E-Book, Deutsch, 308 Seiten
Schneider Was Jesus heute fragen würde
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9823-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
30 Fragen an die Welt
E-Book, Deutsch, 308 Seiten
ISBN: 978-3-6957-9823-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman Schneider wurde im Düsseldorfer Elternhaus katholisch erzogen - ohne dabei jedoch eine Portion rheinischen Humor zu vernachlässigen. Als einer der ersten deutschsprachigen Autoren erstellte er eine Papst-Leo-XIV.-Biografie, kurz nachdem dieser zum Papst ernannt worden war. Seine intensive Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche offenbarte ihm Scheinheiligkeiten und einen beunruhigenden Trend: Viele Menschen sind nur noch auf dem Papier Christen, verhalten sich im wahren Leben aber oft überhaupt nicht christlich. Diese Beobachtung - die er phasenweise auch an sich selbst machte - veranlasste ihn zu diesem Werk. Nicht aus moralischer Überheblichkeit, sondern aus der ehrlichen Frage: Wenn Jesus heute hier wäre, was würde er uns fragen? Und hätten wir den Mut, ehrlich zu antworten? Schneider lebt heute mit seiner Familie im badischen Freiburg - wenn er nicht gerade in südlicheren Gefilden auf seiner Lieblingsinsel ist.
Autoren/Hrsg.
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Vorwort
Warum diese Fragen?
Es ist ein kühner Gedanke: Was würde Jesus fragen, wenn er heute unter uns leben würde? Nicht predigen, nicht verurteilen, nicht belehren – sondern . Denn genau das tat er vor zweitausend Jahren immer wieder. Seine Fragen waren keine rhetorischen Spielereien, sondern Spiegel, die den Menschen vorhielten, was sie eigentlich schon wussten, aber nicht wahrhaben wollten.
„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein", fragte er die aufgebrachte Menge, die eine Frau steinigen wollte. „Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, aber seine Seele zu verlieren?", konfrontierte er die Statusbesessenen seiner Zeit. Seine Fragen waren unbequem, weil sie präzise trafen. Sie ließen niemanden gleichgültig.
Dieses Buch ist kein theologisches Werk. Es ist keine Predigt und kein erhobener Zeigefinger. Es ist ein Versuch, die Methode Jesu auf unsere Zeit zu übertragen – eine Zeit, die sich in vielerlei Hinsicht von seiner unterscheidet und in anderen erschreckend ähnlich geblieben ist.
Wir leben in einer Welt des scheinbar unbegrenzten Informationsflusses, und doch sind wir oft verwirrt über das, was wirklich wahr ist. Wir sind vernetzter als je zuvor, und gleichzeitig epidemisch einsam. Wir haben Zugang zu mehr Ressourcen als jede Generation vor uns, während Milliarden Menschen in Armut leben. Wir reden über Nachhaltigkeit und bestellen gleichzeitig Fast Fashion im Zweistundentakt nach Hause.
Diese Widersprüche sind nicht neu. Schon zu Jesu Zeiten gab es die Frommen, die im Tempel beteten und gleichzeitig Witwen um ihr Haus betrogen. Es gab die Mächtigen, die über Recht und Unrecht sprachen und selbst das Unrecht verkörperten. Es gab die Gleichgültigen, die wegschauten, wenn Menschen am Wegrand litten.
Aber die Kulissen haben sich verändert. Die Tempel heißen heute vielleicht Amazon, Apple oder Meta. Die Pharisäer tragen Anzüge statt Tallit. Und der Samariter am Wegrand – würde er heute anhalten oder weiterscrollen?
Die Methodik hinter den Fragen
Wie sind diese dreißig Fragen entstanden? Nicht durch göttliche Eingebung, sondern durch intensive Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Überlieferung. Ich habe mich gefragt: Welche Lehren und Werte vertrat Jesus? Was empörte ihn? Was liebte er? Und dann: Wo sind diese Themen heute präsent? Wo würden seine Worte heute schmerzen, weil sie wahr sind?
Jede Frage in diesem Buch basiert auf drei Säulen:
1. Biblische Grundlage: Was lehrte Jesus tatsächlich? Nicht das, was Jahrhunderte kirchlicher Tradition daraus gemacht haben, sondern was in den Evangelien steht. Seine Gleichnisse, seine Taten, seine Prioritäten.
2. Gegenwartsbezug: Wo manifestieren sich heute die gleichen menschlichen Schwächen, Ängste und Fehler? Welche aktuellen Entwicklungen würden ihn herausfordern? Welche Systeme würde er in Frage stellen?
3. Universelle Relevanz: Die Fragen sollen nicht nur Christen ansprechen. Sie sollen jeden Menschen erreichen, der bereit ist, über sein Leben, seine Gesellschaft, seine Werte nachzudenken. Sie sind keine konfessionellen Prüfsteine, sondern menschliche Grundfragen.
Wichtig ist mir: Ich maße mir nicht an, zu wissen, was Jesus fragen würde. Niemand kann das. Aber ich glaube, dass wir anhand seiner überlieferten Lehren und Handlungen durchaus erahnen können, welche Themen ihn bewegen würden.
Kein Dogma, sondern Dialog
Dieses Buch liefert keine fertigen Antworten. Es will auch keine liefern. Jede der dreißig Fragen ist eine Einladung zum Nachdenken, zum Diskutieren, vielleicht auch zum Streiten. Die Kapitel sind bewusst so gestaltet, dass sie Raum lassen für eigene Reflexionen.
