kann schnell überfordernd wirken. Wir versuchen also permanent, den Anforderungen gerecht zu werden, ohne die nötige Sicherheit und Anleitung zu haben.

Emotionale Belastung und Verantwortung:

Pädagog:innen tragen eine große Verantwortung, und sie begleiten nicht nur die Kinder in ihrer Entwicklung, sondern müssen auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf bewahren und professionell agieren. Diese professionelle Haltung ist dann in Gefahr, wenn Fachkräfte im Stress sind. Wir tun uns also selbst keinen Gefallen, unter schlechten Bedingungen zu arbeiten! Wenn wir gestresst sind, greifen wir eher auf gewaltvolle Muster zurück, obwohl wir das gar nicht wollen. Kinder, durch die wir uns herausgefordert fühlen, wirken dann auf unser Reptiliengehirn und dieses signalisiert uns: Gefahr! Und was tun wir, wenn wir nicht fliehen können? Wir kämpfen. Also im übertragenen Sinne! Wir sind leicht reizbar, angriffslustig und schimpfen. Wir reagieren uns ab, weil der Stress natürlich abgebaut werden will. Falls das nicht geht und wir dauerhaft im Kampfmodus bleiben, aufgrund von personeller Unterbesetzung zum Beispiel, wird das nicht nur für uns gefährlich, sondern vor allem für die Kinder, die auf unsere wohlwollende und unterstützende Begleitung angewiesen sind.

Große Gruppen und schlechte Raumgestaltung:

Diesen Punkt führe ich hier noch einmal extra auf, weil er so wichtig ist. Die Gruppen sind mit zwanzig bis 25 Kindern in der Kita und bis zu zwölf Kindern in der Krippe einfach zu groß. Das ist für ein Team, das aus zwei bis drei Personen (in Voll- und Teilzeit, in der Ausbildung etc.) nicht leistbar. Personalmangel führt dazu, dass diese Gruppen oft nur von ein bis zwei Personen begleitet werden. Das reicht nicht. Zudem sind die Gruppenräume vielerorts einfach zu klein oder nicht angemessen ausgestattet. Das kann dazu führen, dass Fachkräfte aus dem eben genannten Kampfmodus heraus agieren, um allem gerecht zu werden. Doch das bedeutet einfach nur: „Ich muss irgendwie überleben!“ Klar, dass das nicht gutgehen kann. Die Situation ist überfordernd!

Abkehr von alten Verhaltensweisen:

Der Wunsch, Kinder bedürfnisorientiert zu begleiten und ihre individuellen Interessen wahrzunehmen, ist eine wesentliche Säule der modernen Pädagogik. Doch dieser Anspruch kollidiert oft ungewollt mit den realen Gegebenheiten im Arbeitsalltag. Wenn der Kita-Alltag eher nach einem „Schnell-Schnell“-Prinzip gestaltet wird, bei dem die Kinder in Windeseile durch den Tag gebracht werden, weil viele Programmpunkte auf sie warten oder es anders einfach unmöglich scheint oder unüblich ist, dann lässt das wenig Raum für die individuelle Begleitung der Kinder. Heute möchten viele Fachkräfte die Zeit mit den Kindern achtsamer und zugewandter gestalten – und dazu die Möglichkeit und Unterstützung haben. Dazu müssen sich die Bedingungen und Abläufe vor Ort ebenso modernisieren und an die pädagogische Ausrichtung anpassen.

WARUM TOLERANZ FÜR SCHLECHTE ARBEITSBEDINGUNGEN KEINE LÖSUNG IST


Auf den ersten Blick mag es nachvollziehbar sein, sich mit den schlechten Arbeitsbedingungen abzufinden – vor allem, wenn man aus einer tiefen Überzeugung heraus arbeitet und sich dem Wohl der Kinder verpflichtet fühlt. Doch Toleranz gegenüber schlechten Bedingungen ist keine Lösung. Es darf also nicht so weit kommen, Überlastung und schlechte Arbeitsbedingungen als normal zu akzeptieren. Langfristig schadet diese Einstellung der eigenen Gesundheit und der Qualität der pädagogischen Arbeit. Wer ständig über seine Grenzen geht, riskiert nicht nur ein Burnout, sondern auch das Vertrauen in die eigene Arbeit zu verlieren.

Die Frage ist: Wer passt sich wem an? Warum sollten Fachkräfte sich an ein System anpassen, das offensichtlich nicht funktioniert? Wir sind die Expert:innen auf unserem Gebiet – wir kennen die Bedürfnisse der Kinder, wir verstehen, wie wichtig es ist, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden und den Raum zu schaffen, den es braucht, um sich zu entwickeln. Anstatt uns den Anforderungen eines überlasteten Systems unterzuordnen, sollten wir das System dazu bringen, sich an das Wohl der Kinder und unsere fachlichen Bedürfnisse anzupassen.

Wir müssen unsere Toleranz...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.