Sie werden in jedem Kapitel Fakten finden – Statistiken, wissenschaftliche Erkenntnisse, dokumentierte Entwicklungen. Denn eine Frage kann nur dann kraftvoll sein, wenn sie auf solidem Grund steht. Sie werden aber auch Interpretationen, philosophische Überlegungen und ethische Abwägungen finden. Hier mag nicht jeder meiner Einschätzung folgen. Das ist nicht nur in Ordnung – es ist gewünscht.
Am Ende jedes Kapitels finden Sie Reflexionsfragen. Diese sind gedacht für persönliche Kontemplation, aber auch für Gruppen, die gemeinsam über diese Themen sprechen möchten. Sei es in Kirchengemeinden, Lesekreisen, Bildungseinrichtungen oder am Küchentisch mit Freunden.
Für wen ist dieses Buch?
Vielleicht sind Sie Christ und suchen nach einer zeitgemäßen Auseinandersetzung mit ihrem Glauben. Vielleicht sind Sie spirituell suchend und fragen sich, was die Lehren Jesu für unsere moderne Welt bedeuten könnten. Vielleicht sind Sie Agnostiker oder Atheist und interessieren sich dennoch für ethische Fragen und gesellschaftskritische Perspektiven.
Dieses Buch ist für Sie alle gedacht.
Es setzt keinen Glauben voraus. Es verlangt keine theologische Vorbildung. Es braucht nur eines: die Bereitschaft, sich unangenehmen Fragen zu stellen. Die Ehrlichkeit, eigene Widersprüche zu erkennen. Den Mut, vielleicht etwas ändern zu wollen.
Was Sie hier nicht finden werden
Sie werden in diesem Buch keine Verherrlichung eines idealisierten, entrückten Jesus finden. Kein kitschiges Jesuskind in der Krippe, kein ätherischer Wanderprediger, der nur Liebe und Frieden verbreitet. Der Jesus der Evangelien war unbequem. Er war zornig, wenn es sein musste. Er warf Tische um. Er nannte Heuchler beim Namen. Er forderte Radikales: Feindesliebe, Besitzverzicht, bedingungslose Vergebung.
Sie werden auch keine politische Vereinnahmung finden. Jesus war weder Kapitalist noch Kommunist, weder Konservativer noch Progressiver in unserem heutigen Sinne. Jeder Versuch, ihn in moderne politische Kategorien zu pressen, wird ihm nicht gerecht. Was Sie aber finden werden, ist eine klare Tendenz: zu den Schwachen, zu den Ausgegrenzten, zu denen, die keine Stimme haben.
Und Sie werden keine einfachen Lösungen finden. Die Welt ist komplex geworden. Ein Tweet reicht nicht, um Klimawandel, soziale Ungleichheit oder digitale Entfremdung zu lösen. Aber die richtigen Fragen zu stellen, ist der erste Schritt.
Die Hoffnung dahinter
Warum sollten wir uns diese Fragen stellen? Weil sie etwas in uns verändern können. Nicht durch moralischen Druck, sondern durch Erkenntnis. Weil gute Fragen uns nicht sagen, was wir tun sollen, sondern uns zeigen, wer wir sind – und wer wir sein könnten.
Jesus fragte nicht, um zu demütigen. Er fragte, um zu befreien. Um Menschen aus ihrer selbstgerechten Erstarrung zu holen. Um ihnen zu zeigen, dass es noch einen anderen Weg gibt.
Seine Fragen hatten Hoffnung in sich. Die Hoffnung, dass Menschen sich ändern können. Dass Gesellschaften sich wandeln können. Dass das Reich Gottes – wie auch immer man das verstehen mag – nicht eine ferne Utopie ist, sondern etwas, das hier und jetzt beginnen kann.
In einer Zeit, in der Zynismus und Resignation um sich greifen, ist das vielleicht die radikalste Botschaft: Veränderung ist möglich. Nicht durch große Gesten, sondern durch ehrliche Selbstreflexion. Nicht durch perfekte Heilige, sondern durch fehlbare Menschen, die bereit sind, hinzuschauen.
Wie Sie dieses Buch lesen können
Sie können es von vorne bis hinten lesen, Kapitel für Kapitel. Sie können aber auch zu den Fragen springen, die Sie am meisten interessieren oder provozieren. Jedes Kapitel steht für sich.
Sie können es allein lesen, in der Bahn, vor dem Einschlafen, im Park. Sie können es aber auch gemeinsam lesen, darüber diskutieren, sich streiten und versöhnen.
Sie können Seiten markieren, an denen Sie hängenbleiben. Sie können im Rand schreiben, was Sie denken. Sie können es auch wütend zuklappen, wenn eine Frage zu sehr schmerzt – und am nächsten Tag wiederkommen.
Es gibt keinen richtigen Weg, dieses Buch zu nutzen. Nur Ihren.
Die erste Frage an Sie
Bevor wir zu den dreißig Fragen kommen, die Jesus an die Welt richten könnte, hier eine Frage an Sie:
Suchen Sie nach Bestätigung für das, was Sie bereits denken? Suchen Sie nach Antworten auf Fragen, die Sie schon lange begleiten? Oder sind Sie einfach neugierig, was hier steht?
Halten Sie diese Frage im Hinterkopf, während Sie weiterlesen. Denn Ihre Motivation wird prägen, was Sie mitnehmen. Und vielleicht – nur vielleicht – wird sich diese Motivation im Laufe der Lektüre verändern.
Nun lassen Sie uns beginnen.
Mit der ersten von dreißig Fragen, die unbequem, notwendig und hoffentlich lebensverändernd sein können.
Eine Frage, die uns direkt in die Mitte unserer Gesellschaft führt. Eine Frage über die, die wir täglich sehen und doch übersehen.




